Ein Jubilar in Nordbayern

Hans Schmidt-Mannheim feiert seinen 75. Geburtstag


(nmz) -

Kaum zu glauben, dass dieser jugendfrische, graumelierte Herr aus Bayreuth schon seinen 75. Geburtstag feiern kann – wer Hans Schmidt-Mannheim kennt, wird bestätigen, dass dieser Kirchenmusikus seit Jahren sein Aussehen kaum verändert hat und mit seinem freundlich-erfrischenden Lächeln immer wieder und immer noch seine Gesprächspartner sogleich für sich einnehmen kann.

Ein Artikel von Alexander L. Suder

Wer wie ich den Vorzug hat, den Jubilar, der am 30. Januar seinen Ehrentag hat, schon über Jahrzehnte zu seinen Freunden zählen zu dürfen, der wird bestätigen, dass dieses überzeugende Lächeln aus seiner inneren Heiterkeit kommt, die es ihm immer ermöglichte, auch den ernsten und schwierigen Seiten des Lebens eine positive und freundliche Seite abzugewinnen.

Hans Schmidt ist Mannheimer (daher die von der GEMA gewünschte Namensergänzung), sein Geburtsjahr 1931 bewahrte ihn vor aktivem Kriegsdienst und ermöglichte ihm 1949 ein „Friedens-Abitur“. Noch im selben Jahr begann er sein Studium der Kirchenmusik, das er mit der B-Prüfung 1952 und der A-Prüfung 1962 abschloss. H.M. Poppen und Wolfgang Fortner waren seine wichtigsten Lehrer und schon ab 1950 widmete sich Schmidt der kirchlichen Praxis als Kantor und Organist, fest angestellt an der Konkordienkirche in Mannheim seit 1952. In dieser Zeit studierte er gleichzeitig Musikwissenschaft in Heidelberg und Mainz und legte den Grundstein zu seiner umfassenden musikalischen Bildung, die er seit dem 1. Januar 1968 der kirchenmusikalischen Ausbildung in Bayern zugute kommen ließ: Er wurde als Lehrer für diverse einschlägige Fächer nach Bayreuth an die evangelische Kirchenmusikschule berufen, die bald den Status einer Fachakademie erhielt und seit kurzem zur Hochschule für evangelische Kirchenmusik avancierte.

Von 1976 bis 1994 leitete Kirchenmusikdirektor Hans Schmidt dieses renommierte Haus, stets mit leisen Tönen, immer geschickt, dabei wirkungsvoll und erfolgreich. Sein Stil und seine Persönlichkeit prägten dieses Institut, das sich im Konzert der deutschen Ausbildungsstätten für Kirchenmusik einen guten Platz sichern konnte. Schmidts künstlerisch-pädagogisches Wirken strahlte aus, schon bald war er als Orgelsachverständiger gesucht, ebenso als Mitarbeiter bei Fachzeitschriften und Publikationsreihen und Autor für den Bayerischen Rundfunk. Chor- und Orgelmusik hat er als Bearbeiter und Herausgeber ediert.

Da konnte es natürlich nicht ausbleiben, dass auch die örtlichen Tonkünstler und Musiklehrer ihn für ihren Verband zu gewinnen suchten: Von 1973 an erfüllte er volle dreißig Jahre lang die Aufgaben des 1. Vorsitzenden des Tonkünstlerverbands Bayreuth. Zu Beginn musste der Verband aus seinem leisen Schlummer wieder erweckt werden, dann hat Hans Schmidt für Lebendigkeit mit seinen Aktivitäten gesorgt: Konzerte mit zeitgenössischer Musik, „Jugend musiziert“, Schülerkonzerte gehörten zum festen Programm. Und noch eine wichtige Bayreuther Institution verdankt ihm ihr Leben: Den ausgezeichneten Bayreuther Madrigalchor leitete er von 1970 bis 2003 und erwarb ihm einen weitreichenden Ruf, vor allem natürlich auf dem Gebiet der geistlichen Musik. Die Musik ad majorem dei gloriam steht bei Hans Schmidt im Zentrum aller seiner musikalischen Äußerungen, allerdings nie spektakulär und fordernd, sondern auch hier eher selbstverständlich und unaufdringlich. Dies zeigt sich ebenfalls in seinen Kompositionen, die Vokales und Instrumentales umfassen; so hat er für „seinen“ Chor geschrieben, aber auch für Orgel, Streicher und Bläser und für Kinderchor.

Für unseren Landesverband war er über ein Vierteljahrhundert ein hochgeschätztes Mitglied im Vorstand und hat seit den Zeiten Fritz Büchtgers (dort lernten wir uns kennen, daran kann ich mich noch gut erinnern) die Arbeit mit Rat und Tat kontinuierlich und konstruktiv begleitet. Sein ausgleichendes, ruhiges Wesen und sein sachlich orientierter Stil waren stets, gerade auch in den Zeiten gelegentlicher Spannungen im Landesverband, ein Gewinn. Interessanterweise konnte Hans Schmidt seinen Horizont durch Arbeitsaufenthalte im fernen Ausland beträchtlich erweitern: Seit 1980 war er wiederholt in Südafrika und hat dort als Chorleiter und Organist große Sympathien erlebt und auch noch nach 1998 Erfolge künstlerisch und beim Orgelbau erzielt. Sogar bis nach Indien reichte sein Wirkungskreis – 1994 war er Gastprofessor für Chorleitung und Musiktheorie in Aizawl (Mizoram). Im gleichen Jahr ehrte die Stadt Bayreuth ihn mit der Verleihung der „Bayreuth-Medaille“ in Silber, 1995 kam das Bundesverdienstkreuz am Bande dazu.

Hans Schmidts künstlerisches und pädagogisches Wirken stellt sich als umfassend und nachhaltig dar, unzähligen Schülern war er ein prägender Lehrer, für uns im Landesverband ein Kollege, dessen Rat man gern gesucht hat, und für Bayreuth bedeutet er eine Musikerpersönlichkeit, die zu den führenden der Stadt gehört. Für mich als Freund wurde die bisherige Zeit des Zusammenseins und der gemeinsam verbrachten Stunden und Tage zur Quelle der positiven Erinnerungen an ein harmonisches und ungetrübtes Erleben. So bleibt dem Freund und auch dem Chronisten nur der Dank für das Vergangene und der ganz herzliche Wunsch (natürlich mit dem ganzen Landesverband) für viele ungetrübte, erlebnisreiche, gesunde und harmonische Jahre!

Tags in diesem Artikel

Das könnte Sie auch interessieren: