„Das ist eine Basisförderung“

Es soll nun auch in Bayern ein Jugendensemble für Neue Musik geben


(nmz) -
In einigen Bundesländern gibt es schon eins: Jugendensemble für Neue Musik. Einen guten Namen konnten sie sich bereits vor allem in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Niedersachsen und Thüringen erarbeiten. Bei der Rheinsberger Pfingstwerkstatt Neue Musik 2013 der Musikakademie Rheinsberg wurde schließlich auch das Ensemble der Länder gegründet: Jugendensemble Neue Musik in Deutschland. Bayern fehlte bisher in diesem Kreis und hat auch sonst in der Neuen Musik den Nachwuchsinterpreten vor Eintritt ins Hochschulstudium wenig zu bieten. Das soll sich nun ändern – auf Initiative der beiden künstlerischen Leiter des aDevantgarde-Festivals für Neue Musik in München, des Komponisten Alexander Strauch sowie des Komponisten und Dirigenten Johannes X. Schachtner, der in Kürze den Bayerischen Kunstförderpreis 2014 in Empfang nehmen wird.
Ein Artikel von Reinhard Palmer

 Zu Ihnen stieß Musikjournalistin und Musikwissenschaftlerin Anna Schürmer, die als Projektleiterin des Landesjugendorchesters Thüringen und maßgebliche Mitgründerin des Thüringer Landesjugendensembles für Neue Musik reichlich organisatorische Erfahrung mitbringt und ebenfalls bereits über eine solche Initiative in München nachgedacht hatte.

„Das ist eine Basisförderung, die gemacht werden muss“, betont Strauch zur Motivation der Gründung. Erfahrungen mit den Ensembles in Thüringen und Niedersachsen hätten ihm die Idee schmackhaft gemacht. Dennoch strebe man etwas Eigenes an, ist sich das Leitungsteam einig. „Wir wollen ein Münchner Programm machen“, sagt Strauch und verweist auf die Einbeziehung der Zither ins Ensemble.

Schachtner, als künstlerischer Leiter des Ensembles und damit maßgeblicher Programmmacher, spricht von der Münchner Schule – Namen wie Wilhelm Killmayer, Heinz Winbeck und auch Moritz Eggert stecken grob den Rahmen ab. Wenn zum Konzept passend, seien aber auch Klassiker der Moderne nicht ausgeschlossen. Doch auch wenn der Fokus auf München deutlich herauszuhören ist, sollen Projekte nicht nur in München realisiert werden. Über eine Kooperation mit der Bamberger Villa Concordia werde konkret nachgedacht.

In Sachen Ensembleform hatte sich Schachtner für eine Sinfonietta-Besetzung entschieden, um kammermusikalischer arbeiten zu können. Das Instrumentarium soll zum Start Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn, Trompete, Harfe, Zither, Klavier, Schlagzeug, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass umfassen. „Was den Jugendlichen am ehesten fehlt, ist der Klang“, formuliert der Dirigent die Hauptaufgabe der Ensemblearbeit.

Man plane, „eine sehr kompakte Musik zu spielen“, formuliert Strauch in Hinblick auf die Stärkung des Zusammenspiels. Die Besetzung wird projektweise variieren, auch Erweiterung auf Vokalisten sei denkbar, heißt es. Im Gründungskonzert in der Black Box im Münchner Gasteig am 13. Juni 2015 im Rahmen des aDevantgarde-Festivals werden zunächst reine Instrumentalwerke von Volker Nickel, Isabel Mundry, Richard Ayres und eine Uraufführung von Birke J. Bertelsmeier auf dem Programm stehen. Aufträge an Komponisten sollen auch künftig zum Wirken des Unternehmens unbedingt dazugehören. Einstudiert wird das Programm vor allem in einer drei bis viertägigen Arbeitsphase, aber auch an einzelnen übers Jahr verteilten Probentagen.

Der Aufruf zur Bewerbung ist bereits an Teilnehmer von „Jugend musiziert“ sowie Musik- und Instrumentallehrer ergangen. „JU[MB]LE / jugendensemble für neue musik münchen – bayern“ sucht nun Nachwuchsmusiker zwischen 14 und 24 Jahren, die beim Probespiel am 11. Oktober 2014 die Juroren Hanno Simons (BR-Symphonieorchester), Moritz Eggert (Münchner Musikhochschule) und Stefan Blum (Leopold-Mozart-Zentrum Augsburg) von ihrem Können überzeugen sollen.

„Lust und Interesse, aber auch die nötigen Fähigkeiten“ seien Voraussetzung für die Aufnahme ins Ensemble, betont Schürmer, die jetzt schon eine Menge zu tun hat. „Da müssen Strukturen aufgebaut werden“, formuliert sie, und meint Netzwerken, Förderanträge, Kooperationsgespräche und nicht zuletzt Präsenz in sogenannten sozialen Netzwerken, in denen es längst viel Zuspruch und Begeisterung für die Idee gibt.

  • Probespiel am 11. Oktober ausgeschrieben

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