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Schwergewichtige Zwillingsgeburt: In München wurde das neue Beethoven-Werkverzeichnis vorgestellt

30.10.14 (Juan Martin Koch) -
Mit einem Festakt in der Bayerischen Staatsbibliothek ist das neue thematisch-bibliographische Verzeichnis der Werke Ludwig van Beethovens präsentiert worden. Der G. Henle Verlag legt damit das neue Referenzwerk in Sachen Beethoven-Forschung vor.

Wenn das Papp-Ross wiehert und der Kaiser grüßt – Die Musikalische Komödie in Leipzig macht einen Ausflug ins Weisse Rössl

29.10.14 (Joachim Lange) -
Das Weisse Rössl ist eines von den Operetten-Wundertieren, bei denen das Erbgut noch aus den zwanziger Jahre stammt. Auch wenn es Singspiel heißt und einem Lustspiel aus dem 19. Jahrhundert auf der Spur ist. Nach seiner Berliner Uraufführung als große Revue 1930 ist es durch alle politischen und ästhetischen Umbrüche getrabt, ohne sich ernsthaft das Fell zu versengen. Auch wenn es sich auf der immergrünen Alm der Heimatfilme mit grünendem Kitsch-Gras zu überfressen drohte. Die Hits sind so eingängig, der Plot so komödiantisch, schlicht und menschelnd, dass sie dieses Wunderpferdchen wie einen Schutzpanzer schirmen.

Flutwelle als Standbild – Verdis „Otello“ im Landestheater Detmold bremst sich selbst aus

„Schlachten.Feste.Katastrophen“ – unter dieses Motto hat das Landestheater Detmold seinen aktuellen Spielplan 2014/2015 mit Schauspiel, Musiktheater und Ballett gestellt. Durchaus mit dem Blick auf den 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs – aber auch darüber hinaus. Geht es nicht in allen drei Sparten immer wieder auch um dies: um Rache (Schlachten), Happy End (Feste) und Eifersucht (Katastrophen)? Mit Giuseppe Verdis „Otello“ zeigt Detmold die erste Opernpremiere dieser Spielzeit. Und da kommt an Katastrophen ja einiges zusammen!

Vom „Aufschrei“ und vom Aufschrei gegen denselben – 11. Ausgabe des Mülheimer „Utopie jetzt!“-Festival

29.10.14 (Georg Beck) -
Im Einführungsgespräch soll der Komponist der bevorstehenden Uraufführung sagen, welche „Gesichter“ von ihm uns in seiner Musik „begegnen“ werden. Ein Begehren, das uns an einen anderen Reporterkollegen erinnert, der einen namhaften Schriftsteller mit der Bitte konfrontierte, er möge doch einmal „mit seinen eigenen Worten“ sagen, was in seinem neuen Buch stehe. Wie also? Künstler, die nicht mehr gelesen, gehört, sondern nur noch interviewt werden?

Catalanis schöne neue Alpenwelt – Die selten gespielte Oper „La Wally“ in Mannheim

28.10.14 (Frieder Reininghaus) -
Er ist kein lammfrommer Chorknabe des Musiktheaters mit weißem Krägelchen und zwischen München und Bremen kein unbeschriebenes Blatt: Tilman Knabe. Der Regisseur, der unter anderem Katholische Theologie studierte, fiel nicht nur an Rhein und Ruhr „aus dem Rahmen“ mit einem sexgeladenen Händel-„Orlando“, einem kindisch-läppischen „Rheingold“ (in dem Alberich als Peepshowkunde onaniert), einer mit nackten Delinquenten geschmückten Puccini-„Turandot“ – Saint-Saëns‘ „Samson et Dalila“ sorgte schon vor einer Kölner Premiere wg. der kriegsüblichen, auf der Bühne aber nicht jedermann plausiblen Massenvergewaltigung und -erschießung für Verwerfungen im Opernhaus und für Anwürfe der ziemlich gleichgeschalteten örtlichen Presse.

Zukunftsmusik mit Geschichte: Trossingen trifft Nanchang – Das Projekt „Seidenstrasse 21“ wurde in Baden-Württembergs Berlin präsentiert

27.10.14 (Theo Geißler) -
Baden-Württemberg kann – wenn es nur will – auch chinesisch. „Seidenstraße 21“ war ein opulent gefördertes Stipendien-Projekt übertitelt, das der Trossinger Musikhochschule einen höchst leibhaftigen – aber auch elektronischen – Austausch mit der Partner-Universität im chinesischen Nanchang ermöglichte. „Wir stiften Zukunft“ lautet das Leitmotiv der Landesstiftung Baden-Württemberg, deren Wirken sich manch anderes Bundesland gut und gern zum Vorbild nehmen könnte.

