Educating Artists im neuen Umfeld

Studienrichtung Jazz zieht in den Erweiterungsbau des Institutes für Musik um


(nmz) -
Ein überarbeitetes Curriculum, ein neues modernes Gebäude und eine neue Leitung des Studienprofils bringen nicht nur frische Ideen und Veränderungen, sondern auch Einheitlichkeit im Sinne der Ausbildung zum „Educating Artist“ in das Jazzstudium am Institut für Musik an der Hochschule Osnabrück.

Der moderne Erweiterungsbau wertet den Hochschulstandort Osnabrück entscheidend auf und bündelt erstmals die bisher weit verstreuten Unterrichts- und Konzertorte der Studienrichtung Jazz des Instituts an einem Campus. Die Studierenden der Studienrichtung Jazz finden hier einzigartige Lern- und Arbeitsbedingungen um das neu überarbeitete Curriculum zum „Educating Artist“ erfolgreich zu absolvieren. Dort wird bald auch ein gemeinsames Konzert mit der renommierten NDR Big Band stattfinden. Pianist Florian Weber ist nicht nur Professor für Jazz-Klavier am IfM sondern seit August 2021 auch festes Ensemblemitglied beim NDR. Mit seiner neuen Doppelrolle dient er den Studierenden als Vorbild eines modernen „Educating Artist“ für den die eigene Kunst und Lehre untrennbar miteinander verbunden sind und einander befruchten, ganz im Sinne der neuen Ausrichtung des Instituts

Die Studienrichtungskoordination hat Prof. Weber nun an seine Kollegin Prof. Anne Mette Iversen weitergegeben, die seither ihre eigenen neuen Akzente setzt und die Entwicklung der Studienrichtung Jazz weiter vorantreibt. Für sie ist das neue Curriculum ein moderner Ansatz, um Künstler und Lehrer zu werden, in einer Person vereint: „Wir glauben nicht an das ‚entweder-oder‘, die Trennung der beiden Tätigkeitsfelder. Tradition und Werte des Jazz sind das Teilen, die Interaktion und Improvisation, und nicht zuletzt eine Demut gegenüber der Musik, dieser Kunstform und ihrer Geschichte. In ihr ist die Kunst verwurzelt, sein Wissen weiterzugeben sowie das Verständnis, dass sich die Musik nur im Austausch von Erfahrungen weiterentwickelt und wachsen kann.“

Der neue Lehrplan ist sorgfältig ausbalanciert, um das Grundverständnis zu stärken, dass die bestmögliche Entwicklung des eigenen künstlerischen Potenzials unerlässlich ist, um ein erfolgreicher Lehrer zu werden - auf jedem Niveau.
So sind alle Lehrenden der Studienrichtung aktive Akteure der aktuellen Szene und Künstler mit sehr unterschiedlichen musikalischen Profilen, die eine große stilistische Bandbreite abdecken. Sie alle eint eine Passion für die Lehre, die sie als wichtigen, komplementären Teil ihrer eigenen künstlerischen Entwicklung begreifen. Sie dienen so als Vorbilder für die Studierenden als „Educating Artists“. „Unser Ziel ist es, wegzukommen von der Schulsituation und näher an das wirkliche Leben und die reale Szene“ sagt Iversen

Ein Beispiel sind die neu etablierten „Session Weeks“ mehrmals pro Semester, in denen die regulären Veranstaltungen ausgesetzt werden und die Studierenden und Lehrenden ausschließlich gemeinsam Sessions spielen, oder die „Performance Hour“ im Konzertsaal, die den Studierenden aller Studienrichtungen dreimal die Woche offen steht um ihre aktuellen Projekte zu präsentieren. Die neuen Proberäume im Neubau sind zudem alle per Dante/Ethernet mit der Regie des Tonstudios verbunden, das heißt es können potenziell nicht nur alle Konzerte, sondern auch Proben und Sessions gleichzeitig spontan mitgeschnitten und professionell weiterverarbeitet werden

