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Alle Artikel kategorisiert unter »www.beckmesser.de«

www.beckmesser.de 2012/02

08.02.12 (Max Nyffeler) -
Über die Rolle, die ein Staatspräsident spielen soll, wird gegenwärtig heftig diskutiert. Welche Eigenschaften soll er mitbringen, wie „politisch“ soll er sein? Bisher nahm man an, ein Politprofi in einem solchen Amt sei von Vorteil, doch inzwischen weiß man, dass das mit etlichen Risiken und Nebenwirkungen verbunden ist.

www.beckmesser.de 2011/12

06.12.11 (Max Nyffeler) -
Der Schriftsteller Matthias Politycki hat kürzlich in der „Zeit“ zu einem heftigen Rundumschlag über die Zustände im Literaturbetrieb und im Kulturbetrieb ganz allgemein ausgeholt. Da ist die Rede von der globalen kulturellen Fußgängerzone, in der jede Kreativität erstickt werde. Der Schriftsteller müsse sich als Marke am Markt etablieren und diesen entsprechend beliefern, um existieren zu können. Die Kritik sei verlottert und fungiere zunehmend als Medienzensur, der verunsicherte Leser werde von allen Seiten indoktriniert.

www.beckmesser.de 2011/11

31.10.11 (Max Nyffeler) -
Zum Auftakt der Donaueschinger Musiktage veranstaltet der Bayerische Rundfunk traditionell eine Talkrunde vor Ort zum Thema Neue Musik. Teilnehmer war diesmal auch Armin Köhler, der Leiter der Musiktage, der bei dieser Gelegenheit einmal mehr erläuterte, warum er den als experimentell geltenden Aktivitäten wie Performance, Klang- und Konzertinstallation einen so prominenten Platz im Programm einräumt. Solche Veranstaltungsformen sind mittlerweile zu einem Markenzeichen Donaueschingens geworden. Sie bilden nicht nur eine obligate Zugabe zu den Ensemble- und Orchesterkonzerten, sondern sind auch in diese selbst eingedrungen, indem sie das traditionelle Konzertritual auf immer wieder andere Weise auf den Prüfstand stellen. Was allerdings für Donaueschingen auch nichts Neues mehr ist, denkt man etwa an Experimente wie Globokars „Laboratorium“ oder Stockhausens „Trans“ aus den 1970er-Jahren.

www.beckmesser.de 2011/10

04.10.11 (Max Nyffeler) -
Luigi Nono wünschte sich einst, die Musik solle „das Ohr aufwecken, die Augen, das menschliche Denken“. Daran anknüpfend formulierte kürzlich ein anderer Unbeugsamer seine Vorstellung von der Rolle der Kunst in der heutigen Gesellschaft: „Hier lernen und leben Menschen, die ihre Welt nicht definieren, weil sie die Mängel und Defizite, die Neurosen und Probleme besonders trefflich zusammenzählen können, sondern hier treffen sich Menschen, die wissen, was die Zukunft einer Gesellschaft ausmacht. Hier treffen sich Menschen, die Freude an der Freiheit haben. An der Freiheit der Erwachsenen zumal, die wir bei ihrem Namen nennen: Verantwortung.“ Es war Joachim Gauck bei der Eröffnungsrede zu den Salzburger Festspielen 2011. Das laute Lob der stets unzulänglichen Gegenwart war natürlich eine rhetorische Finte. Der Redner sprach zwar im Indikativ, dachte aber, wie einst Nono, in der Möglichkeitsform, und er wollte Mut machen: Mut, über den eigenen Gartenzaun hinauszudenken, optimistisch in die ungewisse Zukunft zu blicken und als Künstler wie als Zuhörer am großen, zeitlos aktuellen Projekt aktiv mitzuwirken: der Freiheit, die immer wieder neu erkämpft werden muss. Das ist das ästhetische Programm eines überzeugten Republikaners. Nono hätte es bedingungslos unterschrieben.

