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Musik in Farbe und Oper in Bildern: Hindemiths „Mathis der Maler“ in Dresden

02.05.16 (Michael Ernst) -
Eine musikalische Wiedergutmachung? Dresdens Semperoper hat nun endlich – als lokale Erstaufführung – „Mathis der Maler“ von Paul Hindemith herausgebracht. Ein Werk, das in den Anfangsjahren des Nazi-Regimes entstand, in Hitler-Deutschland nicht aufgeführt werden durfte, 1938 in Zürich herauskam und erst 1946 in Stuttgart gezeigt wurde. Ein sperriges, ein spannendes Stück; ein Werk mit Geschichte.

Bunte Collage – Uraufführung von „Chemo Brother“ an der Deutschen Oper Berlin

02.05.16 (Peter P. Pachl) -
Berlins Mitte des 20. Jahrhundert erbautes Opernhaus mausert sich unter seinem Intendanten Dietmar Schwarz zu einem Tempel zeitgenössischen Musiktheaters. In Tagesabstand folgte der Deutschen Erstaufführung der gemeinsam mit Covent Garden produzierten Oper von Georg Friedrich Haas in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin die Uraufführung von „Chemo Brother“.

Schwebende Farbwerte im grauen Spektrum – Georg Friedrich Haas’ „Morgen und Abend“ an der Deutschen Oper Berlin

01.05.16 (Peter P. Pachl) -
Die im November vergangenen Jahres am Royal Opera House Covent Garden in London uraufgeführte Oper des österreichischen Komponisten Georg Friedrich Haas erlebte jetzt an der Deutschen Oper Berlin eine faszinierende deutsche Erstaufführung.

Die Verflüchtigung der Unmöglichkeit – Das Solistenensemble Kaleidoskop in der Sammlung Hoffmann

30.04.16 (Martin Hufner) -
Wir sind in Berlin Mitte, der Abend ist noch nicht angebrochen. In der Spandauer Vorstadt geht man von der Neuen Synagoge kommend an Galerien entlang. Davor Trauben von Menschen, im Gespräch, beim Getränk. Die Sonne bahnt sich einen Weg durch flockigdräuende Wolkengebilde. Dazwischen dann kleine Restaurationen. Tische vor der Tür. Der Puls der Stadt erhöht sich von Moment zu Moment. Es vibriert aber nichts – man existiert, weil man da ist. Schöner Schein. Schöner Sonnenschein.

Vollversammlung der Musikhochschule München zum Thema Diskriminierung jeglicher Art, Mobbing, Stalking und körperliche Gewalt

28.04.16 (Wolf Loeckle) -
„Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, spielt weiter“ sagt der Herzog am Beginn der Komödie „Was ihr wollt“ von William Shakespeare. Dass Musik zumal in ihren Ausbildungsinstituten zuweilen mit körperlicher Nähe zu tun hat, mit erotischer Anziehung, aus der Liebeshändel und dramatische Konstellationen entstehen mögen, liegt in der Natur dessen, was uns seit dem Urknall mit auf den Weg durch unser aller Leben und alle seine Wandlungen gegeben ist, mit denen wir fertig werden müssen. Die traditionsreiche Hochschule für Musik und Theater München erlebt diesertage grade mal keine Komödie.

Podium-Festival Esslingen 2016: Klassik-Events im alten Kino und in der Autowerkstatt

Lange vorher ausverkaufte Konzerte. Ein begeistertes Publikum. Es fehlt nicht an Förderern, auch die Lokalprominenz lässt sich blicken: In seinem achten Jahr schwimmt das Esslinger Podium Festival auf einer anhaltenden Erfolgswelle. Ein Miesepeter, wer dagegen etwas einzuwenden hat. Dennoch muss die Frage erlaubt sein: Was ist das Besondere, was das junge Klassik-Festival von anderen unterscheidet?

Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ an der Hochschule für Musik Hanns Eisler

28.04.16 (Peter P. Pachl) -
Während im britischen Sprachraum die Opernversion von Shakespeares „The Merry Wives of Windsor“, William Waltons „Sir John in Love“, langsam aber beharrlich von Verdis Alterswerk verdrängt wird, rutschten auch die Aufführungszahlen der nur im deutschen Sprachraum bekannten, komisch-fantastischen Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ zugunsten von Verdis „Falstaff“ auf einen nachgeordneten Platz. Otto Nicolais 1849 in Berlin uraufgeführte Oper steht nun unweit des Uraufführungsorts, im Studiosaal der Hochschule für Musik Hanns Eisler, auf dem Programm.

