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Alle Artikel kategorisiert unter »Uraufführung«
Jubel für eine wuchtige Weltsymphonie – Das Linzer Bruckner Orchester bringt an Neujahr die neunte Symphonie von Philip Glass zur Uraufführung
03.01.12 (Jörn Florian Fuchs) -
Natürlich ist auch diesmal wieder alles spätestens nach fünf Takten klar. Natürlich hetzen die altbekannten Staccati und punktierten Achtel durchs Orchester, wummert es mal hier, mal dort, wird eifrig geclustert und geklappert. Wir sind zugegen bei der neuesten Schöpfung des beinahe 75Jährigen Amerikaners Philip Glass. Und doch ist irgendwie nicht alles, aber doch manches anders. Es fängt schon beim Aufführungsrahmen an.
Fenster, weit offen
06.12.11 (Theo Geißler) -
„Spätnachmittag, das kleine Zimmer im Halbdunkel. Still sitzend, der Blick dem Fenster zugewandt, dessen weit geöffnete Flügel den Horizont begrenzen. Still sitzen und schauen, die See und das Fenster zur See.“
Uraufführungen 2011/11
31.10.11 (Rainer Nonnenmann) -
Der Begriff „Parallelgesellschaften“ fällt gemeinhin in Verbindung mit Klagen über Ausgrenzung und mangelnde Integration von Migranten. Zumeist im Plural gebraucht, setzt er voraus, dass es als verbindlicher Maßstab die eine, einheitliche und unteilbare Gesellschaft gäbe. Doch hierzulande und andernorts lehrt die soziale Wirklichkeit, dass es sich bei Ideen einer homogenen Gesellschaft nur um Fiktionen derer handeln kann, denen Scheuklappen den Blick nach links und rechts verblenden.
Die Erfahrbarkeit von musikalischer Zeit
03.04.11 (Frieder Reininghaus) -
Von 1750 stammt Carlo Goldonis heiteres Theaterstück „Il mondo della luna“, das Joseph Haydn knapp drei Jahrzehnte später zum musikalischen Dramma giocoso promovierte. Als Jules Verne mit seiner futuristischen Reise zum Mond Sensation machte, dauerte es nicht lange, bis diese Exkursion mit Melodien und Rhythmen Jacques Offenbachs in Paris zur Opéra-féerie avancierte und 1875 ins Théâtre Gaîté kam. Analog erging es dem Roman „Výlety pánĕ Broučkovy“ von Svatopluk Václav Čech, dessen vollalkoholisierter Mondfahrt sich in den 20er-Jahren Leoš Janáčeks beredte Musik anverwandelte. Paul Lincke hat Frau Luna 1899 eine Berliner Operette gewidmet, Carl Orff zum Beginn des Zweiten Weltkriegs sein „Kleines Welttheater“.
Expressionistisches mit fünf Komponisten
19.12.10 (Barbara Eckle) -
„Nicht bauen, sondern ‚ausdrücken’!!” beschrieb Schönberg seine Absicht in einem Brief an Busoni im Jahr 1909. Es war das Entstehungsjahr von vieren seiner „Fünf Orchesterstücke“ op. 16, mit denen Schönberg die klassische tonale Tonsprache ablöste und durch freie Atonalität eine expressionistische Phase einleitete, die den Weg in die Zukunft öffnete. Zusammen mit Schönbergs „Variationen für Orchester“ op. 31, dem ersten dodekaphonischen Orchesterwerk des Komponisten von 1928, das gerade die Entformalisierung gleichsam wieder untergräbt und sozusagen nur noch „baut“, bildete das Programm des Ensemble Modern Orchestra eine stimmige Klammer um die drei Uraufführungen, die im Zentrum seiner Konzerttournee standen. Dem Dirigenten Peter Eötvös ist es zu verdanken, dass diese Konzerte in Berlin, Fankfurt, Paris oder Luxembourg stattfinden konnten: In freundschaftlicher Verbundenheit hatte er sich kurzfristig bereiterklärt, für den erkrankten Pierre Boulez einzuspringen.
Die uraufgeführten Werke der Komponisten Bruno Mantovani, Jens Joneleit und Johannes Maria Staud stehen auf jeweils unterschiedliche Art im Zeichen eines expressionistischen Stils, der den Leitfaden des Programms abgab. Anklänge an eine expressionistische Epoche waren etwa in Bruno Mantovanis Komposition „Postludium“ zu hören, einem Anschlusswerk an seine Oper über das Leben der russischen Dichterin Anna Achmatowa. Wilder Aktionismus und Introspektion sind die zwei Pole, die der Komponist zu vereinbaren sucht. So lässt er unter einem entschlossenen rhythmischen Grundtonus evokative Linien in Flöte und Akkordeon mit forcierten solistischen Eruptionen von Klarinette und Perkussion zusammentreffen. In radikalem Gegensatz zu Schönbergs expressionistischer Gestik überwiegt hier wie auch in Jens Joneleits Komposition das Triebhafte unter den expressionistischen Stilmitteln, das immer auch mit einem gewissen Kraftakt verbunden zu sein scheint.
