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Bowling for Karajan

01.02.10 -
Orchester sind doch etwas wunderbares. Sie machen viele Geräusche, sogar Musik, wenn man die Noten vorlegt und dann klingt es richtig gut und satt. Ein richtiges Orchester richtig im Griff macht das richtige Geräusch. Dazu braucht es in der Regel noch einen einigermaßen fähigen Dirigenten und die Sache wuppt. Das könnte man alles ein bisschen billiger haben, denn dank Computer oder Spielekonsole kann man sich vor ein virtuelles Orchester stellen und seiner orchesterleitenden Autorität Gehör verschaffen. Allein, das gibt es noch nicht. Fussballmanager kann man werden, oder andere Sportteams durch Computerspiele simuliert zum Erfolg führen. Flugzeuge kann man so lenken oder U-Boote, Kriege gewinnen oder verlieren, Terroreinsätze durchführen, Länder bauen oder im Chaos versinken lassen. Aber eine Software für Orchestermanager gibt es nicht. Dabei wäre das ein ganz amüsantes und lehrreiches Spielevergnügen. „Orchestra Wars I“ – das ultimative Kulturmanagement-Spiel: Tausche Metzmacher gegen zwei Thielemanns, kaufe Erste-Geiger in Südkorea, Solistenverkäufe an André Rieus Festivalorchester oder zähe Verhandlungen mit Gewerkschaften und Kulturdezernenten, Kampf mit der Gemakratie, Bekleidung für Peter Eötvös kaufen.

Terminator JeKi-Man

09.12.09 -
Morgen Kinder wiiirds waaas geben, morgeen kommt der JeKi-Mann, auf die Erde niiiedeer wo wiiir Menschen sind. Wer es noch nicht bemerkt haben sollte, es ist mal wieder Zeit für Geschenke. Weihnachten ist das Geschenkfest pur. Neben dem ganzen unnötigen Krimskrams wie Büchern, Puzzles, Krawatten, Parfums sowie winterharter Unterwäsche in allen Farben, ist es nun die beste Zeit, jedem Kind sein Instrument zu geben, statt eines notorisch Aufmerksamkeitsdefizite fördernden Handys oder einem sowieso überflüssigen Musikdownloadgutscheins oder schlecht zusammengewürfelter CDs vom Schlage Bravo-Hits 2009 oder Skipisten-Kracher 167.

Resozialisation

04.11.09 -
Alle Jahre wieder gibt’s eine Resolution, vom Deutschen Musikrat. Auch in diesem Jahr blieb man der Tradition treu. Thema: Digitalisierung – ohne Urheber keine Kreativität. Schon der Titel zeigt, dass man mit diesem Luftgedankenpapier völlig ins Klo gegriffen hat. Eine simple Verkehrung des Zusammenhangs, ohne Kreativität keine Urheber hätte man wohl besser sagen sollen, wenn man das Bedingende erkannt hätte. Auch das Schlagwort „Digitalisierung“ wirkt in diesem Zusammenhang etwas unglücklich. Genauso könnte da stehen: Notenpapier, Callcenter oder Nachtclub. So ist das, der eine spielt gerade Skat, der andere Maumau. Sie haben das gleiche Kartenspiel, aber sonst wenig gemeinsam.

Wer nicht fragt, bleibt Praktikum

05.10.09 -
Hoch im Norden, wo die Luft so dünn ist, dass Musikkultur im öffentlich-rechtlichen Rundfunkbereich kaum eine empfangsbereite Situation vorfindet, zumindest nicht was das Vorführen kompletter Werke angeht, verzichtet man mittlerweile offensichtlich auch auf Ausbildungswege für ganze Redakteure in der Musikkultur. Der Sendername muss genügen und Umsonstpersonal. Man hat ja Praktikantinnen und Praktikanten.