„Endlich mal was Schönes“ am Theater Bremen – Armin Petras’ Tolstoi-Adaption von „Anna Karenina“ mit Musik von Sebastian Vogel und Thomas Kürstner

27.10.14 (Ute Schalz-Laurenze) -
Uraufführung am Theater Bremen: „Anna Karenina“ von Sebastian Vogel und Thomas Kürstner. Aber wer sich hier eine Uraufführung neuer Musik erwartete, sah sich getäuscht. „Endlich mal was Schönes“ hörte man mehrfach nach der viel umjubelten Aufführung. Was war zu hören?

Freiheitskämpfer – ein kleines Großfestival in München zu Ehren von Christian Wolff

27.10.14 (Wolf Loeckle) -
Ein Samstag Vormittag Ende Oktober 2014 am Geschwister-Scholl-Platz zu München, spätsommerliche Sonne am Horizont, der legendäre Lichthof der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) im legendären Licht, so um elf Uhr. Christian Wolff ist angesagt, achtzig geworden in diesem Jahr, geboren in Nizza, vor deutscher Politik flüchtend, vorauseilend, in den USA gelandet. Er erlebt jetzt, wie im leuchtenden München sein achtzigster Geburtstag gefeiert wird, mit einem außergewöhnlichen Festival.

Spielerischer Märchenzauber – Augsburgs Oper bietet Humperdincks „Hänsel und Gretel“ als zeitloses Allzweck-Musiktheater

26.10.14 (Wolf-Dieter Peter) -
Wiederholt ein Hauch von „Mehr als Bühnenspektakel“: Gleich anfangs sitzt eine reizende alte Dame mit altmodisch feschem Hut mitten im Publikum – und geht dann; Hänsel und Gretel betteln auf ihrem Weg in den Wald erst das Publikum in der ersten Reihe an und lassen dann Dirigent Lancelot Fuhry nicht in Ruhe, bis er ein paar Münzen ins Beerenkörbchen spendiert hat – während die Augsburger Philharmoniker souverän das Zwischenspiel fortsetzen; da kommt auch die alte Dame wieder in den Zuschauerraum und verteilt ein paar Süßigkeiten an die kleinen Besucher in den vorderen Reihen. Ansonsten: reine Märchenerzählung.

Traumfrauen soll man nicht umbringen – Korngolds „Die tote Stadt“ in Chemnitz

26.10.14 (Michael Ernst) -
Chemnitz hält sich den Spiegel vor und zeigt „Die tote Stadt“ von Erich Wolfgang Korngold. Lohnt es sich, von den leeren Straßen ins auch zur Premiere nicht ausverkaufte Opernhaus zu wechseln?

Weigala Wau Wau – Am Thalia Theater in Hamburg versucht sich Antú Romero Nunes an Wagners Ring

26.10.14 (Joachim Lange) -
Einen Ring fast ohne Musik auf die Bühne bringen, wie es der als Regiewunderknabe gehandelte Antú Romero Nunes jetzt versucht hat, heißt vom Gesamtkunstwerker Richard Wagner vor allem den Dichter ernst nehmen. Was für sattelfeste Wagnerianer zumindest ein Déjà-vu Vergnügen ist. Bei dem man dann auch gerne darüber hinwegsieht, dass Fricka, Freias Apfelplantage mit bewirtschaftet und Erda als Kriemhild mitspielt.

Knallig bunt, grell und schrill – Sondheim-Musical in Hagen mit Licht und Schatten

Seit Jahren leidet das Theater Hagen an finanzieller Blutarmut, immer und immer wieder werden die Daumenschrauben angezogen, weil die klamme Kommune an der Kultur sparen will. Und dennoch: die Theatermacher haben nie den Kopf hängen lassen, singen, spielen, tanzen auf hohem Niveau, machen zudem auch noch gute Kinder- und Jugendarbeit. Und sie sorgen für einen interessanten, abwechslungsreichen und mit einigen Erst- und Uraufführungen durchaus auch mutigen Spielplan. Jetzt stand Stephen Sondheims Musical „Die spinnen, die Römer“ auf dem Programm.

