MDR-Ötzi statt MDR-Figaro, Strafsteuer für Schweizer Alphörner in der Türkei: taktlos Ausgabe 139
Bern – Ankara: Auf das Schweizer Minarett-Bauverbot antwortet die türkische Regierung mit scharfen Wirtschaftssanktionen. So wird der Import von Alphörnern künftig mit hohen Strafzöllen belegt. Dazu Präsident Erdogan: „Finanzielle Einbußen sind doch die einzige Sprache, die von diesen kulturlosen alpinen Lochkäse-Produzenten verstanden wird“. Eine daraufhin spontan abgehaltene Volksabstimmung im Kanton Appenzell mit dem Ziel, alle Döner-Verkaufsstellen zu schließen, wurde überraschend mit fast 90prozentiger Mehrheit abgeschmettert: „Wir lassen uns doch unsere Grundnahrungsmittel nicht nehmen“ – so der Appenzeller Alphorn-Beauftragte Selim Aslan.
Brüssel. Die EU-Kommission will die Bauweise des Akkordeons EU-weit vereinheitlichen. „Es muss gewährleistet sein, dass man ein Musikinstrument überall auf die gleiche Weise spielen kann. Das gebiete schon die nötige Anpassung im Rahmen des Bologna-Prozesses bei der Hochschul-Ausbildung. Ebenso muss es einem sizilianischen Straßenkünstler ohne bautechnische Behinderung möglich sein, in Schottland seinem Wirken mit dort erhältlichen Instrumenten nachzugehen“ - so EU-Harmonisierungskommissar Günter Verheugen. Alle alten Instrumente sollen demnächst zwangseingezogen und durch neue Knopfharmonikas der Firma Yamaha im pentatonischen System ersetzt werden.
Berlin: Der designierte CDU-Sprecher und Alterspräsident des Bundestags-Kulturausschusses, Wolfgang Börnsen, dementierte soeben Meldungen, dieser Ausschuss gerate zum Parkpkatz abgehalfterter SPD-Minister. Sowohl Peer Steinbrück wie Brigitte Zypries und Ulla Schmidt hätten sich hochkünstlerisch bewährt – als kreative Gestalter gescheiterter Finanz-, Urheberrechts- und Gesundheitspolitik. Bedenken hege er allenfalls gegenüber der GRÜNEN-Abgeordneten und Konzert-Pianistin Agnes Krumwiede, die ja noch nicht mal die Vierzig überschritten hätte und somit von Kultur keine Ahnung haben könne.
Dresden, Halle, Leipzig: Als erste ARD-Anstalt hat der Mitteldeutsche Rundfunk seine sinfonischen Apparate den Empfehlungen einer Kienbaum-Studie entsprechend umformiert. Die bisherigen Orchestermusiker werden kostensparend in den Vorruhestand versetzt. An ihre Stelle treten Mitglieder verschiedener Akkordeon-, Mandolinen- und Schalmeien-Vereine aus dem Sendegebiet. Dazu Intendant Udo Reiter: „All unsere erfolgreichen Programm-Reformen – nicht zuletzt die Renovierung von MDR-Figaro zu MDR-DJ-Ötzi – machen die alten Klangkörper überflüssig. Neben exzellenten Lean-Management-Effekten erreichen wir so auch eine optimale Hörer-Bindung ohne jegliche Einschränkung des Kunst-Genusses – denn was ist der dünne Ton der Geige oder das dumpfe Gewummer des Schlagzeuges gegen die Klangvielfalt einer Ziehharmonika?“.
Freiburg/Karlsruhe/Rom. Trotz oder wegen des Sieges der Kirchen in Sachen Sonntagsruhe vor dem Bundesverfassungsgericht laufen den Kirchen ihre Mitglieder davon. „Wenn man schon nicht materiell konsumieren dürfe, will man wohl auch auf den Konsum des heiligen Geistes verzichten“ – meinte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit. Dadurch kommen die Kirchen nun finanziell an ihre Grenzen. Einsparungen seien vor allem im Bereich der Kirchenmusik naheliegend – so die Finanzminister der großen Religionsgemeinschaften in einem ökumenischen Statement. Insbesondere die teuren Orgeln könne man abschaffen, beziehungsweise als Rohstoff-Quellen gewinnbringend nach China verkaufen, hieß es. Statt dessen sei die Orgel ohne Verluste durch den Einsatz von Akkordeons als genuinem Blasebalg des heiligen Geistes ersetzbar.
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