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Ein Schweizer für die Semperoper: Peter Theiler soll Intendant in Dresden werden

02.07.15 (Michael Ernst) -
Zuerst war es nur ein Gerücht, dann wurde es rasch zur Tatsache: Peter Theiler soll Intendant der Sächsischen Staatsoper Dresden werden. Der 1956 in Basel geborene Theatermann wurde von Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange dazu auserkoren, die seit dem Tod von Ulrike Hessler vakante Position neu zu besetzen.

Turbulenz ohne Tiefgang – Monteverdis „Orfeo“ an der Staatsoper Berlin

02.07.15 (Peter P. Pachl) -
Eigentlich ist Claudio Monteverdis Oper nur ein Vorwand. Sasha Waltz hat sie gar nicht nötig und ist in ihren Bildfindungen besser, wenn die Musik schweigt, wie nach der Pause, wo die Tänzer mit trockenen Büschen vor einer lichten Wolke agieren und es sehr lange dauert, bis das Orchester zum vierten Akt einsetzt.

Höhenluft und höherer Unernst – Funkelnder Auftakt beim Südtirol-Jazzfestival

30.06.15 (Roland Spiegel) -
Jazz-Wanderglück bei strahlendem Sonnenschein – und Klängen von außergewöhnlich buntem Charme: Auch so lässt sich ein Sonntagmittag verbringen. Auf 2.154 Metern Höhe, bei der „Comici Hütte“ am Sellajoch mit Blick auf die imposanten Massive des Sellastocks, eine gute Autostunde und einen strammen Fußweg von Bozen entfernt, setzte der Trompeter Matthias Schriefl im knallbunten Karo-Anzug und mit vielstimmiger Unterstützung zu einem musikalischen Schelmenstück voller komödiantischer Gipfelpunkte an.

Sinnentleerter Symbolismus – Münchens Opernfestspieleröffnung „Pelléas et Mélisande“ endet in einem Buh-Sturm

29.06.15 (Wolf-Dieter Peter) -
Schön, dass die Bayerische Staatsoper einen der besten „Sänger-Scouts“ der Opernwelt hat. Pål Moe gelang prompt die Zusammenstellung einer kaum besser vorstellbaren Besetzung für Debussys „Anti-Tristan“. Auch Dirigent Constantinos Carydis überzeugte mit dem Staatsorchester im Graben des Prinzregententheaters in einer anfangs feinsinnig lyrischen, dann zunehmend dramatischen Deutung der Partitur. Für sie alle uneingeschränkte „Bravi!“ – und ansonsten vehementes „Buh!“.

Historie mit Modernisierungsproblemen – Mozarts „Le Nozze di Figaro“ im Staatstheater Nürnberg

28.06.15 (Wolf-Dieter Peter) -
Das dem Feudalismus verhaftete Recht eines adeligen Grundherren „auf die erste Nacht“ mit einer künftigen Braut ist einer der zentralen Dreh- und Angelpunkte von Beaumarchais-da Ponte-Mozarts „Hochzeit des Figaro“. Wo und in welchem Stil ansiedeln ist also eine der grundlegenden Inszenierungsfragen, auf die ein weibliches Bühnenteam in Nürnberg eine neue Antwort suchte.

Glückwunsch, Gohrisch! Schostakowitsch-Tage zum Sommeranfang

28.06.15 (Michael Ernst) -
Die Internationalen Schostakowitsch-Tage Gohrisch sind im sechsten Jahrgang angekommen und nach wie vor weltweit die einzigen im Namen dieses Komponisten. Ein spürbar kundiges Publikum strömte in die Sächsische Schweiz und erhielt zweieinhalb Tage lang Gelegenheit zu nicht weniger als sieben Konzertveranstaltungen. Es begegnete musikalischen Raritäten und namhaften Interpreten, wurde umsorgt von charmanten Veranstaltern.

Leben und Sterben im Raumkubus – Kammeroper „Selma Ježková“ von Poul Ruders eröffnet die Münchner Opernfestspiele

27.06.15 (Wolf-Dieter Peter) -
Gleicher Stoff – anderes Genre - gängige Praxis - wie die Verfilmung eines Buches. In den letzten Jahren hat auf den Sprechbühnen der Republik auch die Verwandlung von Romanen in Bühnendramen zugenommen. Bei den Münchner Opernfestspielen folgte nun eine weitere Verwandlung von einem Genre ins andere: in der kleinen Reihe „Festspiel-Werkstatt“ kam „Selma Ježková“ zur Aufführung – so heißt die erblindende Arbeiterin in Lars von Triers schön-schrecklichem Film „Dancer in the Dark“.

