Ein Löffelchen Zucker versüßt die Medizin ...

„Klavier aktuell“: Pilotprojekt an der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen


(nmz) -
Nichts Neues für Musikpädagog/-innen, deren tägliches Brot es ist, ihre Schülerinnen und Schüler immer wieder zu motivieren und anzuregen. Spielfreude und kreative Neugier wollen stets neu geweckt, technische Hürden übersprungen und musikalische Horizonte erweitert werden. Eine ebenso anspruchsvolle wie herausfordernde Aufgabe für all jene, die es sich zum Ziel gemacht haben, Kinder und Jugendliche zu begeistern: mit und für Musik.
Ein Artikel von Christina Hollmann, René Schuh

Doch damit nicht genug. Zunehmend strahlen die Folgen derzeitiger bildungspolitischer und gesellschaftlicher Veränderungen auch in den musikpädagogischen Bereich und fordern hier ein tiefgreifendes Umdenken. Die Integration des instrumentalen Unterrichts in die allgemein bildende Schule, neue Schulstrukturen, aber auch der vielfach von Schülerseite geäußerte Wunsch, aktuelle Musikstile und Strömungen in den Unterricht einzubeziehen, verlangen mehr denn je Flexibilität sowie kreative inhaltliche und methodische Konzepte.

Zugeschnitten auf die besonderen Bedürfnisse des Fachbereichs Klavier hat die Bundesakademie mit ihrem Pilotprojekt „Klavier aktuell“ erstmalig ein umfassendes Gesamtkonzept aufgestellt, das sowohl pädagogische als auch künstlerische Fragestellungen integriert. Ziel dieses berufsbegleitenden Lehrgangs ist die Vermittlung neuer Impulse und methodischer Werkzeuge für einen zeitgemäßen Klavierunterricht. Er soll Mut machen, sich in vielfältiger Weise mit allen Stilen der Klaviermusik zu beschäftigen: Elemente des freien Spiels, der Improvisation und des Arrangierens in Klassik, Jazz und Pop stehen im Zentrum dieser Neukonzeption.

Methoden zum kreativen Umgang mit Literatur aller Stilrichtungen, die Umsetzung und Entwicklung eigener musikalischer Gedanken, aber auch die für Schüler motivierende Übertragung populärer Musik auf das Klavier werden im Lehrgang praxisnah vermittelt und gemeinsam erprobt.

Denn ganz gleich ob Koordination oder Differenzierung, Anschlag oder Geläufigkeit, Verständnis für Strukturen und Gestalt: Musikalisches Lernen und spieltechnische Entwicklung können Mozart, Keith Jarrett, der aktuelle Charthit oder eigene Kreationen gleichermaßen bieten. Der bewusste und kreative Umgang mit den so verschiedenen musikalischen Stilen und das Verständnis für ihre Gemeinsamkeiten kann in spannender Weise das Spektrum des Klavierunterrichts erweitern.

Unabhängig von stilistischen Vorlieben und unterrichtspraktischen Aufgabenstellungen sind erfolgreiche Musikvermittlung und individuelle Förderung der Schüler stets eine Frage der methodischen Professionalität, der stilistischen Kenntnisse sowie der umfassenden fachlichen Kompetenz des Lehrenden. Aktuelle Aspekte des Unterrichts und des Unterrichtens gehören daher ebenso zu den vielfältigen Themenfeldern des fünfphasigen Lehrgangs wie Interpretation und kreative Spielpraxis, schülerorientierte Improvisation und Arrangement.

Neben dem Rearranging von Jazz- und Popstücken, dem Erfinden von Grooves und Begleitpatterns sowie dem praxisorientierten Einsatz von Musiksoftware soll auch gezeigt werden, wie Musikstücke in ihren Spielschwierigkeiten angepasst beziehungsweise für das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten eingerichtet werden können. Ein für die Schulpraxis besonders wichtiger Aspekt, da die ungleich höheren spielerisch-technischen Anforderungen der Klavierparts – im Vergleich zu den Mitspielern von Melodieinstrumenten – eine altershomogene Zusammensetzung von Schülerensembles allzu oft erschweren.

Diese komplexen Inhalte werden von einem hochqualifizierten Dozententeam vermittelt: Seine vielfältige Erfahrung auf dem Gebiet Jazz-Rock-Pop und Kenntnisse in fachspezifischen Vermittlungsmethoden bringt Philipp Moehrke in praxisorientierter Weise in diesen Lehrgang ein. Prof. Jörg Schweinbenz von der Universität der Künste Berlin eröffnet den Blick auf die mannigfaltigen Einsatzmöglichkeiten des Faches „Schulpraktisches Klavierspiel“ in den Instrumentalunterricht. Der Künstler als Pädagoge steht im Mittelpunkt der Arbeit von Peter von Wienhardt, Professor an der Hochschule für Musik in der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der damit einen Bogen zwischen Konzertsaal und Unterrichtsraum schlägt.

Mit ihrem Lehrgang „Klavier aktuell“ möchte die Bundesakademie gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern – dem Verband deutscher Musikschulen und der Hochschule für Musik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster – Impulse für einen zeitgemäßen Klavierunterricht vermitteln und Klavierpädagog/-innen bei aktuellen und zukünftigen beruflichen Herausforderungen begleiten und unterstützen.

Christina Hollmann, Dozentin
René Schuh, Direktor

Anmeldeschluss: 10. September 2010
Informationen: Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen
www.bundesakademie-trossingen.de
Tel: 07425/949 30

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