Angebot und Nachfrage des Marktes regeln

Selbstmanagement für Musikpädagogen – das Musiklehrernetzwerk in Wiesbaden


(nmz) -

Britta Roscher, Diplom-Musikerin aus Wiesbaden, ist Mitglied im „Musiklehrernetzwerk Wiesbaden“. Nach dem Musikstudium an der Wiesbadener Musikakademie folgte ein künstlerisches Aufbaustudium an der Hochschule für Musik Detmold, Abteilung Dortmund. Neben dem Besuch von Fortbildungen und diversen Meisterkursen leitet Britta Roscher als Musiklehrerin Querflötenkurse im Rhein-Main-Gebiet. Über den Zusammenschluss und die Zielsetzungen des „Musiklehrernetzwerkes Wiesbaden“ berichtet Britta Roscher in folgendem Artikel.

Ein Artikel von Britta Roscher

Einige Musiklehrer in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden schlossen sich im Jahr 2000 zum „Wiesbadener Musiklehrernetzwerk“ zusammen. Bei diesem Netzwerk handelt es sich um einen Zusammenschluss von insgesamt 15 selbstständigen Musikpädagogen mit der Zielsetzung, die Vorteile des Privatunterrichtes mit der Angebotsvielfalt der Musikschulen zu verbinden. Die Lehrer/-innen erteilen eigenverantwortlich privaten Instrumentalunterricht, der individuell auf die Schülerin oder auf den Schüler zugeschnitten ist. Das Angebot besteht aus einem breitgefächerten Unterrichtsspektrum von Jazz bis zur klassischen Musik.

Die Grundidee bei der Entstehung des Musiklehrernetzwerkes war, dass keiner der selbstständigen Musiklehrer seine Tätigkeit aufgibt, die Eigenverantwortlichkeit der einzelnen Personen bleibt bestehen. Die Mitglieder des Netzwerkes stehen miteinander in Kontakt, um sich in pädagogischen und fächerübergreifenden Bereichen auszutauschen. Ein wichtiger Bestandteil in einer musikalischen Ausbildung ist nach Meinung des Netzwerkes das Treffen und das Zusammenspiel mit anderen Musikern. Deshalb steht auch die kammermusikalische Arbeit im Vordergrund der Arbeit. Auch die Organisation von Bandprojekten und regelmäßigen Schüler- und Lehrerkonzerten sind Aufgaben des Netzwerkes. Instrumente mit großer Schülerdichte werden, nach vorheriger Absprache, von zwei Pädagogen angeboten. Die Kooperation bietet Unterricht für Gitarre, Gesang, Klavier, Blockflöte, Querflöte, Violoncello, MFE und Musikgarten, Saxophon, Schlagzeug, E-Bass und Trompete an.

Die Vorteile des Netzwerkes bestehen in der Schaffung von Angeboten, die im normalen Privatunterricht nicht möglich sind.

Dazu gehören die Veranstaltungen von Schülerkonzerten sowie die Förderung des Zusammenspiels im Rahmen des Unterrichts. Aufgrund loser Strukturen und fehlender Verwaltung besteht die tagtägliche Arbeit nicht in der Bewältigung der Administration, dadurch entstehen keine zusätzlichen Kosten, die auf den Unterrichtspreis umgerechnet werden müssten. Folge davon ist ein preiswerter und qualifizierter Musikunterricht. Aufgrund des hohen Ausbildungsstandes der Mitglieder des Netzwerkes ist eine hohe Qualität des Unterrichts gewährleistet. Für Schüler aus dem Rock- und Jazzbereich besteht die Möglichkeit, zusätzlich zum Instrumentalunterricht preisgünstigen Band- und Theorieunterricht zu belegen. Aber wie sieht diese Kooperation von selbstständigen Musiklehrern in der Praxis aus? Dies soll an folgenden Beispielen verdeutlicht werden: Kammermusikalische Projekte werden beim „Musiklehrernetzwerk Wiesbaden“ groß geschrieben und die Schüler gegenseitig „ausgeliehen“. Das gemeinsame Musizieren bringt enorme Motivationsschübe für die Schüler mit sich. Gern gesehener Nebeneffekt ist natürlich das soziale Lernen, die soziale Kompetenz und die sich entwickelnde Gruppendynamik. Daraus entstanden mittlerweile einige feste Ensembles.

Im Popularbereich führt der E-Basslehrer Markus Hofmann regelmäßig Bandworkshops durch. Über einen bestimmten Zeitraum erarbeiten die Teilnehmer samstags diverse Hits aus Rock, Pop, Grunge und Jazz.

Gemeinsam ist man stärker – dies zeigt die tagtägliche Arbeit des „Musiklehrernetzwerkes“ Wiesbaden. Das gemeinsame Brainstorming hat den Vorteil, dass zu Themen, die jeden Musiklehrer bewegen, eine Vielzahl von innovativen Ideen entwickelt werden kann. Auch die organisatorische Arbeit wird auf mehrere Schultern verteilt. Und letztlich steht durch die Zusammenarbeit und durch die Kooperation mehr Geld für Werbezwecke zur Verfügung.

Des Weiteren wurde ein PR-Konzept zusammengestellt. Diese Konzeption besteht aus einem Folder, der Entwurf eines gemeinsamen Logos sowie die Erstellung einer Homepage, die, betreut vom Gitarristen David Eggert, über laufende Projekte und aktuelle Angebote des Netzwerkes Informationen zur Verfügung stellt.

Auch die Kunden haben aufgrund des Zusammenschlusses mehrerer Musikpädagogen enorme Vorteile. Eltern von Musikschülern empfinden die Mitglieder als kompetente Ansprechpartner und lernen sich bei verschiedenen Veranstaltungen kennen. Die Transparenz und das Ausbildungsniveau der Lehrer sind für die Eltern und Schüler erkennbar und wirken sich auf die musikalischen Leistungen der Schüler sowie auf deren Motivation aus. Alle anfallenden Kosten, wozu auch die Anmietung von Räumen für Veranstaltungen und Anzeigengebühren gehören, werden geteilt – und sind für jeden somit erschwinglich.

Verträge schließen die Schüler mit den einzelnen Lehrern direkt ab. Die Honorare bewegen sich zwischen 75 und 85 Euro monatlich für 45 Minuten Einzelunterricht. Das Jahreshonorar setzt sich aus zwölf gleichen Raten zusammen und die Unterrichtszeit orientiert sich an den hessischen Schulferien. Die Höhe des Honorars hängt natürlich vom Markt und den ansonsten üblichen Kosten für Musikunterricht ab.

Das „Musiklehrernetzwerk Wiesbaden“ hat es eindrucksvoll gezeigt – aufgrund solcher Kooperationen können Vorteile für selbstständige Musiklehrer und Schüler entstehen. Aufgrund der zahlreichen Veranstaltungen und Konzerte hat ebenso die Bevölkerung einen Nutzen, hat diese doch den Vorteil von zahlreichen kulturellen und musikalischen Highlights profitieren zu können.

www.musiklehrernetzwerk.de

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