Kopierschutz: Urheberrechtskrieg zwischen DECE und Marktführer Apple vorprogrammiert
Nach Einschätzung so mancher Experten ist durch die DECE-Pläne bereits der nächste große digitale Urheberrechtskrieg vorprogrammiert. Als ausschlaggebend hierfür erweise sich vor allem der Umstand, dass sich mit Apple der derzeitige Marktführer im digitalen Musikbereich mittlerweile gänzlich von dem Kopierschutz verabschiedet habe).
"Wenn das Konsortium an seinen Plänen zur Umsetzung einer neuen DRM-Generation festhält, wird es zu einem Krieg zwischen Apple und dem DECE kommen", gibt sich MG Siegler, Technik-Redakteur und Trend-Scout des US-amerikanischen News-Portals VentureBeat, gegenüber dem Guardian überzeugt. Da Apple sich auf der kürzlich zu Ende gegangenen Macworld nun gegen den Einsatz des DRM-Kopierschutzes im Rahmen seines iTunes Musik-Stores entschieden habe, werde es in weiterer Folge zu einer Art Pattsituation zwischen beiden Seiten kommen. "Ohne den Eintritt Apples in das Konsortium kann man sich sicher sein, dass Geräte dieses Herstellers keine kopiergeschützten Inhalte des DECE abspielen werden können. Gleiches gilt natürlich auch umgekehrt", erklärt Siegler. Einen Einstieg des Unternehmens aus Cupertino in das DECE hält der Branchenexperte für mehr als unwahrscheinlich: "Wir reden hier über Apple, einen Konzern, der schon seit jeher stets sein eigenes Ding durchgezogen hat."
Das Thema DRM hat innerhalb der vergangenen Jahre bereits des Öfteren für heftige Auseinandersetzungen in der Musikbranche gesorgt. Während von Seiten der Industrie vielfach damit argumentiert wird, dass der Kopierschutz als wirksames Mittel im Kampf gegen Online-Piraterie unbedingt nötig sei, sehen die User selbst darin vor allem eine Einschränkung der Verbraucherrechte. "Ich bin fest davon überzeugt, dass es über kurz oder lang keine DRM-geschützten Musikdownloads mehr geben wird", meint Timo Becker, Mitbegründer des Musik-Download- und Community-Portals djtunes.com, auf Anfrage von pressetext. Im Rahmen des eigenen Angebots habe man von Anfang an bewusst auf den Kopierschutz verzichtet.
Da mittlerweile die Forderung nach freien MP3-Downloads von Userseite zunehmend lauter werde und Konkurrenzanbieter diesbezüglich bereits reagiert hätten, sei das Apple-Einlenken keine große Überraschung. "Auch für iTunes war es letztendlich unerlässlich, auf den DRM-Kopierschutz zu verzichten, um eine größere Käuferschaft erreichen zu können. Für die Öffentlichkeit ist dieser Schritt sicherlich ein sehr starkes Zeichen, das als Zugeständnis der Musikindustrie im Hinblick auf eine künftig freiere Nutzung der online erworbenen Musik verstanden werden könnte", so Becker abschließend.
Tags in diesem Artikel
Ähnliche Artikel
13.01.2010 - Künstler und Markt - Theo Geißler
30.09.2008 - Künstler und Markt - Esther Kochte
17.11.2008 - Künstler und Markt - ddp
21.11.2008 - Politik und Kultur - Martin Hufner
14.12.2009 - Künstler und Markt - Tobias Könemann
07.03.2012 Ausgabe 3/12 - 61. Jahrgang - Leitartikel - Theo Geißler
06.03.2012 Ausgabe 3/12 - 61. Jahrgang - Leitartikel - Moritz Eggert


Kommentar hinzufügen