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Alle Artikel kategorisiert unter »Gastkommentar«

Neue Musik in der Rechtfertigungsfalle

04.10.11 (Nikolaus Brass) -
Wenn das „Progressive“ zwar registriert aber abgelehnt wird – geschenkt, gehört dazu. Wenn es nicht verstanden wird – o.k., Ausweis eben seiner Fortschrittlichkeit. Wenn es attackiert wird und verfolgt: scheußlich, aber „irgendwie“ verständlich. Aber wenn das „Progressive“ als solches überhaupt nicht mehr wahrgenommen wird und in einem öffentlichen Diskurs für seine „Daseinsberechtigung“ erst kämpfen muss unter der Rechtfertigung, doch eigentlich von großer gesellschaftlicher Relevanz zu sein und an diese Behauptung Forderungen anschließt, es seien ihm Schutzräume zu reservieren, um überhaupt wahrgenommen zu werden und in seiner gesellschaftlichen Bedeutung zur Geltung kommen zu können – da ist doch einiges zumindest „dumm“ gelaufen, wenn nicht sogar schief, grundschief.

Music sells

01.11.07 (Barbara Haack) -

„Mit Musik darf man Geld verdienen.“ Das ist die Botschaft der diesjährigen Mitgliederversammlungs-Diskussion des Deutschen Musikrats. Noch deutlicher formulierte es einer der Diskussionsteilnehmer: „Mit Musik muss man Geld verdienen.“ „Kreativwirtschaft“ lautete das Schwerpunktthema, über das die Musikratsmitglieder nach zwei Eingangsstatements von Dagmar Wöhrl, MdB und Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, und Dieter Gorny, Vorsitzender des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, rege diskutierten. Die Botschaft ist klar: Der kommerzielle Bereich der Musik robbt sich aus seiner Schmuddelecke in die Sphäre des Schönen und Guten. Endlich darf man laut sagen, dass Geld verdienen mit Musik keine Schande ist. Ganz im Gegenteil: Schwindel erregende Zahlen belegen inzwischen, dass Musik- und Kulturwirtschaft einen entscheidenden Wirtschaftsfaktor unseres Landes ausmachen. Nicht zu vergessen die vielen Arbeitsplätze, die die Kreativbranche bietet und immer neu schafft. Das macht alle glücklich, vor allem aber die Verlage, die Musikinstrumentenhersteller, die vielen kleinen und mittelgroßen Kulturunternehmen. Die Vertreter der Musikwirtschaft hatten in dieser Diskussion eindeutig Oberwasser. Dabei geht es – wie meistens, wenn zurzeit die „Kreativwirtschaft“ bemüht wird – munter hin und her zwischen den Begriffen „Kunst“, „Kultur“ und „Kreativität“. Dagmar Wöhrl bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt: „Wir werden noch gewisse Schwierigkeiten mit den Begriffsbestimmungen haben.“ Wer sind eigentlich die Kreativen? Wo ist die Grenze dessen, was man noch als eigene Kreation, persönlichen Schöpfungsakt bezeichnen kann? Auch die Musikratsdiskussion lieferte hier keine eindeutige Definition.

Horror Show

Zwei Ereignisse, die zufällig fast zeitgleich, zufällig beide im Land Sachsen-Anhalt sich abspielten, setzten gegen Ende der abgelaufenen Spielzeit 2006/2007 öffentlich wahrgenommene kulturpolitische Ausrufungszeichen. Die Ereignisse fanden unter gänzlich verschiedenen Vorgaben statt – gesittete Kulturpolitiker im verbalen Argumentestreit mit Theatermachern hie, ungesittete Politrabauken in handfester Prügelei mit Theatermachern dort – und waren doch die zwei Seiten einer Medaille.

Kommentar

01.04.06 (Eckart Rohlfs) -

Welchen Wert hat ehrenamtliches Engagement in der Musik in der Einschätzung unserer Obrigkeit? 30.000 Euro warf das Land Niedersachsen aus, um Botschafter und Macher seines Musiklandes zu würdigen, zu belohnen, um deren Leistung, die im künstlerischen Bereich ohnedies nur subjektiv messbar ist, hervorzuheben und in der Öffentlichkeit anzuerkennen.
Hauptpreisträger und deshalb mit gut einem Drittel oder sechs Sechzehntel der Preissumme bedacht ist der seit sieben Spielzeiten als Chefdirigent der Hannoverschen Radiophilharmonie tätige Japanaer Eiji Oue, zugleich Dirigierprofessor an der Musikhochschule. In gleicher Höhe, aber gedrittelt, also im Wert von je zwei Sechzehntel, fließen Förderpreise dem Nachwuchs zu, dem Almadin-Quartett, aus dem Niedersächsischen Jugendsinfonieorchester hervorgegangen, dem 30-jährigen Gitarristen und Studiomusiker Jens Eckhoff aus Hannover und dem in Russland gebürtigen, seit fünf Jahren in Hannover studierenden erfolgreichen 18-jährigen Meisterpianisten Igor Levit.

Kommentar

01.03.06 (Friederike Haupt) -

Ein „Begriffsunglück“ nannte Claudia Roth seinerzeit die „Leitkultur“-Debatte. Der neu gewählte Bundestagspräsident Lammert wagte dennoch, sie wieder aufzunehmen. Eine breit angelegte öffentliche Diskussion will sich nicht anschließen, denn der Begriff „Leitkultur“ stößt nach wie vor auf Ablehnung. Der Diskussionsbedarf, der hinter dem Begriff steht, wurde anlässlich einer Tagung des Deutschen Musikrates (die NMZ berichtete) deutlich. Eine „Leitmusik“ aber will niemand formulieren.

Kommentar

„Jeder bekommt was er verdient“, sagt ein altes Sprichwort aus der Zeit, „als das Wünschen noch geholfen hat“. Weder ist letzteres für eine zukunftsfähige Struktur des Deutschen Musikrates ein probates Mittel, noch stimmt Satz 1. Die Welt, komplex wie sie geworden ist, lässt sich nur noch begrenzt mit alten Volksweisheiten und Bauernregeln beurteilen.

Ehrenhafter Sponsor

01.11.98 () -
Führende deutsche Wirtschafts-Unternehmen haben erstmals einen „Ehrenkodex“ für das Kultur-Sponsoring vorgelegt. Das Zehn-Punkte-Papier unterstreicht die Selbständigkeit der Künstler und Kultur-Einrichtungen. Gleichzeitig fordert es die Unternehmen auf, mit mehr Sponsor-Mitteln die sinkenden öffentlichen Kultur-Ausgaben zu ergänzen.
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