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Alle Artikel kategorisiert unter »Reportage«

„Ein Quellenschatz allerersten Ranges“

31.10.11 (Pat Christ) -
„Etwa 98 Prozent dieses Bestands war der Forschung bisher völlig unbekannt“, sagt der Musikforscher Dr. Friedhelm Brusniak. Mit seiner Mitarbeiterin Hanna Zühlke verschafft sich der Würzburger Universitätsprofessor derzeit einen Überblick über rund 3.000 handschriftliche und gedruckte Quellen aus dem früheren Nürnberger Sängermuseum. Eine mühsame Angelegenheit. Die originalen Notenblätter, signierten Fotografien, Skizzen und Briefe sind in einem „völlig unwissenschaftlichen“ Bestandsverzeichnis aufgelistet.

Alter Glanz, neue Substanz: Argentinien kommt zurück

29.10.11 (Josef Oehrlein) -
„Das vergisst man nicht“, sagt Ingrid Zur. Ein sechsjähriger Knirps, mit einer Geige, die viel zu groß für ihn ist, schläft in der Probenpause auf seinem Instrument ein. Er stammt aus einem der Elendsviertel der argentinischen Metropole Buenos Aires. Abends und bis tief in die Nacht geht er mit seinen Eltern, die „Cartoneros“ sind, Papier und Pappdeckel sammeln, um so zu einem mehr als mageren Lebensunterhalt der Familie beizutragen. „Sein weiteres Leben hängt davon ab, ob er das Probespiel besteht oder nicht.“ Seit 2002 gibt Ingrid Zur zusammen mit ihrem Mann, dem deutschen Bratschisten Jörg Heyer, Musikkurse für junge Musiker in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern, vor allem in ihrem Heimatland Argentinien, um sie fit zu machen für Wettbewerbe, Probespiele, Aufnahmeprüfungen an Musikhochschulen in Europa oder überhaupt für ihre Karriere als Musiker.

Der Komponist und die Löwin

04.10.11 (Verena Fischer-Zernin) -
Mittags um zwölf kann man hören, wie klein der Ort ist. Glockenläuten erfüllt die Luft, und das gedrungene, graue Schulhaus spuckt pünktlich eine Schar Kinder aus. Zwischen Blumenrabatten grüßt ein Schild: „Blonay lächelt Sie an“. Der Molkereiwarenhändler verkauft Käse der Region an rüstige Damen mit Stoffbeuteln, die Zahnradbahn schiebt sich bergan durch die Wiesen, doch niemand scheint Notiz von der überwältigenden Kulisse zu nehmen: Vom Zentrum des Dorfs fällt der Blick auf das kantige Château de Blonay hoch über dem Genfer See. Das Auge reicht über die schimmernde Fläche des Sees bis nach Frankreich hinüber auf die Savoyer Alpen.

Spielt und singt, sonst seid ihr verloren: Eine Begegnung mit dem „Sistema“ in Venezuela – und mit seinen Chören

07.04.11 (Juan Martin Koch) -
Maestro Ubensio schweigt. Er hat keine Ansprache für ausländische Gäste in der Schublade. Wer ihn in seiner Werkstatt bei der Arbeit unterbricht, muss schon Fragen stellen, die einer Beantwortung wert sind. Schließlich erzählt er doch noch davon, wie er in Paraguay den Bau der „Arpa llanera“, der lateinamerikanischen Harfe erlernte, wie ihm aber das Wissen zur Herstellung von Nylonsaiten vorenthalten wurde. „Da habe ich es eben selbst probiert. Von morgens um sieben bis in die Nacht hinein bin ich an meiner ersten Saite gesessen, bis ich den Kern mit genügend dünneren Fäden umwickelt hatte. Es kommt auf die Spannung an. Lässt du nur einen Moment locker, war alles umsonst.“ Seither sind seine Saiten, nicht wie bei den Paraguayos 10- bis 11-mal, sondern 13- bis 14-mal umsponnen. Seine Hände – ein langes Arbeitsleben hat ihnen Falten wie Jahresringe eingegraben – ruhen auf einem ausgewachsenen, reparaturbedürftigen Instrument. In der Ecke liegen grün, blau und braun bemalte kleinere Harfen. Klein genug für venezolanische Kinderhände.

