ver.di zieht kritische Bilanz der »Bologna-Prozesse«
Pressemeldung ver.di:
In einer Zwischenbilanz nach zehn Jahren "Bologna-Prozess" stellt die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) aus Anlass der aktuellen Bildungsproteste fest, dass die eingeleiteten Reformen im Hochschulbereich bisher nur andeutungsweise die erwünschten Ergebnisse erbracht hätten. Gleichzeitig seien viele unerwünschte und unerwartete "Nebenwirkungen" aufgetreten. Mit dem Ziel einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen, hatten am 19. Juni 1999 in Bologna Bildungsministerinnen und -minister aus 29 europäischen Staaten die "Bologna-Erklärung" unterzeichnet.
"Für Studierende wird das Gesamtbild des Bologna-Prozesses durch Überfrachtung, Verdichtung und Prüfungsdruck bestimmt", resümierte Petra Gerstenkorn, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand. "Die Ziele von Bologna, wie Erhöhung der Mobilität, Optimierung der Durchlässigkeit und flexiblere Studiermöglichkeiten, werden ebenso nicht erreicht wie eine verbesserte Herausbildung von Fach- und Sozialkompetenz in Verbindungen mit kritischem Denken."
Der Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium sei durch scharfe Auswahl geprägt. Ob die Studienreform bisher an der unausgewogenen sozialen Zusammensetzung der Studierenden etwas geändert habe, sei zudem fraglich. Auch das Ziel der Anerkennung und Vergleichbarkeit von Leistungen sei bislang weit verfehlt worden, stellte Gerstenkorn fest. Die internationale Mobilität der Studierenden habe nicht - wie erhofft - zugenommen. Zudem habe die Studienreform in ihrer bisherigen Praxis für die Beschäftigten an den Hochschulen vor allem zu einer enormen Arbeitsverdichtung geführt.
"Der Bologna-Prozess ist fortzusetzen", sagte Gerstenkorn, "aber mit Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ziele." Dazu sei es zwingend notwendig, bei der Einführung der gestuften Studiengänge endlich auch die inhaltliche und didaktische Seite der Studienreform in Angriff zu nehmen. Der gesellschaftliche Auftrag von Bildung sei beizubehalten.
Dies bedeute unter anderem die Integration gesellschaftlicher, sozialer, ökologischer und ökonomischer sowie geschlechterbezogener Aspekte in die Studieninhalte.
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