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„Mit Unterthänigkeit Scardanelli“ – Ein Holliger-Wochenende in Luzern

01.09.14 (Andreas Kolb) -
Vier Wochen dauert das Lucerne Festival jeden Sommer von Mitte August bis Mitte September. Berühmte Orchester, große Pultstars und internationale Solisten geben sich im futuristischen Luzerner Konzertsaal KKL die Klinke in die Hand. Jeder Abend muss gelingen, wenn 3.680 Augen und Ohren den hochpreisigen Auftritt des Stardirigenten, der Starsolistin verfolgen. Doch parallel zu diesem Klassik-Glamour entwickelte sich das Lucerne Festival in den vergangenen Jahren immer stärker zu einem Festival der zeitgenössischen Musik.

Angela – die Alternativlose – Florian Lutz inszeniert in Lübeck Wagners Tannhäuser als Psychogramm der Merkel-Ära

01.09.14 (Joachim Lange) -
Richard Wagners „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“ erweist sich immer wieder als erstaunlich offen für Interpretationen. Dabei kann sich jeder wagemutige Regisseur auf das Bonmot des Komponisten an seinem Lebensende berufen, wonach er der Welt noch einen Tannhäuser schuldig sei. Er selbst hat eine ganze Auswahl von diversen Fassungen hinterlassen. Und so mäandert die Rezeptionsgeschichte zwischen einem Diskurs über Sexualmoral und Frauenbild, Künstleroper und Gesellschaftsporträt, historischem Spektakel oder analytischer Spurensuche nach dem Ungeklärten und Brisanten für die Gegenwart oder irgendwo dazwischen.

Steine, Wasser, Luft und der Klang der Musik – Das Demenga-Festival im südlich-alpinen Val Calanca

28.08.14 (Max Nyffeler) -
Wie bringt man Leben in ein dünn besiedeltes Bergtal, das am Eingang mit einer Schlucht verriegelt ist und nach fünfzehn Kilometern im Niemandsland von Alpweiden und Geröllhalden endet? Natürlich mit Musik. Die Musikerfamilie Demenga praktiziert das alle drei Jahre mit einem Festival, das Werke von Barock bis Moderne in die Dörfer bringt und ein zahlreiches, bunt gemischtes Publikum aus nah und fern anlockt.

Mitten im Krieg und auf dem Wege nach Cardiff – Uraufführung von „Trans-Maghreb“ und Neufassung des „Schauspieldirektor“

26.08.14 (Peter P. Pachl) -
Mit seiner elfjährigen Intendanz der Bregenzer Festspiele hatte David Pountney eine Bresche für das zeitgenössische Musiktheater geschlagen. Als letzte Uraufführung in der Schiene KAZ, „Kunst aus der Zeit“, erfolgte das Mitwandertheater „Trans-Maghreb“ und als letzte Premiere eine eigenwillige Neufassung von Mozarts „Schauspieldirektor“.

Funktion gesellschaftlicher Repräsentation – Das Musikfest Berlin im 10. Jahrgang, ein Gespräch mit Winrich Hopp

25.08.14 (Andreas Kolb) -
Das Musikfest Berlin ist ein Orchesterfestival, das von den Berliner Festspielen alljährlich in der Berliner Philharmonie Anfang September veranstaltet wird. Das Festival wurde erstmals 2005 präsentiert, 2006 übernahm Winrich Hopp die Festivalleitung, 2007 folgte sein erstes Programm. In diesem Jahr besteht das Musikfest Berlin in seinem zehnten Jahr. Die neue musikzeitung sprach mit Winrich Hopp über die Funktion und Bedeutung des Festivals.

Das vierte „Kraftwerk der Gefühle“ – Zum Ende der Intendanz David Pountney bei den Bregenzer Festspiele

25.08.14 (Wolf-Dieter Peter) -
“From bad to worse“ antwortet David Pountney augenzwinkernd auf die Frage nach einem kurzen Resümee seiner elfjährigen Intendanz bei den Bregenzer Festspielen. Dieser typisch britische Humor kam über die Jahre gut an und prägte das ganze Haus.

