Imbiss in Donaueschingen – Tag null


(nmz) -
Alle Jahre wieder: Dort, wo die schöne Blaue, also die Donau, einem Stadtpark entspringt, pflegt man seit Zwischenkriegszeit vorhutisches Komponieren, treibt den Materialstand voran und gibt der guten, alten deutschen Atonalität die Ehre: Seit Donnerstag gibt Komponist Stefan Beyer seinen täglichen Bericht von den Festtagen für Neue Musik.
15.10.2008 - Von Stefan Beyer

Sitzen sieben Sachsen in einem silbergrauen Opel Zafira auf der Reise ins Badische. Klingt nicht nur lustig, sondern ist tatsächlich Anfang alljener Dinge, die sich kommender Tage in diesem Blog abspielen werden. Also: sieben Leipziger auf dem Weg nach Donaueschingen.

Donaueschingen! Wo der Mittzwanziger Wolfgang Rihm mit seinem Streichtrio einst seinem Werdegang entscheidende Impulse gab, wo man kulturpolitische Öffnung nach „drüben“ hin – damals noch mit dem Dirigenten Ernest Bour (der einen reizvollen zeitgeschichtlichen Lebenslauf aufwies) – betrieb (wobei drüben ebendort ist, wo besagter Opel Zafira dieser Stunden seine Tour begann). Also auf geht’s, wie man in der Leipziger Volkszeitung (die einen reizvollen zeitgeschichtlichen Lebenslauf aufweist) so sagt, zu „den geheimbündlerischen Zirkeln der (West-)Avantgarde“ (LVZ, 13./14.09.2008)!

Vom 17. bis zum 19. Oktober dauert das Programm des Südwestfunks, derweil eine Schar von Studierenden schon am 15. anreist, also Mittwoch, um die Musiktage auf Einladung der hiesigen Fürstlich Fürstenbergischen Brauerei mit etwas Vor- und Warmlauf musikfestlich zu beginnen. „Off“ heißt dieses Programm, das uns sämtliche Konzertbesuche ermöglicht, und Gespräche mit Komponisten (mit echten, nicht mit uns), Probenbesuche und Seminare miteinschließt.

Nun ist Donaueschingen technologisch voll up-to-date, die Konzerte bringt der SWR ebenso so „live“ wie „Dolby Digital 5.1“ – das Festival an und für sich war unterdessen nicht immer frei von Kritik und Mäkeleien. Rihms Streichtrio also war 1977: doch was sagen die Mittzwanziger von heute? Diese andere Perspektive soll ab morgen das Thema des Blogs sein. Grüße vom Donau-Imbiss!

„Andere Perspektive“
Dossier: 
Donaueschingen 2008

Viel "Spaß" ;-)

Lieber Stefan,

ich wünsche dir - als meinen offiziellen “Nachfolger” in Sachen “geiler” Berichterstattung (frei zitiert nach Reinhard Schulz - obwohl ich in meinem Darmstadt-Blog dieses Wort nicht ein einziges Mal erwähne…) [weißt aber schon, daß du natürlich nur ein schlechter Ersatz bist, weil ich keine Zeit habe, oder!?! Oh nein, das gibt wieder Ärger… ;-)] - und meinen anderen lieben Leipziger Studienkollegen (Grüße!) viel “Spaß” (…) und ein paar mehr luzide Hörerlebnisse als 2007. Und ernährt euch bitte gesünder als letztes Mal. Ich weiß noch genau, das ich während einer Podiumsdiskussion mit Bazon “68-ist-ja-leider-vorbei” Brock letztes Jahr in Donaueschingen mir noch einen frischen Salat im Saal reinspachtelte, während ihr natürlich mal wieder nach Döner duftete…

In diesem Sinne grüßt dich und die anderen:

der böse Darmstadt-Blogger,

AL


Voll Neid les ich den Avantgarde-Report...

…denn mich hats nach Berlin verschlagen. Dort muss ich erlauschen, wie der Deutsche Musikrat Nachhilfestunden in elementarer Kulturpolitik absitzt und die GEMA wieder mal nix kapiert. Sehr fröhlich, animierend und informativ Ihr Bericht, lieber Stefan Beyer. Allein - was hatte Frau Lemke-Matwey an sich selbst zu feiern? Gibts da pikante Details?
Neu-Gierig:
Theo Geißler
www.nmz.de


Keinerlei Details

Keinerlei Details, Herr Geißler, zumal pikante. Nichts mehr als eine Suche nach Sensatiönchen meinerseits. Jedenfalls stand das Diskussionsrundenfazit offenbar schon vor der Diskussion.

Herzlich,
Stefan Beyer


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