Auf Janáceks Spuren

Solo-Akkordeon-Konzert im Studio für Neue Musik


(nmz) -
Am 8. Oktober 2012 stellte die Akkordeonistin Stefanie Schumacher in der Versicherungskammer Bayern Ausschnitte aus ihrer bei OehmsClassics erschienen CD „Unanswered Questions“ (2011) vor. Den vier Werken für Akkordeon solo von Khotimski, Borboudakis, Safaian und Traiger, die sich unmittelbar auf den Zyklus ,,Auf verwachsenem Pfade“ von Janácek beziehen, stellte Schumacher nicht minder beeindruckende Werke von Janárceková und Redmann zur Seite. In dem Klavierzyklus aus 15 Stücken, deren Nummern 1, 2, 4, 7 und 10 ursprünglich für Harmonium komponiert wurden, arbeitete Janácek den Verlust seiner frühzeitig verstorbenen Tochter Olga auf.
Ein Artikel von Theresa Kalin

Am 8. Oktober 2012 stellte die Akkordeonistin Stefanie Schumacher in der Versicherungskammer Bayern Ausschnitte aus ihrer bei OehmsClassics erschienen CD „Unanswered Questions“ (2011) vor. Den vier Werken für Akkordeon solo von Khotimski, Borboudakis, Safaian und Traiger, die sich unmittelbar auf den Zyklus ,,Auf verwachsenem Pfade“ von Janácek beziehen, stellte Schumacher nicht minder beeindruckende Werke von Janárceková und Redmann zur Seite. In dem Klavierzyklus aus 15 Stücken, deren Nummern 1, 2, 4, 7 und 10 ursprünglich für Harmonium komponiert wurden, arbeitete Janácek den Verlust seiner frühzeitig verstorbenen Tochter Olga auf.

Die von der Interpretin in Auftrag gegebenen Werke, die einen Großteil des Konzerts ausmachten, erzählen aus verschiedenen Perspektiven die emotional geladene Vater-Tochter-Beziehung der mährischen Familie. Neben der häufigen Akzentuierung des tragischen Schicksals der Tochter zeigte sich gerade bei Borboudakis‘ „diffracted thoughts“ die verstörende Leere und Einsamkeit der Hinterbliebenen. Die Erstarrung, die aus einer solch tragischen Erfahrung wie dem Verlust des eigenen Kindes hervorgehen kann, wurde im letzten Abschnitt dieses Werkes durch die Fragmentierung des Atems ungemein überzeugend komponiert und interpretiert. Redmanns Werk „Fieber“ zeigte Parallelen zu Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“. Die impulsiven Klangbilder erreichten durch das Akkordeon eine lebendige Klanghaftigkeit, da das Instrument mit dem Registerwechsel dem Klavier einiges voraus hat. Schumacher wusste gerade diese Möglichkeiten bestens auszunutzen und bot eine überzeugende Darstellung der abwechslungsreich komponierten Traumbilder und Phantasien, die auf die lang anhaltenden Fieberzustände der Tochter Janáceks verwiesen. Mit „Empathy“ von Traiger zeigte Schumacher vorrangig die warmherzigen Facetten des registerreichen Akkordeons. Traiger betont in seiner musikalischen Erzählung die Gefühlslage des distanzierten Außenbetrachters. Gerade hier bewies Schumacher die Untrennbarkeit von ihrem Instrument und die daraus resultierende Tiefgründigkeit. Die eher schwache Komposition „An den Quellen“ von Hofmann, die das Werk Schumacher widmete, hatte seine Berechtigung im Grunde durch die gelungene Interpretation der Akkordeonistin, die es schaffte, dem Werk Leben einzuhauchen ohne zu dick aufzutragen. Nichtsdestotrotz erinnerte das Stück eher an Pariser Straßenmusik als an eine sich mit der tragischen Thematik auseinandersetzende Komposition. Das ansonsten äußerst stimmige Konzertprogramm rundete Schumacher mit „Alpha“ von Safaian gelungen ab. Alle Kompositionen regten ungemein zum Nachdenken an, was durch die Wahl der Thematik kaum verwundern mag, aber nur durch die unnachahmliche Interpretation von Schumacher das Konzert zu einem einzigartigen Erlebnis machte.

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