Eklat: Marcel Reich-Ranicki lehnt Deutschen Fernsehpreis ab


(nmz) -
(dkr-oz) Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat beim Deutschen Fernsehpreis für einen Skandal gesorgt. Er weigerte sich bei der Aufzeichnung vergangenen Samstag auf der Bühne, die Auszeichnung entgegen zu nehmen. Der Deutsche Fernsehpreis wurde in Köln aufgezeichnet. Die Verleihung war gestern (12.10.) ab 20.15 Uhr beim ZDF zu sehen. Der Deutsche Kulturrat begrüßt eine angekündigte Sendung zur Qualität der öffentlich-rechtlichen Programme.
12.10.2008 - Von Olaf Zimmermann

Thomas Gottschalk, der die Gala moderierte, versuchte Reich-Ranicki zu besänftigen: Er bot Reich-Ranicki an, in einer Sendung gemeinsam mit Senderchefs über die Qualität im Programm zu diskutieren. Das ZDF nahm diesen Vorschlag auf und wird Reich-Ranicki dazu einladen, wie der Sender laut Agenturmeldungen heute mitteilte.

Der Deutsche Kulturrat begrüßt eine solche Sendung ausdrücklich. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: "Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk steht in der Kritik. Auf der einen Seite wird ihm eine inhaltliche Verflachung vorgeworfen und auch vom Deutschen Kulturrat wird kritisiert, dass er zu wenig Kultursendungen ausstrahlt. Auf der anderen Seite wird der Vorwurf erhoben, er erreiche schon längst nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung und von daher sei die Gebührenfinanzierung mittelfristig mit großen Fragezeichen zu versehen. Über diesen vermeintlichen Zielkonflikt muss endlich offensiv debattiert wird.

Die Weigerung von Marcel Reich-Ranicki den Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk entgegen zu nehmen könnte die dringend notwendige Diskussion auslösen." 

Qualitätsdebatte

Wie Herr Kreidler ja auch just gefordert hat, muss eine Qualitätsdebatte her, man kann Herrn Ranicki nur danken, auch wenn es eigentlich schon traurig ist, dass es soweit kommt, dass ein alter Mann sich so entrüsten muss. Der Skandal ist eigentlich nicht, was Ranicki gesagt hat, sondern das was da drumherum gesendet wird.


Debattentod

Jetzt ist auch klar, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Zukunft wirklich verspielen will.

Da lobe ich mir den Deutschlandfunk, der einmal monatlich (halbjährlich?) die Diskussion mit seinen Hörern sucht und die Intendanz und der Wellenchef sitzen da und hören und reagieren. Zu einer ganz normalen Sendezeit an einem ganz normalen Sendeplatz.

Diese Abschiebung dürfte den angeblich von Gottschalk nachher gesagten Satz „So, jetzt sind wir wieder unter uns und können weitermachen“ in die vollendete Tat umsetzen.


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