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Alle Artikel kategorisiert unter »Leitartikel«

In den reißenden Gewässern des Internet

08.02.12 (Martin Hufner) -
Es ist nicht zu übersehen, dass die Politik gegenwärtig den Druck, der über und durch die Präsenz des Internet als Kommunikations- und Aktionsplattform entsteht, nur sehr schwer in den Griff bekommt. Das Netz wirkt immer mehr wie ein losgelassener, geradezu wild wuchernder Organismus und dessen Selbstorganisation so zufällig, anarchisch und gleichzeitig so wirtschaftlich konsequent wie keine politische Bewegung zuvor.

Frei verbunden

08.02.12 (Andreas Kolb) -
In alten nmz-Ausgaben zu blättern, ist so aufregend wie eine Reise mit einer von H.G. Wells beschriebenen Zeitmaschine. Man weiß nie genau, wo und wann man ankommt, denn bibliographisch erschlossen sind nur die wenigsten der alten Sammelbände.

Stiften gehen?

10.12.11 (Theo Geißler) -
Inzwischen sind wir so vermessen, unser kleines Leben auf das quantitativ Messbare reduzieren zu lassen. Wir starren auf unbegreifbare Milliarden- und Billiarden-Löcher. Wir lassen unsere Bewegungen von Mobilfunk-Zellen freiwillig exakt lokalisieren. Wir glotzen auf Quoten statt auf Qualität und sind ratlos oder zu feige, wenn es darum geht, Letztere zu benennen, sie zu definieren, auf ihr als Wertmaßstab zu bestehen. [aus nmz 12-11/1-12]

Wer viel fragt, kriegt viele Antworten: Überlegungen zur Musikförderung durch den Bund

08.12.11 (Hans-Jürgen Linke) -
Da liegt sie nun, die Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage mehrerer Abgeordneter der SPD-Fraktion: 47 Druckseiten, die zusammenzutragen viel Arbeit, aber nicht unbedingt genau so viel Spaß bereitet hat, aber das Ergebnis ist zunächst Ehrfurcht gebietend. Beeindruckend ist vor allem, wie viele Regierungsressorts an der Musikförderung beteiligt sind. Man sieht daran, dass Musik in der von Berlin aus regierten Gesellschaft eine „wesentliche Rolle“ spielt, der Pflege des Musiklebens ein „hoher Stellenwert“ beigemessen wird. Genauere Gemeinplätze stehen dazu nicht in dem Papier. [aus nmz 12/2011-1/2012]

Die Selbstdenker und ihre Angestellten: die Stellung des Komponisten im Veranstalterbetrieb

10.11.11 (Max Nyffeler) -
Einfache Wahrheiten sind manchmal schwer zu verdauen. Als bei einer öffentlichen Diskussion am Vorabend der diesjährigen Donaueschinger Musiktage die Klanginstallateurin und Performerin Christina Kubisch den in der Runde versammelten, unter der Last ihrer Verantwortung ächzenden Veranstaltern und Journalisten entgegenhielt: „Ohne uns Künstler wärt ihr alle arbeitslos“, reagierten die Angesprochenen mit gekünstelter Heiterkeit. Da wagte es doch tatsächlich eine arbeitnehmerähnliche Person, die bedeutende Rolle der großmächtigen Manager und Sprachrohre des Musikbetriebs herunterzuspielen. Die Bemerkung saß. Doch nach einem Moment des Innehaltens kehrte die Diskussion wieder den zu klassischen Veranstalterthemen Finanzen, Programmgestaltung und Öffentlichkeit zurück.

Talibanvirus

29.10.11 (Gerhard Rohde) -
Der Zeitpunkt rückt näher, von dem an die Rundfunkgebühren nicht mehr für das jeweilige Gerät erhoben werden, sondern für jeden einzelnen Haushalt. Ob dabei höhere Einnahmen erzielt werden ist momentan wohl noch ungewiss. Auf Hochrechner ist nicht immer Verlass. Es könnte auch sein, dass am Ende weniger Geld in die Kassen der Öffentlichrechtlichen Anstalten fließt. Sparen kann deshalb zunächst nicht schaden. Aber wo sparen? Natürlich, da wo es am einfachsten geht. Zum Beispiel bei der Musik. Nicht beim Gedudel, sondern im E-Bereich. Und hier weniger bei den drei B’s (Bach, Beethoven, Brahms), sondern bei der Neuen Musik. Nichts Genaues weiß man vorerst nicht. Was man weiß: Missliche Entscheidungen werden meist kurzfristig veröffentlicht, wenn alles schon intern beschlossen ist und jeder Protest ins Leere läuft.

Auftrieb für die Flügel des Gesanges

03.10.11 (Juan Martin Koch) -
„Nehmt Scharen von Menschen, nehmt sie zu Hunderten, zu Tausenden, versucht es, sie in humane Wechselwirkung zu bringen, eine Wechselwirkung, wo jeder Einzelne seine Persönlichkeit so wohl durch Empfindungs- als Wortausdruck freythätig ausübt, wo er zugleich von allen übrigen homogene Eindrücke empfängt, wo er sich seiner menschlichen Selbständigkeit und Mitständigkeit auf das intuitivste und vielfachste bewußt wird, wo er Aufklärung empfängt und verbreitet, wo er Liebe ausströmt und einhaucht, augenblicklich, mit jedem Athemzug – habt ihr etwas anders als den Chorgesang?“

Falsche Paradiese

03.10.11 (Martin Hufner) -
Im letzten Jahrhundert hat vor allem ein Komponist Musik- und Lebenswelt durchgewirbelt wie kein anderer: John Cage. Die ihm zugeschriebenen Attribute reichen von Genie bis Scharlatan, von Ikone bis Blender. Sein (auch musikalisches) Werk ist umfassend groß, es fasst vom Instrumentalwerk bis zur Oper alles, daneben finden sich reichhaltige literarische Produktionen und Produkte der Bildenden Kunst. Er war ebenso Fernsehquiz-Teilnehmer wie Provokateur, ein auf den dünnen Drähten musikalischer wie ästhetischer Grenzzäune steppender Wunderlicher.

Mob- und Schnüffel-Net statt World Wide Web

11.09.11 (Martin Hufner) -
Die Entwicklung des Internets wird zahlreiche Veränderungen unseres Lebens mit sich bringen. Es wird viele altgewohnte und liebgewonnene Verhaltensformen auch in Kunst und Kultur neu strukturieren. Mit sogenannten Social-Media-Produkten wie Twitter, Facebook oder YouTube sind neue Kanäle der Kommunikation aufgetan. Pressearbeit, Selbstvermarktung und Öffentlichkeit suchen sich in den neuen Medien ihre eigenen Wege. Sie mäandern quer durchs Netz. Die Beziehungen zwischen Produzenten und Konsumenten entwickeln sich neu.

Reform-Stau

05.09.11 (Theo Geißler) -
Unsere Nische schrumpft. Das gesamtgesellschaftlich betrachtet kleine Winkelchen, in dem sich hierzulande noch qualitätvolle Komposition, verantwortungsbewusste Musikpädagogik, ästhetisches Experiment, Pflege des gewachsenen Kulturgutes abspielen darf, wird ständig enger. Dabei behilflich ist der Zustand unserer gewählten Volksvertreter, die immer öfter ihre Entscheidungen in der Sache an die Quantität medialer Präsenz heften. Was fest auftritt, massenkompatibel ist, Hype generiert, wird gefördert. Qualität spielt zweite Geige letztes Pult.
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