Der unbekannte Britten: CDs mit frühen Streichquartetten sowie Radio- und Theatermusiken

25.10.14 (Mátyás Kiss) -
Die zu Lebzeiten nicht publizierten Früh- und Nebenwerke von Benjamin Britten sind in zweierlei Hinsicht besonders ergiebig: Erstens qualitativ, weil die Sinfonietta op. 1 von 1932 bereits die No. 746 (sic!) von insgesamt 1.183 Einträgen im thematischen Katalog der Britten-Pears Foundation darstellt – die 95 Opusnummern also bloß die Spitze des Eisbergs bilden; zweitens qualitativ, weil Britten da zuweilen mehr Risiken eingeht und sich in Stilrichtungen bewegt, von denen er sich sonst fernhält.

Live-Stream: CLASS-Germany.de, Klassik.TV und die Hochschule für Musik und Theater München präsentieren den „Vorecho 2014“

24.10.14 (PM) -
Am Vorabend der diesjährigen ECHO Klassik-Verleihung sind bei einer Konzert-Gala in der Hochschule für Musik und Theater München, am 25. Oktober, ab 19 Uhr bereits zahlreiche Preisträger zu Gast. CLASS, der Zusammenschluss der unabhängigen Produzenten, Label, Tonmeister und Vertriebe, bietet mit dem Vorecho 2014 einen innovativen Auftakt für ein großes Wochenende der Klassik. Der Erlös des Abends kommt der Vereinigten Stipendienstiftung der Hochschule für Musik und Theater München zugute.

Von Räubern, Wildschweinen und dem Erwachsenwerden –Young Opera Company Freiburg begeistert mit Glanerts „Die drei Rätsel“

22.10.14 (Georg Rudiger) -
Für Kinder und Erwachsene eine Oper zu komponieren, ist nicht einfach. Zwischen Überforderung und Unterforderung liegt das Spannungsfeld, das musikalisch beackert werden muss. Die Geschichte sollte einfach zu erzählen sein, aber auch genügend Stoff zur Dramatisierung bieten. Detlev Glanert ist mit seiner Oper „Die drei Rätsel“ der Spagat zwischen Zugänglichkeit und Anspruch gelungen.

Szenische Überfülle um einen einsamen Peter Grimes im Münchner Prinzregententheater

22.10.14 (Wolf-Dieter Peter) -
Das Bemühen um eine „Regie-Handschrift“ hat bei Regisseur Balázs Kovalik leider zu Fixierungen geführt: zu wenig Vertrauen in die tragende Kraft von erstklassiger Musik wie der Benjamin Brittens; deshalb szenische Hinzuerfindungen, damit auf der Bühne immer „action“ herrscht; prompt werden Nebensächlichkeiten zu detailliert inszenierten Wichtigkeiten; ebenso prompt leidet die Personenregie der Hauptfiguren; wo immer es geht, wird rüder Sex bis hin zu Sado-Maso vorgeführt; um die Modernität „alter“ Opernstoffe zu beweisen, müssen Video-Einblendungen und ein Kamerateam mit Live-Bildern mitspielen …

Vorhang auf, es darf geträumt werden – Hans Krásas Oper „Die Verlobung im Traum“ in Karlsruhe

21.10.14 (Joachim Lange) -
Das Badische Staatstheater Karlsruhe erwirbt sich mit der Neuproduktion von Hans Krásas Oper „Die Verlobung im Traum“ nicht nur Rehabilitierungslorbeeren, sondern unterhält zugleich sein Publikum aufs Beste.

Szenen eiskalten Startums in Janáčeks „Sache Makropulos“

20.10.14 (Wolf-Dieter Peter) -
Im Umfeld von Münchens Staatsoper tobt schon seit Wochen ein Star-Hype: Anna Netrebko und Jonas Kaufmann sollen in Puccinis „Manon Lescaut“ singen. Star-Sein, wenn irgend möglich in ewiger Schönheit, ist für Münchens Schickeria ein zwischen Brasiliens Schönheitsfarmen und hiesigen Arztpraxen höchstaktuelles Thema. Mag sein, dass deswegen Regisseur Árpád Schilling das Werkende um Janáčeks Gesangsstar Elena Makropulos „münchnerisch“ verfälscht hat.

Leise rieselt der Schnee – Das Theater Lübeck mit einer „Bohème“ hinter Gaze

19.10.14 (Arndt Voß) -
Weihnachten steht vor der Tür. Was passt da besser als Puccinis Ohr und Herz wärmende „La Bohème“? Aber das Theater Lübeck setzte noch eines drauf. Es hatte den italienischen Regisseur Paolo Miccichè eingeladen, das Geschehen um die Blumenstickerin und den armen Poeten zu inszenieren (Premiere: 17. Oktober). Denn Miccichè ist bekannt dafür, durch Lichteffekte und Projektionen auch aufs Auge zu wirken.

