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Semperoper geht baden: Alles plätschert bei „Pelléas et Mélisande“

26.01.15 (Michael Ernst) -
Wer Maurice Maeterlinck liest und Claude Debussy hört, wird unweigerlich ein Gespür dafür bekommen, was mit dem Begriff vom künstlerischen Symbolismus gemeint ist. Flucht vor der Realität ist sicherlich nur ein Aspekt dieser Kunstwelt, wie sie in der 1902 uraufgeführten Oper „Pelléas et Mélisande“ geradezu kulminiert. Es werden Konstrukte sinnlicher Scheinuniversen erzaubert, die einzig in den Köpfen hausen, von dort aus aber – im günstigsten Fall – ganz tief in die Herzen sprechen.

Pasternak als Pathosbrei: Zur Uraufführung von Anton Lubchenkos Oper „Doktor Schiwago“ in Regensburg

25.01.15 (Juan Martin Koch) -
Ein durch Hollywood allseits bekannter, erstmals vertonter Stoff als Uraufführung – ein vom Komponisten herbeigefaselter Eklat um die Regie: Das sind die Zutaten, die einem kleinen Haus wie dem Theater Regensburg überregionale Aufmerksamkeit bescheren. Als skandalträchtig erwies sich dann allerdings nicht die Regie, sondern Anton Lubchenkos selbstgefälliger Umgang mit Boris Pasternaks „Doktor Schiwago“ und seine reaktionäre, aus der russischen Musikgeschichte zusammengeklaubte Partitur.

Festspielhaus Baden-Baden feierte Pierre Boulez mit Zugaben, großartigen Musikern und Kindertänzern

22.01.15 (Georg Rudiger) -
Zugaben werden nach Konzerten mit Neuer Musik nur äußert selten gefordert. Aber beim Abschlusskonzert des beeindruckenden Tages „Baden-Baden feiert Pierre Boulez“ im Festspielhaus Baden-Baden herrschte nach der Wiedergabe der rauschhaften, von zehn Schlagzeugern angetriebenen „Notation II. Très vif“ durch das groß besetzte, brillante SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg solch eine Begeisterung, dass Chefdirigent Francois-Xavier Roth dieses effektvolle Orchesterstück gleich nochmals präsentierte. Damit ging das eintägige, international besuchte Pierre-Boulez-Festival mit einem Ausrufezeichen zu Ende.

Verlosung von Eintrittskarten für Cornelie Müllers „Land – Eine Annäherung“ in München am 1.2.2015

22.01.15 (mh) -
Die nmz verlost drei Mal zwei Karten für die Aufführung von Cornelie Müllers „Land – Eine Annäherung“ am 1. Februar 2015 in München. Lesen Sie weiter für mehr Informationen zum Stück und zu den Telnahmebedingungen.

Theater aus dem Geist der Musik: Peter Konwitschny wurde 70

22.01.15 (Michael Ernst) -
Regietheater ist doch kein Schimpfwort, denn was wäre Theater ohne Regie? Peter Konwitschny gilt als Meister des Regietheaters, wird dafür geliebt und gehasst. Gestern feierte der fünfmalige „Regisseur des Jahres“ seinen 70. Geburtstag.

Pascal Dusapins leichtfüßiger Surrealismus – „Perelà – uomo del fumo“ als deutsche Erstaufführung in Mainz

20.01.15 (Frieder Reininghaus) -
Seit geraumer Zeit gilt Pascal Dusapin als Repräsentant der kunstfertigen neuen Musik in Frankreich und nimmt im dortigen Musikleben in etwa die Funktion ein, die Wolfgang Rihm im deutschen Musikleben zukommt. Zu Beginn des letzten Jahrzehnts bearbeitete sich Dusapin den Roman „Il Codice di Perelà“ zum Libretto. Mit ihm hatte sich Aldo Palazzeschi 1911 als literarischer Freibeuter profiliert und versucht, die Meinungsführerschaft unter den „Futuristen“ zu erobern.

Endlich: Keine Spannungen im Nahen Osten – Michel Sajrawy spielte zum Auftakt des 7. BMW Welt Jazz Awards

20.01.15 (Ssirus W. Pakzad) -
Eine Erfolgsgeschichte wird fortgeschrieben: der „BMW Welt Jazz Award“ ist längst zu einer Institution geworden. Der hochdotierte Wettbewerb, der diesmal „Playing My Guitar“ überschrieben ist, geht 2015 bereits in die 7. Runde. Für den ausgesprochen flauen Auftakt sorgte im wie immer proppenvollen Doppelkegel der Palästinenser Michel Sajrawy.

