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„In die Herzen gespielt“ – Die Sächsische Staatskapelle bei den Osterfestspielen in Salzburg

21.04.14 (Michael Ernst) -
Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen. Gut vierzig Jahre lang haben sich das die Berliner Philharmoniker regelmäßig zu Ostern geleistet, seit 1967 ihr damaliger Chef Herbert von Karajan die Osterfestspiele Salzburg ins Leben rief. Nun arbeiten sie dort, wo andere kuren und zocken. In Baden-Baden. Salzburg ist seit vorigem Jahr fest in Händen von Christian Thielemann und der Sächsischen Staatskapelle. Eine Bilanz.

Ansteckendes Gähnen – Glucks „Merlins Insel oder Die verkehrte Welt“ im Schlosstheater Rheinsberg

20.04.14 (Peter P. Pachl) -
Dass eine selten gespielte Oper Christoph Willibald Glucks zum 300. Geburtstag des bayerischen Komponisten in Rheinsberg zur Aufführung kommt, nimmt Bezug auf die dortige Theatergeschichte: im Gegensatz zur Berliner Hofoper, wo König Friedrich II. Glucks Opern als zu neuartig ablehnte, wurden diese im Schlosstheater Rheinsberg von Prinz Heinrichs Hofkapellmeister Johann Abraham Peter Schulz bevorzugt gespielt.

Mister Tagesschau: „Musik hört nie auf!!“ – Michael Ernst im Gespräch mit Henning Lohner über die neue Tagesschau-Musik

19.04.14 (Michael Ernst) -
Nur, wer sich ändert, bleibt sich treu. Gilt das auch für die Tagesschau? Die bekannteste deutsche Nachrichtensendung ist so alt wie ihr Durchschnittspublikum, genau 61 Jahre. An diesem Samstag startet sie mal wieder frisch gekurt, aus einem neuen, 23,8 Millionen Euro teuren Studio – und mit neuer Musik. Die hat der Filmkomponist Henning Lohner schneidern dürfen, Michael Ernst sprach mit ihm über dieses Projekt.

Zum Beispiel Zahnbürste in C – Oliver Sacks’ „Musicophilia“ im Radialsystem Berlin

19.04.14 (Peter P. Pachl) -
Gemeinsam mit dem Autor Norbert Niemann und dem Komponisten Steffen Wick erarbeitete Axel Tangerding die musiktheatrale Fassung eines Buches des Bestseller-Autors Oliver Sacks’ , dessen „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ auch schon fürs Musiktheater adaptiert worden ist.

Harmonie der Wald- und Wasser-Welt – Uraufführung der Konzertinstallation „Im Wald | Under the trees“ im Berliner Konzerthaus

15.04.14 (Peter P. Pachl) -
Zwischenrufe „Aufhören!“ und aggressives Türenschlagen sind selten geworden bei Musica-Viva Konzerten. Sie waren im großen Saal des Konzerthauses zu erleben beim Abschluss- und-dann-doch-nicht-Abschluss Stück eines Abends mit acht Studien über animierte Stillleben und Musik, realisiert vom Ensemble Resonanz und dem Experimentalstudio des SWR, in der Regie des Filmers Uli Aumüller.

Doppel-Spitze – Das Bayerische Staatsballet und seine Ballettfestwoche 2014

15.04.14 (Wolf Loeckle) -
Drei Choreographen, ein Stück, circa zehn musikalische Varianten von Piano solo bis Synthesizer, vom Sinfonieorchester bis zur Gitarre, ein Komponist, um die zehn Bearbeiter: Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgsky. Und eine unter dem Druck von Bachelor (BA) und Master (MA) stehende Compagnie, das Bayerische Staatsballett II (Junior Company).

Warum nicht auch mal touren? – STATIONEN: Ein Schul- und Konzertprojekt neuer Musik aus NRW

14.04.14 (Georg Beck) -
Mit neuer Musik auf Tournee gehen? Eine schöne Idee. Nur eben: Leider nicht realisierbar, weil kaum kommunizierbar. Ein „Arbeitskreis Neue Musik im Landesmusikrat NRW“ hat es trotzdem probiert. Hat zehn Musiker aus zehn der neuen Musik verpflichteten Gesellschaften binnen vier Wochen in zehn Städten auftreten lassen. Ergebnis: Die Nische lebt. Nicht einmal schlecht. Zumal wenn sie im Rheinland eingerichtet wird. Ein Erfahrungsbericht von Station 10.