Im Zentrum: der Text – Werke von Kaija Saariaho auf einer neuen Ondine-CD

25.06.15 (Mátyás Kiss) -
Das finnische Label Ondine fährt fort, das Schaffen einer der bedeutendsten Töchter ihres Landes umfassend zu dokumentieren: Die neueste Veröffentlichung stellt drei jüngere Werke von Kaija Saariaho (geb. 1952) vor, die auch in anderer Besetzung oder Form vorliegen.

„Le nozze di Figaro“ – Mozart modern: Viel Farbe und (zu) flotte Tempi an der Semperoper

24.06.15 (Michael Ernst) -
„Le nozze di Figaro“ im Jahrhundertblick – die Regie von Johannes Erath und das Dirigat von Omer Meir Wellber ergänzen sich auch da, wo sie sich widersprechen. Warum soll es in der Oper nicht auch mal Theater geben?

Der Fluch der Titanic: Filmmusikkomponist James Horner gestorben

24.06.15 (Viktor Rotthaler) -
Seit den frühen achtziger Jahren hat der am 22. Juni bei einem Privatflugzeugumfall ums Leben gekommene James Horner den Sound von Hollywood entscheidend geprägt. Wie so viele seiner Generation hat er mit B-Pictures angefangen. Mit dem düsteren Score zu dem Horrorfilm „Wolfen“ legte der promovierte Musiktheoretiker 1981 dann sein erstes Meisterstück ab.

Kurz-Schluss – Wie ich sportiv dazu beitrage, die Fußball-WM 2018 nach Deutschland zu holen

24.06.15 (Theo Geiẞler) -
Was prädestiniert ein Volk für einen internationalen Spitzenplatz und schafft zugleich Glück und Zufriedenheit im Lande? Etwa die Oper als Kraftwerk der Gefühle? Lächerlich. Literatur, die gewachsene unübertreffliche Geistesnahrung? Quatsch, vor allem in Zeiten des Internets. Es ist natürlich der Sport, und hier vor allem der Fußball, edles, faires Mannschafts-Gladiatorentum, identitätsstiftende Quelle berechtigter nationaler Euphorie, gelegentlich sogar im Stahlgewitter der Niederlage. [Vorabdruck aus Politik & Kultur 4/2015]

Ein hoch gestylter aufwändiger Flop – Uraufführung von „My Square Lady“ an der Komischen Oper Berlin

23.06.15 (Peter P. Pachl) -
Geplant war eine neue Version von Shaws „Pygmalion“, mit Reibung zum weltberühmten Musical „My Fair Lady“ von Frederick Loewe: anstelle der durch Sprechausbildung vom Straßenkind zur Lady herangereiften Eliza Doolittle sollte der Roboter Myon stehen. Doch der im Forschungslabor für Neurorobotik an der Berliner Beuth-Hochschule als lernfähiges System entwickelte und der Komischen Oper als potenzieller künftiger Opernstar angepriesene Roboter versagte kläglich. Und so musste die Idee einer Opern-Neuschöpfung zu einer „Opernerkundung“ gerinnen, die Reibung mit dem „Kraftwerk der Gefühle“ zu einem armseligen Fake.

Von unser aller Traum-Frau – Bohuslav Martinůs selten gespieltes Musikdrama „Juliette“ an der Oper Frankfurt

23.06.15 (Wolf-Dieter Peter) -
Paris in den 1920er Jahren – das war auch für den 1890 geborenen Tschechen Bohuslav Martinů der Lebens- und Schaffensmittelpunkt. Dort nahm er alle künstlerischen und intellektuellen Innovationen begeistert auf. Dort sah er das von phantastischen, surrealen und skurrilen Elementen durchzogene Schauspiel „Juliette ou le clé des songes“ des Franzosen Georges Neveau – gleich mehrfach und formte es enthusiastisch selbst zum Opernlibretto um. Das 1938 in Prag erfolgreich uraufgeführte Werk geriet dann durch den 2.Weltkrieg in Vergessenheit und taucht seither nur selten in den Spielplänen auf – so jetzt als Frankfurter Erstaufführung an der dortigen Oper.

Schleichendes Grauen und schwierige Chorsätze– Uraufführung von Franz Wittenbrinks „Schlafe, mein Prinzchen“ im Berliner Ensemble

22.06.15 (Peter P. Pachl) -
Franz Wittenbrink, Autor so viel gespielter musikalischer Stücke für Schauspieler, wie „Sekretärinnen“, „Komm süßer Tod...“, „Männer“ und „Die Comedian Harmonists“, hat ein Tabuthema als musikalisches Theaterstück verfasst, dessen Uraufführung er in Personalunion als Regisseur und musikalischer Leiter am BE herausgebracht hat. Ovationen zwischendurch und gesteigert am Ende für eine musikalisch und szenisch dicht gefügte Szenenfolge über Kindesmissbrauch bei den „Regensburger Domspatzen“ und in der Odenwald-Schule.

