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Tim Renners Ideen auf dem Prüfstand unseres Kulturkolibris – Der Sperrsitz der nmz

16.09.14 (Martin Hufner) -
Der Kulturkolibri ist auf dem Speersitz gelandet. In aktuellen Beiträgen schaut sich unser neuer Blogger die kultur- und medienpolitischen Aktivitäten des Berliner Kulturstaatssekretärs Tim Renner etwas genauer an: Renners Neudefinition von Musikschubladen und seinen Vorschlag fürs Live-Internetstreaming von Veranstaltungen des Opern- und Sprechtheaters, samt Reaktionen. Diskutieren Sie mit ihm und uns auf dem „Sperrsitz der nmz“.

Entropie der Geschlechter – Rolf Riehms „Sirenen“-Oper in Frankfurt uraufgeführt

15.09.14 (Georg Beck) -
Eine Oper über die abgründige Triebmacht der Liebe. Musiktheater, das noch einmal Eros auf Thanatos buchstabiert, das sein Personal aus dem antiken Mythos bezieht und doch ganz von heute sein will. „Kirke, die Sirenen, Odysseus – das sind Namen. In Wahrheit sind wir es selbst, die in den Konflikten von Liebe und Verrat, Abschied, Begehren, Sehnsucht und Todesdrift schier unterzugehen drohen.“

Musik statt Chaos – Schostakowitschs „Lady MacBeth auf dem Lande“ in Oslo

14.09.14 (Stephanie Knauer) -
Der Dorsch war allgegenwärtig. Auf den kindsgroßen, staunend glotzenden toten Fischen wurde geschlafen, gegessen, geliebt und gemordet, mit ihnen geprügelt, genotzüchtigt, onaniert: In der Osloer Inszenierung von Schostakowitschs „Lady MacBeth auf dem Lande“ alias „Lady MacBeth von Mzensk“ entluden sich übergärige Libido und ihre dunkle Kehrseite die Aggression auf passend saftig-glibbrigen Fischkörperimitaten.

Warum das Beste gerade gut genug ist – Leon Fleisher dirigiert die Kammerphilharmonie Amadé

12.09.14 (Georg Beck) -
Der erste öffentliche Auftritt mit Acht. Ergibt für den heute 86jährigen Leon Fleisher 78 Bühnenjahre. Der große alte Mann ist mittlerweile selbst ein Meer – an Erfahrung, an Humor und Liebenswürdigkeit sowieso. Wie an Bereitschaft, weiterzugeben. Wie jetzt, als er unterstützt von seiner früheren Schülerin, der wunderbaren Pianistin Margarita Höhenrieder, Beethovens B-Dur-Konzert und die Mozart-Sinfonien 1 und 29 musizierte. Auf besonderen Wunsch der Beiden gemeinsam mit der Kammerphilharmonie Amadé.

Till als heutiger Freiheitskämpfer – Walter Braunfels’ Frühwerk „Ulenspiegel“ beim Linzer Festival

11.09.14 (Peter P. Pachl) -
Der Raum der ehemaligen Linzer Tabakfabrik, umgestaltet zu einem Auto-Schrottplatz, wirkt wie ein armes Remake der Aufführung von Schrekers „Die Gezeichneten“ im Palladium in Köln. War jene historische Werkhalle das offizielle Ausweichquartier der Kölner Oper, so kämpft in Linz ein freies Festival mutig um sein Überleben: vom großen Bruder Brucknerfest geduldet, aber kaum gefördert, bringt EntArteOpera zum zweiten Mal ein buntes Programm mit Werken verfemter Komponisten zur Aufführung, kombiniert mit einer Ausstellung in ungewöhnlicher Form.

Atriden-Digest open air im Parkhaus – „Oresteia“ von Iannis Xenakis an der Deutschen Oper Berlin

10.09.14 (Peter P. Pachl) -
Das Schauspiel hat es vorexerziert: wozu das attische Theater drei Tage, Peter Stein an der Berliner Schaubühne drei volle Abende benötigte, das hat Michael Thalheimer am Deutschen Theater Berlin auf eine pausenlose Abfolge von anderthalb Stunden zusammengestrichen. Und Iannis Xenakis unterbietet die Aufführungsdauer als Musiktheater mit gerade einmal einer Stunde. Was bleibt bei einem solchen Digest von Aischylos’ Trilogie aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. übrig?

