War nix mit Björk – Aus Gold Faeces gemacht


(nmz) -
Das Quartett Latham-Carniaux-Egan-Rolfe ignorierte Björk beim BMW Welt Jazz Award. Ssirus W. Pakzad hat sich die Performance angehört und war äußerst enttäuscht.
29.02.2016 - Von Ssirus W. Pakzad

Kein Wunder, dass sich so viele Jazzmusiker auf die mythenumrankte isländische Elfe Björk berufen, denn ihnen imponiert diese Experimentierfreude, dieser Freigeist, diese Furchtlosigkeit der Kindfrau, sich auf noch unerforschtes Terrain vorzuwagen. Die 50jährige, der sogar schon eine wenn auch sehr umstrittene Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art gewidmet war, regte neben anderen bislang die künstlerische Fantasie von Kreativen wie Michael Wollny, Heinz Sauer, Jason Moran, Kurt Elling, Gretchen Parlato, Greg Osby, Yuri Honing, Verneri Pohjola, Dave Douglas, Kendrick Scott, Yaron Herman und nicht zuletzt Travis Sullivans „Bjorkestra“ an. Nun hat sich ein Quartett um den amerikanischen Schlagzeuger Karl Latham beim BMW Welt Jazz Award mit dem Gesamtkunstwerk Björk Guđmundsdóttir befasst. Leider.

Schon komisch, dass eine Grenzgängerin, eine Visionärin, eine ihre Fühler in so viele Richtungen vorstreckende- und tastende Frau wie Björk so etwas auslöst: nämlich eine Allerweltsmusik, eine bessere Kellermucke zwischen altbackenem, manchmal druckvollem Fusion, ein paar „swingenden“ Passagen und richtungslosem Mäandern, das uns der amerikanische Schlagzeuger Karl Latham, sein in Deutschland lebender Landsmann Ryan Carniaux (Trompete), der Bassist Mark Egan und der um keinen noch so grottigen Sound verlegene Keyboarder Nick Rolfe wohl als Atmosphäre verkaufen wollten. Wo steckte Björk drin in diesen anachronistisch tönenden Nummern, die hauptsächlich aus dem Album „Volta“ stammten? Manchmal kann man aus Gold eben auch Scheiße machen.

Mal ehrlich, wäre uns diese Musik der vier soliden aber manchmal nicht sonderlich präzise abgestimmten Handwerker als Tribut an Miles Davis oder Daliah Lavi („Wer hat mein Lied so zerstört, Ma“) angekündigt worden, hätte das genauso gut oder schlecht gepasst. „Inspired By Legends“? Hier wurde das Thema des 8. BMW Welt Jazz Awards im diesmal nicht ganz so vollen Doppelkegel der BMW Welt deutlich verfehlt. Mag ja sein, dass sich Karl Latham von Björk inspiriert fühlt. Es wäre nur besser gewesen, er hätte diesen Einfluss für sich behalten.

Erst am 20. März geht der BMW Welt Jazz Award in die nächste, die letzte Matinee-Runde. In der könnte sich die amerikanisch-puertorikanische Sängerin Indra Rios-Moore mit musikalischen Jugenderinnerungen an persönliche Helden wie David Bowie für das Finale am 7. Mai qualifizieren.

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