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War es nicht erst gestern? Zum 90. Geburtstag des früheren nmz-Herausgebers Bernhard Bosse

15.12.11 (Andreas Kolb) -
Darauf bin ich stolz: mein „Verleger-Vater“ hat das deutsche Musikleben in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts ganz entscheidend mitgeprägt. Stark aus eigener Kraft – lange Zeit ohne den materiellen Background althergebrachter GEMA-Zuflüsse, die anderen Musikverlagen nach dem Krieg den Neustart erleichterten. Als musikpolitischer Pionier lüftete er die teils immer noch muffigen Schlafzimmer der bundesrepublikanischen Musikszene gründlich durch. Mit klugem Blick für das notwendig Neue und einer feinen Spürnase für verantwortungsvoll Machbares hat er ein wirkungsvolles Verlagshaus geschaffen, das weit über Bernd Bosses Pensionierung hinaus Modellwert besaß. 15 Jahre durfte ich bei Dir lernen, einiges habe ich begriffen. Dafür, lieber Bernd, dankt Dir
Dein Theo

Aus den Gebäuden der Erinnerung in die Zukunft

06.12.11 (Gerhard Rohde) -
Seit vier Jahren gibt es im beschaulichen Bad Reichenhall ein kleines, feines Musikfestspiel. Kein Festival, diese abgegriffene Klassifizierung wird heutzutage für alles Mögliche benutzt. Was Klaus Lauer nach dem Ende seiner unvergessenen Badenweiler Römerbad-Musiktage in Reichenhall wieder erstehen ließ, ist nicht mehr und nicht weniger als die sinnvolle Weiterführung seiner Römerbad-Dramaturgie: die so genannte „Neue Musik“ führt kein abgesondertes Einzeldasein, sie erscheint vielmehr als organische Weiterentwicklung der abendländischen Musikgeschichte, zu der als „Große Bs“ nicht nur Bach, Beethoven, Brahms und Bruckner zählen, sondern auch Bartók, Berg, Boulez, Britten, um es bei diesem Buchstaben zu belassen.

Ein fast vergessener Schwede in Sachsen

06.12.11 (Michael Ernst) -
Unsere Gegenwart ist ja so ungerecht. Darin macht sie sich mit der Vergangenheit gemein. Stets wird nur an die „ganz großen Namen“ gedacht. Und wir finden uns damit ab. Was bleibt uns auch anderes übrig? Ob aber die Nachwelt ebenso ungerecht ist, sollte doch – momentan zumindest – in unseren Händen liegen. Aber was tun wir? Feiern die Gedenktage an Altvordere nach Gutdünken und Willkür.

Sehen, was man tut

31.10.11 (Julia Blank) -
Eine viergeteilte Leinwand füllt sich nach und nach mit kryptischen Zeichenkombinationen. Anfangs erzeugten nur die raschen Anschläge der Tastaturen eine subtile Geräuschkulisse, nun generiert sich allmählich eine weit aufgespannte Klangwand, durchzogen von teils schnarrenden, teils klirrenden Eruptionen, sägenden, industriell schimmernden Klangblöcken. Alles ist in einem organischen Wachstum begriffen bis irgendwann die Regression eintritt. Das Laptop-Ensemble „Benoît and the Mandelbrots“ erzeugen mit ihren Computern derartige Klänge in Echtzeit. Sie sind allerdings auf keine bestimmte musikalische Richtung festgelegt, beim nächsten Auftritt werden anstatt dessen vielschichtig gestaltete Beats und melodische Patterns gestreut, mal tanzbar, mal nicht. Sie lieben das rege Experimentieren, Streifzüge durch die Minimal, Noise oder Techno Music. Im Grunde ist fast alles denkbar.

Übersetzt Bruckner

05.10.11 (Burkhard Schäfer) -
Der 1965 im oberösterreichischen Wels geborene Komponist Thomas Mandel erschafft unter anderem Jazzversionen der Sinfonien Anton Bruckners – und erntet dafür Standing Ovations. Jetzt ist die erste CD unter dem Titel „bruckner V improvised – Thomas Mandel & The Temporary Art Orchestra“ erschienen. Es handelt sich um einen Live-Mitschnitt der Uraufführung, die am 16. August 2007 im Bibliothekskeller des Stiftes St. Florian stattfand. Die nächste CD der Reihe – „bruckner VII translated“ – wird in Kürze veröffentlicht. Die nmz traf den Komponisten in seiner Heimat Zaubertal bei Linz und sprach mit ihm über dessen Bruckner-Projekt.
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