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Liebes-Lust und -Leid in Nachkriegszeiten – Telemann-Wiederentdeckung „Emma und Eginhard“ an der Berliner Staatsoper

28.04.15 (Peter P. Pachl) -
Ihre Barockopern-Reihe hat die Berliner Staatsoper im Schiller Theater nach Philipp Telemanns „Orpheus“ und „Der geduldige Sokrates“ nun mit einer dritten Ausgrabung dieses Komponisten fortgesetzt. Durch die Akademie für Alte Musik unter René Jacobs trefflich interpretiert, und von der jungen Regisseurin Eva-Maria Höckmayr vor einem brennenden Baum als zeitübergreifende Nachkriegshandlung umgesetzt, brachte der trotz massiver Kürzungen fast vierstündige Abend einen vollen Erfolg für die erst vor gut 40 Jahren wiederentdeckte Partitur.

Selfie mit Mozart – Das Nationaltheater Weimar hat wieder eine „Zauberflöte“ im Spielplan

28.04.15 (Joachim Lange) -
Die „Zauberflöte“ hat den Ruf, eine Oper für Kinder zu sein. Für viele Opernfreunde ist dieser Dauerbrenner von Wolfgang Amadeus Mozart und Emanuel Schikaneder auch wirklich eine Einstiegsdroge. Aber eine Kinderoper? Nun ja, der mitunter drollige Lebenswitz des Vogelmenschen Papageno und seine so nachvollziehbaren menschlichen Bedürfnisse, nach Essen, Trinken und einer Papagena gehen zu Herzen. Und wenn der am Ende alles bekommt, was er sich wünscht, dann freuen sich Groß und Klein mit ihm. Und erkennen sich selbst.

Kurz-Schluss – Wie ich einmal versuchte, mit „Industrie 5.0“ die globale Ökonomie zu befördern

27.04.15 (Theo Geißler) -
Seit der Hannover-Messe ist es der Hoffnungs-Begriff unseres Welt-Wirtschafts-Systems: die digital-humane Zusammenarbeit zwischen Maschine und Mensch. Die kollegiale Kollaboration von Homo sapiens und Roboter. Gespeist vom Wissen aus einer intelligenten Cloud. Bislang mussten Industrie-Robots von Humanoiden in Distanz gehalten werden, um grobe Verletzungen zu verhindern. Ein automatischer Produktionsassistent schont dank seiner Sensorhaut, die an modische Skai-Handtaschen erinnert, die Epidermis. Der Roboter-Greifer spürt, wenn sich ein Werktätiger nähert, und hält sich stille. Ein wahrhaft sanfter Kollege, ohne fiese gewerkschaftliche Hintergedanken. [Vorabdruck aus der Politik&Kultur 3/2015]

Sonnig-spritziger Bühnen-Regen – „Singin’ in the Rain“ am Münchner Gärtnerplatztheater

25.04.15 (Wolf-Dieter Peter) -
Okay, Gene Kellys Regen-Tanz-Nummer und Donald O’Connors „Make ’Em Laugh“-Artistik sind seit 1952 unwiederholbare Solitäre des Musicalfilms und machen „Singin’ in the Rain“ zum besten Tanzfilm neben „West Side Story“. Doch jeder eingehend interessierte Freund des Tanzfilms weiß um die x-fache Wiederholung bei der Aufzeichnung, um raffinierte Schnitte, wirkungssteigernde Kamerawechsel, ja um die langsamere Aufzeichnung und das beschleunigte Hineinkopieren von „Fit as a Fiddle“ und das Nachsynchronisieren des Step-Tanz-Geklackers – während auf der Theaterbühne einzig das „Hier und Jetzt“ gilt.

++ contrapunkt 43 ++ Was hat die Welt mit mir gemacht?

23.04.15 (contrapunkt) -
Über die Jahre hinweg haben wir uns in contrapunkt mit Ländern beschäftigt, indem wir mit Komponisten ins Gespräch gekommen sind, die dort leben oder dort gearbeitet haben. Für eine Sendung tanzen wir aus der Reihe, drehen den Spieß um und fragen Komponisten, die sich aus professionellen Gründen im Ausland aufgehalten haben, was diese Aufenthalte mit ihnen gemacht haben. Dabei hat das Tradition: Schon im 18. Jahrhundert schickten Regenten ihre Musiker ins Ausland, um so frischen Wind in die Musik am eigenen Hof zu bringen.