Die Profis, die mit den Beinen baumeln

29.01.11 (Verena Fischer-Zernin) -
Eine Traube von Schülern drängt sich in der blassblau gestrichenen Eingangshalle. Sie lachen und schnattern, sie tragen Jeans, Turnschuhe und Rucksäcke wie auf irgendeinem deutschen Gymnasium. Erst auf den zweiten Blick fallen die vielen Instrumentenkästen auf, die ihnen über die Schultern hängen. In der hölzernen Loge, die sie umlagern, wiegt eine Dame das silberlockige Haupt. Sie leckt einen Finger an und blättert durch ein großes Buch. Die Seiten wellen sich, so eng hat sie die Zeilen mit vielarmigen kyrillischen Buchstaben bedeckt.

Ungeahnte Farben aus der neuen Welt

13.12.10 (Stefan Pieper) -
Ein Bahnhofsvorplatz in São Paulo, Ende Oktober. Bäume blühen in tropischer Pracht. Obdachlose schieben Einkaufswagen unter der gleißenden Frühlings-Sonne. Städtische Bedienstete fluten mit Hochdruckreinigern das Trottoir – in vielen Schwellenländern ein symbolbehaftetes Ritual! Inmitten einer etwas trostlosen Häuser-Landschaft erhebt sich wie ein dekadentes Kleinod der neoklassizistische Prunkbau der ehemaligen Estacão Julìo Prestes.

Versöhnung mit Pfeifen, Tasten und Pedalen

21.10.10 (Verena Fischer-Zernin) -
Platanen säumen den Kirchplatz, der sich zum Tal hin weitet. Durch die schmalen Fenster fällt spärliches Licht ins Innere der Kirche. Fast naiv wirkende Malereien bedecken die Wände. Von der jüngsten Hochzeit hängt noch ein quietschrosa Tüllgebinde da, wir sind schließlich in Italien. Auf der Empore aber erhebt sich mit größter Selbstverständlichkeit eine Barockorgel, wie sie auch in einer norddeutschen Backsteinkirche stehen könnte mit dem dreigeteilten Prospekt und den Schnitzwerkverzierungen aus Kastanienholz. Sie ist gerade einmal drei Jahre alt.

Auf den Zug gekommen – die Neue Musik sucht mit sounding D das Mittendrin

08.10.10 (Patrick Hahn) -
Vom 25. August bis 12. September fuhr der sounding D-Zug durch Deutschland: Drei Waggons (und eine Lokomotive), beladen mit Klanginstallationen und Werbematerial des Netzwerks Neue Musik und der Bundeskulturstiftung. An sechzehn Stationen machte er Halt, begleitet von allerlei musikalischen Aktionen. nmz-Media hat den Zug die ganze Zeit über begleitet. Patrick Hahn, Jörg Lichtinger und Martin Hufner haben „in Echtzeit“ über die Fahrt mit dem sounding D-Zug im sounding-D-Blog berichtet. Patrick Hahn sichtet seine Eindrücke und die seiner Kollegen noch einmal.

Die beschallte und durchleuchtete Fabrik - "MenschMaschine-KlangMaschine" (mit Film)

22.10.08 (Juan Martin Koch) -
Ein Saxophon, in Maschinen versteckt. Ein Rieseninstrument aus Bambus zwischen dem Stahl einer Ladehalle. Blechtonnen, die mit Mahlsteinen traktiert werden. Sprechchöre, ein fernes Sopransolo, eine chinesische Flöte, die im Weit des Werks verhallen. Die audiovisuelle Performance "MenschMaschine - KlangMaschine" führte den Zuhörer und Zuschauer in die schwer zugänglichen Eingeweide eines Mainzer Zementwerks. Mit diesem Ansatz "lockt" die Sängerin und Musikkünstlerin Sigune von Osten die Menschen an ungewöhnliche Orte, um ihnen dort neue Klänge näher zu bringen. (Bericht und Film)

Fixsterne am Nachthimmel und andere Leuchtkörper

01.07.08 (Georg Beck) -

Begehbare Skulpturen, ein Museum für bildende Kunst, ein künstlich angelegter Flussumlauf. Architektur, Literatur, Musik in einer renaturierten niederrheinischen Park- und Terassenlandschaft. Dazu ein repazifizierter Natostützpunkt – Museum Insel Hombroich hat viele Facetten. Das Lebens­reformerische des Entwurfs ist spürbar an allen Ecken und Enden. Auch ein pfingstliches, im Biennalerhythmus organisiertes Musikfest hat daran Anteil. Eindrücke von, Einschätzungen zu einer Insel-Exkursion.

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