Kurz-Schluss – Wie ich einmal die Gründung einer Akademie fürs gesunde Volksempfinden einleiten durfte

22.08.14 (Theo Geiẞler) -
Horror, Notstand, Abgrund: Deutschlands Brutto-Inlands-Produkt (BIP) sinkt ebenso aktuell wie überraschend um Nullkomma-Zwo Prozent. Galoppieren wir blind in nordkoreanische Ökonomie-Verhältnisse? Italien rumpelt in die Rezession. Die Euronen-Zone stottert und humpelt. Angeblich denken Österreich, die Schweiz und Liechtenstein schon darüber nach, ihre Grenzen vor abgemagerten bundesrepublikanischen Wirtschaftsflüchtlingen zu schützen, auch um deren Flucht übers Mittelmeer nach Nordafrika etwas schwerer zu machen. Der DAX röchelt kurz vor dem Erstickungstod knapp über der Neuntausender-Marke herum. Krauss-Maffei, Heckler & Koch, Sig Sauer sowie weitere wichtige Protagonisten unseres Wirtschafts-Wunderlandes denken über Werksschließung nach. Und wer ist schuld? Natürlich die Politik.

Fast 20 Jahre Anlauf zum Deutschpop-Olymp – Niels Frevert am Ziel

22.08.14 (dpa) -
Kaum ein deutscher Singer/Songwriter montiert Mutterwitz, Melancholie und Mitgefühl so souverän mit stilvollem Pop wie Niels Frevert. Bisher haben dies noch zu wenige mitbekommen - meint auch der Musiker selbst. Sein neues Album soll das nun ändern. Und warum auch nicht.

Schwarzweißer Bilderbogen – Franz Schuberts „Fierrabras“ bei den Salzburger Festspielen

20.08.14 (Peter P. Pachl) -
So wohl wünschten sich die konservativen Besucherkreise bei den Bayreuther Festspielen eine „Lohengrin“-Inszenierung: gefällige Arrangements auf einer perspektivische Gassenbühne, kunstfertig umgesetzt aus schwarz-weißen, filigranen Federzeichnungen. Am ehesten in der Dialogarbeit mit dem Solistenensemble ist die Handschrift des Regisseurs Peter Stein wahrzunehmen, gleichwohl wirken auch die Dialoge old fashioned.

So Matsch Music! – Der Chiemsee Summer 2014 – Verbrüderungen inklusive

19.08.14 (Ralf Dombrowski) -
Der Wettergott ist ungnädig und schickt Wolken über das Voralpenland. Die Reggae-Gemeinde trägt es mit Fassung und zieht Gummistiefel an. Eindrücke vom Chiemsee Summer, einem der größen Festivals der Bayerischen Musiklandschaft.

Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg – Das 15. Internationale Gitarrenfestival in Hersbruck

18.08.14 (Oliver Hochkeppel) -
Vielleicht ist es das größte Kompliment für die Arbeit des künstlerischen Leiters Johannes Tonio Kreusch, dass einige vorab murrten, die großen Stars seien bei der 15. Ausgabe des Internationalen Gitarrenfestivals Hersbruck ja nicht dabei – bei einem Line-up unter anderem mit dem Flamenco-Granden Paco Peña, den Internet-Stars Adam Rafferty und Jon Gomm oder dem bereits zum dritten Mal angereisten Los Angeles Guitar Quartet.

Eine Institution des deutschen Jazz – Michael Naura wird 80

18.08.14 (dpa) -
Auf Bitte des Fotografen setzt sich Michael Naura noch einmal an sein Klavier und spielt Jazz. „Du bist ein guter Typ, das sehe ich sofort“, sagt Naura. In der Nachkriegszeit war er einer der erfolgreichsten Jazzpianisten in Deutschland, er gehörte zu den besten Jazzmusikern – neben Albert Mangelsdorff, Heinz Sauer, Ernst-Ludwig Petrowsky und dem Vibrafonisten Wolfgang Schlüter. Eine zweite Karriere – bedingt auch durch eine Erkrankung, die ihn zum Pausieren zwang – machte er im Hörfunk. Von 1971 bis 1999 leitete er ebenso sachkundig wie scharfzüngig die NDR-Jazzredaktion.

Aufsteigende Dämmerung – Bei der RuhrTriennale tanzen in De Keersmaekers Choreografie „Verklärte Nacht“ wieder die Menschen

17.08.14 (Joachim Lange) -
In der Jahrhunderthalle in Bochum gab es am Eröffnungswochenende von Heiner Goebbels letzter RuhrTriennalen-Ausgabe diesmal eine Art getanzte Gegenposition zu Romeo Castelluccis Version von „Le Sacre du Printemps“. Das in Duisburg gezeigte Stück ist mehr eine Installation, als eine Choreographie. Sie kommt ohne Tänzer aus und führt damit im Grunde eine der ältesten menschlichen Künste ad absurdum.