Alles in der Wolfsschlucht – Michael Thalheimers Inszenierung von Webers „Der Freischütz“ an der Berliner Staatsoper

19.01.15 (Peter P. Pachl) -
Carl Maria von Webers 1821 am Königlichen Schauspielhaus in Berlin uraufgeführte Oper um einen vor Prüfungsangst sich den höllischen Mächten verbündenden Jägerburschen, triumphierte seinerzeit mit „Schlagern“, wie dem Jungfernkranz- und dem Jägerchor, war aber auch richtungweisend, insbesondere durch die musikalische Zeichnung des Dämonischen und Grauenvollen. Die Neuinszenierung im Berliner Schillertheater hat die gesamte Handlung an den Ort des Schreckens, in die Wolfsschlucht, verlegt.

Lockenkopf aus Liverpool – Dirigent Sir Simon Rattle wird 60

19.01.15 (Andrew McCathie) -
Er hat einen der wohl begehrtesten Jobs in der Welt der klassischen Musik inne: Seit zwölf Jahren steht Sir Simon Rattle an der Spitze der Berliner Philharmoniker. Der britische Maestro mit dem Lockenkopf gehört zu den unangefochtenen Stars auf dem Podium. Am Montag (19. Januar) wird er 60.

Berlioz‘ „La Damnation de Faust“: Ein großes Finale im Zorn – Anthony Pilavachi mag nicht mehr in Lübeck inszenieren

19.01.15 (Arndt Voß) -
Es ist schon ein starkes Zeichen, wenn ein Regisseur den grandiosen Premierenbeifall, bei dem auch seine Leistung auffallend kräftig gewürdigt wird, unterbricht und ruhig, ja lächelnd verkündet, er werde weiterhin nicht an diesem Hause inszenieren. So geschah es in Lübeck am 16. Januar durch Anthony Pilavachi. Zuvor hatte er Hector Berlioz‘ „La Damnation de Faust“ fulminant abgeliefert, seine 18. Inszenierung in dem Jugendstil-Haus, umso verwirrender seine sehr allgemein artikulierte Unzufriedenheit, überraschend für das Publikum, möglicherweise auch für viele Mitarbeiter des Theaters. Zumindest brachte die Leitung des Theaters weder spontan, noch bei der Premierenfeier eine Antwort zustande. Nachfragen bestätigten nur, dass es wie häufiger schon Spannungen gegeben haben soll, die wohl keine Ausnahme im Probenprozess der immer komplexen Opernarbeit sind. Über das, was wirklich vorgefallen war, schwieg man.

Abziehbilder auf Klangtapete: Uraufführung der deutschen Fassung von Régis Campos „Quai West“ in Nürnberg

18.01.15 (Juan Martin Koch) -
Das ist doch mal eine Produktion, für die sich ein Staatstheater selbstbewusst auf die Brust klopfen darf: Uraufführung, Koproduktion mit einem französischen Opernhaus, erste Vertonung eines anerkannten Dramatikers und ein Theaterstoff, der – obwohl fast 30 Jahre alt – hohe Aktualität besitzt.

Weihe des Hauses: Europäisches Zentrum für Bildung und Kultur Meetingpoint Music Messiaen eröffnet

16.01.15 (Michael Ernst) -
Nachrichten aus Sachsen sind momentan meist von ängstlicher Abgrenzung und engstirnigem Schwarz-Weiß-Denken geprägt. Dass es auch anders geht, dass grenzüberschreitendes und kulturvolles Miteinander möglich ist, wurde im östlichsten Zipfel des Freistaats bewiesen. In der Doppelstadt Görlitz-Zgorzelec schlug die große Stunde für den Verein Meetingpoint Music Messiaen.

Grandiose Musik und eine Inszenierung, die kaum zündet – Marc-Antoine Charpentiers „Medée“ in Basel

16.01.15 (Frieder Reininghaus) -
Das Theater Basel punktete Ende 2014 mit Verdis „Otello“ – dank einer Inszenierung des Intensivkatalanen Calixto Bieito. Nun hat das (noch) vom designierten Hamburger Staatsopernintendanten Georges Delnon geleitete Haus am Bankvereinsvorplatz einen doppelten Kontrapunkt geboten: Die „Medée“ von Thomas Corneille und Marc-Antoine Charpentier.

„Im Kampf mit dem Berge“ – Arnold Fancks und Paul Hindemiths Alpensinfonie neu rekonstruiert auf DVD

13.01.15 (Michael Kube) -
Vieles im Leben wie in der Kunst entspringt einem glücklichen Zufall. So auch 1921, als sich Arnold Fanck und Paul Hindemith in Meran unerwartet kennen lernten. Der eine, Pionier des Bergfilms, schnitt gerade seinen letzten Alpen-Dreh – der andere, kurz vor seinem kompositorischen Durchbruch stehend, begeisterte sich an den bewegten Bildern und schrieb in nur zwei Wochen die wohl erste originäre Film-Musik. Nach viel Stückwerk ist nun „Im Kampf mit dem Berge“ neu rekonstruiert auf DVD erschienen.

Bühnenekstatik vor Studio-Exaktheit – Zum Tod der russischen Mezzosopranistin Elena Obraztsowa

13.01.15 (Wolf-Dieter Peter) -
Wolf-Dieter Peter gedenkt der Mezzosopranistin Elena Obraztsowa, die kürzlich im Alter von 75 Jahren gestorben ist. Er wirft dabei einen differenzierten Blick in ihren Werdegang zwischen Linientreue freien Umgang mit Notenwerten. Eine Künstlerin des „Entweder – Oder“.

Der Schuh des Manitu – Moritz Eggerts Grundzüge einer „atopischen“ Musikästhetik im BadBlog Of Musick

12.01.15 (mh) -
Zwischen den Jahren war unser BadBlogger Moritz Eggert sehr fleißig. In sechs Teilen hat er nicht weniger und nicht mehr als eine kleine bis mittelgroße Musikästhetik und „Gedanken zur aktuellen Situation der Musik und der Notwendigkeit eines neuen Musikverständnisses“ vorgelegt. Wir wollen nicht vergessen, unsere nmz-Leser darauf aufmerksam zu machen und die entsprechenden Links zum Nachlesen zusammenfassend bereitzustellen. Streiten Sie mit Moritz Eggert, lassen Sie sich anregen, stimmen Sie zu oder widersprechen Sie.

Erinnerungen 2014 - Menschen, die unsere Welt verlassen haben

31.12.14 (nmz-mh) -
Bei aller hoffentlich zu rechtfertigenden Vorfreude auf das nächste Jahr, sollten wir einen Blick werfen auf das vergangene. Vor allem in Richtung derer, die unsere Welt hier verlassen haben. Nachrufe in der nmz 2014.

Die Redaktion der neuen musikzeitung wünscht ein friedvolles Weihnachtsfest

24.12.14 (huf) -
Die gesamte Redaktion der neuen musikzeitung und ihre Mitarbeiter wünschen nicht nur allen unseren Online-Besuchern, sondern wirklich allen ein frohes und friedliches Weihnachtsfest. Wir werden in den nächsten Tage auch etwas kürzer treten, halten aber in kleiner Besetzung unseren Informationsdienst selbstverständlich aufrecht. Stöbern Sie derweil gerne in den aktuellen Ausgaben der neuen musikzeitung, der Jazzzeitung/SILBERHORN und von Oper & Tanz. Bestimmt es etwas für Sie dabei.

Geschichten vom Krieg – Das Tanztheater Derevo im Festspielhaus Hellerau mit einer Uraufführung

23.12.14 (Michael Ernst) -
Das in Dresden residierende Tanztheater Derevo aus dem russischen St. Petersburg zeigt ein starkes Stück zum Krieg – die Uraufführung „Aerokraft“ ist eine multimediale Huldigung des Erneuerers Émil Jaques-Dalcroze.

Operette mit unsichtbarer Titelfigur – Deutsche Erstaufführung von Emmerich Kálmáns „Arizona Lady“ an der Komischen Oper Berlin

22.12.14 (Peter P. Pachl) -
Der Titel ist der Name eines besonders schwierigen, am Ende aber siegreichen Rennpferds: Emmerich Kálmán war über der Arbeit an der für den Broadway bestimmten Operette „Arizona Lady“ im Jahre 1943 verstorben; ein Jahr später erfolgte die Uraufführung in Bern, instrumentiert von Wilhelm Friebe. Norbert Biermann hat das Particell nun neu in Partitur gesetzt. Dabei hat sich Biermann mit seiner überaus virtuosen Orchestrierung kundig die Spezifik des zwischen Budapest, Berlin, Wien und New York changierenden Stils von Kálmán getroffen. Das zweimalige Pferderennen gemahnt allerdings an die Ascott-Gavotte von Alan Jay Lerners „My fair Lady“.

