Eine Sackgasse voller Versatzstücke: ein Live-Mitschnitt von Philip Glass’ Orpheus-Oper auf CD
Während bei Telemann und Czerny nur der geringste Teil des Œuvres verfügbar ist und nur langsam wiederentdeckt wird (dies dann aber mit ziemlichen Überraschungen!), sorgt das Label »Orange Mountain Music« schon zu Lebzeiten von Philip Glass für eine nahezu ungebremste Verbreitung seiner Partituren, Performances und Produktionen. Ein stimmiges Gesamtkonzept, das nahezu vollständig auf seine Person zu geschnitten ist – so sehr, dass man im Booklet der neuesten Produktion mit viel Understatement auf jeglichen Einführungstext verzichtet und neben der obligatorischen Synopse nur noch das Libretto abdruckt.
Ohnehin hätte es nicht viel Neues zu berichten gegeben: Auch wenn Glass wohl erstmals in der Geschichte der Oper sich bei der Wahl der Vorlage auf einen Film bezieht (auf die 1949 von Jean Cocteau mit autobiographischem Anspruch produzierte Neudeutung des antiken Orpheus-Mythos) und dessen französischen Text übernimmt, so bleibt er doch seinem einmal erfolgreich erprobten ästhetischen Konzept und den nun leider schon landläufig bekannten Patterns treu – bis hin zur zitathaften Verwendung einzelner Rhythmen, harmonischer Fortschreitungen und Bewegungsmodellen.
Eine psychologische Vertiefung der gleich in doppelter Weise geschichtsträchtigen Vorlage bliebt indes aus. Die Komposition nivelliert sich vielmehr selbst. Eine Sackgasse voll eigener Versatzstücke. Daran kann auch das Ensemble der Portland Opera nichts ändern (es verdiente mindestens einen Stern mehr als die müde Partitur).
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