„Protestieren Sie, schreiben Sie Briefe, stehen Sie auf!“ – Volker David Kirchner mit einem Preis und einer Uraufführung geehrt

10.09.14 (Andreas Hauff) -
Für den gebürtigen Mainzer Volker David Kirchner war die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden auf der anderen Rhein-Seite sicher wichtiger, was kompositorische Entwicklung und Anerkennung betrifft. Um so mehr dürfte ihm gefallen haben, dass der Landesmusikrat Rheinland-Pfalz ihn nun im Mainzer Staatstheater doppelt ehrte: Nicht nur mit dem (undotierten) „Preis für die Verdienste um die MusikKultur“, sondern auch mit der Uraufführung seines jüngsten Orchesterwerks „Der mythische Fluss“ durch das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz.

Dampf abgelassen – Romeo Castellucci zelebriert Becketts und Feldmans „Neither“ bei der Ruhrtriennale

08.09.14 (Frieder Reininghaus) -
„Neither“ gehört zu den Schlüsselstücken der Moderne, die sich wegen ihres „Rätselcharakters“ fortdauernder Beliebtheit erfreuen. Der Text des in Frankreich lebenden irischen Schriftstellers Samuel Beckett (1906–1989) umfasst 87 Worte – keine Mitteilung oder gar Botschaft, keine Aufforderung zu szenischer oder sonstiger Aktion. Es handelt sich um einen prägnant-diffusen, raunenden Text, der die Aura des Hintergründigen erheischt.

Castellucci-Fantasien – Feldman/Becketts Avantgarde-Oper Neither bei der Ruhrtriennale

08.09.14 (Georg Beck) -
Es ist der Hit dieser Ruhrtriennale: Tiere auf der Bühne. Den Anfang gemacht hatte Festivalchef Heiner Goebbels. Im großen Misterioso um Andriessens De Materie durfte eine Schafherde auflaufen. Irgendwie wollte sich Romeo Castellucci da wohl nicht lumpen lassen. Für Morton Feldmans Experimental­oper Neither, ein auskomponierter Trance-Zustand auf ein hermetisches Textfragment von Samuel Beckett aus dem Jahr 1977, hatte er mit Hund und Katz und Pferd den Streichelzoo komplettiert.

Erinnerung mit Nebenwirkungen – Gelungener Saisonstart am Deutschen Nationaltheater Weimar mit Giacomo Puccinis Dauerbrenner „La Bohème“

07.09.14 (Joachim Lange) -
In Giacomo Puccinis Dauerbrenner „La Bohème“ sind die Künste nicht nur brotlos. Zum dauernden Hunger kommt auch noch die Kälte dazu. Die ist so schlimm, dass die vier Freunde nicht nur das Mobiliar verheizen, sondern der Dichter unter ihnen, Rodolfo, dem Ofen sogar ein Manuskript spendiert. Die Leinwände des Malers bleiben nur verschont, weil das zu sehr stinken würde. Mit dem Paris vor der vorletzten Jahrhundertwende als der Stadt der Künste (oder besser der lebenden und darbenden Künstler) ist es also aus der Nähe betrachtet nicht weit her.

Andreas Gabalier in Füssen – ein kauziges Rockmärchen, aufgeschrieben von Johanna Lang

04.09.14 (Johanna Lang) -
Das hätte Füssen niemand zugetraut: Die kleine Stadt mit malerischem Altstadtkern und Wiege der Lautenbauer am südlichen Ende der A7 besitzt die größte Drehbühne Europas. Auf dieser wurde schon das Musical „Ludwig II“ mit echtem Wasserpool als Starnberger See und lebenden Pferden vor der Kutsche aufgeführt. Was liegt da also näher, als dort die erste Andreas-Gabalier-Show als Eurovision-Sendung aufzunehmen.

Fragen Sie Professor Flimm! – Christoph Marthalers „Letzte Tage. Ein Vorabend“ in der Berliner Staatsoper

03.09.14 (Peter P. Pachl) -
Noch vor dem Eröffnungsfest der Staatsoper im Schiller Theater am 21. September, begann Intendant Jürgen Flimm die Spielzeit mit einem „Vorabend“, der auch so heißt: Christoph Marthalers Produktion für die Wiener Festwochen des Vorjahres, in Koproduktion mit der Berliner Staatsoper, dem Théâtre de la Ville-Paris und dem Festival d’Automne à Paris entstanden, erinnert mit dem Haupttitel an Karl Kraus' „Die letzten Tage der Menschheit“. Hinter dem genialischen Drama einer Zitatensammlung des Wiener Spötters bleibt der vom Schweizer Regisseur gezimmerte Abend deutlich zurück und außen vor.