Ein großes Missverständnis – Ernst Kreneks „Tarquin“ in der Werkstatt der Staatsoper Berlin

22.04.15 (Peter P. Pachl) -
Die Staatsoper Berlin im Schillertheater, die in ihrer Werkstatt-Reihe mit Opern des 20. und 21. Jahrhunderts im Vorjahr Ernst Kreneks „Vertrauenssache“ herausgebracht hat, versuchte sich nun in der Revitalisierung von dessen Kammeroper „Tarquin“ aus dem Jahre 1940. Das als Pendant zu Chaplins „Großer Diktator“, Lubitschs „Sein oder Nichtsein“ und Brechts „Arturo Ui“ angekündigte Werk, mit „eine[r] grimmige[n] Karikatur Adolf Hitlers“ erweist sich als großes Missverständnis: ein verquastes, langatmiges Libretto mit wenig inspirierter Zwölftonmusik, szenisch langweilig umgesetzt.

Besungene Balletthandlung mit kurzweiligen Tanztheater-Einsprengseln – Berlioz‘ „Roméo et Juliette“ an der Deutschen Oper Berlin

22.04.15 (Peter P. Pachl) -
Glück im Unglück: das den drei Opernhäusern gemeinsame Staatsballett streikt derzeit, aber an der Deutschen Oper Ballett konnte gleichwohl eine Ballett-Premiere stattfinden, denn für Regie und Choreographie zeichnete Sasha Waltz verantwortlich, und es tanzte die aus dem Hauptstadtkulturfonds und der Kulturverwaltung des Landes Berlin geförderte Kompanie Sasha Waltz & Guests.

Hamburger Theaterakademie vor dem Aus? Ein Notquartier wird zum Status Quo

21.04.15 (nmz-red) -
Die über 40 Jahre alte Theaterakademie in Hamburg verharrt in einer erheblichen räumlichen Schieflage, meinen Studierende der Studiengänge „Regie Musiktheater“ und „Dramaturgie Musiktheater“ an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Seit über drei Jahren zieht sich nun die Misere um die mehr als widrigen Bedingungen hin, so dass sich die Studierenden gezwungen sehen, an die Öffentlichkeit gehen. Ihr offener Brief im Wortlaut:

Fidelios enttäuschter Blick auf die Vergangenheit – Beethovens Freiheitsoper im Theater Hagen

Zu Beginn der Ouvertüre sitzt eine ältere Dame auf der Bühne in nachdenklicher Pose. Ihr introvertierter Blick geht nach innen, richtet sich auf die Vergangenheit. Erinnerungen werden wach. Es sind die Geschehnisse von einst, als Leonore alias Fidelio einen Gefangenen vor dem sicheren Tod im Kerker des Despoten Don Pizarro gerettet hat. Die ältere Dame ist diese Leonore. Und mit ihr beginnt die Inszenierung von Beethovens Freiheits-Oper am Theater Hagen.

Auf einem hohen Berg von Leichen – Arnold Schönbergs „Moses und Aron“ an der Komischen Oper Berlin

20.04.15 (Peter P. Pachl) -
Nach den beiden anderen Opernhäusern in Berlin hat auch die Komische Oper Schönbergs unvollendetes, erst 1957 uraufgeführtes zwölftöniges Bekenntnisdrama „Moses und Aron“ herausgebracht. Mit einem Mammutaufgebot an 200 Choristen und fast ebenso vielen Dummies inszenierte Hausherr Barrie Kosky zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz die Suche nach wahrem Glauben und Heimat. Ein widerspruchslos aufgenommener, aber nicht unproblematischer Premierenabend.

Leuchtende Liebe auf der Fernsehcouch: „Siegfried“ als kurzweilige Farce am Staatstheater Nürnberg

20.04.15 (Juan Martin Koch) -
Die Deutung des dritten Teils von Wagners Ring-Tetralogie als heiteres Intermezzo, quasi als Scherzo einer riesenhaften Vokalsymphonie, ist schneller herbeigeredet denn szenisch eingelöst. Regisseur Georg Schmiedleitner hat mit seinem Nürnberger „Siegfried“ für eine solche Deutung nun viel in die Waagschale geworfen: mit einigem Erfolg, jedoch nicht ohne Kollateralschäden.