Neu: Die High Heels! – www.beckmesser.de (2011/09)

05.09.11 (Max Nyffeler) -
Alles auf dieser Welt ist vergänglich, vor allem das Geschriebene. Was wurde doch in diesem verregneten Sommer nicht alles berichtet, behauptet und bejubelt, was wir schon längst wieder vergessen haben. Die deutschen Fußballerinnen waren schon fast Weltmeister und die USA fast pleite, in Stuttgart hatte niemand die Absicht, einen Bahnhof zu errichten, Kate Winslet entkam einem Brand in der Villa von Richard Branson und die Polizei in NRW musterte Deutsche Schäferhunde aus („zu wenig belastbar“).

Wird der Vogel Simorq abgeschossen?

30.06.11 (Max Nyffeler) -
Jede Kultur hat ihre Mythen und Erzählungen, die zur Identitätsbildung der Völker beigetragen haben. Indien hat das Mahabharata, Griechenland die Gesänge des Homer, Italien die Divina Commedia, die Deutschen die Nibelungen-Sage, das moderne Brasilien den Macunaima. Und die persische Kultur hat das Shahnameh, das 60.000 Verse umfassende Nationalepos des Dichters Ferdowsi, der vor rund tausend Jahren lebte.

Die Wunderknaben

05.06.11 (Max Nyffeler) -
Am 14. Mai konnte Aloys Kontarsky in Köln seinen achtzigsten Geburtstag feiern, Gelegenheit also für einen kleinen Rückblick auf vergangene Zeiten. Er und sein Bruder Alfons gehörten eine Zeitlang zur Kerntruppe der deutschen Nachkriegsavantgarde und waren für drei Jahrzehnte eines der führenden europäischen Klavierduos. Basis ihres Spiels war ein analytisches Partiturverständnis, große Stilkenntnis verband sich mit unerhörter technischer Leichtigkeit und einem schlackenreinen Klang. Bei Mozart, Schubert und Brahms waren die beiden musikalisch hochbegabten Brüder ebenso sattelfest wie bei Boulez, Stockhausen und Rihm. 1983 erlitt ­Aloys einen Schlaganfall, und die Erfolgsgeschichte war zu Ende. Als der Intellektuellere der beiden hatte er sich bis dahin auch als Solist stark auf die Neue Musik konzentriert. Bei den Darm­städter Ferien­kursen gehörte er rund zwei Jahrzehnte lang zum inneren Kreis der Dozenten. Als Spezialist für das Unspielbare war er ein Tausend­sassa am Klavier, als brillanter Analytiker und eloquenter Redner ein Mas­termind der damaligen Avantgarde.

Programmheftkunst

02.05.11 (Max Nyffeler) -
Was ist die Aufgabe eines Programmhefts? Es soll informieren über die gespielten Werke und ihre Komponisten. Aber das ist offensichtlich noch nicht alles, denn sonst würden ein paar Seiten eng bedruckter, links oben zusammengehefteter Seiten im A4-Format genügen. Der Konzert- oder Theaterbesucher möchte eine ansprechend gestaltete Broschüre in Händen halten, deren Lektüre Lust auf mehr macht. Was aussieht wie das Kleingedruckte in einem Kaufvertrag, landet schnell einmal im Papierkorb.

A.N.G.S.T. – Max Nyffelers Beckmesser-Kolumne über Atom-Panik und den Leporello in uns

05.04.11 (Max Nyffeler) -
Die Angst geht um! Der Abgrund gähnt: in Gelsenkirchen! In Frankfurt! In Stuttgart! In Wolfsburg! In Mönchengladbach! Einigen verschlägt’s den Atem, einige taumeln, einige befinden sich schon im freien Fall. Die Todeskandidaten suchen nach lebensrettendem Halt. Sie sind nur wenige Punkte vom Abstieg in die Zweite Fußball-Liga entfernt. In höchster Not entlassen sie ihre Trainer und kaufen wie besinnungslos neue. Angst treibt das Geschäft. [aus nmz 4/2011]

Die Musikwolke (www.beckmesser.de 2011/03)

01.03.11 (Max Nyffeler) -
Die Menschheit ist zunehmend online. Bei uns gehört ein DSL-Anschluss heute zum Alltag, und anderswo werden mit Mobiltelefon und Facebook bereits Revolutionen angezettelt. Doch wer glaubt, die Möglichkeiten des Internets seien damit ausgereizt, täuscht sich. Die Industrie arbeitet bereits an neuen Technologien und entsprechend neuen Zugangsstandards, und das immer mit Blick auf die globale Verwendbarkeit.
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