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Gangster mit Seelenleben – „Chicago 1930“-Uraufführung des Münchner Gärtnerplatztheaters

22.07.16 (Wolf-Dieter Peter) -
„Böse Menschen haben keine Lieder“ gilt nur bedingt. Denn im Nachklang der „Roaring Twenties“ und der großen Depression nach der Weltwirtschaftskrise blühte speziell auch in der „Windy City“ Chicago um 1930 eine breit gefächerte Musikkultur, die vom „schwarzen“ Jazz über „weißen“ Big-Band-Sound, die wild wuchernden Formen des „Lindy Hop“ hin zu Gershwins „Summertime“-Arie oder Schostakowitschs „Jazz-Suite“ und Samuel Barbers „Adagio for Strings“ letztlich „alles“ umfasste … eben auch Prohibition, Prostitution, Bugsy „Malone“ Moran, Al Capone und Konsorten …

Schneider-Schott-Musikpreis 2016 für Gordon Kampe

22.07.16 (PM) -
Der dies­jährige Schneider-Schott-Musikpreis geht an den Kom­po­nist Gordon Kampe. Kampe wurde 1976 in Herne ge­bo­ren. Sein künst­lerisches Schaf­fen um­fasst vor allem Kam­mer­mu­sik- und En­semble­werke, Kin­der­stücke und Mu­sik­the­ater sowie acht Or­ches­ter­werke.

Wie Balsam ins Ohr geträufelt – Franco Faccios „Hamlet“ bei den Bregenzer Festspielen

21.07.16 (Peter P. Pachl) -
Eine Wiederaufführung, die beinahe einer Uraufführung gleichkommt, erwartet die Besucher der Bregenzer Festspiele in diesem Jahr im Festspielhaus: Seit 1871 wurde diese Oper des Verdi- und Wagner-Dirigenten Franco Faccio in Europa nicht mehr gespielt; damals fiel sie an der Scala durch, da der Sänger der Titelpartie erkrankt und die Zeit für einen „Hamlet ohne Hamlet“ offenbar noch nicht reif war. Nach diesem Fiasko soll der frustrierte Komponist keine Note mehr geschrieben haben. Aber seine zweite Oper, der 1865 in Genua uraufgeführte „Amleto“, geisterte als Kuriosum weiter durch die Musikliteratur.

Möhren-Salat – die Politik & Kultur-Nachrichten

20.07.16 (thg) -
München: Enzensberger, Krüger, Mauser als Frauenversteher geoutet +++ Hamburg: Ticketverkauf bereitet Elphilharmonie Probleme +++ Hermannstadt: Maffay und Gauck und die Sprache der Träume

Beckett and Feldmann, Worte und Musik in München oder: Ein bemerkenswerter Saisonabschluss beim Orchester Jakobsplatz

20.07.16 (Wolf Loeckle) -
Schauspieler mit Mikro auf der Backe – das war und ist Mode (oder doch Notwendigkeit?) im Sprechtheater. Dass MasterVoices wie die von Bibiana Beglau und Götz Otto solchen Schnickschnack nicht nötig haben, war oft genug zu erleben. Jetzt also doch? Klar – und zwar aus wirklich gutem und dramaturgisch gebotenem Grund. Hatte sich doch der Hubert Burda Saal im jüdischen Gemeindezentrum nah am Herzen der Stadt München auf Zeit in eine Art Radio-und-auch-Hörspielstudio verwandelt zwecks öffentlicher Darbietung eines – Hörspiels. Und Radio – egal ob on air oder im weltweiten Netz – geht nicht ohne diverse technische Spezifika...

Bayreuth – Interview mit „Parsifal“-Regisseur Laufenberg: „Einfach aufmachen!“

17.07.16 (dpa) -
Eigentlich wollte Uwe Eric Laufenberg den „Parsifal“ an der Kölner Oper inszenieren. Weil er dort aber nach großem Streit um Etat und Sanierung das Handtuch warf, inszeniert er Richard Wagners letzte Oper jetzt auf dem Grünen Hügel.

