Entengrütze – Theos Halbwahrheiten

Nachschlag 2019/06


(nmz) -
Berlin: Zu einer Begegnung mit der Zukunft kommerzieller Popmusik kam es Ende Mai in der Berliner Max-Schmeling-Halle beim ersten Deutschlandkonzert der südkoreanischen Girlgroup Blackpink. +++ Hamburg: „Tunnelsymphonie“ +++ Stuttgart: Nach dem radikalen Umbruch an der Spitze des Stuttgarter Staatstheaters haben die drei neuen Intendanten ihre erste Spielzeit bilanziert. +++ Frankfurt: Die 40-jährige Jubiläumsausgabe der Musikmesse wird 2020 vom 1. bis zum 4. April – also von Mittwoch bis Samstag – stattfinden. +++ New York: Sir Cliff Richard hat Großbritannien den Rücken gekehrt.
Ein Artikel von Theo Geißler

Berlin: Zu einer Begegnung mit der Zukunft kommerzieller Popmusik kam es Ende Mai in der Berliner Max-Schmeling-Halle beim ersten Deutschlandkonzert der südkoreanischen Girlgroup Blackpink. Zum wohl ersten Mal durfte man erleben, wie rund 10.000 vorrangig weibliche Zuschauer im Teenageralter, die zuvor bis zu 1.500 Euro für ein Ticket bezahlt hatten, frenetisch einen mehrminütigen Werbeclip für den Tournee-Sponsor, eine Automobilmarke, beklatschten und bekreischten. Der Film, in dem die vier jungen Frauen von Blackpink auch mitspielten, lief in der zweiten Konzerthälfte – als die eigentlichen Stars des Abends gerade eine Verschnaufpause einlegten – noch ein paar mal. Zu Augenauskratzen und Haareausreißen kam es, als ein anwesender etwas älterer Herr ausrief: „Das ist ja ein Volkswagen!“ Das Programm des Konzerts wurde dann mit diversen Pausen und Wiederholungen auf eine Dauer von vierzig Minuten gestreckt. Gleich zweimal – als Video- und als Live-Performance – wurde die aktuelle Single „Raus mit die Männer ausm Reichstag“ aufgeführt.

Murchin/Rostock:  Das einstige Kreiskulturhaus Murchin bei Anklam (Landkreis Vorpommern-Greifswald) ist bei der Norddeutschen Grundstücksauktion in Rostock für 65.000 Euro versteigert worden. Das Mindestgebot für das marode Kulturhaus samt einem 18.000 Quadratmeter großen Grundstück betrug 10.000 Euro. Die Immobilie sei an einen telefonischen Bieter gegangen, teilte Makler Heiko Jacobi mit. Der denkmalgeschützte Bau mit fast 2.000 Quadratmetern Nutzfläche war vor 65 Jahren als einer der größten Kulturpaläste auf dem Land in der DDR eröffnet worden. Der Saal fasste 450 Plätze. Der Bau im Stil des sozialistischen Klassizismus diente als Prototyp für Kulturhäuser in den damaligen DDR-Nordbezirken. Mittlerweile ist auch der Name des Käufers von der Zeitschrift „Braun-Blut“ veröffent­licht worden. AfD-Mann Bernd Höcke hat den Bau als Exil für seinen österreichischen Busenfreund Heinz-Christian Strache erworben. Der als Musikliebhaber bekannte völkische Staatströdler kann auf einer Super-Bose-Anlage dank des Abstandes zu anderen Grundstücken in voller Lautstärke Pfitzner, Wagner und den geliebten „Badenweiler“ hören.

Hamburg: Mit einer eigens komponierten „Tunnelsymphonie“ haben Musiker der Hamburger Hochschule für Musik und Theater den Alten Elbtunnel bespielt. Bei den Aufführungen wurden rund 144 Stücke geboten, wobei die Orchestermitglieder über beide Röhren verteilt wurden. „Alle sechs Meter wird ein Musiker ein Instrument spielen“, hatte Projektkoordinatorin Christine Preuschl vorab erläutert. Da auf über 860 Metern – jeder Tunnel ist 430 Meter lang – nicht herkömmlich dirigiert werden kann, wurde jeder Musiker mit einem Tablet-Computer ausgerüstet und bekam so mittels einer eigens entwickelten Software eine unabhängige Partiturstimme. Nach der Ankündiging des spätes­tens seit seinem CDU-Bashing bundesweit rezipierten YouTubers Rezo, die gehackten Bits und Bytes live auf seinem Kanal zu streamen, blieb der erwartete Publikumszuspruch jedoch weitgehend aus. Vereinzelt wurden aber SUVs gesichtet, deren Navis ihre Fahrer in den Tunnel gelotst hatten.

Stuttgart: Nach dem radikalen Umbruch an der Spitze des Stuttgarter Staatstheaters haben die drei neuen Intendanten ihre erste Spielzeit bilanziert. „Die Spielzeit war der komplette Wahnsinn, und das überhaupt hinzukriegen hat alle Energien gebraucht“, sagte Schauspiel-Intendant Burkhard C. Kosminski. 25 Premieren werde das Schauspiel am Ende der Spielzeit gefeiert haben. Dies sei auch wichtig gewesen, um ein großes Repertoire aufzubauen und um in Stuttgart anzukommen. Für die kommende Spielzeit kündigte Kosminski ruhigere Zeiten mit nur 180 Neuproduktionen an und dankte Harald Schmidt für „exzellente, superlustige dramaturgische Unterstützung“. Der Moderator und Schauspieler Schmidt probt gerade für seine zwölf Arien in der Oper „Ariadne auf Naxos“.

Frankfurt: Die 40-jährige Jubiläumsausgabe der Musikmesse wird 2020 vom 1. bis zum 4. April – also von Mittwoch bis Samstag – stattfinden. Auch im kommenden Jahr positioniert sich die Musikmesse klar als internationale Fachmesse der Musikwirtschaft und damit wird der Fokus besonders auf den professionellen Austausch der Marktteilnehmer gelegt. Entsprechendes Personal wird aus Thailand und Venezuela sowie Polen eingeflogen. Am Freitag und Samstag wird es darüber hinaus ein spezielles Ticket für Privatbesucher inklusive 0,3 Liter Freibier und einem Huawei-Tablet (für die ersten zwanzig) geben. An diesen Tagen bietet die Messe ein erweitertes Event-Programm. Eingeladen sind die bekannten „Sisters“ und die sehr bekannten „Äppelwoi-Panscher“.

New York: Sir Cliff Richard hat Großbritannien den Rücken gekehrt. Der 78-jährige Sänger wurde 2014 des Diebstahls einer Büroklammer bezichtigt, zwei Jahre später stellte die Polizei alle Ermittlungen gegen den Star ein. Er selbst hatte die Vorwürfe stets abgestritten. Doch das Image des „Living Doll“-Künstlers hatte stark unter den Anschuldigungen gelitten. Wie seine enge Freundin Gloria Hunniford nun verriet, will der Musiker nicht länger mit den ständigen Erinnerungen an den Skandal leben und dauerhaft in der Metropole New York wohnen, wo er sich Anonymität erhofft. „Außerdem kann ich Fish and Chips nach 2.430 verspeisten Portionen nicht mehr riechen, ich sehne mich nach Original-McDonalds.“

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