| Verkannte
Blech-Zungen: Das Akkordeon
Quetschkommode,
Proletenklavier, Schweineorgel: Das Schimpfwort-Repertoire
für Akkordeon, Zieharmonika, Konzertina und Bandoneon
ist noch garstiger als die gängigen Verunglimpfungs-Begriffe
der Blockflötenfamilie. „Kein sauberer Ton,
und vor allem kein schöner“ – so soll
Anton Bruckner die Instrumente der „selbstklingenden
Unterbrechungs-Aerophone“ (Wikipedia) einst charakterisiert
haben.
In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts gab
es in Wien die ersten Patente für „Physharmonikas“.
Deren weltweiter Siegeszug – verbunden mit ständigen
konstruktiven Weiterentwicklungen – war von nun an
nicht mehr aufzuhalten. Allerdings immer unter sehr kritischer
Beobachtung der „ernsten“ Musikologen und Musikpädagogen.
Aus den Heurigen-Beiseln, den Tango-Kaschemmen und den
verruchten Hafen-Kneipen heraus ist das Akkordeon längst
weitergewandert: In die gewachsene Volksmusik, in ganz
eigene Orchester-Formationen, – und in die hehren
Sphären des sogenannten ernsten Musizierens, von Jazz,
Rock- und Pop-Musik ganz zu schweigen.
Mittlerweile sind
Akkordeon-Professuren an Musikhochschulen selbstverständlich.
Beethoven- und Bruckner-Transkriptionen dürfen bei „Jugend
musiziert“ vorgetragen werden. Und die Liste zeitgenössischer,
teils hoch anspruchsvoller Kompositionen wächst schneller
als die virtuoser Interpreten.
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