Nostalgische Leberkäs- und Weißwursthölle – Andreas Homoki inszeniert Wagners „Lohengrin“ an der Wiener Staatsoper

14.04.14 (Frieder Reininghaus) -
Will ein Intendant eines der maßgeblichen europäischen Opernhäuser einen in seiner Liga spielenden Kollegen zu einer Gastinszenierung einladen, ist die Auswahl nicht mehr allzu groß. Die meisten Kapitäne der großen Musiktheaterdampfer sind mehr oder minder begnadete Verwaltungsprofis – in Wien wie in Paris, Brüssel, London, Madrid oder an der Deutschen Oper Berlin, aber auch in den Container-Transportern von Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Essen, Hannover, Karlsruhe oder Antwerpen (Simone Young in Hamburg ist zugleich GMD und Intendantin, mithin eine wirkliche Ausnahme).

Zur ausklingenden Fastenzeit: Passionsmusik von Carlo Gesualdo, Heinrich Schütz und Johann Joseph Fux auf CD

14.04.14 (Mátyás Kiss) -
Gesualdos Beiträge zur Liturgie der Karwoche, genauer: den sogenannten Tenebrae, also den in fast völliger Dunkelheit gefeierten Morgen- bzw. Abendandachten, bestehen aus jeweils neun Responsorien für den Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag.

Unschuld und Mitleid – Der Landtag Baden-Württemberg diskutierte erneut die Fusion der SWR-Orchester

14.04.14 (Martin Hufner) -
Der Landtag Baden-Württemberg debattierte erneut über die Zukunft der SWR-Orchester unter Tagesordnungspunkt 8, am 10. April 2014 in seiner 96. Sitzung. Und wieder mit sinnlosem Ergebnis. Durch die Fraktionen hindurch sehe man die Bedeutung der SWR-Orchester, aber ändern an der Fusion lasse sich nichts. Grünen-Abgeordneter Manfred Kern sagte, „der Wagen sei aufs Gleis gesetzt.“ Schuld an der Fusion der Orchester ist zwar nicht der Bossa Nova, sondern die Entscheidung des Rundfunkrates. Diese habe man zu respektieren. Die Politik habe sich da nicht einzumischen. Es sind Krokodilsworte, die fallen, in dieser Sitzung.

Zwei Schwestern Oder: Arabella und Zdenka – Strauss bei den Osterfestspielen Salzburg

13.04.14 (Michael Ernst) -
Der zweite Jahrgang der „Dresdner“ Osterfestspiele in Salzburg steht ganz im Zeichen von Richard Strauss. Zum Auftakt gab es dessen „Arabella“. Eine Besetzung mit großen Namen – und noch größeren Entdeckungen. „Arabella“ heißt sie, aber „Arabella und Zdenka“ müsste sie heißen, denn in dieser Oper geht es von A bis Z um beide Schwestern, um zwei Wesen aus einer Familie, die einander näher – und zugleich unterschiedlicher – kaum sein könnten.

Opern-Tanztheater – Sasha Waltz inszenierte „Tannhäuser“ an der Berliner Staatsoper

13.04.14 (Peter P. Pachl) -
Die Neuinszenierung des „Tannhäuser“ an der Staatsoper Berlin katapultiert sich in die Reihe der spannendsten und zwingendsten jüngsten Wagner-Interpretationen. Die Inszenierung der Choreographin Sasha Waltz, in der tief lotenden, allerdings extrem gedehnten Interpretation von Daniel Barenboim, spaltet das Publikum der Staatsoper im Schillertheater. Was manche Besucher „widerlich“ finden, ist insbesondere die intensive Deutung des Ortes der „höllischen Lust“, die für eine der musikalisch kühnsten Szenen des Musiktheaters im 19. Jahrhundert hier bei den Venusberg-Choreographien von Bejart bis Neumeier anknüpft.

Mondlose Welt ohne Sonnenuntergänge – Uraufführung von Salvatore Sciarrinos „L'imprecisa macchina del tempo“

10.04.14 (Peter P. Pachl) -
Der 1947 geborene italienische Komponist Salvatore Sciarrino hat das Glück, dass in dieser Saison in Berlin sein Werk ganz besonders fokussiert wird: Am 14. Juni bringt die Staatsoper seine Oper „Lohengrin“ und bereits eine Woche später inszeniert Jürgen Flimm die Uraufführung von Sciarrinos „Macbeth“. Und im Vorfeld wurde im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie mit großem Publikumszuspruch „L'imprecisa macchina del tempo“ uraufgeführt, ein durch die Ernst von Siemens Musikstiftung finanzierter, gemeinsamer Kompositionsauftrag von RIAS Kammerchor und Münchener Kammerorchester.

