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Höhere Mathematik

06.07.10 -
Haben Sie sich eigentlich schon mal Gedanken darüber gemacht, wie viele Ohren Sie haben? Zählen Sie mal genau nach. Ich habe jetzt lange nachdenken müssen. Es sind nämlich acht! Zwei habe ich im Wohnzimmer, zwei habe ich im Arbeitszimmer, zwei sind in meinem Geschäftsfahrzeug und weitere zwei in der Gartenlaube. Wahrlich ein echter Luxus, zumindest was das Auto und die Gartenlaube angeht. Ich habe die Rechnung dann wiederholt und nachgerechnet, wie viele Gehirne ich denn habe. Ergebnis: eines! Allerdings wird das von manchen Zeitgenossen in Zweifel gezogen. Aber ich bleibe dabei. Acht Ohren, ein Gehirn. Meine acht Ohren habe ich nicht selbst entdeckt, sondern die Gebühreneinzugszentrale der Rundfunkanstalten (kurz: GEZ). Die macht nämlich einen Unterschied zwischen Ohren, die man so oder so nutzt. Die muss offensichtlich von einer parallelen Nutzung der Rundfunkgeräte ausgehen. Zwar ist es mir noch nie passiert, dass ich alle acht Ohren auf einmal eingesetzt hätte, aber möglich wäre es ja trotzdem. Ist ja auch völlig der Lebenserfahrung entsprechend, dass man alle vier Radios so platziert, dass man sie gleichzeitig hören kann. Acht Ohren führen zu viermal Gebühren bei der Gebühreneinzugszentrale. Wäre ja noch schöner, wenn sich jemand auf diesem Weg um eine Beteiligung am Erhalt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks herumdrückte; gewissermaßen als Hörschmarotzer auf Kosten der anderen Gebührenzahler lebte.

Entwarnung

27.05.10 -
Die Wissenschaft hat festgestellt, hat festgestellt, dass der Ipod keine Musik enthält, Musik enthält. In der Tat, Forscher der TU Dortmund um den Musikwissenschaftler Günther Rötter haben herausgefunden, dass Jugendliche, die beim Hausaufgabenmachen Musik hören, dadurch weder Vor- noch Nachteile in Sachen Lernfähigkeit erleiden. Das Ergebnis überraschte auch die Forscher, ging man doch bislang davon aus, dass Musik mindestens von der eigentlichen Tätigkeit ablenke. Der Grund: „Musik ist überall, daher reagiert der Körper nicht mehr“, erklärt Prof. Rötter. „Sie ist praktisch wie ein Accessoire, das nicht störend wirkt.“ Eine interessante Interpretation.

Geradeaus

04.05.10 -
Die Kunst und die Künste verlieren immer mehr ihre Form als Ware. Sie werden immer weniger Ware, weil sie immer weniger Form sind. Denn die Kunst und die Künste sind pure Vehikel geworden, nur eine Zwischenstation in den innergesellschaftlichen Handelsbeziehungen – und das sind die einzigen, die zählen. In der Kulturpolitik nennt man das schlicht und einfach „Umwegrentabilität“. Die Motivation zum Bau von Konzerthäusern ist nicht im Interesse an Konzerten begründet, sondern in der Beschaffung von Arbeitsplätzen in der Bauindustrie und Politik (siehe Hamburg).

Horror-Glossar

28.03.10 -
Wer mit administrativen Fachtermini konfrontiert wird, kommt sich manchmal vor, als sei er im Orwell-Staat gelandet. Nicht nur, dass wir es regelmäßig mit einem großen Sortiment von prämierten Unworten zu tun haben, wir haben auch welche im Gebrauch, die man sich durch und durch schön zu reden versteht.

Teilweise verstorben

26.02.10 -
Ab und zu muss man auch einmal ernst werden dürfen. Nach sechs Jahren aufmerksamen Beobachtens der so genannten Kulturwelle des Nordens ist eine Pause angesagt. Die Bürgerinitiative „Das GANZE Werk“ lässt die Arbeit ruhen, die so genannte Kulturwelle des Norddeutschen Rundfunks ist und bleibt was sie ist. Tagsüber ein Haufen musikalischen Stückwerks. Das ist eben so, die Hörer wollen angeblich nichts anderes. Nur eben diese Querulanten oder Kultur-Ayatollahs (Wortlaut Gernot Romann, Ex-NDR-Programmdirektor) der Mitglieder der Bürgerinitiative „Das GANZE Werk“. Der NDR hat sich selbst die Absolution erteilt, die angebliche Selbstkontrolle von Rundfunkrat und Programmausschuss hat die Vorwürfe und -schläge der Initiative als absurd oder unbegründet zurückgewiesen.

