Die Geister, die ihn ehrten

Ferchows Fenstersturz 2013/09


(nmz) -
Unverschämt, was sich Bambi-Preisträger bieten lassen müssen. Opfern Schweiß und Schwarzgeld einem guten Werk. Zum Beispiel der Integration. Und da glauben Sie doch nicht ernsthaft, sehr geehrte Damen und Herren, dass der Bambi-Preisträger für Integration 2011 einer Gangsterfamilie angehört oder öffentlich zum Mord aufruft? Das ist doch nur ein großes Missverständnis. Also Klärung.
Ein Artikel von Sven Ferchow

Erstens: Dass der Bambi-Preisträger für Integration 2011 einem Berliner Unterwelt-Clan angehört, ist absurd. Da gründen ein paar Araber einen Bridge-Klub und prompt ist man kriminell, weil man dem armen Pack ein bisschen unter die bewaffneten Arme greift. Kamen doch mit nix hier an, die schiechen Teufel. Und damit sie es gemütlicher haben, erledigt der Bambi-Preisträger für Integration 2011 gegen ein kleines Bakschisch eben die Behördengänge. Für Stütze und so. Und wer profitiert wieder am meisten? Die Berliner. Ein Puff hier, ein Waffengeschäft da. Das ist doch gelebte Integration. Unsereins hilft den erblindeten Gastarbeiter-Rentnern doch nur über die Straße, wenn gerade der MAN-Megaliner gen Zebrastreifen brettert. Der Bambi-Preisträger für Integration 2011 ackert da, wo es weh tut. Kein tuntiges Rosenverteilen in der Fußgängerzone, liebe Spitzenkandidaten.

Was uns zu „Zweitens“ bringt: In einem jüngst veröffentlichten Song soll der Bambi-Preisträger für Integration 2011 zum Mord an Politikern aufrufen und sie gar beleidigen. Serkan Tören möge ins Gras beißen, was symbolisch ja besser zu Claudia Roth passen würde. Die soll dafür einem Golfplatz (mit Löchern) gleichgemacht werden, auf dem man wiederum eher Serkan Tören von der FDP vermuten würde. Klaus Wowereit wird übrigens nur schwulenfeindlich beschimpft. Was ihn in der medialen Beachtung etwas untergehen lässt. Zudem wäre eine Morddrohung gegen Wowi sinnlos. Schließlich überlebt er mit der Mehdorn-Verpflichtung gerade seinen politischen Selbstmord. Mal ehrlich, liebe Hinterbänkler. Schon mal in Niederbayern am Stammtisch gewesen? Da werden jeden Abend relativ munter „de Drecksei“ (Politiker) „afghängt, gfotzt und an d’Wend gschdöid“ (aufgehängt, geohrfeigt und an die Wand gestellt).

Ist doch alles bloß Spaß. Und Spott. Und in dem dürfen übrigens neuerdings ganz legal und quasi auf richterlichen Zuruf sogar nationalsozialistische Symbole wie der Hitlergruß gezeigt werden (Amtsgericht Kassel). Endlich fruchten die Billionen-Ausgaben der Denazifizierung. Und überhaupt: Die Kunst ist frei und die Musik eine Kunstform. Darin ist der bewusste Tabubruch (gerne auch Vorurteil oder Spott genannt) als Stilmittel legitimiert. Oder wollen Sie Johann Strauss beim „Zigeunerbaron“ Rassismus unterstellen? Deswegen fordere ich, was dem Bambi-Preisträger für Integration 2011 längst gebührt: das Bundesverdienstkreuz. Auf dem Silbertablett. Mit Rasierklinge. Koksen doch alle, die Kameltreiber. Äh, war nur Spaß. Also Spott. Weil Schreiben eine Kunstform ist, in der…

Das könnte Sie auch interessieren: