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Alle Artikel kategorisiert unter »Luigi Nono«
Faust, Prometheus und andere Polaritäten
31.10.11 (Albrecht Dümling) -
Anregende Ideen und Querverbindungen gab es in Hülle und Fülle. Als Ausgangsidee seiner Programmkonzeption stellte Winrich Hopp, seit fünf Jahren Künstlerischer Leiter des Musikfests Berlin, den Dualismus von Klavier und Stimme, von Schlag oder Laut, Punkt oder Linie dar. Ihn sah er verkörpert im Gegensatz zwischen dem Tastenlöwen Franz Liszt und dem gesangsverliebten Richard Wagner. Diese Polarität ergänzte er noch, teilweise auch nur subkutan, um zwei grundlegende Mythen der europäischen Kulturgeschichte: Faust und Prometheus.
Theatralik mit Eötvös & ein Nancarrow-Comic
07.10.11 (Max Nyffeler) -
Im fragmentarisierten, live-elektronisch transformierten Vokal- und Ins-trumentalklang der „Risonanze erranti“ (1986/87) von Luigi Nono klingt noch der „Prometeo“ nach. Doch unter dem Einfluss der depressiv-nihilistischen Texte unter anderem von Ingeborg Bachmann und Herman Melville wird nun die Werkstruktur bis an die Grenze der Selbstauflösung geführt. Das Ensemble Experimental unter der Leitung von Detlef Heusinger spitzt die Kontraste entsprechend zu: Die stark in den Vordergrund gerückten Bongos knallen, die Dissonanzen schmerzen, die langen Pausen sind fast überlang. Eine überdeutliche, technisch makellose Aufnahme aus dem Experimentalstudio des SWR. Das prozesshaft flackernde Tubasolo „Post-prae-ludium per Donau“ ist eine gute Ergänzung dazu. (Neos 11119)
www.beckmesser.de 2011/10
04.10.11 (Max Nyffeler) -
Luigi Nono wünschte sich einst, die Musik solle „das Ohr aufwecken, die Augen, das menschliche Denken“. Daran anknüpfend formulierte kürzlich ein anderer Unbeugsamer seine Vorstellung von der Rolle der Kunst in der heutigen Gesellschaft: „Hier lernen und leben Menschen, die ihre Welt nicht definieren, weil sie die Mängel und Defizite, die Neurosen und Probleme besonders trefflich zusammenzählen können, sondern hier treffen sich Menschen, die wissen, was die Zukunft einer Gesellschaft ausmacht. Hier treffen sich Menschen, die Freude an der Freiheit haben. An der Freiheit der Erwachsenen zumal, die wir bei ihrem Namen nennen: Verantwortung.“ Es war Joachim Gauck bei der Eröffnungsrede zu den Salzburger Festspielen 2011. Das laute Lob der stets unzulänglichen Gegenwart war natürlich eine rhetorische Finte. Der Redner sprach zwar im Indikativ, dachte aber, wie einst Nono, in der Möglichkeitsform, und er wollte Mut machen: Mut, über den eigenen Gartenzaun hinauszudenken, optimistisch in die ungewisse Zukunft zu blicken und als Künstler wie als Zuhörer am großen, zeitlos aktuellen Projekt aktiv mitzuwirken: der Freiheit, die immer wieder neu erkämpft werden muss. Das ist das ästhetische Programm eines überzeugten Republikaners. Nono hätte es bedingungslos unterschrieben.
Weit entfernt von jeder Selbstbespiegelung – Die Altistin Susanne Otto im Gespräch
07.09.11 (Corina Kolbe) -
Aufführungen von Mahlers Achter durch die Berliner Philharmoniker unter Simon Rattle sowie Nonos „Prometeo“ mit Arturo Tamayo und André Richard beschließen die Berliner Festspiele vom 15. bis zum 18. September. Für die nmz sprach Corina Kolbe mit der Altistin Susanne Otto, die seit der Uraufführung an beinahe allen Aufführungen von „Prometeo“ beteiligt war und nun nach ihrer Mitwirkung in der diesjährigen Salzburger Inszenierung (siehe Seite 37) auch in Berlin auftreten wird. Im Mittelpunkt des Interviews mit Susanne Otto steht die Auseinandersetzung mit dem Stück aus der Perspektive einer Sängerin.
