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„Das zerstört alles, was wir waren“: Die beiden SWR-Klangkörper sollen offenbar zu einem „Superorchester“ fusioniert werden
05.02.12 (nmz-red) -
Im Zuge seines „Strategieprozesses“ plant der SWR offenbar, seine beiden traditionsreichen und äußerst profilierten Orchester zu fusionieren. „Völlig ergebnisoffen“, so SWR-Intendant Peter Boudgoust gegenüber der Stuttgarter Zeitung vom 4. Februar prüfe man gegenwärtig die Möglichkeiten, die Sparvorgabe von 25 Prozent, die der SWR angesichts erwarteter Wenigereinnahmen, Tariferhöhungen und anderer Belastungen über sich verhängt hat, auch bei den beiden SWR-Orchestern zur Anwendung zu bringen.
In den reißenden Gewässern des Internet: Mit der Digitalen Gesellschaft verändert sich Politik
02.02.12 (Martin Hufner) -
Es ist nicht zu übersehen, dass die Politik gegenwärtig den Druck, der über und durch die Präsenz des Internet als Kommunikations-und Aktionsplattform entsteht, nur sehr schwer in den Griff bekommt. Das Netz wirkt immer mehr wie ein losgelassener, geradezu wild wuchernder Organismus und dessen Selbstorganisation so zufällig, anarchisch und gleichzeitig so wirtschaftlich konsequent wie keine politische Bewegung zuvor. [aus nmz 2/2012]
Das Plus im Minus: die Midem in Cannes setzt ihre Entwicklung vom Glamour zum Arbeitstreffen fort
01.02.12 (Ralf Dombrowski) -
Je mehr sich die Branche neu erfindet, desto mehr verschwindet sie auch im unsichtbaren Raum des Virtuellen. Eigentlich eine zwangsläufige Entwicklung, wenn man ein Musikstück nur noch als Datensatz versteht. Trotzdem ist es verblüffend, wie diese Entwicklungen sich auch auf die Wirklichkeit einer Messe wie der Midem in Cannes auswirken. Vom 28. bis 31. Januar fand die 46.Ausgabe des internationalen Branchentreffpunkts im Palais des Festivals an der nachhaltig verregneten Croisette statt, unter der neuen Leitung des Messe-Direktors Bruno Crolot und der Chefin der Entertainment Division Anne De Kerckhove.
Der Kirschgarten in Paris: zur Uraufführung von Philippe Fénelons „La Cerisaie“ im Palais Garnier
31.01.12 (Frieder Reininghaus) -
Uraufführungen großformatiger Opern fanden in der französischen Hauptstadt seit zwanzig Jahren mit schöner Regelmäßigkeit in der Opéra Bastille statt („Melancholia“ von Georg Friedrich Haas erschien als Ausnahme). Die Premiere „La Cerisaie“ wurde neuerlich in die alte Prunkburg, das Palais Garnier zurückverlegt. Vielleicht findet der Generaldirektor der Pariser Musiktheater, Nicolas Joel, ja auch das Ambiente rund um die Opéra Bastille so verranzt, dass er es den Premierengästen nicht zumuten möchte.
Das seltsam bedrückte Schweigen der Klangkörper: die allgemeine Sparwut scheint die Rundfunksinfonieorchester zu erreichen
28.01.12 (Gerhard Rohde) -
In den Musikabteilungen der Rundfunkhäuser trifft der Besucher gegenwärtig auf ein beredtes Schweigen. Nichts Genaues weiß jeder nicht. Und wenn jemand etwas wüsste, flüchtet er sich in Ahnungslosigkeit. Das Zuchtmittel der gestrengen Abmahnung wegen illoyalen Verhaltens der eigenen Anstalt gegenüber wirkt unverändert. Die Öffentlichkeit darf erst etwas erfahren, wenn Beschlüsse in Kraft getreten sind und nichts mehr zu ändern ist. Bis dahin ist jede Diskussion ausgeschlossen. Das verstehen die oberen Etagen der Funkanstalten dann vielleicht als praktizierte Demokratie, wobei sie meist vergessen, dass ihre Häuser nicht ihr Eigentum sind, sondern von den Gebühren der Hör-Bürger getragen werden. Zu diesen Bürgern zählen auch Journalisten, Musikkritiker im Besonderen, die glücklicherweise in der Lage sind, sich über ihre Medien öffentlich äußern zu können, ohne Abmahnungen seitens der Funkbosse zu riskieren. [Vorabveröff. aus nmz 2/2012]
Fünfundvierzig Jahre Verspätung: eine interdisziplinäre Tagung zu „Musik(wissenschaft) – Nachkriegskultur – Vergangenheitspolitik“ in Mannheim
24.01.12 (Frieder Reininghaus) -
Der vom Deutschen Germanistenverband im Oktober 1966 einberufene Germanistentag in München widmete sich unter dem Generalthema Nationalismus in Germanistik und Dichtung erstmals mit kritischen Ansätzen der neueren Geschichte des Fachs und einigen seiner wesentlichen Gegenstände. Die Denkanstöße und Ergebnisse dieser Tagung suchten die große Wissenschaftsdisziplin mit einem anwachsenden Crescendo heim und haben sie nachhaltig verändert.
Animalische Fährten: Schrekers „Der ferne Klang“ überzeugt in Bonn als Totaltheater
22.01.12 (Peter P. Pachl) -
Dirigent Will Humburg kehrt mit dem bestens disponierten Beethoven Orchester Bonn alles Unkonventionelle an der 1912 in Frankfurt uraufgeführten Oper hervor, arbeitet die schreienden Einzelmomente in Schrekers Mischklang solistisch heraus, stellt permanent die Modernität dieser Partitur unter Beweis und rückt sie doch stets in einen traditionell spätromantischen Zusammenhang und zeigt so die künstlerische Herkunft und musikdramatische Verwandtschaft des von Paul Bekker als „einzigen Nachfolger Richard Wagners“ deklarierten Komponisten auf – auch mit der äußeren Gewichtigkeit zweier großer Pausen.
„Changes“ – die Esslinger tonArt zelebriert den Wandel, mit oder ohne John Cage
19.01.12 (Dietrich Heißenbüttel) -
Das Motto „Changes“ des diesjährigen tonArt-Festivals in Esslingen bezieht sich auf die „Music of Changes“ von John Cage. Cage seinerseits, der dieses Jahr 100 geworden wäre, verwies damit auf das „Book of Changes“, das Buch der Wandlungen I Ching, dessen er sich bei der Komposition bediente. Seit Cage 1951 die „Music of Changes“ schrieb, hat sich einiges gewandelt.
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