Bowling for Karajan

01.02.10 -
Orchester sind doch etwas wunderbares. Sie machen viele Geräusche, sogar Musik, wenn man die Noten vorlegt und dann klingt es richtig gut und satt. Ein richtiges Orchester richtig im Griff macht das richtige Geräusch. Dazu braucht es in der Regel noch einen einigermaßen fähigen Dirigenten und die Sache wuppt. Das könnte man alles ein bisschen billiger haben, denn dank Computer oder Spielekonsole kann man sich vor ein virtuelles Orchester stellen und seiner orchesterleitenden Autorität Gehör verschaffen. Allein, das gibt es noch nicht. Fussballmanager kann man werden, oder andere Sportteams durch Computerspiele simuliert zum Erfolg führen. Flugzeuge kann man so lenken oder U-Boote, Kriege gewinnen oder verlieren, Terroreinsätze durchführen, Länder bauen oder im Chaos versinken lassen. Aber eine Software für Orchestermanager gibt es nicht. Dabei wäre das ein ganz amüsantes und lehrreiches Spielevergnügen. „Orchestra Wars I“ – das ultimative Kulturmanagement-Spiel: Tausche Metzmacher gegen zwei Thielemanns, kaufe Erste-Geiger in Südkorea, Solistenverkäufe an André Rieus Festivalorchester oder zähe Verhandlungen mit Gewerkschaften und Kulturdezernenten, Kampf mit der Gemakratie, Bekleidung für Peter Eötvös kaufen.

Terminator JeKi-Man

09.12.09 -
Morgen Kinder wiiirds waaas geben, morgeen kommt der JeKi-Mann, auf die Erde niiiedeer wo wiiir Menschen sind. Wer es noch nicht bemerkt haben sollte, es ist mal wieder Zeit für Geschenke. Weihnachten ist das Geschenkfest pur. Neben dem ganzen unnötigen Krimskrams wie Büchern, Puzzles, Krawatten, Parfums sowie winterharter Unterwäsche in allen Farben, ist es nun die beste Zeit, jedem Kind sein Instrument zu geben, statt eines notorisch Aufmerksamkeitsdefizite fördernden Handys oder einem sowieso überflüssigen Musikdownloadgutscheins oder schlecht zusammengewürfelter CDs vom Schlage Bravo-Hits 2009 oder Skipisten-Kracher 167.

Resozialisation

04.11.09 -
Alle Jahre wieder gibt’s eine Resolution, vom Deutschen Musikrat. Auch in diesem Jahr blieb man der Tradition treu. Thema: Digitalisierung – ohne Urheber keine Kreativität. Schon der Titel zeigt, dass man mit diesem Luftgedankenpapier völlig ins Klo gegriffen hat. Eine simple Verkehrung des Zusammenhangs, ohne Kreativität keine Urheber hätte man wohl besser sagen sollen, wenn man das Bedingende erkannt hätte. Auch das Schlagwort „Digitalisierung“ wirkt in diesem Zusammenhang etwas unglücklich. Genauso könnte da stehen: Notenpapier, Callcenter oder Nachtclub. So ist das, der eine spielt gerade Skat, der andere Maumau. Sie haben das gleiche Kartenspiel, aber sonst wenig gemeinsam.

Wer nicht fragt, bleibt Praktikum

05.10.09 -
Hoch im Norden, wo die Luft so dünn ist, dass Musikkultur im öffentlich-rechtlichen Rundfunkbereich kaum eine empfangsbereite Situation vorfindet, zumindest nicht was das Vorführen kompletter Werke angeht, verzichtet man mittlerweile offensichtlich auch auf Ausbildungswege für ganze Redakteure in der Musikkultur. Der Sendername muss genügen und Umsonstpersonal. Man hat ja Praktikantinnen und Praktikanten.

Jodelgrüße

27.08.09 -
Der Mann, der eine „Philosophie des Geldes“ um 1910 verfasste, setzte sich zu Beginn seiner soziologischen Arbeit einmal mit dem Jodeln auseinader, dabei ging es dem Grunde nach um die psycho- und ethnologischen Anfänge der Musik. Georg Simmel, der Autor, wünschte sich bei seiner Erhebung auch die Notation von Jodlern jeglicher Art. Wir wissen nicht, ob der Jodler darunter war, der kürzlich ein Münchner Landgericht beschäftigte.
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