„Königskinder“ – (k)ein Kindermärchen? – Premiere der Humperdinck-Oper in Dresden

22.12.14 (Michael Ernst) -
Engelbert Humperdinck ist mehr als nur „Hänsel und Gretel“. Die Semperoper wagt sich jetzt an seine „Königskinder“ heran. Regisseurin Jetske Mijnssen deutet diese Parabel als Zeitstück. Und die Staatskapelle zeigt, was Humperdinck von Wagner gelernt hat. Diese Oper musste nicht auch noch sein, oder? Ausgrenzung erlebt Dresden derzeit doch zur Genüge auf den Straßen und Plätzen in Form von Protest und Gegenprotest. Der Rest ignoriert den verbalen Schlagabtausch und stürmt die weihnachtlichen Warentische. Oder eben nicht.

Merci für all die Evergreens – Schlager-Professor Udo Jürgens ist tot

21.12.14 (dpa) -
Er hat Klatschtanten humorvoll in den Sahnetod geschickt und griechischen Wein zum Ohrwurm gemacht. Er hat Spießigkeit und Heuchelei in ehrenwerten Häusern entlarvt. Und immer, immer wieder hat Udo Jürgens die Hoffnung und die Liebe hochleben lassen. Jetzt ist der große Entertainer im Alter von 80 Jahren gestorben. Hits mit klugen Texten zu wunderbaren Melodien waren sein Markenzeichen – und sind nun als Evergreens sein Vermächtnis.

Unbekannte Autobiographie Georg Philipp Telemanns aufgefunden

19.12.14 (PM - Telemann-Zentrum) -
Im Historischen Staatsarchiv Lettlands (Riga) wurde eine bisher unbekannte Autobiographie des Komponisten Georg Philipp Telemann (1681-1767) entdeckt. Die autographe Skizze befindet sich in Materialien aus dem Nachlass des Rigaer Kantors Georg Michael Telemann, dem Enkel des berühmten Hamburger Musikdirektors und Johanneumkantors. Der Musikwissenschaftler Ralph-Jürgen Reipsch, Mitarbeiter des Zentrums für Telemann-Pflege und -Forschung Magdeburg, hat den sensationellen Fund sowie eine bisher gleichfalls unbekannte deutsch-französische Lebensbeschreibung in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Die Musikforschung publiziert.

Kurz-Schluss – Wie ich einmal versuchte, mit populistischer Blitzbildung das deutsche Volk zu beruhigen

18.12.14 (Theo Geißler) -
Jetzt haben wir den Salat: Seit Jahren und Jahrzehnten sonntagsschwafelt unsere Politiker-Kaste jeglicher Couleur, wie wichtig Bildung sei für die Zukunft unserer feinen Bundesrepublik. Als Grundlage für das Prosperieren unserer Volkswirtschaft und als Fundament vernünftiger Kommunikation. Was aber geschieht? Die Schulzeit wird verkürzt, das Studium „komprimiert“. Zum Segen einer flotteren Absolventen-Verwertbarkeit im Sinne der Ökonomie. Und dann wundern sich unsere wohlbestallten Volks-Vertreterinnen und -Vertreter, dass ihnen niemand mehr glaubt, zuhört, sie wählt. Dass Unsicherheit und Ängste aufblühen, Treibhäuser für dumpfe irrationale „Bewegungen“. PEGIDA boomt.

Tuchfühlung bewirkt Wunder – Neue Musik im Münchner Umland, eine Bestandsaufnahme

17.12.14 (Reinhard Palmer) -
Zeitgenössische Musik ist – letztendlich traditionell – eine Domäne der Großstädte, von ein paar abgelegenen Festivals abgesehen. Zumindest was die lokale Musikszene der jeweiligen Stadt betrifft, bedeutet dies jedoch in der Regel auch eine Nischenbildung. Die Komponisten stehen im Grunde abseits des großen Konzertbetriebs, haben zwar die Möglichkeit, ihre Werke aufzuführen und sich dabei untereinander auszutauschen, doch das breite Publikum nimmt es kaum wahr. In München ist dies nicht anders, trotz internationaler Festivals und Konzertreihen wie musica viva, Münchener Biennale oder Paradisi gloria.
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