„Musikland Polen – von Mazurka bis Metalmania“ - Jetzt nachhören

28.04.16 (es) -
Mit der neuen Folge unserer Reihe „contrapunkt – Dialog der Kulturen“ laden wir Sie ein, die aktuelle Musikszene Polens zu entdecken. Gleich zwei Ereignisse geben den Anlass, einen Blick in die Kulturlandschaft unseres Nachbarlandes zu werfen: Wrocław, ehemals Breslau, ist in diesem Jahr Kulturhauptstadt Europas. Zugleich wird im Juni 2016 das 25-jährige Jubiläum des deutsch-polnischen Vertrages über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit gefeiert.

Glühender Orchesterbrand in Schwerin – „Salome“ von Richard Strauss

27.04.16 (Heinz-Jürgen Staszak) -
Eine Frau lässt einen Mann töten, seinen Kopf auf einer Silberschüssel reichen, damit sie ihn endlich küssen kann. Die Frau ist die judäische Prinzessin Salome. Sie ist, als Teil der Heilsgeschichte von Johannes, dem Täufer, zu einem Mythos der europäischen Kultur geworden. Oscar Wilde machte sie 1891 zu einem Symbol des verderblichen Zusammenhangs von dämonisierter Sexualität und Tötungslust, woraus Richard Strauss 1905 seine erfolgreiche und damals skandalumwitterte Oper „Salome“ machte.

„Neben Shakespeare etwas Breakdance“ – 35 Jahre Basel Sinfonietta

27.04.16 (Christian Kröber) -
Auch wenn die literarische Welt in diesen Tagen den 400. Todestag des englischen Dichters feiert, stammt die Schlagzeile aus dem Juni 1992, als Basel Sinfonietta noch mit ein wenig Radau auf sich aufmerksam machen musste. Doch diese Zeiten sind vorbei. Und aus der Idee des jungen Trompeters Ruedi Lindner und seinem Studienkollegen, dem Bassisten und Dirigenten, Joel Jenny, ein basisdemokratisches Orchester zu gründen, ist nach 35 Jahren ein in der Schweiz und dem europäischen Ausland anerkanntes Spezialensemble mit Schwerpunkt auf das Zeitgenössische geworden.

Absage an den Hymnus auf die Natur –Janáčeks „Schlaues Füchslein“ an der Oper Frankfurt

26.04.16 (Wolf-Dieter Peter) -
„Im Wald fängt das Leben immer neu an“ – diese finale Textzeile Leoš Janáčeks geht doch nicht mehr in Zeiten von stetiger Wüstenausdehnung, enormer Regenwaldvernichtung, allumfassender Luftverschmutzung und immer neuen Umweltsünden der wachstumsfixierten Führungs- und Funktionseliten weltweit.

Kunst als Zankapfel der Diplomatie – Unsatirische Verwerfungen zwischen der EU und der Türkei

26.04.16 (Michael Ernst) -
Wer entscheidet über den EU-Beitritt der Türkei, Politiker wie die Bundeskanzlerin mitsamt ihren Kollegen aus London, Paris und Rom? Sind es die Herren Davutoglu und Erdogan? Oder ist es ein Häuflein verwegener Künstler, an deren aufklärerischer Haltung nicht nur die Beitrittsverhandlungen, sondern auch die gesamte türkische Unterstützung der europäischen Flüchtlingsprogramme scheitern könnten?

Die Leichtigkeit des Skandals – Philippe Boesmans „Reigen“ an der Oper Stuttgart

26.04.16 (Georg Rudiger) -
Ein Skandalstück ist Arthur Schnitzlers 1920 in Berlin uraufgeführte Komödie „Reigen“, die zehn sexuelle Begegnungen von Mann und Frau beschreibt, schon lange nicht mehr. Sex außerhalb der Ehe ist in Deutschland längst kein Aufreger mehr, sondern gesellschaftliche Normalität. Dennoch hat Schnitzlers ernüchternde Sicht auf die Liebe in Zeiten des Online-Datings nichts an Aktualität verloren. Dies ist am Stuttgarter Opernhaus zu erleben, wo nun 23 Jahre nach ihrer Brüsseler Uraufführung Philippe Boesmans gleichnamige Oper (Libretto: Luc Bondy) anlässlich des 80. Geburtstags des belgischen Komponisten Premiere hatte.