François-Xavier Roth: „Rundfunkorchester sind unglaubliche Maschinen für die Musik, für die Zukunft“

17.07.16 (Georg Rudiger) -
Am Wochenende gibt das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg seine letzten beiden Konzerte überhaupt. Zuvor hat Georg Rudiger nochmals vor einer Probe im Freiburger Konzerthaus mit dem Chefdirigenten François-Xavier Roth gesprochen, der seit 2015 auch Generalmusikdirektor in Köln ist.

Frankfurt: Uraufführung von Michael Langemanns Operette „Anna Toll oder Die Liebe der Treue“

15.07.16 (Andreas Hauff) -
Nicht „Saison-Ausklang“, sondern „Oper Finale“ nennt sich traditionsgemäß die letzte programmatische Etappe der Spielzeit an der Oper Frankfurt. Neben Alban Bergs „Wozzeck“ und einem Symposium zum Musiktheater der Zweiten Wiener Schule im Großen Haus am Willy-Brandt-Platz bildet eine Uraufführung den dritten Schwerpunkt: Der Komponist Michael Langemann (Jg. 1983) hat eine Operette „Anna Toll oder Die Liebe der Treue“ geschrieben. Im Bockenheimer Depot wird sie gekoppelt mit einer Bühnenfassung von Arnold Schönbergs „Pierrot Lunaire“.

Vom Kieskahn zur High-Tech-Seebühne – Ausstellung zu 70 Jahren Bregenzer Festspiele

15.07.16 (Wolf-Dieter Peter) -
„70 Jahre – und kein bisschen müde“ wirken die Bregenzer Festspiele. Vor Beginn der Aufführungen eröffnet im „Vorarlberg Museum“ eine kleine Ausstellung zur Festspielgeschichte: was 1946 auf zwei Kieskähnen begann, fasziniert 2016 mit modernster Bühnentechnik, einem exquisiten Programm und einer „vorwärts träumenden“ Intendantin.

Aktivierung von Stress und Entspannung – Uraufführung von Irini Amargianakis „ANS“ an der Berliner Staatsoper

14.07.16 (Peter P. Pachl) -
Angeregt durch den französischen Opernsänger Alfred Tomatis, der als HNO-Arzt zahlreiche Sänger behandelt und eine eigene Therapie gegen Autismus entwickelt hat, ließ sich die 1980 in Athen geborene, in Berlin lebende griechische Komponisten Irini Amargianaki zu ihrer interdisziplinären Komposition „ANS (AutonomesNervenSystem)“ anregen.

Kommentar: Kulturgutschutzgesetz – Die Rechenkünste in „Die Welt“

13.07.16 (Olaf Zimmermann) -
In seinem aktuellen Newsletter kommentiert Olaf Zimmermann, der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, einen Text aus dem Finanzressort der Zeitung „Die WELT“ zum Thema „Kulturschutzgesetz“. In einer finanzhörigen Welt ist es nicht schlecht, wenn man aus dem Kulturbereich die Dinge einmal nachrechnet, die die „Rechen-Profis“ in die WELT setzen. Häufig genug stimmt wenig.

Horror-Komödie – Flimm inszeniert Sciarrinos Erfolgsoper„Luci mie traditrici“ an der Staatsoper Berlin

13.07.16 (Peter P. Pachl) -
Das Leben des Renaissance-Komponisten Gesualdo, der aufgrund seiner ungewöhnlichen Harmonik auch „Wagner des 17. Jahrhunderts“ genannt wird, bietet Stoff für eine Reihe von Dramen und Opern. Als Alfred Schnittke an seiner Oper „Gesualdo“ komponierte, plante Salvatore Sciarrino denselben Stoff, modifizierte ihn aber, nachdem ihm der Kollege mit der Veröffentlichung zuvorgekommen war: statt des geplanten Zitats der Musik von Gesualdo, die Sciarrino auch anderweitig musikalisch bearbeitet hat, griff er auf den französischen Komponisten Claude le Jeune zurück.