Jodelgrüße

27.08.09 -
Der Mann, der eine „Philosophie des Geldes“ um 1910 verfasste, setzte sich zu Beginn seiner soziologischen Arbeit einmal mit dem Jodeln auseinader, dabei ging es dem Grunde nach um die psycho- und ethnologischen Anfänge der Musik. Georg Simmel, der Autor, wünschte sich bei seiner Erhebung auch die Notation von Jodlern jeglicher Art. Wir wissen nicht, ob der Jodler darunter war, der kürzlich ein Münchner Landgericht beschäftigte.

Unter Piraten: Wer trauert eigentlich der Popkomm nach?

06.08.09 -
„Deutsche Bahn bekennt sich zum Personalverkehr – Weitere 30 Strecken werden stillgelegt.“ Es würde einen nicht überraschen, wenn der alte Bahnchef Mehdorn damit vor die Presse getreten wäre. An derartige Jubelrufe hat man sich hierzulande gewöhnt. Und genauso ungläubig würde man diese Information zur Seite legen und sich an den Kopf fassen: Der habe doch nicht mehr alle Tassen im Schrank.

cluster (2009/06)

29.05.09 -
Man muss ja doch staunen, wie wenig die Finanzkrise an den Fundamenten des gesellschaftlichen Lebens verändert. Nein, es ist nicht etwa so, dass sie folgenlos wäre; das Gegenteil ist der Fall, die knappen Kassen werden sich wohl weiter leeren und die Bewältigungsweise der Volksvertreter und Gesetzgeber scheint momentan eher darauf angelegt, den Verursacher der Krise, die defekte Geldwirtschaft, soweit zu reparieren, dass sie weitgehend unbeschadet aus dem selbstverschuldeten Dilemma aufsteigt. Der Versager soll notoperativ gerettet werden. Ausbaden dürfen das die ganz gewöhnlichen Menschen, denen so viel finanzielle Liebe des Wohltäters Staat gewöhnlich nicht zuteil wird. Die Gesellschaft von Menschen hat abgedankt zugunsten einer unter dem Diktat einer selbstverliebten Ökonomie. Die war freilich auch schon zuvor kräftig am Wirbeln.

Cluster (2009/05)

30.04.09 -
Die Finanzkrise ist auch für den Musikinstrumentenmarkt nicht ganz folgenlos. Immer häufiger setzt sich das Prinzip „Ikea“ durch. In alter Hobbythek-Manier baut man sich sein Instrument selbst. Bei einigen Instrumenten geht das auch, andere gelten als unmöglich für den Bastler herzustellen. Eine Geige beispielsweise. Selbst wenn man es könnte, wären die Baumaterialien immer noch einigermaßen teuer. Sicher, es gibt mittlerweile Instrumente im Handel, die im Preissegment bei um die 100 Euro liegen. Niemand würde diese Instrumente ernst nehmen. Und 100 Euro für ein mieses Instrument sind immer noch 100 Euro. Wenn schon billig, dann ganz und gar.

cluster (2009/04)

27.03.09 -
Die Wissenschaft hat festgestellt, hat festgestellt, hat festgestellt, dass viel Musik viel Fett enthält. Darum kann die Einschränkung des Musikkonsums durchaus körperfettverringernde Wirkung zeitigen. So steht es irgendwo, und so stimmt es auch. Das Vertrauen auf wissenschaftliche Erkenntnisse hat einfach die Wahrnehmung der Realität (was immer die auch ist) ersetzt. Dabei ist die Korrelation von Musik und Fett in der Tat ein Faktum. Vielmusikhörende Völker sind einfach fetter.

Sperrgebiet

27.02.09 -
„Widerstand ist zwecklos“, sagen die Borgs in der Fernsehserie „Star Trek“. Die Borgs sind eine Spezies, die sich aus vielen anderen Lebensformen im Weltall zusammengesetzt hat, indem sie die Fähigkeiten der anderen Arten assimilierte. Von allem das Beste und daher allen anderen Wesen hoch überlegen mit einem kollektiven Wissen. Wer sich nicht assimilieren lassen will, hat schlechte Karten: ein Zukunftsstück aus der Feder von Drehbuchautoren. Doch wenn man genauer hinschaut, bemerkt man, genau das passiert gerade auch bei uns, hier und jetzt.
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