Denk ich an Chor ...

… mit Volker Hempfling


(nmz) -
Herr Hempfling, Sie sind lange „im Geschäft“ – als Dirigent, als Hochschullehrer, als Herausgeber von Noten, als Juror … Was scheint Ihnen im Frühjahr 2011 an der Chorszene in Deutschland besonders bemerkenswert?
Ein Artikel von Robert Göstl, Volker Hempfling

Viele Kolleginnen und Kollegen trauen sich wieder, teilweise ganze Konzertprogramme mit Volksliedern zu gestalten, und die Resonanz des Publikums ist immer sehr positiv! Auch und gerade junge Menschen lassen sich von pfiffigen, neuen Arrangements ansprechen, haben aber auch konventionellen Sätzen gegenüber keinerlei Berührungsängste. Die Qualität der Stücke macht den Unterschied in der Akzeptanz beim Hörer und bei den Singenden – nicht die Frage „alt oder neu“.

Welcher Aspekt in Bezug auf das Chorsingen heute stimmt Sie besonders hoffnungsvoll?

Es gibt viele junge, neue Chöre mit oft sehr guten Chorleitern, die in technischer wie in musikalischer Hinsicht hohe Qualität bieten – es macht Freude, denen zuzuhören. Dabei steigt im Schnitt das Ausbildungsniveau der Chorleiterinnen und Chorleiter, und auch arrivierte Kolleginnen und Kollegen erkennen, dass ohne stetige Fort- und Weiterbildung heute nicht mehr viel zu erreichen ist. Kurse, Workshops und Seminare sind gefragter denn je, und die Szene lechzt nach guten Impulsen für alle Chorgattungen, besonders für Kinder- und Jugendchöre.

Und was würden Sie sofort anordnen, wenn Sie heute als Erster zum „Minis­ter für das Chorwesen in Deutschland“ ernannt würden?

Ich würde das Rad der Geschichte aus einem ganz persönlichen Blickwinkel heraus gerne wieder zurückdrehen auf die Zeit meines Berufsanfangs. Mit 20 Jahren konnte ich in Köln auf einer B-Stelle parallel studieren und habe in einer Grundschule meiner Gemeinde Musikunterricht gegeben:Am Lied haben wir Notenlehre, Rhythmus und alles, was dazu gehört, gelernt, nachmittags durfte ich die Besten in einer Singklasse zusammenfassen. Die Anordnung hieße deshalb: In jedem Kindergarten, in jeder Grund-, Haupt-, Real-, Gesamt-, Spezialschule und in jedem Gymnasium wird ab sofort täglich eine Stunde lang gesungen oder instrumental musiziert. Die Erzieherinnen und Lehrkräfte müssten dazu natürlich von Grund auf qualifiziert werden. Es wird zwar schwer umzusetzen sein – aber eigentlich würde ich auch gerne anordnen, dass alle Eltern ihren Kindern einfache Lieder vorsingen müssen und zumindest das Schlafengehen von einem Wiegenlied begleitet wird.

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese von Menschen zu lösende Aufgabe ist zur Vermeidung von Spam-Inhalten leider notwendig.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.

Ähnliche Artikel

  • Bereicherung statt Konkurrenz - Stefanie Fels-Lauer vom LandesJugendChor Saar im Gespräch
    02.07.2013 Ausgabe 7/2013 - 62. Jahrgang - Chorszene - Robert Göstl
  • Chor-Tipps 2013/07
    02.07.2013 Ausgabe 7/2013 - 62. Jahrgang - Chorszene - nmz-red
  • Multiplikation statt Fachkräftemangel - „Kinder.Chor.Stimme“– ein berufsbegleitender Lehrgang für Kinder- und Jugendchorleitung
    04.06.2012 Ausgabe 6/2012 - 61. Jahrgang - Chorszene - Christina Hollmann, Markus Lüdke
  • Zum Applaus flattern Hände in die Luft - Der Chorwettbewerb im Rahmen des Frankfurter Chorfests überzeugte mit neuen Kategorien
    02.07.2012 Ausgabe 7/2012 - 61. Jahrgang - Chorszene - Arne Reul
  • 13 Konkurrenten – ein gemeinsames Ziel - Profichöre als Förderer zeitgenössischer Chormusik: das europäische Netzwerk Tenso
    03.12.2012 Ausgabe 12/2012 - 61. Jahrgang - Chorszene - Robert Göstl