Im Zeichen der GEMA – Der Natobesuch in Berlin


(nmz) -
Zum dritten Mal wurde gestern Abend der Deutsche Musikautorenpreis der GEMA, Motto: Urheber ehren Urheber, verliehen. Anstelle des gewohnten Verleihungsplatzes im Axica-Gebäude am Brandenburger Tor, hatte man dieses Mal das Ritz-Carlton Hotel am Potsdamer Platz nehmen müssen. Eine Nato-Besprechung durchkreuzte die Pläne. Die Gäste haben aber auch den neuen Platz gefunden. 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur fanden sich ein. – Ein etwas lapidarer Kommentar aus der Online-Redaktion.
15.04.2011 - Von Martin Hufner

In insgesamt zehn Kategorien wurde der Musikautorenpreis 2011 vergeben – von „Komposition Oper/Lied“ bis zu „Komposition Rock“, von „Text Liedermacher/Lied“ bis „Text Schlager“. Die Trophäe in Form eines stilisierten Notenschlüssels erhielten: Reinhard Mey; Ulrich Reuter; Prof. York Höller; Prof. Dr. Hans Werner Henze; Jutta Staudenmayer; Annette Humpe, Adel El-Tawil, Florian Fischer, Sebastian Kirchner (Ich + Ich); Matthias Jabs, Klaus Meine, Rudolf Schenker (Scorpions); Prof. Aribert Reimann; Alin Coen sowie Der Graf und Henning Verlage (Unheilig).

Und Reden wurden auch geschwungen, sei es vor der Vorspeise, oder in Form von Laudationes und Dankesreden. Immer dazwischen, und manchmal Reste des „guten Geschmacks“ streifend, wenn nicht übertretend –nennen wir sie der Einfachheit halber launig –, der Moderator Dieter Moor. Wie würdig oder unwürdig das Spektakel und seine Protagonisten vielleicht auch agierten, die Veranstaltung verändert sich und verändert sich nicht. In seinen Grußworten wiederholt sich unterdessen der Kulturstaatsminister Bernd Neumann, dass man sie vielleicht in Zukunft gleich einkürzen kann. „Urheber sind wichtig“ und „ich habe die Bagatellklausel gegenüber Frau Zypries gekippt“. Toll, wenn man weiß, was kommt. Denn was kommt, ist das, was war.

Arien für die GEMA

In ihren Dankesworten überschlugen sich die Prämierten geradezu kniefallend gegenüber die GEMA. So hat die GEMA (oder besser die Einnahmen, die man mit ihr erzielt) Reinhard Mey die musikalische Freiheit geschenkt, Annette Humpe kann damit sich und ihr Kind ernähren. Klaus Meine, Frontmann der Scorpions: „Wir werden oft gefragt, was gebt ihr jungen Bands als Ratschlag? Glaubt an euch selbst, lebt euren Traum, folgt euren Herzen, versucht in euren Herzen die richtige Inspiration zu finden und vergesst nicht, euch bei der GEMA anzumelden. Besser isses!“

Ähnlich stark wie letztes Jahr war auch die Presse vertreten. Genauer gesagt, die Fotopresse. Und dies vorrangig beim Einzug der Künstler. Im Blitzlichtgewitter funkeln die Stars und Supernovae besser denn je. So können die Künstler aus dem Bereich der E-Musik einigermaßen unbehelligt durchschlüpfen. Von der schreibenden Zunft waren dann jedoch nur wenige Vertreter vor Ort. Die Mischung aus Glamour und Selbstreferenzialität neigt sich da zu beiden Seiten gleichermaßen. Angenehm peinlich der Auftritt von Stefanie Hertel als Laudatorin, die ihre „heile Welt“ auch in und gegen Fukushima zu verteidigen wusste. Auf jeden Text gehört eben ein grober Schlager.

Hans Werner Henze

Aber es gab auch eine sehr beeindruckende und bewegende Szene. Hans Werner Henze war selbst zugegen, um den Preis fürs Lebenswerk entgegen zu nehmen. Er kam über den Seiteneingang, still, leise und vorsichtig. Und auch er wurde vor die Fotografen zitiert, die immerhin jetzt doch etwas höflicher umgingen. Es ist eben ein Spiel.

Die Laudatio auf Hans Werner Henze hielt Nobert Lammert, der Bundestagspräsident. Diesen hat sich Henze auch gewünscht. Und es gibt vielleicht keinen zweiten politischen Redner, der so hintersinnig und klug formulieren kann. Der CDU-Mann feierte den Kommunisten. Aber eben nicht als politischen Menschen sondern als Komponisten. „Notwendig sind nicht Museen, Opernhäuser und Uraufführungen, notwendig ist die Schaffung des größten Kunstwerks der Menschheit: die Weltrevolution“, zitierte er den Preisträger, um dann fortzufahren, „Hans Werner Henze erhält den Preis für den Nachweis, dass wir eben doch Opernhäuser und Uraufführungen brauchen. Die wichtigsten Revolutionen haben nicht in der Politik stattgefunden, sondern in der Kunst.“ Vielleicht stimmt es nicht, aber es klingt gut.

