Ein religiöser Mystiker

Zum Tode des Pädagogen und Komponisten Dafydd Llywelyn


(nmz) -
München. Gesundheitlich angegriffen und doch für uns unerwartet starb Dafydd Llywelyn (ausgesprochen: Dahid Chuällin), der religiöse Mystiker aus Wales, wie er in der Klassikszene oft genannt wurde, am 25. März 2013. Am 2. April in der Aussegnungshalle des Nordfriedhofes fand für seinen Münchner Freundeskreis die Gedenkfeier, am 4. April seine Beisetzung in Randersacker bei Würzburg statt.
Ein Artikel von Gregor Arnsberg

München. Gesundheitlich angegriffen und doch für uns unerwartet starb Dafydd Llywelyn (ausgesprochen: Dahid Chuällin), der religiöse Mystiker aus Wales, wie er in der Klassikszene oft genannt wurde, am 25. März 2013. Am 2. April in der Aussegnungshalle des Nordfriedhofes fand für seinen Münchner Freundeskreis die Gedenkfeier, am 4. April seine Beisetzung in Randersacker bei Würzburg statt.
Seine Faszination ging für mich – ich durfte eine langjährige Klavierausbildung bei ihm genießen – von seiner großen Geduld und ungewöhnlich ruhigen Art aus, diffizile, komplexe Werke nahezubringen. Seine Fähigkeiten und sein umfangreiches Wissen inspirierten ebenso ausgebildete Konzertpianisten. Beispielweise spielte und spielt der hochkarätige Künstler Boris Berezovsky 1998 in seinen Klavierabenden Llywelyns „Time Quake“ und 2003 die „Fantasia apoplec-tica“ im Münchner Herkulessaal beziehungsweise im großen Saal des Amsterdamer Concertgebouw. Auf Tonträger gibt es von Berezovsky die Einspielung der „Mutata Concilia“ und auf DVD „Change of planes“. Auch andere Kollegen, z.B. die aus Georgien stammende Dudana Mazmanishvili, haben seine Werke als festen Bestandteil in ihr Repertoire aufgenommen. Sie spielte sein Klavierwerk „Erzengel Gabriel“ in der Carnegie Hall und bei weiteren Auftritten in Washington und Pennsylvania. Gegenüber den Komponistenkollegen, die eine völlig andere Schreibweise ihrer Werke bevorzugten, darunter jene Werke von Friedrich Scholz, zeigte Llywelyn sich als weltoffener Geist. Beide waren „Composer in residence“ während des Festivals im Münchner Süden, den Forstenrieder Musiktagen 1989– 2008. Als Konzertpianist und Interpret spielte er hier selbst eindrucksvoll sein Jugendwerk „Dies Irae“.
Sein letztes Zuhause im Münchner Westend, dem sogenannten „Glasscherbenviertel“, bezog er vor 30 Jahren. Kam man die steile, knarzende Treppe hinauf in den zweiten Stock, standen die Türen der beiden Apartments, die Llywelyn mit seiner Lebensgefährtin Hedi Schmitt bewohnte, fast immer offen. „Brahms hat schließlich auch im Herzen von St. Pauli gewohnt, ich befinde mich da in bester Gesellschaft. Da kann ich wenigstens spielen, so lange ich will, hier stört das niemanden.“
Für Dafydd war die Reise, „Gast zu sein auf Erden“, immer gegenwärtig. Eine andere Wahrheit, die in der trans-
zendenten Welt für ihn wohnte, bewegte ihn als spirituellen Geist immer tief. Für seine Münchner Freunde wird am 30.9. um 20 Uhr im Rahmen der Konzertreihe des Münchner Tonkünstlerverbandes „musica da camera“ in der Bayerischen Versicherungskammer ein Gedenkkonzert stattfinden, wo Llywelyns „Prayers and Lullabys“ in einem Klavierduo-Abend von meiner Kollegin Ludmila Kwan und mir zu hören sein werden.
Seine zeitlose, sphärische Musik werde ich gerne immer wieder weitertragen. Ich verneige mich vor seiner menschlichen und künstlerischen Lebensauffassung im Namen seiner Freunde, und blicke mit dankbarem Gefühl zurück, ihn als lebenslangen Freund gehabt zu haben.
  

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