Das große Durchatmen – GEMA-Mitgliederversammlung mit glücklichen Mitgliedern

10.04.14 (Martin Hufner) -
Es ist mutet absurd an, aber man muss feststellen, dass das besondere Ereignis der diesjährigen Mitglieder-Hauptversammlung der GEMA in Berlin im Fehlen des Aufregers gelegen hat. Der Geschäftsbericht für das letzte Jahr ist positiv, die Aussichten für die Zukunft scheinen weniger ungewiss als früher zu sein. Zahlreiche wichtige Abschlüsse zu Tarifen sind in letzter Zeit unter Dach und Fach gebracht worden (Musikveranstalter, Rundfunkanstalten, Bitkom, Streaming-Dienste …). Ein Antrag zur Satzung hat im Vorfeld für viel Aufregung gesorgt, ist aber offenbar durch Aufklärung und diplomatisches Geschick völlig ohne Krach von den Mitgliedern mit großer Mehrheit durchgewinkt worden. Was ist nur los mit der GEMA?

Der kleine Tod, gigantisch aufbereitet als Opium für die Masse – Uraufführung von Christian Josts Musik-Tanz-Theater „Lover“ im Kraftwerk Berlin-Mitte

09.04.14 (Peter P. Pachl) -
Die Suche nach dem Personalstil des 1963 geborenen Komponisten Christian Jost, wie der Opernbesucher ihm in dessen „Hamlet“ begegnet, scheint in der jüngsten Musiktheater-Uraufführung unmöglich, vergraben unter eruptiver Schlagwerk-Gewalt. Wie Pina Bausch mit ihrem Tanztheater in den fernen Osten gefahren war, um sich von dortigen Traditionen inspirieren zu lassen und dann ihre individuelle Synthese vorzustellen, so hat auch der Komponist mit den Performern des U-Theatre in Taiwan intensiv zusammen gearbeitet; diese Künstler konnten zwar keine Noten lesen, haben aber Josts Kompositionsidee ins körperliche Gedächtnis gespeichert um sie reproduzierbar auszumusizieren, die in ihrer Musik und Darstellung tatsächlich eine Einheit bildet, wie man sie nur selten erlebt.

Massengrab der wahren Gefühle – Strawinskys „The Rake's Progress“ in Leipzig

08.04.14 (Micheal Ernst) -
Die Vorlage zu Igor Strawinskys 1951 im venezianischen Teatro La Fenice uraufgeführten Oper „The Rake's Progress“ findet sich bekanntlich in einer Bildfolge von William Hogarth, die denselben Titel trägt, gut 200 Jahre älter ist und Aufstieg wie Verfall eines „Wüstlings“ darstellt. Die aktuelle Umsetzung in Leipzig, wo diese einzige Oper Strawinskys noch nie aufgeführt wurde – eine Koproduktion mit La Fenice –, erfolgte nun in einer Welt aus Glitzer und Glimmer.

Liebesnot in Kriegszeiten – Nürnbergs Oper beeindruckt mit einer Endzeit-„Walküre“ voll aktueller Bezüge

08.04.14 (Wolf-Dieter Peter) -
Schon wie im Traum, ganz, ganz leise erinnert sich Diktator Wotan im Kamelhaarmantel an „der Augen leuchtendes Paar“ seiner Lieblingstochter Brünnhilde. Mit letzter matter Geste hat er sie hinter einer Feuerwand in Schlaf versenkt. Emotional ausgelaugt sackt er vorne auf einem Stuhl zusammen, seine Herrschaftslanze wie einen unnütz gewordenen Wanderstab im Arm – so könnte er ein Menschenalter später dem jungen Siegfried ein letztes Mal aufbegehrend den Weg versperren …

Nicht nur für junge Besucher – Wagners „Der Ring des Nibelungen“ mit dem RSB Berlin, szenisch im Atze-Musiktheater

07.04.14 (Peter P. Pachl) -
Wagner für Kinder macht Schule. Katharina Wagner, die Urenkelin des Komponisten, hat es in Bayreuth vorgemacht. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, das bis zum Vorjahr die zehn im Kanon der Bayreuther Festspiele vertretenen Musikdramen neu auf CD eingespielt hat, setzt auch im Jahr nach Richard Wagners 200. Geburtstag sein Bemühen fort, die Jüngsten an den Kosmos des Bayreuther Meisters heranzuführen. Eigenwillige Bild- und Text-Beiträge sind im Vorfeld bei einem Workshop in Berliner Grundschulen entstanden.