Henze bedankte sich, vom Alter gezeichnet, in einfachen und kurzen Sätzen. Henze freute sich über die empfundene „Brüderlichkeit und Freundlichkeit, auf die man nicht verzichten möchte.“ Stehende Ovationen.

Aus dem E-Musik-Bereich erhielten York Höller (Kategorie Instrumentalmusik) – leider verhindert – und Aribert Reimann (Kategorie Oper / Lied) die Preise. Damit dürfte in diesem Jahr Reimann (53 Jahre Mitglied der GEMA) nach dem diesjährigen Erhalt des Siemens-Musikpreises zum Superstar der E-Musik-Szene aufsteigen. Dass Reimann Preisträger werden würde wussten allerdings die Twitterer von schottmusic schon eine halbe Stunde zuvor. Aha! Die haben offenbar damit gerechnet, dass zu diesem Zeitpunkt der Prämierte schon bekanntgegeben worden wäre – den Strich durch die Rechnung machte ihnen der Ablauf. Aber das stellt natürlich insgeheim infrage, welche undichten Stellen es da bei GEMA und Schott gibt? Der Twitterstream der nmz war jedenfalls sauber.

Interessant ist vielleicht, dass unter den Nominierten und Preisträgern einige politisch links stehende Künstler zu finden waren. Peter Michael Hamel, Hans Werner Henze und Konstantin Wecker. Aber das nur eine Randnotiz.

Für Eindrücke von der Veranstaltung haben wir eine kleine Fotogalerie zusammengestellt.

Achja. Lieber Herr Lammert, die Revolution findet in der Kunst statt? Dann wäre die Vertreibung wegen der Nato-Sache wohl doch ein unmäßiger Akt politischer Unvernunft oder Dummheit, oder?

Erwartet die Urheber, Vorstandsvorsitzender der GEMA, Harald Heker. Foto: Hufner
Standesgemäße Begrüßung im Ritz-Carlton. Foto: Hufner
Vor dem Hotel, bei seinen Fans, Konstantin Wecker. Foto: Hufner
Ging leer aus. Jennifer Rostock auf der Freitreppe des Hotels. Foto: Hufner
Das Preislogo setzt machem unerwartet die Hörner auf. Foto: Hufner
Man mag es kaum glauben, aber sie war Laudatorin, Stefanie Hertel. Foto: Hufner
Ging auch leer aus. Peter Michael Hamel. Die Gema verleiht Flügel. Foto: Hufner
Platz für Fotografen im DIN A4-Format. Foto: Hufner
Die Beine von Jennifer. Foto: Hufner
Preis für das erfolgreichste Werk. Eine legendäre Kategorie. Der Graf. Foto Hufner
Preisträgermund und Laudatoren-Grinsen. Foto: Hufner
Im Seiteneingang. Hans Werner Henze. Foto Hufner
Beeindruckend die Ruhe im Blitzlicht, aber nicht nur die, Hans Werner Henze. Foto: Martin Hufner
Rocker halt. Die Skorpione aus Hannover mit den Laudatoren. Foto Hufner
Schon wieder ein gehörnter Preisträger aus der Kategorie Nachwuchs. Alin Coen. Foto: Hufner
Ein schönes Paar. Kirsten Harms und Aribert Reimann. Foto: Hufner
Guck mal wie der klingt. Aribert Reimann mit Trophäe. Foto: Hufner
Die Presselounge. Links der Mann von der GEMA, Peter Hempel. Foto: Hufner
Spielte kaum eine Rolle dort: Musik. Hommage an Goebbels. Das Klavier vorm Fahrstuhl. Foto: Hufner

Autorenpreis

Da brauche ich ja gar keinen ironischen Artikel für den Bad Blog schreiben, Du hast ja schon alles geschrieben, was man hätte schreiben können :-)
Ich fand es auch erstaunlich, dass Reinhard Mey sich als “frech” bezeichnete und die Scorpions sich als “echte Rocker”, und dann aber eigentlich immer nur von Geld sprachen. Ich hätte Konstantin Wecker den Preis von Herzen gegönnt…
Moritz Eggert


DMAP: zum Kommentar

Ach, das ist i r o n i s c h. Jetzt verstehe ich.
- Frank Dostal -


Ad Dostal

Für Sie ist es erst recht Ironie!

„Man ersieht daraus: es kann ebenso irionisch sein, wissend zu tun, wo man weiß, daß man unwissend ist, als unwissend zu tun, wo man weiß, daß man wissend ist.“ [Kierkegaard]


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