„Mit Unterthänigkeit Scardanelli“ – Ein Holliger-Wochenende in Luzern

01.09.14 (Andreas Kolb) -
Vier Wochen dauert das Lucerne Festival jeden Sommer von Mitte August bis Mitte September. Berühmte Orchester, große Pultstars und internationale Solisten geben sich im futuristischen Luzerner Konzertsaal KKL die Klinke in die Hand. Jeder Abend muss gelingen, wenn 3.680 Augen und Ohren den hochpreisigen Auftritt des Stardirigenten, der Starsolistin verfolgen. Doch parallel zu diesem Klassik-Glamour entwickelte sich das Lucerne Festival in den vergangenen Jahren immer stärker zu einem Festival der zeitgenössischen Musik.

Angela – die Alternativlose – Florian Lutz inszeniert in Lübeck Wagners Tannhäuser als Psychogramm der Merkel-Ära

01.09.14 (Joachim Lange) -
Richard Wagners „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“ erweist sich immer wieder als erstaunlich offen für Interpretationen. Dabei kann sich jeder wagemutige Regisseur auf das Bonmot des Komponisten an seinem Lebensende berufen, wonach er der Welt noch einen Tannhäuser schuldig sei. Er selbst hat eine ganze Auswahl von diversen Fassungen hinterlassen. Und so mäandert die Rezeptionsgeschichte zwischen einem Diskurs über Sexualmoral und Frauenbild, Künstleroper und Gesellschaftsporträt, historischem Spektakel oder analytischer Spurensuche nach dem Ungeklärten und Brisanten für die Gegenwart oder irgendwo dazwischen.

Steine, Wasser, Luft und der Klang der Musik – Das Demenga-Festival im südlich-alpinen Val Calanca

28.08.14 (Max Nyffeler) -
Wie bringt man Leben in ein dünn besiedeltes Bergtal, das am Eingang mit einer Schlucht verriegelt ist und nach fünfzehn Kilometern im Niemandsland von Alpweiden und Geröllhalden endet? Natürlich mit Musik. Die Musikerfamilie Demenga praktiziert das alle drei Jahre mit einem Festival, das Werke von Barock bis Moderne in die Dörfer bringt und ein zahlreiches, bunt gemischtes Publikum aus nah und fern anlockt.

Mitten im Krieg und auf dem Wege nach Cardiff – Uraufführung von „Trans-Maghreb“ und Neufassung des „Schauspieldirektor“

26.08.14 (Peter P. Pachl) -
Mit seiner elfjährigen Intendanz der Bregenzer Festspiele hatte David Pountney eine Bresche für das zeitgenössische Musiktheater geschlagen. Als letzte Uraufführung in der Schiene KAZ, „Kunst aus der Zeit“, erfolgte das Mitwandertheater „Trans-Maghreb“ und als letzte Premiere eine eigenwillige Neufassung von Mozarts „Schauspieldirektor“.

Funktion gesellschaftlicher Repräsentation – Das Musikfest Berlin im 10. Jahrgang, ein Gespräch mit Winrich Hopp

25.08.14 (Andreas Kolb) -
Das Musikfest Berlin ist ein Orchesterfestival, das von den Berliner Festspielen alljährlich in der Berliner Philharmonie Anfang September veranstaltet wird. Das Festival wurde erstmals 2005 präsentiert, 2006 übernahm Winrich Hopp die Festivalleitung, 2007 folgte sein erstes Programm. In diesem Jahr besteht das Musikfest Berlin in seinem zehnten Jahr. Die neue musikzeitung sprach mit Winrich Hopp über die Funktion und Bedeutung des Festivals.

Das vierte „Kraftwerk der Gefühle“ – Zum Ende der Intendanz David Pountney bei den Bregenzer Festspiele

25.08.14 (Wolf-Dieter Peter) -
“From bad to worse“ antwortet David Pountney augenzwinkernd auf die Frage nach einem kurzen Resümee seiner elfjährigen Intendanz bei den Bregenzer Festspielen. Dieser typisch britische Humor kam über die Jahre gut an und prägte das ganze Haus.