Zivilgesellschaft und Knochenmühle – Zur Eröffnung der RuhrTriennale mit Strawinsky und Andriessen

16.08.14 (Frieder Reininghaus) -
Mit der Materie ist das so eine Sache. Im wirklichen Leben konkurriert sie bevorzugt mit der Energie. Bezüglich des Musiktheaters handelt es sich bei „De Materie“ um das erste Werk, mit dem das Mitte der 80er Jahre eingeweihte neue große Theater in Amsterdam, das nun die Nationaloper und das Nationalballett der Niederlande beherbergt, für internationale Aufmerksamkeit sorgen konnte.

Basisarbeit für Musikkritik: Benedikt Leßmann erhielt Schulz-Preis für neue Musikpublizistik

14.08.14 (Martin Hufner) -
Im Rahmen eines Konzertes der 47. Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt hat der Leipziger Musikwissenschaftler und Musikjournalist Benedikt Leßmann den mit 3000 Euro dotierten Reinhard-Schulz-Preis für zeitgenössische Musikpublizistik aus der Hand des Direktors der Internationalen Musikinstituts Darmstadt, Thomas Schäfer, erhalten. Die Laudatio hielt der Juryvorsitzende Peter Hagmann (NZZ).

Wie hören Sie Musik? Befragung für eine psychologischen Studie der Universität Marburg

12.08.14 (Alexandra Linnemann) -
Musikhören stellt eine Aktivität des täglichen Lebens dar. Dabei häufen sich Befunde, dass das Hören von Musik im Alltag mit gesundheitsfördernden Effekten einhergeht. Unklar ist bislang allerdings, wovon diese Effekte beeinflusst werden. Im Rahmen einer psychologischen Studie der Universität Marburg interessieren wir uns für die Art und Weise, mit der Musik gehört wird.

Nachts im Museum – Verdis „Il Trovatore“ wird in Salzburg zur Anna Netrebko Show

11.08.14 (Joachim Lange) -
Dass die Salzburger Festspiele ein Problem haben, ist nicht zu übersehen. Die Zeiten, in denen einem hartnäckige Fans mit „Suche Karte“ -Schildern in der Hofstallgasse oder vor dem Landestheater entgegen kamen, sind längst vorbei. Dieser Eindruck wird verstärkt, wenn man liest, wie Alexander Pereiras Expansionskurs die Festspiele und die Stadt zu überfordern beginnt. Besonders schmerzlich ist das, wenn man bspw. die freien Plätze beim Liederabend von Anja Harteros im Haus für Mozart registrieren muss.

Mit der Kunst gegen den Tod: Marc-André Dalbavies „Charlotte Salomon“ bei den Salzburger Festspielen

08.08.14 (Joachim Lange) -
Das Anliegen ist festspielwürdig, die Ausführung ist es auch. Im Programm des laufenden Salzburger Festspieljahrgangs korrespondiert die dem verstorbenen Salzburgerneuerer Gerard Mortier gewidmete Uraufführung der Oper „Charlotte Salomon“ in der Felsenreitschule inhaltlich am ehesten mit den "Letzten Tage der Menschheit" im Landestheater. Zumindest in dem Versuch, den Festspielglamour mit einem Schuss Erinnerungs-Ernsthaftigkeit anzureichern.

taktlos-Rückblende 2004: Musikhochschule, Musik und Medizin, Operette. Neues aus dem Archiv

08.08.14 (nmz-mh) -
Seit 1998 gibt es das Musikmagazin taktlos. In frührerer Zeit gab es davon bis zu 12 Sendungen im Jahr. Momentan sind es nur noch sieben. Die nächste kommt übrigens Anfang Oktober zum Thema „schöne neue Musik“. Jetzt haben wir ein paar alte Sendungen aus dem Jahrgang 2004 umgewandelt und neu bereitgestellt. Dabei geht es um die „Zukunft der Musikhochschulen“, „Musik auf der Krebsstation: Musik macht Mut“ und die „Operette als Land des Schwächelns“. Moderation wie immer: Theo Geißler.

