„1.000 Jahre Vielfalt der Komponistinnen“

Zu einem Konzert im Rahmen des „Tages der Musik“ in Frankfurt


(nmz) -
In einem außergewöhnlich vielfältigen Programm von Musikerinnen und Musikern des Frankfurter Tonkünstlerbundes e.V. wurden „1000 Jahre Vielfalt der Komponistinnen“ zu Gehör gebracht. Viel zu wenig hören wir Werke von Komponistinnen in Konzertprogrammen.
Ein Artikel von Ute-Gabriela Schneppat

Dabei gibt es seit nachweislich rund 1.000 Jahren – beginnend mit der Mystikerin, Äbtissin und Musikerin Hildegard von Bingen – auch immer komponierende Frauen. Die wenigsten schafften und schaffen es bis heute, ihre Werke dauerhaft zu etablieren.  Dass dieses Nischendasein keinerlei Berechtigung hat, bewies das Konzert zum „Tag der Musik“ am 14. Juni 2013 im Vortragssaal der Frankfurter Sparkasse. Vielmehr: Durch das Fehlen der Werke von Komponistinnen im üblichen Konzertbetrieb sei den Zuhörern „ein ganzer Kosmos verschlossen“, wie es Professor Alois Kottmann in seiner Dankesrede anlässlich seiner Ernennung zum Ehrenmitglied des FTKB e.V. im Anschluss an dieses Konzert formulierte.
Herausragend war die Vielfalt und die durchweg hochkarätige künstlerische Qualität der Darbietungen, darunter auch eine Uraufführung eines Werkes von Maria Linnemann (*1947) durch die Gitarristin Heike Matthiesen. Clara Schumanns Romanzen, wunderschön von Lidiya Shevchuk interpretiert, durften bei einem Komponistinnen-Konzert natürlich nicht fehlen. Ebenso erklang das berühmte „Sicilienne“ von Maria Teresia von Paradis, das nebst den „Klangstücken“ von Barbara Heller und „Forlane“ von Germaine Tailleferre durch Irina Hofmann, Flöte, und Gerhard Schroth, Klavier ansprechend interpretiert wurde.

Den Bogen zur Moderne schlug der Klarinettist Eric Rückgauer, der mit seinem fesselnden Spiel der höchst anspruchsvollen „Stimmungen eines Fauns“ op. 21 von Ilse Fromm-Michaels das Publikum in seinen Bann zog. Welche tiefe Verzweiflung die Missachtung des Œuvres bei  einem Menschen hervorrufen kann, wurde bei der eindrucksvoll beklemmenden Aufführung von „Cuestionamientos“ der Komponistin Silvia L. Alvarez de la Fuente durch das <belcanto>-Ensemble Frankfurt deutlich. Versöhnlichere, empfindsame Töne brachten der Bariton Frieder Andres und die Sopranistin Florence Launay, beide einfühlsam begleitet durch Wiltrud Veit, mit Liedern der Komponistinnen Judith Weir, Pauline Viardot-Garcia und Louise Héritte-Viardot zu Gehör.

Das zahlreich erschienene Publikum war sichtlich beeindruckt von dem vielfältigen Spektrum der von den Musikerinnen und Musikern an diesem Abend gezeigten Darbietungen. So wurde dieses Konzert zu einer würdigen Auftaktveranstaltung einer neuen Konzertreihe des Frankfurter Tonkünstlerbundes e.V. in Kooperation mit der Frankfurter Sparkasse. Von nun an soll es jedes Jahr ein Tonkünstler-Konzert in den Räumen der Frankfurter Sparkasse geben.

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