Der Berliner Septemberkalender klingt jetzt ganz neu

Monat der zeitgenössischen Musik: Lisa Benjes von der Berliner „field notes“-Kampagne im Gespräch


(nmz) -
Den ganzen September über findet in Berlin erstmals der „Monat der zeitgenössischen Musik“ statt. Unter diesem Dach versammelt die inm – initiative neue musik berlin im Rahmen ihrer „field notes“-Kampagne zahlreiche Akteure der Berliner Szene. Lisa Benjes ist seit einem Jahr bei der inm für die Kampagne verantwortlich, zuvor war sie als Leiterin des deutsch-französischen Fonds für zeitgenössische Musik „Impuls neue Musik“ tätig. Juan Martin Koch hat sie zum „Monat“ und zur Kampagne „field notes“ befragt.
Ein Artikel von Juan Martin Koch, Lisa Benjes

neue musikzeitung: Ist der „Monat der zeitgenössischen Musik“ eine neue Klammer für bereits bestehende Festivals und Initiativen?

Lisa Benjes: Ja, für all jene Akteur/-innen, Spielorte und Veranstalter, die sich mit der Zuschreibung zeitgenössische Musik identifizieren. Wir haben die Akteure schon sehr früh in die Planung des Monats eingebunden, um ihnen ausreichend Zeit zu geben, Programme für den Monat zu konzipieren. Somit kuratiert die Szene den Monat der zeitgenössischen Musik gewissermaßen selbst und entscheidet, wie sie sich präsentieren möchte. Wir bieten dafür die Strukturen, koordinieren die einzelnen Veranstaltungen und übernehmen die Kommunikation. Die Spannbreite der unterschiedlichen Strömungen wird dabei erstaunlich gut dargestellt: Von klassisch komponierter Musik über Soundinstallationen bis hin zu Echtzeitmusik ist alles dabei. Durch die Klammer kann diese Vielfältigkeit geschlossen nach außen kommuniziert werden. Wir haben eine Art Logo entwickelt, das wir allen Beteiligten zur Verfügung stellen. Aufgrund der diversen Ausrichtungen der einzelnen Akteur/-innen waren wir uns zunächst nicht sicher, ob dieser Überbau angenommen würde. Doch zeigte sich schnell, dass fast alle das Angebot annehmen wollten.

nmz: Aber Sie sind auch selbst initiativ geworden, nehme ich an…

Benjes: Wir haben über diese freie Beteiligung hinaus für die Eckdaten des Monats besondere Absprachen mit Ensembles und Spielorten getroffen. Mit der Leitung des ensemble mosaik haben wir entschieden, das Porträtkonzert von Svensson und Beil unter der Leitung von Enno Poppe auf den ersten September zu legen und somit den Auftakt des Monats zu geben. Ähnlich lief es bei dem Doppelabschluss des Monats mit einem Konzert des Ensemble KNM Berlin einerseits und einem Gemeinschaftskonzert des Zafraan Ensemble mit dem Solistenensemble Phønix16 andererseits. Zudem haben wir zusammen mit dem ACUD, einem interdisziplinären Veranstaltungsort, die „Party des Monats der zeitgenössischen Musik“ ausgeklügelt. Im Rahmen des Monats findet außerdem unser zweites Künstlergespräch statt, der sogenannte „Perspektivwechsel“. Diesmal haben wir uns mit dem Musikfest Berlin zusammengeschlossen, das eine Uraufführung von Rebecca Saunders präsentiert. Bei dem Gespräch werden sie und der Videokünstler Ed Atkins über Musikalität in der Sprache in ihren jeweiligen künstlerischen Arbeiten sprechen.

nmz: Wie will „field notes“ über diesen Monat hinaus eine „Steigerung der Sichtbarkeit der Neuen Musik in Berlin“ erreichen?

Benjes: Der Monat der zeitgenössischen Musik ist nur die Spitze des Eisbergs. Wir gehen davon aus, dass Berlin über ein sehr interessiertes Publikum verfügt, was sich im Laufe unserer Arbeit mehrfach bestätigt hat. Wer sich allerdings außerhalb der Neue-Musik-Kreise bewegt, hat es oft schwer, an Informationen zu gelangen oder sich einen Überblick über das Angebot zu verschaffen. Daher haben wir mit „field notes“ eine langfristige Informationsplattform aufgebaut. Auf der neuen Website geben wir dem Publikum neben Veranstaltungshinweisen auch Hintergrundinformationen über die Kunstsparte und die Szene an die Hand. Alle zwei Monate erscheint das field notes Magazin, in dem wir einen Überblick über die Geschehnisse bieten, die Szene vorstellen und in den Leitartikeln aktuelle Diskurse aufgreifen. Im Rahmen der Kampagne werden zudem öffentliche Proben gefördert, um dem Publikum Einblicke in Entstehungsprozesse zu gewähren und damit ein besseres Verständnis für die Werke zu vermitteln. Bei unseren Künstlergesprächen laden wir Literaten, Philosophinnen und bildende Künstler dazu ein, mit Komponistinnen über Gemeinsamkeiten und Differenzen im künstlerischen Schaffen zu sprechen. Schließlich wird ein wichtiger Teil des Programms der Stärkung der Szene selbst gewidmet: Zur Professionalisierung der Akteure bieten wir ein Beratungsangebot und koordinieren langfristig geplante Veranstaltungstermine der Stadt und weisen auf Überschneidungen terminlicher und inhaltlicher Art hin. All dies ist schon in den vergangenen Monaten initiiert worden und wird auch über den Monat der zeitgenössischen Musik hinaus bestehen.

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