Alte Gäule und ZAZ

Neuveröffentlichungen der Popindustrie, vorgestellt von Sven Ferchow


(nmz) -
Platten von: Fantastischen Vier, Nickelback, ZAZ, Pink Floyd und den Foo Fighters - kritisch beäugt.
Ein Artikel von Sven Ferchow

„Sonic Highways“ nennt sich das neue Album der Foo Fighters. Zum achten Mal präsentieren Dave Grohl (Ex-Nirvana Schlagzeuger) und seine Recken ein Album im Format „laut/leise beziehungsweise Start/Stop“. Stadionrock am Limit. Und weil Alben alleine mittlerweile recht fad sind, gibt es zum Album eine gleichlautende TV-Doku in acht Folgen, die die Foo Fighters als „Liebeserklärung an die Geschichte der amerikanischen Musik“ verstehen. In acht verschiedenen Städten wurde je einer der acht Songs aufgenommen, um die Einflüsse der Städte auf die Musikgeschichte oder aber auch auf die Band zu verarbeiten. Nun, zu hören ist davon wenig. Das Album ist sicher gut („What did I do?“, „In the clear“, „Outside“, „Something from Nothing“), würde aber auch ohne aufgeblähte Randerscheinungen funktionieren. Interessant: Auf Vinyl erscheint das Album mit neun verschiedenen Covern, die nach dem Zufallsprinzip verkauft werden (Sony Music).

Pink Floyd brauchen also trotzdem noch Kohle. „The Endless River“ soll das beschleunigen. Vielleicht ist es aber auch nur ein natürlicher, menschlicher Akt, wieder zusammen zu spielen. Ob das nun die Pink Floyd sind, die man vermisst hat, die man nicht wiedererkennt oder die man eventuell gar nicht mehr braucht, soll doch bitte jeder selbst entscheiden. Was man dem Album zugutehalten muss: es entschleunigt ungemein. Und angenehm. Es wird keinem Höhepunkt hinterher gehechelt. Es läuft einfach nur. Dass diese Art der Musik inzwischen Mangelware ist, macht „The Endless River“ speziell. Ob aber gar so viele Songs mit einem derart ausladenden Intro beginnen müssen, ist schon fraglich. Und liebe Kritiker: Selbstzitate haben sich diese Herren verdient. Da darf man nicht mäkeln (Parlophone Label Group).

Die Französin Isabelle Geffroy ist ZAZ und wurde an dieser Stelle bereits für ihre Alben  „ZAZ“ und „Recto verso“ ausgiebig gelobt. Welch Überraschung, für ihr neues Album „Paris“ muss man das fortsetzen. Begleitet von einer Big Band unter Mitwirkung von Quincy Jones gelingt ihr ein Jazzalbum, das sich thematisch an Paris lehnt und musikalisch höchst interessante Schnittstellen zwischen Jazz, Chanson, Swing und gekonnter Interpretation anbietet. Die Originalversionen der Songs unterziehen sich so einer Häutung, die in lockerer Spontaneität und cooler Cleverness endet. Eine Freude, dieses Album zu hören, das so gar nicht in unsere Zeit passen mag, aber gerade deswegen unverzichtbar scheint (Warner).

Recht vielversprechend beginnt das aktuelle Nickelback-Album „No Fixed Address“ mit einem Kracher namens „Million Miles an Hour“. Was dann aber folgt ist harte Kost. „What are you waiting for?“, „She Keeps me up“, „Make me believe again“ oder „Satellite“ sind derart unmotivierte Radiopampe, die vergessen lassen, dass die Kanadier einst eine knallharte Rockband waren. Denn: Jeden dieser Songs hat man auf den letzten Nickelback-Alben bereits gehört und wird nun eben noch mal verwurstet, verdreht und gewendet. Das ist öde. Wie die Jungs eigentlich ihre Songs noch auseinander halten können, ist die bleibende Frage nach diesem durchwachsenen, ja mauen Album (Universal).

Die Fantastischen Vier mit „Rekord“. Dem neuen Album. In der Crossover-Promotion begleitet von Tätigkeiten als „Testimonials“ beim Bezahlsender Sky beziehunsgweise mit Smudo und Michi Beck als Juroren oder Coaches beim TV-Casting „The Voice of Germany“, wo sie mehr oder weniger talentierte Schäfchen ins Musikbusiness hieven. Ob man diese Rahmenerscheinungen mag oder nicht, „Rekord“ ist definitiv wieder ein gelungenes Album. Warum? Keine Ahnung. Es passt einfach. Die Musik witzig, bodenständig, reduziert und völlig unmondän. Die Texte lässig, doppeldeutig, humorvoll, ironisch und man muss es leider sagen: irgendwie auch weise. Dabei unterstellen wir ihnen mal harte Arbeit, heftige Diskussionen und unglaubliche Denkprozesse bis so ein Album wie „Rekord“ entsteht. Doch zu hören ist davon nichts. Das muss man eben können (Sony Music).

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