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Das Leuchten einer Jahrhundertfigur
04.10.11 (Jan Brachmann) -
Verliebte leuchten so. Oder Gotterfüllte. So, wie Kurt Sanderling leuchtete, je älter er wurde. Wissen, Erfahrung, Frieden strahlte er aus, wenn man sich in den letzten Jahren mit ihm unterhielt. Nach einigen Tassen starken Kaffees, den seine Frau Barbara – eine exzellente Kontrabassistin und Hochschullehrerin – nie versiegen ließ, konnte es sein, dass er mit großer Gelöstheit eine Melodie vor sich hin summte. Denn noch immer, auch Jahre nach seinem Rückzug vom Podium, lebte er in Musik, tummelte sich aus, wie er das nannte, in den Partituren jener Werke, die er mehr als sechzig Jahre lang dirigiert hatte und denen gegenüber er immer noch glaubte, gründlich lesend seine Schuld abtragen zu müssen.
Hotel Suicide oder Club 27
02.09.11 (Sven Ferchow) -
Das Unausweichliche, das Unabwendbare, das Vorhersagbare trat am 23. Juli 2011 ein. Die britische Soulsängerin Amy Winehouse wurde tot in ihrer Londoner Wohnung aufgefunden. Ursache: bis heute spekulativ, uneindeutig und hypothetisch. Drei Beschreibungen, die die letzten Jahre ihres Lebens eng umranden.
Er sagte, was er dachte…
30.01.11 (rvz) -
Eine große Zahl von Trauernden aus dem deutschen Musikleben kam am 7. Januar in St. Michael im Belgischen Viertel Kölns zusammen, um von Franz Müller-Heuser Abschied zu nehmen. Die drittgrößte Kirche Kölns konnte nicht jedem Anteilnehmenden Platz bieten, und selten wird eine Messe dort von wohltönenderem Gesang erfüllt gewesen sein. Pfarrer Winfried Hamelbeck hatte entsprechend viele Lieder in die Liturgie eingebunden und er erinnerte mit persönlichen Worten an das Wirken des Verstorbenen. Anschließend wurde Franz Müller-Heuser auf dem Melaten-Friedhof beigesetzt.
Vorbild durch Unbestechlichkeit
29.01.11 (Werner Lohmann) -
Wir alle sehen ihn vor uns – immer kerzengerade und mit dem Blick nach vorne. Das ist zunächst einmal das sichtbare Ergebnis einer sängerischen Ausbildung und Karriere. Aber es ist mehr. Denn genau so kerzengerade hat er gedacht und gehandelt. Da war nicht nur eine brillante intellektuelle Positionierung, die es ihm ermöglichte, auch aus dem Stegreif druckreif und höchst geistvoll zu formulieren. Nein – es war darüber hinaus eine nachhaltige Gradlinigkeit beim Vertreten der Positionen, die er für richtig hielt und für die er einzutreten jederzeit bereit war. Und er war jederzeit und an jedem Ort bereit, sich für ein Anliegen der Kultur oder der Musik mit allen auseinanderzusetzen, die in diesem Bereich Verantwortung trugen.
Er zeigte uns den Weg
29.09.10 (Andrea Fink) -
„Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steige ab.“ Mit dieser Weisheit der alten Dakota-Indianer stellte sich Jürgen Lachner Mitte 2002 in seiner ersten Vorstandssitzung vor.
Mit absolutem Gehör und Lust am Experimentellen
09.06.10 (Gerhard R. Koch) -
Dass Streichquartette sich umgruppieren, ist üblich. Anders ist dies bei Klavier-Duos. Natürlich haben sich Stars zum ad-hoc-Spiel zusammengetan, wichtiger indes waren die stabilen Formationen, nicht selten Brüder oder Schwestern, sogar Zwillinge: Vertrautheit von Kind an, womöglich genetische Parallelen, auch dieselben Lehrer dienten spielerischer Symbiose, ja reflexhafter Synchronität – wichtig bei einem „Schlaginstrument“, wo Sekundenbruchteile übers „Klappern“ entscheiden.
Im Feedback stark
09.06.10 (Gerhard R. Koch) -
Von den 50er- bis in die 80er-Jahre galt Köln quasi als Mekka Neuer Musik wie Bildender Kunst. Überragende Komponisten mit ihren Schulen rivalisierten: Bernd Alois Zimmermann, Karlheinz Stockhausen, Mauricio Kagel, auch Hans Werner Henze. Unter dem Dach des mäzenatisch potenten WDR mit seinem Elektronischen Studio gab es zudem für Vernetzer, Abweichler und Quergänger mancherlei Freiräume: eine einmalige Verquickung sowohl der Künste (auch Literatur, Film, Theater) untereinander als auch globaler wie lokaler Aktivitäten, bis hin zur politischen „Straßenmusik“: ein Kunst-Bio-top voller Spannungen, Anregungen und Synergien.