Die Liebe ist ein sonderbar Ding… – „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss am Theater Meiningen

06.04.14 (Joachim Lange) -
Es muss durchaus nicht immer Dresden sein im Richard Strauss-Jahr 2014. Etwas bescheidener dimensioniert, aber ebenso von der entsprechenden historischen Aura umweht, wie das Uraufführungstheater, ist Meiningen jetzt mit seiner Geburtstags-Rose für den bajuwarischen Meister des blühenden Orchesters und der ins zwanzigste Jahrhundert verlängerten Spätromantik angetreten.

Grenz-Erfahrungen der „Expedition Freischütz“ auf der Bürgerbühne des Staatsschauspiels in Dresden

06.04.14 (Michael Ernst) -
Carl Maria von Weber ohne Musik? Die Bürgerbühne am Staatsschauspiel Dresden startet ihre „Expedition Freischütz“ zumindest frei von Gesang. Ein Musiktheaterprojekt „mit Bergsteigern, Abenteurern und anderen Grenzgängern“ war da versprochen.

Landpartie mit Hammer und Taube – Charles Gounods „La Colombe“ und Darius Milhauds „Le Pauvre matelot“ in Colmar

05.04.14 (Frieder Reininghaus) -
Alles ist ziemlich klein dimensioniert an diesem Musiktheaterabend. Nur die zentralen Fragen sind groß: Sowohl in der Farce mit der besonders intelligenten Taube wie in der knapp gefassten Tragödie vom Spätheimkehrer, die mit dem Hammer entschieden wird.

Witz, komm raus! – Stefan Kastner verhebt sich in seiner Parodie „Germania II – Paradiso“ gründlich

05.04.14 (Wolf-Dieter Peter) -
„Das Theater ist ein Irrenhaus – und die Oper die Abteilung für Unheilbare“ lautet ein Bonmot. Es stammt aus dem 18.Jahrhundert – und Stefan Kastner scheint es jetzt entdeckt zu haben. Da kursierten im Um- und Vorfeld der Uraufführung im „Schwere-Reiter“-Saal die Namen Achternbusch und Kroetz, da wurde an Dietls „Kir Royal“ erinnert und auch an die berühmte „Walküren“-Episode im „Monaco Franze“.

Spätwerk aus der Schlingensief-Factory – Uraufführung von Paul-Heinz Dittrichs „Die Blinden / Die Verwandlung“ in der Berliner Staatsoper

05.04.14 (Peter P. Pachl) -
Was wäre das Musiktheater ohne den belgischen Dramatiker Maurice Maeterlinck – von Claude Debussys „Pelléas et Mélisande“ und Paul Dukas’ „Ariane et Barbe-Bleue“ bis zu Henry Févriers „Monna Vanna“? Und was ohne den Romancier Franz Kafka – von Gottfried von Einems „Der Prozess“ über Hans Werner Henzes „Ein Landarzt“ und Roman Haubenstock-Ramatis „Amerika“ bis Aribert Reimanns „Das Schloss“?

taktlos 173 – die Nachrichten aus der Welt des Wahren, Schönen und Guten

04.04.14 (Martin Hufner) -
München: Das neue Leitungsteam der Münchner Musiktheater-Biennale, Manos Tsangaris und Daniel Ott, geht mit der Oper in den öffentlichen Raum. Für ihre erste Ausgabe ist eine Uli-Hoeneß-Wandel-Oper mit dem Titel „Die diebische Elster“ geplant. Sie wird gleichzeitig in der Allianz-Arena und im Finanzamt München II aufgeführt.

Entdecker- und Spielfreude: das Berolina Ensemble mit Werken von Heinrich Hofmann und Waldemar von Bausznern

04.04.14 (Mátyás Kiss) -
Diese beiden im hochauflösenden 2+2+2-Verfahren eingespielten Kammermusik-Programme drängen sich für eine Rezension Seite an Seite geradezu auf, nicht nur, weil das erst 2009 gegründete Berolina-Ensemble sie in nur halbjährlichem Abstand voneinander veröffentlicht hat, sondern sie auch zwei vollkommen vergessene Tonsetzer der Kaiserzeit in Erinnerung rufen, die hier mit „Oktett“ und „Serenade“ überdies zwei Werktitel gemeinsam haben (allerdings ohne die gleichen Besetzungen zu verwenden).
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