Das echte Füchslein und die falschen Gefühle – Leoš Janáček an der Semperoper Dresden

19.10.14 (Michael Ernst) -
Regisseur Frank Hilbrich will Leoš Janáček auf den Grund gehen. An der Dresdner Semperoper untersucht er die biografischen Intentionen im Original von „Füchsin Schlaukopf“. Die Sehnsucht eines alten Mannes und ein echter Fuchs. Ob das zusammengeht? In der Oper? Auf der Bühne?! Aber ja, aber wie!

Katastrophenwetter an der Wolga – Am Staatstheater Meiningen beeindruckt Ansgar Haag mit Leoš Janáčeks „Katja Kabanova“

18.10.14 (Joachim Lange) -
Opern von Leoš Janáček (1854-1928) ins Programm zu nehmen, ist immer noch nicht so selbstverständlich wie er es eigentlich sein müsste. Die Musik des Tschechen ist grandios und ohne den Bombast eines Puccini. Zwischen Spätromantik und Moderne behauptet sie ihren eigenen Platz. Ihr spezieller Parlandostil ist dem tschechischen Sprach-Mutterboden so harmonisch entwachsen wie sonst vielleicht nur das Belcanto dem Italienischen. Die symphonischen Passagen sind betörend atmosphärisch. Seine Opern erzählen nicht von Göttern oder Prinzen, sondern meist von den Bedrängten. Von Frauen zumal, die mit ihrem Schicksal die Zeche für die Unterdrückungsmechanik der männerdominierten Werteordnung zahlen.

Triumph der Randfiguren – Richard Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ konzertant in der Berliner Philharmonie

15.10.14 (Peter P. Pachl) -
Berlin hätte im Richard Strauss-Jahr durchaus die für und gemeinsam mit Max Reinhardt und seinem Berliner Ensemble realisierte Urfassung von Richard Strauss’ sechster Oper verdient. Gerade wenn aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Arbeiten an der Obermaschinerie der Deutschen Oper Berlin eine Ausweichspielstätte gefunden werden musste, wäre eine Aufführung der Ur-„Ariadne“ denkbar gewesen. Aber in der Philharmonie erklang die gängige Zweitfassung aus dem Jahre 1916.

Architektur der Musik: Lichtvolle Klänge in Wroclaw

15.10.14 (Michael Ernst) -
Alle zwei Jahre richtet die Oper Wroclaw ein Festival der zeitgenössischen Oper aus und beweist damit, wie ernst sie es mit der musikalischen Moderne meint. In diesem Herbst fand dieses Festival zeitgleich mit den World Music Days 2014 statt, die von der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM bzw. ISCM für International Society for Contemporary Music) seit 1922 in jährlich wechselnden Städten ausgerichtet werden.

Zum 70. Geburtstag des Komponisten Mathias Spahlinger

15.10.14 (Andreas Kolb) -
Erst Anfang dieses Jahres war Mathias Spahlinger mit dem mit 15.000 Euro dotierten Großen Kunstpreis Berlin ausgezeichnet worden. Die Akademie-Jury würdigte ihn als einen Komponisten, dessen Schaffen in herausragender Weise künstlerische Verantwortung und gesellschaftspolitisches Bewusstsein verbinde. „Seine Musik gewinnt ihre Kraft aus dem konsequenten Versuch, unter der Oberfläche der Erscheinungen die Mechanismen ihrer Entstehungsbedingungen mitzudenken und in unerhörte klangliche Erfindungen zu verwandeln. Seine Werke existieren in einem Spannungsfeld zwischen ästhetischer Autonomie und politischem Bewusstsein wie bei kaum einem anderen Komponisten.“

Liebelei mit dem Tod – Lorenzo Fioroni inszeniert am Staatstheater Kassel den „Rosenkavalier“

13.10.14 (Joachim Lange) -
Gibt es eigentlich eine weibliche Form für Kavalier? Der Rosenkavalier jedenfalls ist ein (von einer Frau gesungener) junger Mann von Stand, der sein Scherflein dazu beiträgt, die arrangierte Hochzeit zwischen einem sanierungsbedürftigen Landadligen und der Tochter eines Neureichen durch die Überreichung einer Silberrose einzuleiten. Was gründlich daneben geht, weil der sich selbst in die Braut verliebt. Als Rosenkavalier jedenfalls versagt dieser Graf Rofrano komplett. Als jugendlicher Liebhaber der Fürstin Feldmarschall Marie-Therese von Werdenberg und als Heiratskandidat für die Tochter des Herrn von Faninal Sophie hingegen ist er um Klassen besser.
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