Roche Commission 2012 für Sofia Gubaidulina
Sofia Gubaidulina konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Luzern reisen, ließ aber über Hans-Ulrich Duffek, Direktor des Sikorski Verlags Hamburg, ihre Gruß- und Dankesworte nach Buonas nahe Luzern übermitteln, wo die feierliche Auftragsvergabe stattfand. Danach wie eine Gesellschaft mit ihren Künstlern umgehe, hatte die russische Komponistin, die selbst noch unter dem Diktum des sozialistischen Realismus gelitten hatte, zu Duffek am Telefon gesagt, könne man dieselbe auch beurteilen.
Das war eine Zusage zuzüglich Kompliment an den Auslober des Auftrags, die Roche Gruppe, deren Verwaltungspräsident, Franz B. Humer, auch die ideelle Verbindung zwischen Pharmaforschung und neuer Musik hervorhob: Neuland erforschen sei die zentrale Aufgabe des international tätigen Schweizer Konzerns, und in diesem Begriff sei auch der Zusammenhang zur neuen Musik hergestellt.
Der Intendant des Lucerne Festival, Michael Haefliger, erinnerte an Gubaidulinas Violinkonzert „In tempus präsens“ für Anne-Sophie Mutter, das 2007 beim Lucerne Festival uraufgeführt worden war. Werke für ihr nahe stehende Interpreten sowie außermusikalische Inspirationen, insbesondere religiös-philosophischer Art, so Haefliger weiter, verkörperten die Pole der russischen Komponistin tatarischer Abstammung. Die Aufführung von „In Croce“ durch den Cellisten Ivan Monighetti und den Akkordeonisten Klaudiusz Baran führte dieses Movens Gubaidulinas noch einmal deutlich vor Augen. Auch innerhalb des profanen Verleihungsrituals im zwar schönen, aber doch nicht für Konzerte gebauten Saal des Roche Zentrums in Buonas, entfaltete das Stück eine Aura, die viel von der spirituellen Kraft der Musik Gubaidulinas verriet.
Kaum acht Stunden nach dieser Veranstaltung gelangte das Werk des vorherigen Roche Commission Preisträgers, des japanischen Komponisten Toshio Hosokawa zur Uraufführung: „Woven Dreams“ kann man der gemäßigten Moderne zurechnen, es ist ein Stück in dem Hosokawa die für ihn typische Synthese japanischer und westlicher Kunst meisterlich gelungen ist. In feinen Pinselstrichen übertrug er Ideenwelten japanischer Kalligraphie und höfischer Gagaku-Musik auf den Orchesterapparat – als wäre japanische Musik schon immer für das Symphonieorchester geschrieben worden. Das Cleveland Orchestra unter seinem Dirigenten Franz Welser-Möst „bedankte“ sich für Hoskowas Apotheose von Werden und Vergehen mit Detailgenauigkeit und Inspiriertheit.
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