Kurz-Schluss – Wie ich einmal mit einem seriösen Text beim Senior-Autoren-Wettbewerb der Grünen reüssieren wollte...

25.04.16 (Theo Geißler) -
Bitte nicht enttäuscht sein: Ansonsten stehen an dieser Stelle meine bekannt-schrullig-launigen Phantastereien mit begrenztem Wahrheitsgehalt. Diesmal folgt ein anderer Text, den ich veröffentlichen muss, um eine Chance auf die hundert Euro Preisgeld beim oben benannten Contest zu haben. Ich brauch’ sie bitter nötig. [Vorabdruck aus Politik & Kultur, 3/2016]

Hinter die Kulissen der Gefühle geschaut – Tschaikowskis Eugen Onegin in Bremerhaven

25.04.16 (Ute Schalz-Laurenze) -
Es fängt in „Eugen Onegin“ am Stadttheater Bremerhaven alles so harmlos an: In Peter Tschaikowskis „lyrischen Szenen“ von 1877 feiert die russische Gutsherrenlandgesellschaft in Gegenwart des Popen das Erntefest, natürlich in der Sicht des Regisseurs und Ausstattungsspezialisten Andrzej Woron mit hunderten von roten Äpfeln in einem verzaubernden Birkenwald.

Liebesfüchse im wachsenden Schilf – Steffanis „Amor vien dal destino“ an der Berliner Staatsoper

25.04.16 (Peter P. Pachl) -
Cecilia Bartolis Projekt „Steffani Mission“ hat gefruchtet: auf dem 34. Track ihrer vor drei Jahren bei Decca veröffentlichten Doppel-CD ist die Introduzione al dramma „Amor vien dal destino“ zu hören – und diese, 1709 im Rahmen des Karnevals am Düsseldorfer Hof des Kurfürsten von der Pfalz uraufgeführte Oper erklang nunmehr, erstmals seit über 300 Jahren, als Berliner Erstaufführung an der Staatsoper im Schillertheater.

In Hamburg überhebt sich Castellucci an Bachs Matthäus-Passion

23.04.16 (Joachim Lange) -
Wenn sich der Italiener Romeo Castellucci Johann Sebastian Bachs „Matthäus-Passion“ zuwendet, weckt das Erwartungen. Was religiös österliche Erbauung betrifft, sind die eher von düsterer oder bissig erhellender Art. Sein Stück „Über das Konzept des Angesichts bei Gottes Sohn“ bedurfte zumindest in Paris vor vier Jahren des polizeilichen Schutzes vor empörten Katholiken. In Berlin ging es dann ohne den Furor des Beleidigtseins über die Bühne.

Zwischen Bordell und Sonnentod – Mascagnis „Iris“ an der Neuköllner Oper

22.04.16 (Peter P. Pachl) -
Eine ungewöhnliche Publikumsmischung in der Neuköllner Oper: ältere Besucher, denen man sonst eher in den drei großen Berliner Opernhäusern begegnet, gemischt mit sehr viel jüngeren Opernbesuchern, darunter zahlreichen italienisch sprechendem Publikum und sehr vielen Asiaten, insbesondere Japanern.

Musiktheaterprojekt „Neuland Blomagal“ an der Deutschen Oper Berlin

21.04.16 (Peter P. Pachl) -
Die Fragestellung, wie sich jemand fühlt, der in einem Land ankommt, dessen Kultur er nicht kennt und dessen Sprache er nicht versteht, wurde von 22 Geflüchteten und 22 Berliner Jugendlichen an der Deutschen Oper bearbeitet, als ein „Neuland Blomagal“ mit eigener, einfacher Sprache und ungewohnten Verhaltensweisen, in der Tischlerei begehbar installiert.

