nmz-Online

Auf dieser Seite finden Sie alle Artikel, die ausschließlich online und in keiner Print-Ausgabe erschienen sind. Sie können die Online-Artikel per RSS abonnieren.

Deutsche Erstaufführung des ‚World Requiem’ von John Foulds in Wetzlar – Transzendente Botschaft des Weltfriedens

22.11.14 (Christoph Schlüren) -
Der Name John Foulds (1880-1939) ist bis heute selbst ausgewiesenen Kennern kaum ein Begriff. Dies ist rein künstlerisch kaum begreiflich, war er doch nicht nur der visionärste und unabhängigste Geist unter den englischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, sondern auch ein handwerklich herausragender Meister, dessen Sprache den Hörer auch ohne jegliche Vorkenntnisse unmittelbar erreicht. Doch erging es ihm in London zwischen den Kriegen ungefähr so, wie dem späten Franz Schubert in Wien. Viele seiner ambitioniertesten Werke kannte kein Mensch, sie wurden erst ein halbes Jahrhundert nach seinem Tode ausgegraben und aufgeführt.

LaTriviata – improvisiertes Musiktheater aus München: eine Veroperung im Künstlerhaus

22.11.14 (Wolf Loeckle) -
Wer hat schon jemals eine Oper auf ein Libretto aus der Springer-BILD erlebt, einen direkt und live und spontan vom Publikum im Saal erwählten Text, musikalisiert als frei improvisierten Mix aus Puccini, Kurt Weill, Donizetti, Verdi, Alban Berg, wer ist dabei mozärtlich und Neue Musik verhöhnend, mit der Warnung konfrontiert worden, „wenn jemand auf mein Grundstück kommt, dann knallts“?

Sonderkonzert „Auf Wiederhören“ mit Verleihung des Schneider-Schott-Preises an Carolin Widmann

19.11.14 (Andreas Hauff) -
Ob es eine gute Idee war, das neue Mainzer Konzert-Format „Auf Wiederhören“ mit der Verleihung des Schneider-Schott-Musikpreises an Carolin Widmann zu verbinden, darüber kann man geteilter Meinung sein. Eines aber steht fest: Das magische Dreieck, von dem Laudator Harald Eggebrecht sprach, war im Kleinen Haus des Mainzer Staatstheaters den ganzen Abend über intensiv zu spüren.

Unsere Klassik-Seele zwischen Balsam und Schrecksekunde – Ein Kulturpolitisches Forum von WDR 3 diskutierte die „gesellschaftliche Relevanz“ der klassischen Musik

19.11.14 (Georg Beck) -
6 Prozent gehen regelmäßig ins Konzert. 2 Prozent hören WDR 3. Soweit die Fakten wie sie eine Podiumsdiskussion bei den Tagen Alter Musik in Herne für belastbar erklärte. Nur, was bedeuten sie, die Zahlen und „Fakten“? Was sagen sie über eine Welt knapp über respektive deutlich unter 5 Prozent? Grund, um Alarm zu schlagen? Oder ist alles nur halb so schlimm? Das Podium jedenfalls war sich unsicher. Und hat so manche andere Fragen unter den Tisch fallen lassen.

Statt Kürzungen gibt es Zumutungen – Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer spricht Klartext

18.11.14 (Andreas Kolb) -
Einige erfreuliche Nachrichten, aber auch „Zumutungen“ hatte die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) zur Abschlussveranstaltung „Zukunftskonferenz Musikhochschule“ in die Musikhochschule Stuttgart mitgebracht. Seit Anfang des Jahres war in fünf Konferenzen um die Neustrukturierung der fünf baden-württembergischen Hochschulen gerungen worden.

Durch die Brille Verdis – Schillers bürgerliches Trauerspiel „Luisa Miller“ mit der Musik von Verdi an der Staatsoper Hamburg

18.11.14 (Ute Schalz-Laurenze) -
Vor 33 Jahren wurde an der Staatsoper Hamburg die Hamburger Erstaufführung von Giuseppe Verdis „Luisa Miller“ in einer denkwürdigen Besetzung gespielt: Giuseppe Sinopoli dirigierte und Ruggiero Raimondi, José Carreras, Leo Nucci, Katia Riciarelli und Marjana Lipovsek sangen in einer umstrittenen Inszenierung von Luciano Damiani. Alles Namen, die noch heute im Kopf jeden Opernfreundes sind.

