Warum Flug MH370 vom Radar verschwand! Lesen Sie hier!


(nmz) -
Eine Kölner Musiktheater-Produktion kennt die Hintergründe. Natürlich ist „format BLACKBOX:“ ein rätselhafter Name für ein Stück neues Musiktheater. Als solches ist es annonciert im Freien Werkstatt Theater Köln. Zugleich als ein Stück Autorentheater. Komponist Sergej Maingardt und Librettistin Rosi Ulrich zeichnen in diesem „düsteren Cyber-Märchen“ verantwortlich für Regie und Dramaturgie. Nur, dass wir nach einer Stunde das Gruseln immer noch nicht gelernt haben. Wie konnte das passieren?
01.03.2016 - Von Georg Beck

Dabei geht die Sache recht suggestiv los. Der Weg zur Vorstellung stellt sich bald als Gangway heraus. An der Tür freundliche Begrüßung durch die Stewardess. Die Sitzreihen wie im richtigen Flieger mit Mittelgang. „Boarding completed“ heißt es plötzlich. Anweisungen folgen, was wir im Notfall tun sollen. Spiel- und Zuschauerraum eins. In der Mitte verschiebbare Leinwände, die als Projektionsfläche dienen. Radarbilder, die um die Wette flackern. Wie man sich das so vorstellt im Tower. Toll! Zahlenkolonnen flimmern, es wummert aus den Lautsprechern, wozu die im Raum verteilten Soloinstrumente tonlose, am liebsten krächzende Geräusche beisteuern; die beteiligten Streichinstrumente, ein Kontrabass, eine Bratsche vorzugsweise kurz vor oder hinter dem Steg gestrichen. Was auf die Dauer ebenso schnell ermüdet wie die elektronische Dauerpenetration.

Das Stück selbst entwickelt sich um einen ausgefuchsten Regieeinfall. Als wir ihn zum ersten Mal gewahr werden, müssen wir schon schlucken. Soeben sind wir, erfahren wir übers Bordmikrophon, mit Flug MH370 unterwegs über dem Luftraum Südostasiens. MH370! Wir sind an Bord der Maschine, die irgendwo im Südpazifik abgestürzt ist. Wo genau und warum weiß bis heute kein Mensch. Missing flight. Da sind wir besser dran, die wir im zum Katastrophenflieger umgerüsteten Freien Werkstatt Theater Köln sitzen.

Zwei Passagiere teilen uns ihre Gedanken mit. Eine Computerspezialistin memoriert eine schwierige Bürosituation; ihr Sitznachbar, ein Ingenieur aus Österreich, spricht fortwährend mit seiner Mama. Im nächsten Moment wird es krass. Der Passagier mit dem Mutter-Komplex schlüpft in die Rolle eines durchgedrehten Börsenheinis, der einen Cyber-Geist anruft, den er „AdamA“ nennt, ein Superhirn, von dem wir erfahren, dass es Kurse beeinflussen kann. Das bekommt auch Frau Passagierin mit und überlegt plötzlich, ob sie sich nicht von ihren Aktien der Bongs Airways trennen soll. AdamA empfiehlt es!

Der Rest ist schnell erzählt: Irgendwann erscheinen Warnmeldungen auf dem Schirm, die Systeme beginnen sich reihenweise abzumelden. Klasse, wie da rückwärts gezählt wird! Die Regie ist ganz begeistert davon. Dann wird es dunkel, dann wird es hell – nur nicht im Kopf.

Nur im weitesten Sinn lässt sich „format BLACKBOX:“ als Musiktheater ansprechen. Eigentlich ist es ein Live-Hörspiel. Mit Isis Krüger und Daniel Berger als Sprecher und Sprecherin in Doppelrollen. Was das Stück an Spannung generiert, kommt von der Qualität der beiden Darsteller. Gesungen wird nicht. Stattdessen gibt es viel Elektronikartiges um die Ohren, womit uns das Autorenduo die düstere Welt verklangsinnbildlicht oder so ähnlich. Das Problem dabei: Man ist zutiefst fasziniert von dem, wovor man zu warnen vorgibt. Ein altes Prophetenproblem. Dazu das kindische Setzen auf Verschwörungstheoretisches. Böse Mächte holen MH370 vom Himmel! Vielleicht sollte man den Plot doch als Bond-Film auflegen. Könnte was hermachen. Ansonsten hätten wir noch einen kleinen therapeutischen Ratschlag parat: Elektronikentzug. Zumindest so lang bis AdamA wieder grünes Licht gibt.

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