Ein „Lacrimosa“ in die Magengrube: Gastspiel von Franz Wittenbrinks „Schlafe, mein Prinzchen“ in Regensburg

12.07.16 (Juan Martin Koch) -
Mit großem Applaus und einem Podiumsgespräch ist Franz Wittenbrinks „Schlafe, mein Prinzchen“ als einmaliges Gastspiel des Berliner Ensembles in Regensburg über die Bühne gegangen. Der musikalische Abend über die Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen und in der Odenwaldschule war vor einem Jahr in Berlin uraufgeführt worden.

Per Dropkick überstylt: Giuseppe Verdis „Aida“ an die Schweriner Luft gesetzt

11.07.16 (Heinz-Jürgen Staszak) -
Nach 17 Jahren bringt das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin bei seinen 24. Schlossfestspielen wieder Verdis „Aida“ auf die Open-Air-Bühne. Das besondere Attraktivitäts-Potenzial dieser Festspiele, die sommers bis zu 30.000 Besucher anlocken, liegt in ihrem reizvollen Ort: Der Alte Garten, ein städtischer Platz, besäumt von Burgsee und Schlossinsel.

Georg Philipp Telemanns „Orpheus“ an der Hamburger opera stabile

11.07.16 (Ute Schalz-Laurenze) -
Über fünfzig Opern hat Georg Philipp Telemann geschrieben, davon ca. 25 in seiner Zeit als Direktor des Hamburger Theaters am Gänsemarkt (1721-1738). Die meisten sind verschollen, wenige fragmentarisch erhalten und von anderen gibt es nur noch Arien. Es ist also gar nicht klar, wie sein 1736 uraufgeführter „Orpheus“ aussah, den es in diesem Jahr gleich zweimal gab: die konzertante Uraufführung im Frühjahr 1736 hieß „Die wunderbare Beständigkeit der Liebe oder Orpheus“ und die ein halbes Jahr später szenisch aufgeführte Fassung „Die rachbegierige Liebe oder Orasia“.

Das Geheimnis exponierter Töne – Aribert Reimanns „Melusine“ an der Universität der Künste Berlin

11.07.16 (Peter P. Pachl) -
Die UdK Berlin, an der Reimann jahrelang die eigens für ihn geschaffene Professur für zeitgenössisches Lied bekleidete, gratulierte dem Komponisten zu seinem 80. Geburtstag mit einer rundum gelungenen, professionellen Produktion seiner frühen, 1971 in Schwetzingen uraufgeführten Oper „Melusine“.

Mensch-Maschine: Das Neue Kollektiv München (NKM) spielt Werke von Bang, Prins, Reiserer und Winkler

08.07.16 (Michael E. Bauer) -
Das 2015 gegründete Ensemble Neues Kollektiv München (NKM) war in der Black Box des Münchner Gasteig zu Gast. Seinen Auftritt mit Werken von Gerhard E. Winkler, Malin Bang, Stefan Prins und Christoph Reiserer hat Michael E. Bauer besucht:

Musikhochschulen zwischen Master und Slave im Fokus der Ermittlungsarbeit

07.07.16 (Martin Hufner) -
In zwei Interviews in der aktuellen nmz geht es auch um deren Situation angesichts der bis in den Boulevard gedrungen Vorfälle sexueller Übergriffe, wie sie in München sich ereignet haben sollen. Dazu nehmen Martin Ullrich, der Vorsitzende der RKM und Präsident der Hochschule für Musik Nürnberg sowie Bernd Redmann, Präsident der Hochschule für Musik und Theater München, Stellung.

Wahrheitserkundungen – La 68ème édition du Festival d’Aix-en-Provence

06.07.16 (Frieder Reininghaus) -
Im vergangenen Jahr gab es beim Festival d’Aix-en-Provence Ärger und Zensureingriffe wegen vier Köpfen und Osmins Rache-Orgie „erst geköpft und dann gehangen“. Martin Kušejs Inszenierung der „Entführung aus dem Serail“ wollte zeigen, dass von religiösen Fanatikern auch 2015 enthauptet wird. Um Wiederholungsfälle weiträumig zu vermeiden, schien Festivaldirektor Bernard Foccroulle heuer auf Nummer sicher gehen zu wollen.