Exotischer Opern-Doppelschlag – „Chowanschtschina“ und Perlenfischer in Wien

18.11.14 (Frieder Reininghaus) -
Das üppige Blond in Parkett und Logen spricht russisch. Reich behangen die Ohren und Hälse vieler Premieren-Damen, gediegen bis lässig die Anzüge ihrer Herren. Ja, da sitzt Geld (wie auch immer zusammen- und hierhergekommen). Gelegentlich zeigt sich eine ausschweifende Tätowierung dort, wo das Fleisch seine unmittelbare Geltung erheischt. Das meiste aber kommt, um es mit den Kategorien von Thomas Manns „Zauberberg“ zu definieren, vom „guten Russentisch“.

Hochofen neuen Typs im Vorführbetrieb – Das Essener E-MEX-Ensemble befeuert eine Video-Oper von Fausto Romitelli

17.11.14 (Georg Beck) -
Körper mit kritischer Masse haben die Wahl. Im Sog ihrer Schwerkraft kollabieren, dank übergroßer Fliehkraft explodieren. Oder die Balance halten wie „An index of metals“. Im erstarkten Essener Neue Musik-Festival „NOW!“ war die Video-Oper des 2004 verstorbenen italienischen Komponisten Fausto Romitelli ein Höhepunkt. Ersteindrücke als Laborbericht.

Brittens „Die Schändung der Lucretia“ als koproduzierte Neuinszenierung der Deutschen Oper im Haus der Berliner Festspiele

17.11.14 (Peter P. Pachl) -
Die nur einen Tag auseinander liegende Abfolge von Berliner Britten-Premieren, ein Jahr nach dem 100. Geburtstag des im Jahre 1976 verstorbenen Komponisten, hat die Staatsoper mit „The Turn of the Screw“ mit knappem Vorsprung gewonnen. Nur einen Tag zuvor erfolgte die Premiere der Deutschen Oper Berlin mit „Die Schändung der Lucretia“, ebenfalls in englischer Originalsprache.

Im Labor der Leidenschaften – Hans Neuenfels inszeniert erstmals Puccini in München

16.11.14 (Wolf-Dieter Peter) -
Eigentlich sollte es ein schöner Abend werden – wie die vorher, als Bumbry-Corelli in „Carmen“ sangen und Scotto-Bergonzi in „Traviata“… und dann neben dem jungen Tenorstar diese „alt“ aussehende Manon Lescaut. Für den Schlussakt in Louisianas Sandwüste waren große Planen über das Arena-Halbrund gezogen, Manon wankte herein – und nach wenigen Minuten erstarrten die 18.000 in der Arena di Verona.

Als wär’s ein Film von Stephen King – „The Turn of the Screw“ in der Inszenierung von Claus Guth an der Berliner Staatsoper

16.11.14 (Peter P. Pachl) -
Die im September 1954 am Teatro la Fenice uraufgeführte Oper von Benjamin Britten hat sich den Zauber ihres Geheimnisses bewahrt. 60 Jahre später, in der Berliner Staatsoper im Schiller-Theater, vermag der Opern-Psychokrimi mit dem kaum übersetzbaren Titel den Zuschauer immer noch in Atem zu halten.

Armin Köhler verstorben

16.11.14 (Armin Köhler) -
Letzte Nacht verstarb Armin Köhler nach langer, schwerer Krankheit. Seit 1992 war Armin Köhler Redaktionsleiter Neue Musik beim SWR und dort unter anderem verantwortlich für die Donaueschinger Musiktage und die Konzertreihe „ARS Nova“. Aus diesem traurigen Anlass wiederholen wir hier eines seiner letzten Gespräche, das Köhler mit nmz-Herausgeber Theo Geißler führte.
Ein ausführlicher Nachruf in der nmz folgt.

Eher Erinnerung als Wiederbelebung – Gavin Bryars „Lauda“ in Münchens St.Michaelskirche uraufgeführt

15.11.14 (Wolf-Dieter Peter) -
Nicht immer war die katholische Kirche „unterhaltungsfeindlich“. Schon in den großen Auseinandersetzungen des 12.Jahrhunderts zwischen Papst und Kaiser, den ersten Armutsorden und –bewegungen, erst recht im Zuge der Gegenreformation wurde für den Kirchenbesuch öffentlich „geworben“: mit Musik, Tanz, Gesang vor der Kirche, wo „laudesi“ die Menschen zum Kirchenbesuch anlocken und animieren wollten.

