Entdeckungen im Gedenkjahr: Kammermusik von Martinu in neuen Einspielungen
Warum es Martinu bis heute nicht in das breite Bewusstsein der „Kenner und Liebhaber“ geschafft hat, mag an den Zeitumständen liegen, die seine Biographie geprägt haben: Geboren in Ostböhmen verschlug es ihn – nach Jahren in Paris und der Emigration in die USA – am Ende seines Lebens in die Schweiz. Doch auch die Musik ist stilistisch nur schwer zu fassen: Hier finden sich neben nationalromantischen böhmischen Relikten helle impressionistische Farben, aber auch spröde Originalität. Sicher scheint nur, dass sich Martinu wohl kein einziges Mal irgendwo musikalisch angebiedert hat.
Während seinen Sinfonien bereits einige Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde (erinnert sei an die famose Aufnahme der Vierten mit dem Orchestre National de Belgique und Walter Weller bei dem Label Fuga Libera, 2007), war es bisher mit exemplarischen Aufnahmen aus dem umfangreichen kammermusikalischen Œuvre (immerhin 7 Streichquartette) nicht sonderlich gut bestellt.
Umso erfreulicher sind gleich zwei Neuproduktionen: zunächst eine CD mit groß besetzter Klavierkammermusik, dann ein Doppelalbum, das Werke unterschiedlicher Besetzung aus drei Jahrzehnten vorstellt. Mit seinem charakteristisch warmen, satten und „böhmischen“ Klang nimmt sich das Kocian Quartett (mit Ivan Klánsky am Klavier) gleich drei kompositorischer Schwergewichte vor und wird den eigentümlich zwischen den Zeiten stehenden (und gelegentlich gar nach Minimal Music klingenden) Partituren in wirklich jeder Weise gerecht.
Einen durchsichtigeren, stärker die Struktur sezierenden Tonfall legen die Musiker des französischen Ensembles Calliopée an den Tag. Für das Klavierquartett (1942) eine willkommene ergänzende Sichtweise, die das Werk surrealistischer erscheinen lässt. Bilder unterkühlter Romantik ruft das hörenswerte Streichquintett (1927) hervor; bei dem Streichtrio Nr. 1 (1924) handelt es sich gar um ein erstes Meisterwerk – übrigens die Ersteinspielung des Werkes, das bis 2005 als verschollen galt und durch Zufall in Kopenhagen wieder aufgefunden wurde (worüber ein kleiner Dokumentarfilm Auskunft gibt).
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Entdeckungen im Gedenkjahr: Kammermusik von Martinu
Es freut mich, dass Sie auf Bohuslav Martinu aufmerksam gemacht haben. Ich erlaube mir darauf hinzuweisen, dass der Komponist nicht ganz so vergessen wurde, wie Sie schreiben. In Basel finden seit 1995 unter meiner Leitung die “Internationalen Musikfesttage B. Martinu” statt. Letztes Jahr feierten wir gross seinen 50.Todesjahr. Zudem haben sich die Opernhäuser Zürich, Bern, Luzern, Biel, Solothurn und Genf (bis 2012) uns angeschlossen und führ(t)en ebenfalls zum 50. Todesjahr des Komponisten verschiedene Bühnenwerke auf. Gerne lade wir Sie zu unserem nächsten Festival im November ein. Herzlich, Robert Kolinsky
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