Kurz-Schluss – Wie ich einmal die Gründung einer Akademie fürs gesunde Volksempfinden einleiten durfte

22.08.14 (Theo Geiẞler) -
Horror, Notstand, Abgrund: Deutschlands Brutto-Inlands-Produkt (BIP) sinkt ebenso aktuell wie überraschend um Nullkomma-Zwo Prozent. Galoppieren wir blind in nordkoreanische Ökonomie-Verhältnisse? Italien rumpelt in die Rezession. Die Euronen-Zone stottert und humpelt. Angeblich denken Österreich, die Schweiz und Liechtenstein schon darüber nach, ihre Grenzen vor abgemagerten bundesrepublikanischen Wirtschaftsflüchtlingen zu schützen, auch um deren Flucht übers Mittelmeer nach Nordafrika etwas schwerer zu machen. Der DAX röchelt kurz vor dem Erstickungstod knapp über der Neuntausender-Marke herum. Krauss-Maffei, Heckler & Koch, Sig Sauer sowie weitere wichtige Protagonisten unseres Wirtschafts-Wunderlandes denken über Werksschließung nach. Und wer ist schuld? Natürlich die Politik.

Fast 20 Jahre Anlauf zum Deutschpop-Olymp – Niels Frevert am Ziel

22.08.14 (dpa) -
Kaum ein deutscher Singer/Songwriter montiert Mutterwitz, Melancholie und Mitgefühl so souverän mit stilvollem Pop wie Niels Frevert. Bisher haben dies noch zu wenige mitbekommen - meint auch der Musiker selbst. Sein neues Album soll das nun ändern. Und warum auch nicht.

Schwarzweißer Bilderbogen – Franz Schuberts „Fierrabras“ bei den Salzburger Festspielen

20.08.14 (Peter P. Pachl) -
So wohl wünschten sich die konservativen Besucherkreise bei den Bayreuther Festspielen eine „Lohengrin“-Inszenierung: gefällige Arrangements auf einer perspektivische Gassenbühne, kunstfertig umgesetzt aus schwarz-weißen, filigranen Federzeichnungen. Am ehesten in der Dialogarbeit mit dem Solistenensemble ist die Handschrift des Regisseurs Peter Stein wahrzunehmen, gleichwohl wirken auch die Dialoge old fashioned.

So Matsch Music! – Der Chiemsee Summer 2014 – Verbrüderungen inklusive

19.08.14 (Ralf Dombrowski) -
Der Wettergott ist ungnädig und schickt Wolken über das Voralpenland. Die Reggae-Gemeinde trägt es mit Fassung und zieht Gummistiefel an. Eindrücke vom Chiemsee Summer, einem der größen Festivals der Bayerischen Musiklandschaft.

Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg – Das 15. Internationale Gitarrenfestival in Hersbruck

18.08.14 (Oliver Hochkeppel) -
Vielleicht ist es das größte Kompliment für die Arbeit des künstlerischen Leiters Johannes Tonio Kreusch, dass einige vorab murrten, die großen Stars seien bei der 15. Ausgabe des Internationalen Gitarrenfestivals Hersbruck ja nicht dabei – bei einem Line-up unter anderem mit dem Flamenco-Granden Paco Peña, den Internet-Stars Adam Rafferty und Jon Gomm oder dem bereits zum dritten Mal angereisten Los Angeles Guitar Quartet.

Eine Institution des deutschen Jazz – Michael Naura wird 80

18.08.14 (dpa) -
Auf Bitte des Fotografen setzt sich Michael Naura noch einmal an sein Klavier und spielt Jazz. „Du bist ein guter Typ, das sehe ich sofort“, sagt Naura. In der Nachkriegszeit war er einer der erfolgreichsten Jazzpianisten in Deutschland, er gehörte zu den besten Jazzmusikern – neben Albert Mangelsdorff, Heinz Sauer, Ernst-Ludwig Petrowsky und dem Vibrafonisten Wolfgang Schlüter. Eine zweite Karriere – bedingt auch durch eine Erkrankung, die ihn zum Pausieren zwang – machte er im Hörfunk. Von 1971 bis 1999 leitete er ebenso sachkundig wie scharfzüngig die NDR-Jazzredaktion.

Aufsteigende Dämmerung – Bei der RuhrTriennale tanzen in De Keersmaekers Choreografie „Verklärte Nacht“ wieder die Menschen

17.08.14 (Joachim Lange) -
In der Jahrhunderthalle in Bochum gab es am Eröffnungswochenende von Heiner Goebbels letzter RuhrTriennalen-Ausgabe diesmal eine Art getanzte Gegenposition zu Romeo Castelluccis Version von „Le Sacre du Printemps“. Das in Duisburg gezeigte Stück ist mehr eine Installation, als eine Choreographie. Sie kommt ohne Tänzer aus und führt damit im Grunde eine der ältesten menschlichen Künste ad absurdum.
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