Ferchow vor der Röhre: Udo Jürgens als geerdeter Star in einer ZDF-Doku
Höfer und Kammertöns entschieden sich für die richtige Art der Dokumentation. Sie erweisen sich als stille Begleiter. Lassen Bilder etwas mehr sprechen als Worte. So kommt man in den Genuss, Udo Jürgens auf sich wirken zu lassen.
Zum Beispiel bei den Proben zu seiner Deutschlandtournee oder bei unzähligen Backstage-Ausschnitten. Interviews, in den Udo Jürgens offen über seine Kindheit berichtet, seine Tiefen nicht beschönigt, aber auch klar umreisst, warum er zu den erfolgreichtsten deutschsprachigen Künstlern gehört, bieten Gelegenheit den Menschen Jürgens ebenso wie den Künstler kennenzulernen.
En passant ergibt sich durch die Gespräche und zahlreiches Bildmaterial eine kleine Biographie, die wenigstens die wichtigsten Stationen des Udo Jürgens enthält. Größere Ausschweifungen sind eben im 45 Minuten Format nicht zu bewerkstelligen. Denn sicher hätte Udo Jürgens mehr zu erzählen. Und man kann ihm zuhören. Weil er geerdet wirkt, das richtige Maß findet und sich ebenso in Bescheidenheit übt. Etwas als ihm Herbert von Karajan vorschlug, gemeinsam Gershwins Rhapsody in Blue aufzuführen, Jürgens aber ablehnte, weil er seine Grenzen erkannte.
Ein insgesamt gelungenes, spannendes und interessantes Portrait, das Höfer und Kammertöns angefertigt haben. Leider viel zu kurz, denn sind wir mal ehrlich: Der Österreicher Jürgens ist doch der allerletzte große deutsche Künstler, der uns bleibt. Da hätten die Produzenten schon mal 90 Minuten Sendezeit veranschlagen dürfen.
Samstag, 3. Oktober 2009 um 06.45 Uhr
Mein Leben - Udo Jürgens (Deutschland, Schweiz, Russland, 2009, 44 Min, ZDF)
Regie: Hans-Bruno Kammertöns, Irene Höfer
Wiederholungen: Keine
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