Klang-Kontinente und Mahler-Szenen
05.09.11 (Gerhard Rohde) -
Die Salzburger Festspiele, ein Hort abendländischer Hochkultur und entsprechend konservativ ausgerichtet, haben in den letzten zwei Jahrzehnten erstaunliche Verwandlungen erfahren. Mit Gerard Mortier und Hans Landesmann zogen das moderne Musiktheater und die Neue Musik in das Festspiel ein. Peter Ruzicka als Nachfolger brachte mit zahlreichen Uraufführungen neuer Musik Donaueschinger Atmosphäre an die Salzach und Jürgen Flimm setzte sich gegen Bedenken des Festspielkuratoriums durch, als er Luigi Nonos „Al gran sole“ ins Programm aufnahm: Es wurde ein Riesenerfolg.
Luftschwirrende Klänge: „Himmel und Erde“ – ein Konzert in der Kunst-Station St. Peter Köln
16.04.11 (Ute Büchter-Römer) -
Kurze, fast kreischende helle spaltartige Klänge, abgehackt, plötzlich wieder kehrend, sich wiederholend, minimal erweitert, durch punktartige dunklere Cluster ergänzt, vor einem schwirrenden Orgel-Luft-Bass im Dunkel das Helle kontrastierend, dichtere Toncluster bilden harte Gegensätze, graben sich eindrucksvoll ins Ohr. Christina C. Messners Stück „erdwärts – himmelan. Vom Schweben und Sinken“ für Orgel wurde von Dominik Susteck eindrucksvoll uraufgeführt.
Peter Konwitschny erinnert mit Luigi Nono an die Liebe in den Zeiten der Revolutionen
11.10.09 (Michael Ernst) -
Italiensehnsucht? Von wegen! Der Große Immunisator erhebt allen Taten und Untaten zum Trotz ewigen Anspruch auf Roms Palazzo Chigi und hofft noch immer darauf, dieses Ziel mit seinem Medienimperium auch weiterhin frech durchzuboxen. Italiensehnsucht? Aber ja! Von wo wäre denn sonst die Liebe zur Liebe immer wieder erhitzt und angefeuert worden, glutvoll besungen durch die Jahrhunderte des unsterblichen Belcanto?
Festspiel in der Krise?
28.08.09 (Gerhard Rohde) -
Wenn sich Wirtschaft und Finanzwelt in der Krise befinden, warum darf dann nicht auch ein Festspiel sich eine Krise leisten? Das traditionsreiche sommerliche Festival in Salzburg bleibt von den weltweiten Erschütterungen verständlicherweise nicht verschont, dafür spielen die ökonomischen Grundpfeiler der Salzburger Festspiele für deren Existenz eine zu entscheidende Rolle. Wenn betuchte Besucher aus Fernost, Amerika, Arabien, Russland fortbleiben, sei es aus finanziellen Gründen oder weil sie Furcht vor der grassierenden Schweinegrippe haben, dann hat das Kartenbüro der Festspiele ein Problem und natürlich auch der Finanzchef. Den insgesamt sehr treuen Sponsoren liegt das neue Antikorruptionsgesetz schwer auf dem Gemüt: Kann man noch wie früher dutzendfach Geschäftsfreunde samt Gattinen einladen, ohne in den Ruf der Bestechlichkeit zu geraten – immerhin würden zwei mal zwei Karten in der oberen Kategorie rund eintausendzweihundert Euro kosten zuzüglich Bewirtung und Hotel. Da ist Vorsicht geboten auf beiden Seiten.
Luigi Nonos Politepos «Al gran sole carico d'amore» bei den Salzburger Festspielen
03.08.09 (Georg Etscheit - ddp) -
Ein Fanal für soziale Gerechtigkeit und eine Hommage an die Mütter der Revolution: Das ist Luigi Nonos Riesenopus «Al gran sole carico d'amore», eines der Schlüsselwerke der ernsten Musik des 20. Jahrhunderts. Keine Oper im klassischen Sinne, sondern eine von Nono «Azione scenica» genannte Collage revolutionärer Texte von Karl Marx bis Che Guevara. Das äußerst selten aufgeführte Werk kam am Sonntag bei den Salzburger Festspielen heraus und wurde in der nicht ganz ausverkauften Felsenreitschule frenetisch bejubelt.