Temperamente: Carl Nielsen umrahmt Uraufführungen von Nicolaou und Svoboda in Cottbus

19.04.15 (Michael Ernst) -
Sinfoniekonzerte mit Uraufführung? Für die meisten Orchester ein Wagnis. Das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus brachte in seinem vorletzten Konzert der Saison gleich zwei neue Werke heraus! „Wechselströme“ von Vassos Nicolaou und ein Tripelkonzert für Trompete, Posaune, Tuba und Orchester von Mike Svoboda.

Hollywoodeske Rollenspiele – Mozarts „Gärtnerin aus Liebe“ reist aus Augsburg direkt in die Traumfabrik von LA

19.04.15 (Wolf-Dieter Peter) -
„Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“ fragt nicht erst ein aktueller Buchtitel: wann immer sich Egozentrismus blütenreich, eitel, dummdreist oder manisch austoben darf, finden sich Rollenspiele und Selbstinszenierung. Das war so in der Adelswelt des 18.Jahrhunderts und findet sich derzeit in der Pop-Szene – noch mehr in und um Hollywoods Traumfabriken.

Ein Protest gegen Flüchtlingsnot – „Die Neunte Welle“ von Stefan Winter

Angesichts der Flüchtlingstragödien auf dem Weg zur Insel Lampedusa im Mittelmeer, möchte Stefan Winter, Gründer und Leiter des Musiklabels Winter & Winter, in München auf dem Max-Joseph-Platz ein Wohngebäude als Klang- und Videoinstallation bauen.

„Musik-Gordi“ 2015 geht an Mathias Brodkorb

15.04.15 (dmr-pm) -
Im Rahmen der Internationalen Musikmesse in Frankfurt am Main wurde heute Nachmittag der diesjährige Gewinner des „Musik-Gordi“ bekannt gegeben. Mathias Brodkorb, Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern, erhält in diesem Jahr den gordischen Knoten des Musiklebens, der von dem Magazin Musikforum gemeinsam mit der neuen musikzeitung ins Leben gerufen wurde. Zum ersten Mal konnte jeder an der Abstimmung über das Internet teilnehmen.

Das Lied der Freiheit wagen – Der heidelberger frühling sucht die musikalische Veränderung

14.04.15 (Christian Kröber) -
Unter dem Motto „freiheit wagen“ präsentiert sich das internationale musikfestival heidelberger frühling nunmehr zum 19. Mal der musikinteressierten Öffentlichkeit. Nach der Notwendigkeit eines Themas für sein Festival gefragt, antwortet Intendant Thorsten Schmidt mit seinem Selbstverständnis von Festivalkultur.

Wo Siggi das Fürchten lernt: Oper Leipzig zeigt kindischen „Siegfried“

14.04.15 (Michael Ernst) -
Wagner-Opern und Tanz, das ist so ähnlich wie Meyerbeer ohne Ballett-Akt. Der teutonisch tönende Meister hat derartige Einlagen – vielleicht wegen des ungeliebten Vorbilds? – einfach nicht gemocht. Schon gar nicht im „Ring“. Leipzigs „Siegfried“ setzt konsequent auf Tanztheater. Man fragt nicht, warum.

Hübsch daneben – Marc Minkowski dirigiert, Felix Breisach inszeniert „Le nozze di Figaro“ im Theater an der Wien

12.04.15 (Frieder Reininghaus) -
Stücke wie der „Figaro“ gelten nach fünf Jahrzehnten „Regietheater“ als ausgereizt: Die Möglichkeiten der Politisierung, Sexualisierung, Dekonstruktion, Ironisierung oder Veralberung sind im Wesentlichen durchgespielt. Felix Breisach, ein Routinier auf dem Feld der Fernsehdokumentationen und der TV-Portraits prominenter Musiker (wie Boulez, Harnoncourt oder Hampson), hat im Theater an der Wien bereits die halbszenische Einstudierung der von Nikolaus Harnoncourt zelebrierten Da Ponte/Mozart Trilogie betreut.

Reise auf den Mond mit Überraschungen – Das TheaterJugendOrchester in Münster mit einer Uraufführung

Basisarbeit mit Kindern und Jugendlichen, die sich für alles rund ums Musiktheater begeistern – und dies an einer professionellen Bühne im „ganz normalen“ laufenden Spielbetrieb: das ist das Konzept, mit dem das TheaterJugendOrchester-Projekt (kurz: TJO) in Münster seit 15 Jahren regelmäßig Neugier weckt. In der aktuellen Produktion sind nicht weniger als 33 Schauspieler und 47 Orchestermusiker aktiv. Von Februar an wurde eifrig geprobt und jetzt zum Schluss jeder Tag der Oster-Schulferien investiert, um ein Projekt ganz besonderer Art zu realisieren: das Mondraketenmassaker!

