Streit über zu geringe Lizenzabgaben bei Musikvideospielen


(nmz) -
New York - Die populären Musikvideospiele Guitar Hero und Rock Band sind der Musikindustrie ein Dorn im Auge. Obwohl die erfolgreichen Games den Plattenfirmen zusätzliche Einnahmen bringen und dabei helfen, die Popularität von Künstlern zu steigern, zeigen sich einzelne Vertreter aus dem Musikbusiness trotzdem unzufrieden. Während sich mit Guitar Hero und Co eigentlich ein weiterer Vertriebskanal für die krisengebeutelte Industrie auftut, sind Branchengrößen wie Warner Music offenbar wenig begeistert über die Musikspiele.
26.02.2009 - Von PM - pte

So klagte Warner-Music-Chef Edgar Bronfman bereits im vergangenen Sommer vor Analysten darüber, dass die Lizenzabgaben, die von den Spieleentwicklern an die Labels gezahlt werden, viel zu gering seien. Das Geld, das Warner für die Benutzung seiner Songs bekomme, sei dürftig, so Bronfman. Wenn die Publisher nicht bereit wären, mehr aufzubringen, werde Warner die Spiele nicht mehr lizenzieren.

Als Reaktion darauf will der Rock-Band-Publisher MTV Games nun Künstler aus dem Warner-Katalog boykottieren, wie aus informierten Kreisen zu vernehmen ist. Eine offizielle Bestätigung dazu gibt es bisher zwar nicht, nützen würde eine Eskalation des Lizenzstreits aber keiner Seite. Wie das Wired Magazine berichtet, scheint es zwar tatsächlich üblich zu sein, dass Games-Entwickler besonders preisgünstige Synchronisations-Lizenzverträge abschließen. Im Vergleich dazu kassiert etwa die NFL 30 Prozent der Erträge für jedes lizenzierte Football-Spiel. Dennoch wäre sowohl Musikfirmen als auch den Videospielherstellern gedient, wenn sie miteinander und nicht gegeneinander arbeiten würden.

Dass die Musikgames für Künstler durchaus eine gute Geldquelle bieten können, zeigte sich bereits am Beispiel Aerosmith. Die Rocker nahmen über "Guitar Hero: Aerosmith" mehr ein als mit irgendeiner Single in der Bandgeschichte. Die Labels wären daher gut beraten, solche Projekte und Spieletitel stärker zu forcieren und diese direkt in ihre Vermarktungsstrategien mit einzubeziehen. Durch die Online-Plattformen der neuen Konsolengeneration könnten die Games sogar zu einem direkten Verkaufskanal für Musik werden und damit auch zur Konkurrenz von Internet-Stores wie iTunes. Anders als Warner hat Universal Music sich nicht damit aufgehalten über Lizenzabgaben zu diskutieren. Der Mutterkonzern Vivendi kaufte stattdessen den Guitar-Hero-Publisher Activision auf und brachte das Erfolgsgame damit ins eigene Haus.

 

 

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese von Menschen zu lösende Aufgabe ist zur Vermeidung von Spam-Inhalten leider notwendig.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.

Ähnliche Artikel

Discjockeys wollen CDs kopieren dürfen - Verband verlangt Änderung im Urheberrecht
17.03.2009 - Künstler und Markt - Nadine Emmerich - ddp
«all2gethernow» soll Lösungen für Krise der Musikindustrie aufzeigen
13.09.2009 - Künstler und Markt - Agentur ddp
Echo-Musikpreise werden in Berlin verliehen
04.03.2010 - Künstler und Markt - Agentur ddp
Popkomm-Chef erwartet sinkenden CD-Absatz
05.07.2011 - Künstler und Markt - Agentur - dapd
Gericht hält Rammstein-Album nicht für jugendgefährdend
25.10.2011 - Künstler und Markt - Michael Stürzenhofecker - dapd
Kommt VIVA, die Dritte? Gorny plant "interaktives Musikfernsehen"
06.10.2008 - Künstler und Markt - kress/nmz
Deutsche technologie-unfreudlich: Musikindustrie erwartet "einstelliges Minus"
27.12.2008 - Künstler und Markt - Nadine Emmerich - ddp