Wiener Festwochen: Andrea Breth kombiniert Bartóks „Blaubart“ mit Schumanns „Geistervariationen“

21.06.15 (Frieder Reininghaus) -
Es gestaltete sich ein ruhiger, äußerlich unaufgeregter Abend: Anfang und Ende leise bis an die Hörgrenze. Langsam hebt sich der Vorhang im Theater an der Wien und gibt zur Stille zunächst nur einen Spalt frei. Der übel beleumundete Herzog taucht aus der Finsternis auf („Aufgeschlagen sind die Vorhänge unserer Augen“). Gábor Bretz sitzt vor sieben dunklen Türen auf einem Stuhl und spricht zur Seite – den Prolog des symbolistisch-expressionistischen „Blaubart“-Librettos von Béla Balázs.

Spieluhr des Lebens – Charles Gounods „Faust“ an der Deutschen Oper Berlin

21.06.15 (Peter P. Pachl) -
Charles Gounods Oper „Faust“ lief in Deutschland lange unter dem Titel „Margarethe“, da dem deutschen Publikum das Libretto von Jules Paul Barbier und Michel Florentin Carré im Vergleich mit Goethes „Faust“ als vergleichsunwürdig erschien. In der Neuinszenierung an der Deutschen Oper Berlin rückte Regisseur Philipp Stölzl durch Umstellungen und Striche aber doch die Gretchen-Handlung in der 1859 uraufgeführten Oper in den Vordergrund – im Originaltitel und in französischer Sprache.

Mit vorgeschnallter Banane und Stichsäge – Berios „Un Re in Ascolto“ und Puccinis „Turandot“ am Staatstheater Kassel

19.06.15 (Andreas Hauff) -
„Ab nach Kassel“ war ein hämischer Spruch, mit dem die deutsche Öffentlichkeit 1871 den geschlagenen Franzosenkaiser Napoleon III. in die Gefangenschaft auf Schloss Wilhelmshöhe begleitete. „Ab nach Kassel“ kann man heute demjenigen empfehlen, der sehen will, wozu mittlere deutsche Bühnen noch in der Lage sind. Die Musiktheater-Sparte des Hessischen Staatstheaters beeindruckt immer wieder nicht nur durch ihr hohes künstlerisches Niveau, sondern auch durch ihre durchdachte Programmdramaturgie. Da hat man schon die seltene Gelegenheit, Luciano Berios „Un Re in Ascolto“ von 1984 zu erleben, und dann gibt es am nächsten Abend auch noch Giacomo Puccinis „Turandot“ – in Berios Schlussfassung.

In dichtem Raum- und Zeitgefüge – John Cages „Europeras 3 & 4“ in der Werkstatt der Berliner Staatsoper

19.06.15 (Peter P. Pachl) -
Wie würde wohl John Cage, der für seine Abrechnung mit der abendländischen Opernliteratur in „Europeras 3“ sechs ständig parallel Vinyl auflegende Platten-Spieler verlangt, auf die CD-Kultur und auf deren nun oft prognostiziertes Ende reagiert haben? Bei „Europeras 4“ im Rahmen des Festivals „Infektion!“ an der Staatsoper Berlin erfolgt die behutsame Aktualisierung: der Pianist spielt seine Noten vom iPad, und der Bariton holt sich seine Lauf-Infos vom Cellphone.

Schostakowitsch-Tage in Gohrisch mit Musik aus dem Gulag – eine Uraufführung von Vsevolod Zaderatsky

17.06.15 (Michael Ernst) -
Als Musiklehrer beim Zaren brachte er sich in Gefahr. Musik hat ihm in schwierigsten Zeiten das Leben gerettet: Vor 77 Jahren schrieb Vsevolod Zaderatsky ein zweieinhalbstündiges Klavierwerk – im Lager! Erstmals seit Johann Sebastian Bach wieder Präludien und Fugen auf sämtliche Tonarten. Eine Geschichte auch aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Der Counterfaktor – Die Händelfestspiele in Halle boten unter dem Motto „Händel und seine Interpreten“ eine Star-Parade der Countertenöre auf