Versöhnt euch denn ihr Brüder – „Abraham – eine Oper von heute“ beim düsseldorf festival! uraufgeführt

15.11.14 (Georg Beck) -
Oper und Kirche, Oper in der Kirche. Das Spiel mit dem Schein an einem Ort, wo er nicht vorgesehen ist? Geht und darf, sagt die Praxis. Auch in Düsseldorf. Dort sind die Bedingungen sogar derart günstig, dass die Liaison eine bemerkenswerte Weiterung erfahren hat: Oper durch Kirche.

Preis der Deutschen Schallplattenkritik: die Bestenliste 4/2014 ist erschienen

13.11.14 (PM) -
Der Preis der deutschen Schallplattenkritik (PdSK) hat seine neue Vierteljahresliste vorgestellt. 140 Juroren haben in 29 Kategorien die Neuveröffentlichungen auf dem Ton- und Bildtonträgermarkt aus dem dritten Quartal 2014 geprüft und 227 Titel für die Longlist nominiert. 28 Titel davon schafften es auf die Bestenliste. Der Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V. ist ein unabhängiger Zusammenschluss von deutschsprachigen Kritikern.

„The Art of Improvisation“ – Freiheit und Mystik: Persische Musik mit Hossein Alizadeh

13.11.14 (Arash Alborz) -
7. November, Köln, ein persisches Konzert: „The Art of Improvisation“, mit Unterstützung des Diwan-Vereins für deutsch-iranische Begegnung. Hossein Alizadeh spielt Tār und Setār, Saba Alizadeh und Behnam Samani spielen Kamāncheh und Tombak. Der berühmte Tār- und Setār-Spieler Alizadeh ist bekannt als innovativer Komponist für neue Ensembles und eleganten Satz für iranische Instrumente. In der persischen klassischen Musik ist er auch sehr beliebt für seine Improvisationen. Und dieses Mal führte der Meister der persischen Improvisationskunst mit zwei anderen Musikern eine exzellente improvisatorische Musik im belgischen Haus auf.

++ contrapunkt ++ Dialog der Kulturen - „Ägypten – im Umbruch“ – 13.11. / 19:30 bis 22:00 Uhr

13.11.14 (PM) -
Es ist schwierig zu beurteilen, wo Ägypten heute steht: Die Euphorie, die Ägyptens Revolution 2011 beflügelte, ist längst verflogen und einer gründlichen Ernüchterung gewichen. Es scheint sich ein Bedürfnis nach geordneten Verhältnissen und Normalität durchzusetzen. Bei allem, was fragil ist, eines aber ist erreicht: es gibt eine Öffentlichkeit, es gibt den Mut, sich öffentlich zu äußern, und das lässt sich schwerlich auf die Zustände vor der Revolution zurückschrauben. Die Erfahrung der Macht der Bürger ist seither unhintergehbar.

Verschiedenheit im Einheitlichen: Mozarts letzte Symphonien mit Harnoncourt, Brüggen und Haenchen

12.11.14 (Hanspeter Krellmann) -
Mozarts drei letzte Sinfonien in vereinheitlichendem Sinn als Gruppe zu erkennen (und dementsprechend zu werten), ist als Betrachtungsaspekt nicht neu. Allein auf Grund ihrer Entstehung in der unfassbar kurzen Zeit von drei Sommermonaten 1788 erscheinen die drei Kompositionen als geschlossener Komplex, und sie sind es ebenso in struktureller Hinsicht.

Posaune mit »fast digitalem« Klang - Am 9. November 1989 begann die Karriere von Günter Heinz

12.11.14 (Mathias Bäumel) -
9. November 1989. Ein kleines Jazzfestival in Berlin, im Filmtheater »Babylon«, nur wenige hundert Meter von der Berliner Mauer entfernt. Günter Heinz hat sein erstes Jazzkonzert mit einer eigenen, von ihm selbst geleiteten Band (»Günter Heinz Quartett«) . »In jener Nacht trafen sich Vorgesehenes und Unvorhersehbares, persönlicher Erfolg und Geschehen von Weltgeschichte«, erinnert sich Günter Heinz.

