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Alle Artikel kategorisiert unter »Claude Vivier«
Drama, Pathos, Grenzüberschreitung
07.03.12 (Isabel Herzfeld) -
Wer von einem Festival für Neue Musik das nie Gehörte, zukünftige Richtungen Anzeigende erwartet, dürfte von der diesjährigen Ultraschall-Ausgabe mehr als je zuvor irritiert gewesen sein. Zwar ging es den Programmmachern von Deutschlandradio Kultur und Kulturradio im rbb stets darum, die „Klassiker“ verschiedener Avantgarden in neue Zusammenhänge zu stellen, neu zu beleuchten und mit hochkarätigen Interpreten Maßstäbe einer dringend notwendigen Aufführungstradition zu schaffen. Denn die nur einmal gehörte Uraufführung nützt niemandem, nicht dem Publikum, das sich der schwierigen Moderne weiter verschließt respektive sich das unmittelbar Eingängige herauspickt, und den Komponisten schon gar nicht. In diesem Jahr allerdings ging es bei Ultraschall „historisch“ wie noch nie zu, wobei die eigentliche Überraschung darin bestand, wie viel Unbekanntes hier zutage gefördert werden und zu neuen Lesarten des vermeintlich Bekannten führen konnte.
Klang-Kontinente und Mahler-Szenen
05.09.11 (Gerhard Rohde) -
Die Salzburger Festspiele, ein Hort abendländischer Hochkultur und entsprechend konservativ ausgerichtet, haben in den letzten zwei Jahrzehnten erstaunliche Verwandlungen erfahren. Mit Gerard Mortier und Hans Landesmann zogen das moderne Musiktheater und die Neue Musik in das Festspiel ein. Peter Ruzicka als Nachfolger brachte mit zahlreichen Uraufführungen neuer Musik Donaueschinger Atmosphäre an die Salzach und Jürgen Flimm setzte sich gegen Bedenken des Festspielkuratoriums durch, als er Luigi Nonos „Al gran sole“ ins Programm aufnahm: Es wurde ein Riesenerfolg.
Potenzial für Reibungsgewinn: Kammerorchester und Kammerspiele starten in München eine neue Konzertreihe
10.04.11 (Wolf Loeckle) -
Inmitten der zu geschärfter Militanz findenden Münchener Konzertsaaldiskussion öffnet sich dieser Tage ein neuer Saal für Musik. Der ist zwar nicht neu – aber gut: Die Münchner Kammerspiele offerieren ab sofort und zuweilen ihren Jugenstil-Traum von Meister Riemerschmid als Ort musikalischer Begegnung. Damit löst sich zwar nicht das Philharmonieproblem. Neuer Kommunikation aber öffnet sich ein Spannungsfeld.
Und sie bewegt sich doch
09.11.09 (Georg Beck) -
Mit Mose ist Willy Decker ganz nach oben gestiegen. Mit Mose musste er am Ende wieder herunter. Waren dem Propheten auf der Höhe des Sinai die Tafeln offenbart worden, so hatte Decker auf der Höhe von Schönbergs Meisteroper den Grundriss seiner ersten Festspielzeit gefunden. Derweil war unten der Tanz ums Goldene Kalb längst im Gange.
Die Szene kommt einem bekannt vor. Wie das Volk am Fuße des Sinai sein ganz eigenes Kulturprogramm entwickelt – Gottesidee hin, Bilderverbot her –, so hielten es die Ruhrtriennale-Musiktheater-Autoren offenbar mit Deckers Ruhrtriennale-Konzept. Beschwor dieser die horizontöffnende Parallelität von religiösem und künstlerischem „Urmoment“, erhoffte sich „Spiegelungen von Transzendenz im Künstlerischen“ (nmz 8/09), verstanden dies die Einen als Gummiformel, Andere als Freibrief für eskapistischen Neofundamentalismus. Ob dies der Grund war, dass die künstlerische Ausbeute von Deckers erster Ruhrtriennale bescheiden ausfiel, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Doch eins ist sicher: Hätte es nicht diesen „Moses und Aron“ in Deckers eigener fulminanter Inszenierung gegeben (nmz online, oper&tanz 10/09) – am Ende wäre er (beinahe) mit leeren Händen dagestanden.

