„Bridges – Musik verbindet“

Ein Projekt zum interkulturellen Dialog mit Schulklassen


(nmz) -
„Bridges – Musik verbindet“ ist eine interkulturelle Initiative aus dem Raum Frankfurt, bei der professionelle Musikerinnen und Musiker aus unterschiedlichen Kulturen, mit und ohne Migrations- oder Fluchthintergrund, in gemeinsamen Konzerten und Musikprojekten durch Verbindung von traditioneller und moderner, orientalischer und europäischer Musik neue musikalische Wege gehen. Seit der Gründung Anfang 2016 entwickeln mittlerweile über 100 Musikerinnen und Musiker in festen und freien Ensembles im improvisierten musikalischen Dialog, aber auch in eigenen Kompositionen, eigene Stilistiken, in denen sich unterschiedliche Musikkulturen verbinden.
Ein Artikel von Katharina Schilling-Sandvoß

Seit 2017 entstehen in Kooperation von Bridges-Musikerinnen und -Musikern mit Frankfurter Institutionen auch pädagogische Projekte. Auf Initiative der Bridges-Organisatorinnen Julia Kitzinger und Johanna-Leonore Dahlhoff und gefördert durch die con-moto-foundation konnten in einem dieser Projekte Lehramtsstudierende der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main „Bridges“ in den Klassenraum bringen. Gemeinsam mit sechs Bridges-Musikern hatten die Studierenden im Wintersemester 2017/18 die Möglichkeit, unterschiedliche Kulturen über Musik kennenzulernen und den Gedanken eines interkulturellen musikalischen Dialogs auch für Schülerinnen und Schüler allgemeinbildender Schulen erlebbar werden zu lassen.

Die Bereitschaft, sich mit der Vielfalt musikalischer Erscheinungsformen auseinanderzusetzen und Toleranz zu entwickeln gegenüber unterschiedlichen musikalischen Formen, unabhängig davon, ob es um Musik anderer Kulturen oder ganz grundsätzlich um unterschiedliche Stilistiken geht, ist ein bedeutendes Ziel des Musikunterrichts allgemeinbildender Schulen, das im Kontext der Entwicklung der letzten Jahre eine verstärkte Bedeutung bekommen hat. Eigene Standpunkte und kulturelle Toleranz können sich nur im Spannungsfeld von Abgrenzung und Akzeptanz entwickeln. In der Anerkennung des jeweils Anderen, möglicherweise Unbekannten, kann es um die Entwicklung einer grundsätzlichen Haltung gehen, die durch die Erfahrung entstehen kann, dass sich im handelnden und gestaltenden Umgang mit unterschiedlicher Musik Bedeutsamkeiten entwickeln können.

Im Rahmen des Projekts entwarfen die Studierenden gemeinsam mit den Musikern Unterrichtssequenzen und ermöglichten in drei Klassen Frankfurter Schulen, zwei Realschulen und einer Integrierten Gesamtschule (Brüder-Grimm-Schule, Georg-Büchner-Schule, Louise-von-Rothschild-Schule), den Schülerinnen und Schülern, die Musik unterschiedlicher Kulturen in aktiver Auseinandersetzung zu erleben.

In der konkreten Umsetzung bedeutete das, dass im Seminar unter Leitung von Katharina Schilling-Sandvoß (Professorin für Musikpädagogik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main) zunächst in theoretischer Auseinandersetzung unterschiedliche Kulturbegriffe und methodische Möglichkeiten eines Interkulturellen Musikunterrichts und damit in Verbindung stehende fachdidaktische Positionen erarbeitet wurden. Dazu gehörte auch die kritische Sichtung bestehender Unterrichtskonzeptionen und Unterrichtsmaterialien.

Im zweiten Teil führten die sechs Musiker (Mohanad Almoslli, Salar Baygan, Ustad Ghulam Hussain, Mirweis Neda, Mustafa Kakour und Markus Wach) theoretisch in unterschiedliche Musikkulturen ein und beeindruckten die Studierenden mit musikalischen Kostproben. Drei Gruppen aus Musikern und Studierenden konzipierten darauf aufbauend drei Doppelunterrichtsstunden, je eine zu arabischer und afghanischer Musik und zum Flamenco. Gewinnbringend war dabei von Anfang an die gegenseitige Anerkennung der jeweiligen Professionalität von Musikern und Studierenden als Experten für die musikalische Umsetzung beziehungsweise Experten für die musikpädagogische Gestaltung. In jeder der Stunden war ein handelnder, die Aktivität und Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler fördernder Zugang als Kernprinzip das Grundelement neben den musikalischen Live-Vorträgen und der Mitteilung und Reflexion der Höreindrücke. Jede Stunde hatte zudem einen anderen Schwerpunkt: das Erfinden und Spielen rhythmischer Pattern in der Flamencostunde, das besondere Instrumentarium (Robab und Tabla) für die afghanische Musik und die gestaltende Abwandlung von Bewegungselementen in der „arabischen“ Stunde.

In der Umsetzung der Unterrichtsstunden in einer siebten und zwei achten Klassen (jede der Klassen erlebte alle drei Stunden) durch kleine Teams von Musikern und Studierenden beeindruckte die Offenheit der Schülerinnen und Schüler gegenüber der Musik und den gewählten Zugangsweisen. Den Studierenden wurde die Diversität innerhalb der musikalischen Lebenswelten der beteiligten Schülerinnen und Schülern bewusst, die schnell Schnittstellen zu den eigenen musikalischen Identitäten herstellten und besser als die theoretische Auseinandersetzung die Auflösung von Kulturgrenzen verdeutlichen konnten.

  • In unregelmäßiger Folge berichtet die GMP zukünftig unter dieser Rubrik über Projekte von GMP-Mitgliedern

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