CD-Tipps 12/2008

Musik von Beethoven bis Riehm


(nmz) -
Ein Artikel von Reinhard Schulz

Ludwig van Beethoven: Sinfonien Nr. 5 und 1; Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Paavo Järvi. Sony/BMG 88697 33835 2

Die Aufnahme, insbesondere die der Fünften, räumt gründlich auf mit vielen vereinfachenden Vorurteilen gegenüber Beethoven. Nichts ist da heroisch schwer zwischen dumpf und strahlend, die ganze Musik ist ungeheuer flexibel, voller Innenspannung und Dynamik, sensibel und entschlossen bei nie nachlassender energetischer Kraft. Die sehr straffen Tempi führen hier nicht zu verhetztem Leerlauf, sondern zur Erfüllung des musikalischen Sinns. Man muss das hören!

Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 2; Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 86;
RSO Stuttgart, Carl Schuricht (AD 1964/58). Hänssler CD 93193

Der große Carl Schuricht steht immer noch im Schatten manch anderer, mit Überschwang gefeierter Dirigenten. Dass in Bezug auf unser interpretationsgeschichtliches Verständnis so manches neu justiert gehört, beweist schlagend diese CD. Warum tun sich heutige Dirigenten mit Mahler so schwer (oder besser so pauschalisierend leicht)? Schuricht lässt hören, welche Kluften in dieser Musik stecken, wie sie im eigenen Gebälk ächzt und wie sie unter diesen Geburtswehen immer wieder Momente losgelöst abgeklärter Schönheit freisetzt. Das alles ohne erzwungene Attitüde, sondern einzig mit tiefem Verständnis für die musikalische Welt Mahlers. Haydn, der große Haydn, bestätigt dies durch seine Note für Note geistbeseelte Musik.

Annette Schlünz: – verstummen –; Daniel Peter Biró: Piutim; Roland Breitenfeld: Annunciazione; Gerald Eckert: Inschriften; Bernfried Pröve: Pulsation VIII; Olav Tzschppe, Schlagzeug; Zsigmond Szatmáry, Orgel. Edition Zeitklang ez-37035 (4032824000559).

Orgel und Schlagzeug – eine sehr reizvolle Kombination. Was an dieser CD ganz besonders gut gefällt, ist die große, intelligent vorgestellte Bandbreite. Die Komponisten fühlten sich spürbar von den klanglichen Möglichkeiten aus der Reserve gelockt. Und die Interpreten – Begegnung von zwei Generationen – gehen mit den Vorlagen ganz ungezwungen und mit großem Elan um. Von Anfang bis Ende spannend.

Rolf Riehm: aprikosenbäume gibt es; ahi bocca, ahi lingua; schlaf, schlaf, john donne, schlaf tief und quäl dich nicht; Theo Nabicht, Kontrabassklarinette; Ensemble Ascolta; Hilliard Ensemble; Ensemble Recherche.Cybele SADC 860.701

Drei ganz heterogene Begegnungen mit Sprache, mit Stimmlaut. Einmal die Sprachmelodie der dänischen Dichterin Inger Christiansen, dann ein erotisches Madrigal Monteverdis, schließlich Jossif Brodskijs Beschwörung des Renaissance-Dichters John Donne. Und Rolf Riehm stellt sich radikal den Herausforderungen. Klanglich scharf, deutlich, exaltiert und die Grenzen der gewohnten Textauseinandersetzung nervig intensiv ausweitend.  

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