Außerdem gibt es vermehrt Masterclasses mit nationalen und internationalen Gästen, die tagsüber mit den Studierenden arbeiten und meist abends im renommierten Blue Note ein Konzert geben, sowie wechselnde Ringvorlesungen, bei denen viele aktuelle Themen im Spannungsfeld von Musik und Gesellschaft präsentiert und diskutiert werden. So bietet das Institut für Musik in der Studienrichtung Jazz ein sehr praxisnahes, vielseitiges und modernes Lernklima, welches gleichzeitig aufgrund der übersichtlichen Größe des Studiengangs und dem vergleichsweise etwas höheren Durchschnittsalter der Studierenden als sehr familiär, unterstützend und fokussierend wahrgenommen wird, ohne die potenzielle Ablenkung einer Großstadt, aber gut vernetzt und mit relativ vielen Auftrittsmöglichkeiten in der Region.

 

Viele Auftrittsmöglichkeiten – und ein Bürgermeister in der Nacht

Trotz seiner überschaubaren Größe bietet Osnabrück vergleichsweise viele Veranstaltungs- und Auftrittsorte für Studierende des Instituts für Musik, das traditionell sehr eng vernetzt ist mit der Region. Von den durchschnittlich über 200 Konzerten pro Jahr mit Beteiligung des IfM sind regelmäßig 40 bis 50 dem Jazz zuzuordnen. Dabei ist es Teil des Studiums, dass Studierende lernen, sich aktiv in die Veranstaltungsszene einzubringen, Konzerte zu organisieren, zu bewerben, und gegebenenfalls Gelder zu akquirieren – oft mit Unterstützung des Musikbüros Osnabrück. Neben den regelmäßigen Abschlusskonzerten im Blue Note sind so mehrere Konzertreihen entstanden, zum Beispiel im Nussbaum-Haus, im Grand Hotel oder im Planeta del Sol, bei denen regelmäßig Studierende, Professoren und überregionale Gäste zusammen auf der Bühne stehen und sich einer breiteren Öffentlichkeit außerhalb der Hochschule präsentieren.

Gerade im Ausklang der Corona Pandemie ist es von großem Vorteil, dass Osnabrück als erste Stadt in Niedersachsen einen Nachtbürgermeister ins Amt gerufen hat. Der ehemalige Student des IfM kümmert sich aktiv um die Veranstaltungs- und Clubszene, vermittelt zwischen Veranstaltern und Künstlern, um so neue Auftrittsmöglichkeiten und -Orte zu erschließen, das kulturelle Angebot der Region vielfältiger zu gestalten und nicht zuletzt die Arbeitssituation der Musiker*innen zu verbessern.

Deep Listening in der neuen Jazz Sammlung

Bereits im letzten Jahr wurde der Jazzabteilung des IfM eine enorme private Sammlung von zirka 6.000 CDs, 1.000 LPs und hunderten MCs und DVDs gespendet, damit sie den Studierenden zugänglich gemacht werden kann. Derzeit werden die teils sehr raren Aufnahmen gesichtet und katalogisiert, damit sie zum Beispiel nach Titel, Interpret, Beteiligter Musiker etc. durchsuchbar und vielfältig zugänglich werden. Entstehen wird ein zentraler „Listening Room“, eine Hör-Bibliothek die für alle Studierenden zugänglich ist und vor allem die Möglichkeit bieten soll, in ruhiger, konzentrierter, entschleunigter Atmosphäre die essentiellen Alben der Jazzgeschichte zu studieren und hören zu lernen, historische Konzertmitschnitte anzuhören/-sehen und sich gemeinsam darüber auszutauschen – als Gegenentwurf zum aktuellen Trend des schnelllebigen, individuellen  Musikstreamings in meist schlechter Qualität. Die Sammlung soll ständig erweitert werden, etwa durch die aktuellen Alben der Lehrenden des IfM. Im Wintersemester 2022 wird das Archiv offiziell eröffnet werden mit einem feierlichen Konzert im Beisein der Witwe des verstorbenen Sammlers.

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