„Capriccio“ von Richard Strauss im Theater an der Wien

20.04.16 (Frieder Reininghaus) -
Ein Ausflug in die Welt von gestern mit einigen Abstechern. Frieder Reininghaus war bei der Premiere dieses von Tatjana Gürbaca in Szene gesetzten eigenartigen Stoffs. Gürbacas Inszenierung verknüpfe „das werkimmanente Konflikt-Potential mit dem einen oder anderen Fingerzeig auf die militaristischen und gewalttätigen Kontexte im Entstehungszeitraum des Werks (bis hin zur Andeutung von Bücherverbrennung).“

Fall-Analyse eines Krankheitsbildes – Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ in Augsburg

17.04.16 (Wolf-Dieter Peter) -
„Um was Gutes zu erwischen, hilft nur Eins: Im Trüben fischen“ singt die korrupte Polizei im Werk von 1934. Stalin reagierte 1935 darauf: er ging in der Pause. Kurz darauf erschien in der „Prawda“ der berüchtigte Artikel „Chaos statt Musik“ – was folgte, ist ein besonderes Kapitel von „Politik und Oper“. Doch obiger Satz und viele andere Inhalte lassen Schostakowitschs Musikdrama leider auch sehr „heutig“ erscheinen.

Faszinierende Traumwelten – Bernhard Langs „Der Golem“ am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt

17.04.16 (Georg Rudiger) -
Der eine Nackte kriecht aus dem Souffleurkasten. Die anderen beiden Männer, die ebenfalls nur eine kegelförmige Kapuze über dem Kopf tragen, erscheinen aus dem Hintergrund. Den ganzen Abend sind die drei Performer in der Inszenierung von Peter Missotten präsent und wandeln durch den Raum. Sie stehen wie auch die Videosequenzen von Missotten, die auf das Bühnenbild projiziert werden, für eine zweite Ebene, die rational nicht zu ergründen ist.

Ein kitschiges Herzkissen für Antonio Smareglia: „La Falena“ im Staatstheater Braunschweig

17.04.16 (Peter P. Pachl) -
Die rare, dank dem Staatstheater Braunschweig ermöglichte Begegnung mit Antonio Smaregilas dreiaktiger Oper „La Falena“ macht die Geistesverwandtschaft des Komponisten zu James Joyce, der Smareglia bewunderte, nachvollziehbar. Denn selten sonst wird in der Oper mit so viel Wortreichtum und mit einer solchen Vielfalt von Modulationen und Tonmalerei so viel Assoziatives ausgesagt, aber zugleich so wenig an Aktion transportiert – nimmt man einmal Richard Wagners „Handlung in drei Aufzügen“ aus; der „Tristan“ allerdings stand mit seiner unendlichen Melodie Pate für jenes „Theater der Poesie“, das der 1854 im heute in Istrien liegenden Pola geborene Komponist als Gegenbewegung zum Verismo entwickelt hat.

Über die Undurchhörbarkeit der Katastrophe

15.04.16 (Hans-Jürgen Linke) -
Uraufführung der Oper „Benjamin, dernière nuit“ von Régis Debray und Michael Tabachnik in Lyon. Heimatlosigkeit hat viele Erscheinungsweisen, Disziplinlosigkeit kann eine davon sein. In der Oper „Benjamin, dernière nuit“ fragen die Mandarine der Frankfurter Schule, angespornt von Max Horkheimer, den getriebenen Walter Benjamin mit inquisitorischem Gestus, in welcher Disziplin er eigentlich arbeite: Historiker? Kunsthistoriker? Zionist? Architekt? Marxist? Theologe? Von allem ein bisschen, antwortet, eher ratlos als großspurig, Walter Benjamin in Regis Debrays Libretto.

Klänge, die wie Brücken sind – Kagel satt beim „klangbrücken“-Festival in Hannover

14.04.16 (Juana Zimmermann) -
Der aufmerksame Hannoveraner oder auch nur der, wer notgedrungen an roten Ampeln stehen blieb, die hier stets mit Litfaßsäulen umsäumt sind, kam gar nicht daran vorbei: „Mauricio Kagel – klangbrücken“. Was gibt es Wundervolleres als eine Woche sehr viel Musik, die sich um einen legendären Komponisten dreht, direkt vor der Haustür?
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