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Der letzte Deutsche – Ferchows Fenstersturz 2011/12
09.12.11 (Sven Ferchow) -
Große Aufregung. Annähernd Erregung. Das Establishment kurz vor dem Kollaps. Die Konservativen kotzend über den Kloschüsseln. Bushido bekam den Integrations-Bambi. Und eine Handvoll Vergessene wieder mal eine Bühne. Auf der sie dann losheulten wie frauen- und schwulenfeindlich Bushido sei. Ein Schwein quasi, das da den Bambi erhält, winselten die einen. Ein typisch Deutscher, murmelten die anderen. Schließlich interessieren die paar Millionen Migranten sowieso keinen. Zumindest nicht in Westdeutschland. Daher ist es egal, ob man Bushido, Karl-Heinz Böhm oder Christine Neubauer das Kitz in die Pfötchen drückt.
Ferchows Fenstersturz 2011/11
05.11.11 (Sven Ferchow) -
Diese Popsternchen. Dumm wie Parkuhren, blöd wie Puten, aber mit Popo-Wackeln das Girokonto zum Geldspeicher gemacht. Doch wohin mit der Kohle, wenn zwischen den Ohren der Wind weht? Eine Frage, die R&B-Superstar Rihanna (in Deutschland milieuabhängig „Riehänna“ oder „Reiäna“ geknödelt) vor tägliche Gewissensbisse stellt. Gut. Der Wind weht, also auf zum Tattoo-Shop. Eine neue Körperverletzung muss her. Französisch sollte sie sein. Esprit versprühen. Und weil „Riehänna“ hübsch wie eine Blume ist und charakterlich eine Rebellin, die sich gerne mal per Helikopter von ihrer 30-Millionen-Villa zur nächsten „Anti-Pelz-Demo“ fliegen lässt, ziert den linken Hals nun der Schriftzug „rebelle fleur“. Man muss sich das vorstellen. „Reiäna“, im amerikanischen Erdkundeunterricht sicher nicht über Ohio hinausgekommen, marschiert „zwecks Französisch-Tattoo“ zu einem Tätowierer im abgedunkelten Teil New Yorks. Kellergeschoss.
Ferchows Fenstersturz 2011/10
12.10.11 (Sven Ferchow) -
Da legst di nieda! Die Jodelszene ist aufgewühlt. Auslöser: Die Fremdtrompeterei des Stefan Mross. Ein Busserl zuviel für Stefanie Hertel. Tränen. Trennung. Abscheu. Weil: schneebedeckte Berge, rauschende Wasserfälle, in (Zwangs-)Tracht geprügelte wie schuhplattelnde Kinder und saftige Wiesen ihre Unschuld verloren haben. Enthüllt von BILD online. Hier das Protokoll des Grauens:
Pinocchios 3.0
05.09.11 (Sven Ferchow) -
Vor gar nicht so langer Zeit hausten in einer grauen Stadt zwei kleine Betteljungen. Sie waren so arm, dass sie selbst im Hirn nichts hatten. Nur den Traum, vor vielen Menschen wirr zu sprechen. Oft brachen sie die Gebote der Stadt, um zu bestehen. Sie nährten sich von Gerstensaft und selbst erwirtschafteten Rauschmitteln. In den Gassen der Stadt lernten sie die Kunst der Beleidigung. Eines Tages trafen sie einen Zauberer. Sein Körper war mit geheimnisvollen Zeichnungen übersät. „Ich helfe euch, Proleten zu werden“, versprach er den beiden. Leider glaubten die Betteljungen, das sei der gleiche Beruf wie Prinz, und bevor der Zauberer zu Ende gesprochen hatte, saßen die Freunde in seiner Kutsche und ließen sich abtransportieren. Dabei hatten sie doch Mutti versprochen, zu keinem Fremden ins Gefährt zu steigen.
Blutgruppe K
30.06.11 (Sven Ferchow) -
Je suis indigné. Eine Sauerei, was die Streber vom Bundesrechnungshof behaupten. Bei den Bayreuther Opernfestspielen wütet eine Kartenmafia? Eine fränkische Filiale der FIFA, die Eintrittskarten inzestuös wie gratis unter Politiker, Sponsoren und Promis verteilt? Heißt: Auf Umwegen zahle ich Angelas Zirkuszelt, äh Wagner-Robe, ihren Polstersessel und die Thrombosemassage nach der Ringsitzung. Vermutlich kommen die gar nicht zum Wagner-Hören. Was ein Indiz für Menschlichkeit wäre. Vielmehr soll backstage geklüngelt werden. Ob der neue Flughafen noch „Dr. KT International“ heißen darf. Oder wer sich für die frechste Luftbuchung beim Projekt „Alle musizieren“ feiern lassen darf, weil die Olle einen Nerz abzieht und ihre Botox-Termine bis 2013 fix sind. Kultur ist doch nicht für alle da.