17.06.15 (Joachim Lange) -
Heutzutage, da die Händelrenaissance längst von dem stabilen Boom der Barockmusik vereinnahmt wurde, den sie selbst mit angestoßen hat, und Verführung nur über Qualität erreicht wird, da lässt sich die Güte einschlägiger Festspiele durchaus am Counterfaktor messen. In Halle fehlten diesmal Bejun Mehta (war schon früher da) und Valer Sabadus (kommt im nächsten Jahr) und noch ein paar andere natürlich auch. Aber gefühlt, war der Rest diesmal an der Saale dabei. Unter ihrem aktuellen Motto „Händel und seine Interpreten“ boten die Festspiele von Herren mit der hohen Stimmlage nämlich auf, was Rang und Namen hat: in alphabetischer Reihenfolge ging das von Jake Arditti über Max Emanuel Cencic, Franco Fagioli, Markus Forster, Philippe Jaroussky, Vasily Khoroshev, Jeffrey Kim, Filippo Mineccia, Xavier Sabata und Benno Schachtner bis zu Lawrence Zazzo.

Konstantin Wecker und die Frage nach dem Warum

16.06.15 (dpa) -
München - Ein krankes Wirtschaftssystem, abgewrackt und korrupt, Konzerne, die uns beherrschen: Es sind provokante Thesen, die Konstantin Wecker auf seinem neuen Album «Ohne Warum» (19. Juni) vorträgt. «Ich mache mir so langsam wirklich Sorgen um die Demokratie», sagt der Liedermacher dazu. Herausgekommen sind 16 Lieder mit einer eindringlichen Botschaft.

Die Kraft des menschlichen Geistes: Barrys Guys Komposition „The Blue Shroud“ interpretiert Pablo Picassos Guernica

16.06.15 (Stefan Pieper) -
September 2003: Im UN-Sicherheitsrat verkündet der amerikanische Verteidigungsminister Colin Powell die militärische Intervention im Irak. In vollem Bewusstsein dieser Tat im Hinblick auf die Konsequenzen für die Zivilbevölkerung „passte“ dazu ein optisches Symbol im UN-Gebäude definitiv nicht: Pablo Picassos Bild „Guernica“ markiert einen Aufschrei angesichts des ersten Luftangriffes auf eine Zivilbevölkerung seitens spanischer und deutscher Faschisten im Jahr 1937. In Amerika wurde die riesige Kopie dieses Gemäldes in einem „bilderstürmerischen“ Akt kurzerhand zugehängt aus Anlass der Kriegserklärung gegen den Irak.

Verdis „tinta nera“ – Ein „Ballo in Maschera“ mit anderen Farben im Staatstheater Nürnberg

16.06.15 (Wolf-Dieter Peter) -
Ein Maskenball auf der Bühne, der vom Team Vincent Boussard-Christian Lacroix(!) gestaltet wird, dazu Verdis schmissiges „Hmtata“ – das müsste doch ein süffiger Abend samt einem dekorativen Königsmord werden. Doch das Bühnenteam und GMD Marcus Bosch überraschten mit ganz anderen Akzenten.

Ein Musiktheatercoup – Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ an der Staatsoper im Schillertheater

15.06.15 (Peter P. Pachl) -
Die vier männlichen Komödianten der Truppe um die schöne Zerbinetta legen lange schwarze Gummi-Phallusse an, die sie zur Verzweiflung des Komponisten („In mein Heiligtum hinein ihre Bocksprünge! Ach!“) rhythmisch schwingen lassen. Im verklingenden Vorspiel tritt Ariadne in die Mitte der Bühne. Aber nicht, wie sonst üblich, beginnt umgehend der Opern-Akt. Stattdessen lässt Stückezertrümmerer und Bühnenprovokateur Hans Neuenfels im Hintergrund Kultur-Felsbrocken herabpoltern, und – nach nur 45 Minuten – gibt es eine ausgiebige Opernpause.

„Much / Less“ – Giuseppe Spotas Choreographie über die digitale Welt am Staatstheater Mainz

14.06.15 (Andreas Hauff) -
„Much / Less“ - der Titel des neuen Tanztheaterstückes, das der italienische Gastchoreograf Giuseppe Spota für die neue Spielstätte U 17 am Staatstheater Mainz konzipiert hat, bleibt erst einmal rätselhaft. Der Inhalt erschließt sich rasch – dank der von Spota und Lucia Vonrhein geschaffenen Bühnengestaltung und der knappen Programmnotizen. Die rechteckigen Rahmen und Kästen auf der Bühne stehen für die digitale Welt, die in verschiedene Richtungen aufgespannten Schnüre für Verstrickung, und eine stilisierte Diskokugel für eine Tanzparty.
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