taktlos 176 – Die Nachrichten aus der Welt des Wahren, Schönen und Guten

11.11.14 (thg) -
Nachrichten aus der taktlos-Radaktion. München: Helene Fischer springt für Anna Netrebko ein +++ Bayreuth: Isoldes Saxophonstimme +++ München: Heino erhält Karl-Valentin-Orden +++ Berlin: Angela Merkel nimmt Schalmei-Unterricht +++ Brüssel/Paris: Geschichte der Entwicklung des Saxophons muss neu geschrieben werden

Schreckenskabinett der Jahrhunderte – Richard Strauss‘ Einakter „Friedenstag“ am Pfalztheater Kaiserslautern

11.11.14 (Andreas Hauff) -
Schon bald nach dem Mauerfall vor 25 Jahren hat – leider – das Thema „Krieg“ in der europäischen Politik wieder Einzug gehalten. Auf der Opernbühne hat es länger gedauert, doch inzwischen staunt man, wie findige Regisseure an unerwarteter Stelle einer Repertoire-Oper Maschinengewehre und Sprengstoffgürtel einbringen. Dagegen machen die Theater um ein Stück wie Richard Strauss‘ „Friedenstag“, das die Problematik tatsächlich offen thematisiert, einen großen Bogen. Nicht so das Pfalztheater in Kaiserslautern, vor dessen mutiger Spielplanpolitik sich ohnehin manch größeres Haus verstecken kann.

Beglückend federnd und mitreißend – In Erfurt ist die neue „Entführung aus dem Serail“ ein beklemmendes Gegenwartsstück mit musikalischem Glanz

11.11.14 (Joachim Lange) -
Der Erfurter Intendant Guy Montavon macht seinen Job seit der Eröffnung des neuen Opernhauses gut. Mit dem eisernen Festhalten an dem Versprechen, jedes Jahr eine Uraufführung herauszubringen und regelmäßig auch etwas auf dem Sektor Ausgrabungen anzubieten, macht er ihn sogar sehr gut. Dass das weder im einen noch im anderen Fall immer ein Reißer wird, liegt in der Natur der Sache. Manchmal hat die Vergesslichkeit der Rezeptionsgeschichte auch ihre guten Gründe.

Ohne Verlegenheiten – Bizets Carmen am Anhaltischen Theater in Dessau in der Inszenierung von Jana Eimer

10.11.14 (Joachim Lange) -
Eigentlich ist Bizets „Carmen“ ein Selbstläufer. Man kann bei der Geschichte von der leidenschaftlichen Frau, deren Credo es ist, vor allem frei zu sein, eigentlich nicht allzu viel falsch machen. Man kann aber einiges besonders gut und richtig machen. So wie Jana Eimer jetzt in Dessau.

Strauss schwappt von Salzburg nach Sachsen – Richard Strauss‘ „Arabella“ an der Semperoper Dresden

09.11.14 (Michael Ernst) -
Seit die Sächsische Staatskapelle das Orchester der Osterfestspiele Salzburg ist, sind die dortigen Opern Koproduktionen mit der Semperoper Dresden. Das „Parsifal“-Debüt von 2013 scheint aus guten Gründen vergessen zu sein, aber die diesjährige „Arabella“ wurde nun glanzvoll an die Elbe gesetzt.

Janácek und Poulenc ineinander verschränkt, am Ende gleichzeitig – „Tagebuch eines Verschollenen“ und „La Voix humaine“ in der Werkstatt der Berliner Staatsoper

09.11.14 (Peter P. Pachl) -
So neu ist der Versuch, zwei musikdramatische Themenbereiche musikalisch miteinander zu verweben, nicht: der Praxis der Intermedien im barocken Theater folgte das Denkspiel einer quasi gleichzeitigen Aufführung von Tragödie und Komödie in Hofmannsthals „Ariadne auf Naxos“, von Richard Strauss als dem Komponisten beider Fachbereiche interpolierend umgesetzt. Eine Steigerung erfolgte durch die in die Uraufführung von Szenen aus Ernst Theodor Amadeus Hoffmanns Oper „Liebe und Eifersucht“ integrierten Szenenblöcke aus Judith Weirs Hoffmann-Oper „Heaven Ablaze in His Breast“, 2002 auf dem Flaggenhof der Plassenburg in Kulmbach durch das Ensemble des pianopianissimo-musiktheaters, vom Publikum durch das erforderliche, geschärfte jeweilige Umhören auf Musikstile aus zwei Jahrhunderten als besonders spannend rezipiert.
Inhalt abgleichen