EWG
05.06.11 (Sven Ferchow) -
Ekelhaft. Widerlich. Gräulich. Drei Adjektive, die nicht grundlos mit dem Eurovision Song Contest in Verbindung gebracht werden müssen. Freilich kann man die Tragödie auch dieses Jahr nicht von obigem Vorwurf entbinden. Als größeres Debakel fungierte aber der Pressespiegel zum Drama.
Da stilisierte man eine Freak-Show, die im Feuilleton seit Jahren niedergemetzelt wird, zur Rettung der deutschen – ach, sind wir mal nicht unbescheiden – der weltweiten Unterhaltungsindustrie. Und nur, weil die Deutschen wieder einmal mit drakonischer Disposition und zackigem Zeitplan dienten.
Sag zum Abschied lieber gar nix
02.05.11 (Sven Ferchow) -
Schäm Dich, ZDF! Heimtückisch leise setzt der Sender „Weihnachten mit Marianne und Michael“ ab. Ein finaler GAU für die dauerstrahlenden Volksmusik-Atomkraftwerke Marianne und Michael. Nachdem die beiden schon im kalten Entzug die Sendungen „Superhitparade der Volksmusik“ und „Lustige Musikanten“ verloren hatten, ist das der Exitus. „Grüß Gott“ bei 9Live und im Heimwerkerkanal. Wobei ich nicht wirklich sehen möchte, wie Michael als gebürtiger Österreicher – nur mit einem Werkzeuggürtel umhüllt – einen Spreizdübel in die Rigips-Wand zimmert, oder Marianne im BH bekleidet ab 23.30 Uhr nach Städten fragt, die mit „Ph“ beginnen und pro erratenem Buchstaben noch mehr Kleidungsstücke fallen lässt. Aber, das Aus hat einen Grund.
Ton, Steine, Sterben (Ferchows Fenstersturz 2011/04)
31.03.11 (Sven Ferchow) -
Bedrohlich wird es ja immer, wenn die TV-Anstalten oben rechts einen Balken einblenden. Für mich ein Zeichen, sofort die Gasmaske aufzusetzen, in den hauseigenen Bunker zu stolpern und den Dieselgenerator anzuwerfen. Fatalistisch wird es, wenn sich zum Balken noch Politik, Nachrichten und Weltgeschehen einblenden und an der Popmusik vergreifen. Ich stehe also am Samstag („Der Tag Eins danach“) mit einem Fuß im ABC-Schutzmantel und drücke den Riechkolben in die Maske, als das ZDF gegen zehn Uhr abends in einer speziellen Spezialsendung einen obszönen Versuch unternimmt, sich aufzuhübschen. Katastrophenbilder werden mit lakonischer Musik der britischen Tonsparer „Massive Attack“ unterlegt. Ihre Single „Teardrop“ aus 1998 (der jüngste ZDF-Redakteur konnte sich erinnern) verziert jene Bilder, die noch Jahre unfassbar bleiben werden.
Wissenswertes aus Erlangen (Ferchows Fenstersturz 2011/03)
01.03.11 (Sven Ferchow) -
Ende Januar hatte ich gepflegt die Hosen voll. Kalten Schweiß auf der Stirn. Hab-Acht-Stellung vor jeder Straßenecke. Grund: ein YouTube-Video des äußerst gefährlichen Franken-Rappers Jakob Herrmann (19) aus Erlangen. Mit seinem furchteinflößenden Pseudonym „Jackpot“. Ich war ja der Meinung, diese maliziösen Gangsta-Rapper lebten in Amerika. Fehlanzeige. Die leben hier! Genährt von der kleinstädtischen Idylle zwischen „Fädd“ (Fürth) und „Nämmbärch“ (Nürnberg). Erzogen vom CSU-Politiker und amtierenden bayerischen Innenminister Joachim Herrmann. Was ist denn da schiefgegangen? Zu viel Privatschule oder zu wenig „Watschn“? Wo ist denn da die bayerische Definition von Recht und Ordnung, wenn „Jackpot“ grunzt: „2010, ich hab alles gef***. Hab Deine Mutter zu Jürgen Drews nach Malle geschickt”? Gut, lyrisch muss man sich da nicht aufregen.