Larmoyante und skurrile Klänge für „Horch und Guck“ – Opernuraufführungen von Robert Krampe, Mischa Tangian und Elisa Quarello

12.04.15 (Peter P. Pachl) -
Zum zweiten Mal war ein Kompositionswettbewerb der Deutschen Oper Berlin in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Hanns Eisler ausgeschrieben worden. Drei junge Komponisten entwickelten gemeinsam mit drei jungen Librettisten, Absolventen des Studienganges „Szenisches Schreiben“ an der Universität der Künste, drei Opern zum Thema der menschlichen Folgen von Spionage in der geteilten Stadt.

taktlos 180 – die Nachrichten aus der Welt des Wahren, Schönen und Guten

10.04.15 (Adrian Schmidt) -
Lena Meyer-Landrut macht jetzt klassische Musik +++ Wolfgang Rihm eröffnet Streaming Plattform +++ Kalifat Meck-Pomm feuert Blasphemiker Sewan Latchinian +++ Fussball verliert an Relevanz

Ankündigung: taktlos 180 – Multimedial auf allen Kanälen – und wo bleibt die Musik?

08.04.15 (nmz taktlos) -
Am 9. April auf BR-KLASSIK um 21:05, live: Die neueste Ausgabe von „taktlos“, dem Musikmagazin des Bayerischen Rundfunks und der neuen musikzeitung, moderiert von Theo Geißler und mitgestaltet von Studierenden des LernRadio Karlsruhe. Knapp eine Stunde geht es zum Thema: Multimedial auf allen Kanälen – und wo bleibt die Musik? – Live aus dem Studio 4 des Bayerischen Rundfunks in München on Air, per Antenne, Kabel, Satellit oder Internet.

Gedämpfte Gewalt, gewaltige Musik – Verdis „Macbeth“ in Amsterdam

06.04.15 (Frieder Reininghaus) -
Frieder Reininghaus hat sich Verdis „Macbeth“ an der Niederländischen Nationaloper in Amsterdam angesehen. Eine nicht ganz entschlossene Inszenierung von Andrea Breth, die die „konservativen Erwartungen an gediegene Theaterproduktionen“ erfülle; herausragend, neben dem Chor der Niederländischen Nationaloper, das Dirigat von Marc Albrecht, den unser Kritiker als Nachfolger der Kapelle der Deutschen Bank in Berlin ins Gespräch empfiehlt.

Auf dem Rechtsweg verloren – Deutsche Erstaufführung von Philip Glass’ Kammeroper „Der Prozess“ am Theater Magdeburg

03.04.15 (Joachim Lange) -
Es ist eine pfiffige Marketingidee dieses Kombiticket für drei Werke der Moderne, zu der sich die Opernhäuser in Chemnitz, Halle und Magdeburg da zusammen getan haben. Wer in Chemnitz „Paradise reloaded“ von Peter Eötvös, in Halle Hans Werner Henzes „Phaedra“ und in Magdeburg die Philip Glass Kammeroper „Der Prozess“ besucht, der bekommt die jeweils anderen beiden, wenn er interessiert, auf den Geschmack gekommen und reiselustig ist, die jeweils anderen beiden Stücke zum halben Preis. Ob das funktioniert, wird man sehen – die Idee jedenfalls hat Charme.

Verismo-Opern in schwarzen, weißen und ganz bunten Tönen – Osterfestspiele in Salzburg

03.04.15 (Michael Ernst) -
Die Osterfestspiele Salzburg strecken sich dieses Jahr weit in den Süden und holen eine nur scheinbar ferne Vergangenheit aus Sizilien auf die Bühne des Großen Festspielhauses. Dort gab es am zum Auftakt die Doppelpremiere „Cavalleria rusticana“ von Pietro Mascagni und „Pagliacci“ (Der Bajazzo) von Ruggero Leoncavallo. Zu schade, dass es hier Usus ist, alle Produktionen und Konzerte nur zweimal aufzuführen. Das Operndoppel hätte das Zeug zum Publikumsrenner. In Salzburg ist es auch für den Ostermontag restlos ausverkauft.
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