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Alle Artikel kategorisiert unter »a tempo«

nmz-Kolumne von Nikolaus Brass

a tempo (2009/07)

08.07.09 (Nikolaus Brass) -
In der derzeitigen Krise hätten „sanfte“ Gesellschafts- und Wirtschaftsutopien Konjunktur, so unlängst die Süddeutsche Zeitung in einem Feuilleton. Zitiert wurden Stimmen, die im Überzeugungston der Marktliberalen abschätzig meinten, nun würde wieder unter der Decke des ach so schlechten Großen Ganzen hingebungsvoll im Kleinen „gekuschelt“, statt sich damit abzufinden, dass der Kreislauf des globalen Kapitalismus eben mal Opfer verlange. Schick sei jetzt das Kleine und Überschaubare, defensive Sinnstiftung eher gefragt als aggressives Problemlösen.

a tempo (2009/06)

29.05.09 (Nikolaus Brass) -
Beliebt ist die Bedeutsamkeit.
In den 60er-Jahren gab es den „Phonoklub“. Monat für Monat kam eine Platte ins Haus, Mozart, Mendelssohn, Beethoven, … und wenn ich mich recht entsinne, stand – jedenfalls in den ersten Jahren – irgendwo auf der Plattenhülle ein durchlaufendes Spruchband, eine Ermunterung, die ich damals sehr ernst nahm: „Weihet mit Musik hohe Lebensstunden … Weihet mit Musik hohe Lebensstunden …“

a tempo (2009/05)

03.05.09 (Nikolaus Brass) -
Der einzige Ort, an dem im öffentlichen Raum kenntlich um Diskretion gebeten wird, ist – neben dem katholischen Beichtstuhl – der Bankschalter. Galt die Ehrfurchtsbezeugung des Abstands traditionell dem Heiligen (Altarstufen bitte nicht betreten) , so ist unser heiliger Ort heute – der Schalter. Früher: Der Mensch vor Gott. Heute: Der Mensch vor dem Geld.

a tempo (2009/04)

26.03.09 (Nikolaus Brass) -
Es gab einmal eine Sendereihe im Hessischen Rundfunk unter dem Titel: Für wen komponieren Sie eigentlich? Interviews mit Henze, Kagel, Nono, Schnebel etc ... Ich hatte mir als Student die Buchveröffentlichung aus der „Reihe Fischer“ gekauft, Anfang der 70er-Jahre. Hansjörg Pauli war der Sammler und Frager. Ich weiß die Antworten nicht mehr, in der Erinnerung geblieben ist mir aber ein besonderer Beiklang dieser Frage. Bemerkenswert an der Frage ist das hinten angestellte: „eigentlich“. Für wen komponieren Sie eigentlich? Der ganze Zwang der Rechtfertigung eines fragwürdig luxuriösen Tuns konzentrierte sich (für mich) in diesem „eigentlich“.

a tempo (2009/03)

01.03.09 (Nikolaus Brass) -
Ich weiß nicht, warum ich immer wieder darauf zurück komme: Warum bewegt mich die Tatsache, dass etwas ist, mehr als die Frage, was etwas ist? Hörerlebnisse der letzten Wochen: „Voci“ von Franco Donatoni (Deutschlandradio Kultur), „Benedictus“ aus Beethovens Missa solemnis (Karajan-Produktion 1966), Messiaens „Des Canyons aux Etoiles“ (Münchener Philharmoniker), „Gesänge der Frühe“ (alter Mitschnitt auf Kassette eines Schumann-Abends von Pollini in Salzburg). Kindliche Reaktion: Alles das gibt es! Diese Musik gibt es! Es ist menschenmöglich. Es gibt diese Ungeheuerlichkeit des Erfundenen, Gefundenen, Formulierten.

a tempo (2009/02)

30.01.09 (Nikolaus Brass) -
Mensch, mach Dich verständlich! Was willst Du eigentlich damit sagen? Was soll das Ganze?
Ja, hm, ich habe versucht …
(Kennt jeder, so einen „Dialog“)
Nun sag schon, was Du meinst!
Menschliche Erfahrung ist nicht übersetzbar. Mein Schmerz ist nicht Dein Schmerz.
????
Kunstwerke sind nicht übersetzbar. Der Klang ist kein Wort.
???
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