Ist ein Traum und kann wirklich sein … – Bei den Salzburger Festspielen präsentieren Regie Altmeister Harry Kupfer und Franz Welser-Möst einen „Rosenkavalier“ der begeistert

06.08.14 (Joachim Lange) -
Erst hatte Franz Welser-Möst genug vom expandierenden Festspielzirkus. Festspielintendant Alexander Pereira hält damit in Salzburg ja bekanntlich nicht bis ans Ende seines Vertrages durch. Er wechselt vorzeitig nach Mailand an die Scala, ist aber auch da schon wieder ebenfalls vorzeitig gekündigt worden. Den Italienern war es einfach zu dreist, dass er mit ihrem Budget seinem vorherigen Arbeitgeber Produktionen abkaufen wollte, um die dort entstandenen Lücken zu schließen …

Die Kraft von Wort und Klang – HKGruber fasziniert als Multitalent bei den Bregenzer Festspielen

05.08.14 (Wolf-Dieter Peter) -
„Wir lassen unsre Welt nicht verbessern, nicht mit Wörtern und erst recht nicht mit Messern. Wir brauchen auch keine Revolution, denn das was wir brauchen das haben wir schon“ - so bissig und entlarvend kennt man den 1943 in Wien geborenen Heinz Karl Gruber – dieses Multitalent, der im zitierten „Bürgerlied“ in bester Brecht-Weill-Manier ansingt gegen „die Verhältnisse, die nicht so sind“ und das auch sagt: „Dös is‘ mir sehr wichtig, aber ich bin gegen das Plakative, deswegen hab‘ ich mich immer für den HC Artmann interessiert, der politische Statements verschlüsselt.“

Im Wetteifer von Sprachgewalt, Blasmusik und Elektronik – Karl Kraus“ „Die letzten Tage der Menschheit“ bei den Salzburger Festspielen

05.08.14 (Peter P. Pachl) -
Eine Aufführung des einem Marstheater zugedachten Stücks Die letzten Tage der Menschheit durch den Regisseur Max Reinhardt hatte der Autor Karl Kraus abgelehnt, da er befürchtete, der werde eine Revue daraus machen. Ein knappes Jahrhundert später stehen bei den von Reinhardt gegründeten Festspielen eine szenische Aufführung als Derivat von Kraus’ über 200 Szenen umfassenden Montage in einer stark von Musik bestimmten Aufführung auf dem Programm.

69. Sommerliche Musiktage Hitzacker – durchgetanzt!

05.08.14 (Jutta de Vries) -
„Der Tanz war frenetisch, feurig, phantasievoll, vermessen, verschlingend, verbindend, vielgestalt, fordernd, philosophisch, verzückend … und viel zu schnell vorbei!“ Das documenta (13)-Motto von Carolyn Christov-Bakargiev, hier Musiktage-adäquat abgewandelt, passt wunderbar auf die diesjährige Veranstaltung, die nach neun ereignisreichen Tagen am vergangenen Sonntag zu Ende ging – und eigentlich ist damit auch schon alles gesagt.

Wege der Öffnung – Veranstaltungen der Darmstädter Ferienkurse für neue Musik 2014 zum Mithören

04.08.14 (Martin Hufner) -
Das Geheimnis um Darmstadt ist groß. Darmstadt wie Donaueschingen oder Witten ist in der Szene der Neuen Musik ein magisches Wort. Vielleicht das magische Wort schlechthin. Seit den 50er Jahren spielten sich dort großer Diskussionen auf und ab, verbunden mit Namen wie Stockhausen, Nono, Boulez und Cage. In diesem Jahr probiert man vor Ort etwas grundlegend Neues: Einige Veranstaltungen, Diskussionen und Lesungen, werden live über das Internet übertragen. Heute geht es los mit einer Diskussion und zwei Lesungen (Fachsprech: Lectures).

Kein Crossover zur Milchstraße – Uraufführung einer Sitcom-Oper bei den Bregenzer Festspiele

02.08.14 (Wolf-Dieter Peter) -
Letztlich nötiger als alle Brüsseler Bürokratie: das EBF – „European Bureau for Future“ – mit Sitz in der Milchstraße 142a des österreichischen Klosterneuburg. Doch aus den EBF-Projekten „Weltraummüllabfuhr“, „Europäisches Armutsverbotsgesetz“, „Eichelhäher-Sturm-Frühwarnsystem“ oder „Zukunftsfähigkeitsformel“ ist an schnicken weißen Bürotischen, weißen PC-Keyboards und auf der guten alten Couch in Klosterneuburg bislang wenig geworden.
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