„Viele meiner Kollegen denken daran, das Land zu verlassen“ – Markus Däunert zum Brexit

05.07.16 (Burkhard Schäfer) -
Gerade erschien die Debüt-CD der Aldeburgh Strings mit Werken von Benjamin Britten. Initiator der CD und, vor allem, des Ensembles ist der Deutsche Markus Däunert. Er hat die Aldeburgh Strings vor zehn Jahren gegründet und leitet das Ensemble – nicht als Dirigent, sondern „nur“ als Konzertmeister. Jetzt könnte der Brexit das bisher Erreichte zerstören. Aus aktuellem Anlass sprachen wir mit Markus Däunert, der (nicht nur) die britische Musikszene hervorragend kennt.

Flagge, Stasi, Deutschlandlied – Vivaldis „La verità in cimento“ in Leipzig

05.07.16 (Roland H. Dippel) -
Das ist kreativer Überdruck und nachlässige Ressourcenverschwendung! Zwei Aufführungen sind viel zu wenig für die in jeder Hinsicht mitreißende letzte Studioproduktion 2016/17 der HMT „Felix Mendelssohn-Bartholdy“. Diese DDR-Apokalypse gehört in Gastspielen unbedingt nach Dresden und Berlin. Michael Höppner macht mit dramatischem Scharfblick die (noch) kaum bekannte Vivaldi-Oper vom türkisch-italienischen zum deutsch-deutschen „dramma per musica“.

Nirvana-Paraphrasen: Die Pianistin AyseDeniz Gokcin spielte zum ersten Mal in Deutschland

04.07.16 (Martin Hufner) -
In England ist sie ein schon fast ein Star, in Deutschland war sie nun zum ersten Mal zu Gast: Die Pianistin AyseDeniz Gokcin. Mit ihrem „Nirvana-Projekt“ gelangte sie sogar unter die UK Top 10 Classical Charts auf iTunes. Man musste fürchten: Die nächste Crossover-Sauce. Aber damit hätte man falsch gelegen.

Eugen Onegin schreibt einen Brief ... – Tschaikowskis „Eugen Onegin“ an der Dresdner Semperoper

03.07.16 (Michael Ernst) -
Eben erst „Don Giovanni“ von Mozart, jetzt Tschaikowskis „Eugen Onegin“. Ein Draufgänger nach dem anderen. Aber beide ganz anders. Die Dresdner Semperoper beendet die Spielzeit mit einem sehr runden Erfolg.

Schrille Revue „nach Suppé“ – „Der Teufel auf Erden“ im Münchner Akademietheater

03.07.16 (Wolf-Dieter Peter) -
Francesco Ezechiele Ermenegildo Cavaliere Suppè-Demelli hatte mit den meisten seiner über 200 Bühnenwerken großen Erfolg und ist als „Franz von Suppé“ mit „Leichter Kavallerie“, „Boccaccio“ oder der „Schönen Galathée“ gut bekannt. Seine Operette „Der Teufel auf Erden“ war 1878 eher nur ein mittlerer Erfolg: viel Lob für Handlung und Libretto der geviften Autoren Karl Juin und Julius Hopp, gute Musik, aber kein Ohrwurm, keine Musiknummer, die dann als einzelner Notendruck populär wurde.

„Leibniz‘ Harmonien“ mit Vielfalt, Komplexität und Humor – Preisträgerkonzert des Wettbewerbs

03.07.16 (Juana Zimmermann) -
„Wenn Gott rechnet, und seinen Gedanken ausführt, entsteht die Welt“.
Es ist Leibniz-Jahr in Hannover, denn Gottfried Wilhelm Leibniz‘ 370. Geburts- und 300. Todestag fallen auf 2016. Wenn man von Lena Meyer-Landrut und den Scorpions absieht, ist Leibniz die einzige Berühmtheit Hannovers neben Kurt Schwitters und muss damit stets als Allzweck-Waffe dienen. Das Preisträgerkonzert des international ausgeschriebenen Kompositionswettbewerb „Leibniz‘ Harmonien“ lässt Großes ahnen.
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