„Ich denke an das Kind in mir“ – 75. Geburtstag des Komponisten Wilfried Hiller


(nmz) -
Das sagt der unvermindert tätige schwäbische Münchner, der eher erstaunt schaut, wenn er damit konfrontiert wird, dass er der meistgespielte zeitgenössische Komponist ist.
15.03.2016 - Von Wolf-Dieter Peter

Natürlich greifen deutsche und ausländische Theater gerne auf eines von Hillers Werken zurück, wenn sie „Kinder- und Jugendtheater“ machen – etwa auf eine der Fabeln mit Texten von Michael Ende oder das „Traumfresserchen“ oder „Peter Pan“ oder „Pinocchio“ oder die Kinderoper „Waldkinder“ mit dem Libretto von Rudolf Herfurtner. Die Aufzählung und auch die Weitung der Alters- oder „Ziel“-Gruppe ließe sich fortsetzen mit „Der Jagd nach dem Schlarg“, dem „Geigenseppel“ für Marionettentheater, über den urbayerischen „Goggolori“ hin zu „Schimmelreiter“, „Rattenfänger“ und „Wolkenstein“ oder dem „Flaschengeist“. Immer wieder eingängiger Rhythmus und sofort zugängliche Klangwirkung im theatralischen Momenterlebnis zeichnen Hillers Werke aus.

Der kompositorische Elfenbeinturm heutzutage meist verstiegener Partitur-Konstruktionen ist seine Sache nicht: „Musik ist eine sinnliche Kunst… und so wie sie entsteht, muss sie auch den Hörer oder Zuschauer ergreifen.“ Dieses Ziel der „unmittelbaren Bühnenwirkung“ lässt sich in Hillers Werdegang wohl auch durch die für ihn zentrale Begegnung mit Carl Orff nach 1968 herleiten.

Damit ist aber nur die säkulare Musiktheater-Facette von Hillers Schaffen angerissen. Immer wieder haben ihn auch große Persönlichkeiten der religiösen Welt angeregt: Schon in Münchens unvergessener Marstall-Experimentierbühnenzeit 1979 „Ijob“, 2005 „Augustinus“ und 2010 „Der Sohn des Zimmermanns“. Von „Muspilli“ bis zur „Heiligen Nacht“ für Männersextett spannt sich ein weiterer Bogen, der zunächst europäisch geweitet wurde. Von „Schulamit“ bis zu „Gilgamesch“, von „Niobe“ über „Sappho“ bis zu „Lilith“ oder „Aias“, dann aber auch weltweit hin zu „Haiku“ reicht der Horizont. All dies ist durchdrungen von der Faszination durch fremde und innovative Instrumente und Klänge – gleichsam „beruflich“ unterfüttert durch Hillers langjährige Zuständigkeit als Redakteur für „Weltmusik“ im Bayerischen Rundfunk. Erstaunliches und Herausforderndes findet sich da auch in der Liste seiner breit gefächerten Instrumentalkompositionen.

Nun wird er durch Konzerte, eine Ausstellung mit Skulpturen einer befreundeten Künstlerin und eine Buchpräsentation im Münchner Orff-Zentrum gefeiert. Doch Wilfried Hiller ruht nicht: Für 2018 hat das Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz - dann wieder im renovierten Stammhaus - die Uraufführung von seiner neuen Oper „Die Schneekönigin“ angesetzt. Da bleibt nur: Herzlicher Glückwunsch – und frohes Schaffen!

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