Bevor alles zu Bruch geht…

Konfliktbearbeitung im Kulturbetrieb


(nmz) -
Konflikte im Kulturbetrieb sind nicht gerade selten: Sehr individuelle, oft eigensinnige Persönlichkeiten, ein sicher überdurchschnittliches Interesse der Beteiligten am Erfolg, wenig Finanz- und Personalressourcen sorgen dafür, dass es öfters mal knirscht. Die Münchner Rechtsanwältin und Mediatorin Barbara Heinrich, langjähriges ehrenamtliches Vorstandsmitglied des Jazzclubs Unterfahrt, arbeitet in ihrer Mediationspraxis mit Vereinen, Kulturorganisationen, Künstlern und Kulturschaffenden. Sie berichtet über die Vorteile eines Mediationsverfahrens im Konfliktfall.
Ein Artikel von Barbara Heinrich

„Ist das überhaupt nötig? Wir sind doch alle so kreativ – Lösungen muss man doch selbst finden! Warum andere damit belasten? Wäre doch peinlich, wenn wir das nicht selbst hinbekommen.“ Das sind häufig die Antworten, die man von Konfliktparteien – gerade im Kulturbetrieb – bekommt. Erst im letzten Moment, wenn gar nichts mehr geht, holt man sich professionelle Hilfe.

Gerade im Kulturbetrieb ist jedoch häufig ein nicht unerhebliches Konfliktpotenzial vorhanden. Dies hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen, welche kurz dargestellt werden sollen:

Im Kulturbetrieb geht es oft hektisch zu, alle Aktivitäten sind auf ein Ereignis ausgerichtet: das Konzert, die Aufführung, das Event – also das Endprodukt der täglichen Arbeit, welches zu 100 Prozent erfolgreich sein soll.

Daran arbeiten viele verschiedene Menschen mit, neben den Künstlern die Organisatoren, Verwaltungsleute, Ehrenamtliche, Praktikanten – Menschen verschiedenster Herkunft und mit diversen fachlichen Qualifikationen.

Auffälligerweise sind längst nicht alle Kulturbetriebe mit einer guten Organisationsstruktur versehen, man arbeitet immer unter Zeit- und finanziellem Druck, mit zu wenig Personal und oft auch zu wenig Professionalität. Projektmanagement – was ist das denn? Auch ein professionelles Personalmanagement ist in vielen Kulturorganisationen nicht vorhanden: wiederum eine Folge des Geld- beziehungsweise Personalmangels. Nicht immer werden Führungsqualifikationen ausreichend ausgebildet. Dabei sind die Anforderungen an die Führung des künstlerischen und des Verwaltungspersonals (oft durch ein und dieselbe Person) nicht zu unterschätzen.

Wenn es dann im Alltag nicht klappt, ist die Enttäuschung groß und der Konflikt vorprogrammiert. Gut beraten ist die Organisation, welche nach Erkennen der eigenen Problemsituation nicht selbst herum laviert oder gar den Konflikt verdrängt, sondern sich professionelle Hilfe holt. 

Die gibt es mittlerweile in vielen Facetten: Konflikthelfer, Moderatoren, Konfliktcoaches, Mediatoren, seit einiger Zeit auch spezialisiert auf den Kulturbereich – aufgrund der oben beschriebenen Besonderheiten sind gerade diese oft eine große Hilfe!

In dem Münchner Verband MiMMA e.V. (mediation in the media, music and the arts) haben sich professionelle, auf den kulturellen Bereich spezialisierte Mediatoren und Konflikthelfer zusammengeschlossen. Die MiMMA- Mediatoren haben selbst einen engen Bezug zu verschiedensten Kunst- und Kultursparten wie Film, Theater, Musik oder Bildende Kunst.

In der Praxis geht es um Fälle wie Mediation in Orchestern oder zwischen Bandmitgliedern, Filmproduzenten, Regisseuren und Schauspielern, Theaterensembles, aber auch Konfliktklärung in Kulturbetrieben oder Vereinen – auch im internationalen Zusammenhang. Oft sind die Konflikte schon sehr weit fortgeschritten, sodass unter Umständen rechtliche Themen in den Vordergrund rücken oder sogar bereits ein Gerichtsverfahren anhängig ist. Selbst in einer derart eskalierten Situation ist ein Mediationsverfahren grundsätzlich möglich. Vorteil der Mediation (zur Methode siehe die Kurzdarstellung im Kasten) ist neben dem Zeitfaktor auch der finanzielle Aspekt: Mediationen können oft bereits nach ein bis drei Sitzungen ein brauchbares, nachhaltiges Ergebnis vorweisen, die Kosten sind transparent und in der Regel deutlich geringer als die Kosten eines Gerichtsverfahrens. 

Der Hauptvorteil liegt jedoch in der Selbstbestimmtheit: Die Parteien werden bei der Lösungsfindung selbst aktiv, es entscheidet kein Dritter, der Mediator als neutrale Person kümmert sich lediglich um Ablauf und Struktur der Mediationssitzung. 

Nicht zu unterschätzen – gerade in engen Märkten, in denen „man sich kennt“, ist auch das Verhandeln in geschütztem Rahmen ohne Öffentlichkeit – also gerade anders als im Gerichtssaal bestimmen die Parteien selbst, wer Kenntnis vom laufenden Mediationsverfahren bekommt und ob oder wie ein Ergebnis veröffentlicht wird. Die Parteien also haben das Verfahren in der Hand. 

Dies – und vor allem auch das aktive Mitgestalten durch die Konfliktparteien – führt dazu, dass die meisten Mediationsvereinbarungen „halten“, das heißt: Die zum Abschluss des Verfahrens getroffene Vereinbarung wird von den Parteien gelebt und erfüllt, ohne dass zur Umsetzung die Hilfe Dritter nötig ist. Grund hierfür ist wohl neben der Lösung der drängenden Themen nicht zuletzt auch der Stolz der Konfliktparteien, nach Durchlaufen einer oft anstrengenden und/oder auch unangenehmen Mediationssitzung ein gemeinsames Ergebnis gefunden zu haben, welches dann natürlich auch umgesetzt werden soll. Oft entsteht bei den Medianten, nachdem sie die Methode der Mediation kennen und schätzen gelernt haben, ein Bewusstsein für eine Art Konfliktkultur, die es im eigenen Unternehmen zu schaffen gilt. Es werden Wege für den Umgang mit konfliktären Situationen geschaffen, dies dient dem frühzeitigen Erkennen und Bearbeiten von Konflikten und vermeidet Eskalationen. Methoden wie Workshops, Teamcoaching oder Moderation von Besprechungen werden sinnvollerweise auch im Kulturbereich immer mehr eingesetzt. 

Das Unternehmen „Kulturbetrieb“ gilt es ähnlich wie ein Wirtschaftsunternehmen zu fördern und mit geeigneten Methoden zu unterstützen. Die besonderen strukturellen und organisatorischen Eigenheiten des Kulturbetriebs können gerade in der Mediation für alle Beteiligten äußerst zufriedenstellend bearbeitet werden.

Methode der Mediation

Mediation ist ein außergerichtliches Konfliktlösungsverfahren, in dem ein neutraler Dritter (Mediator/Klärungshelfer) ohne inhaltliche Entscheidungsbefugnis die Konfliktparteien dabei unterstützt, verbindliche Lösungen zu vereinbaren. Das Verfahren ist vertraulich und durch Freiwilligkeit und hohe Eigenverantwortlichkeit der beteiligten Parteien geprägt. Es findet in geschütztem Rahmen statt und ermöglicht den Parteien, eigene, für ihre Bedürfnisse passende Lösungen zu finden.

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