Erfolgreiches Miteinander der Institutionen

Die „Jugendakademie“ in Münster feierte zehnjähriges Jubiläum


(nmz) -
Am Anfang war es ein bundesweit einmaliges Pilotprojekt, inzwischen eine fest etablierte Institution von Westfälischer Schule für Musik und Musikhochschule: die „Jugendakademie“, die in Münster schon vor mehr als zehn Jahren heranreifte und sich seitdem um die Förderung musikalisch begabter Kinder und Jugendlicher sorgt. Erst einmal keine spektakuläre Sache, denn Förderung findet allerorten statt. In Musikschulen in kommunaler Trägerschaft nicht weniger als an den staatlichen Musikhochschulen. Was Münsters „Jugendakademie“ auszeichnet: Die Partner verschmelzen ihre je eigenen kreativen Qualitäten und pädagogischen Kompetenzen zu einem gro-ßen Ganzen und arbeiten eng verzahnt miteinander, um junge Menschen zu unterstützen, die sich (auch) musikalisch als besonders talentiert erweisen.
Ein Artikel von Christoph Schulte im Walde

Vorteil dieser Konstruktion: Der ganz normale Unterricht und die besondere, individuelle Förderung finden an ein und demselben Ort statt. Keine Flug- oder Bahnreisen von Münster nach Zürich, München, Hamburg oder Berlin, um professionelle Premium-Förderung in Anspruch nehmen zu können. Schüler/-innen bewegen sich in ihrem gewohnten sozio-kulturellen Umfeld, was sich positiv auswirkt auf das Miteinander von Ba-sisunterricht und dem Engagement zur Unterstützung einer besonderen Begabung. Die Grenzen zwischen universitärer Hochschule und Musikschule verschwimmen. Musiker/-innen, die von der Frühförderung profitiert haben und sich aktuell im Hochschulbereich weiter ausbilden lassen, geben ihre Erfahrungen weiter an die nächste Generation, kommen mit ihr in kommunikativen Austausch.

Das Projekt „Jugendakademie Müns-ter“ feierte Mitte Oktober seinen zehnten Geburtstag: mit drei bemerkenswerten, von Leitungsteam-Mitglied Gudula Rosa organisierten Konzerten von Lehrenden, ehemaligen und aktuellen Jungakademist/-innen sowie einer zweitägigen Fachtagung in der Katholischen Akademie Franz-Hitze-Haus mit Vorträgen, Diskussionen und Workshops.
Die Tagung stand unter dem Motto „Eltern. Wurzeln geben – Flügel verleihen“ und beleuchtete intensiv die Rolle der Eltern begabter junger Menschen. Wie kann man sie sensibilisieren, sie unterstützen? Und was können Institutionen wie Musikschule und Musikhochschule von Eltern lernen? Fragen, die bislang weitgehend nur am Rande thematisiert wurden. Einen inhaltlich guten und charmant formulierten Impuls gab Ulrich Mahlert, Professor an der Berliner Universität der Künste, mit seinem Eröffnungsvortrag unter dem Titel „Resonanz und Freiheit. Zur Bedeutung der Eltern für die musikalische Ausbildung ihrer Kinder“. Erkenntnisse im Hinblick auf (Früh-)Förderung mit dem Blickwinkel sowohl von außen als auch von innen lieferte eine Podiumsdiskussion mit zwei Jungstudierenden, mit Ulrich Rademacher (Bundesvorsitzender des VdM), Matthias Sakel (Institut für künstlerische Nachwuchsförderung folkwang junior Essen) und Wolfgang Linke vom Förderverein der Westfälischen Schule für Musik in Münster. Friedrun Vollmer als Direktorin der Westfälischen Schule für Musik übernahm die Moderation. Die Fachtagung mit hochkarätigen Expertinnen und Experten thematisierte Fragen wie „Wie übe ich mit meinem Kind“, „Kommunikation mit Eltern – speziell für Lehrende“, „Distanz und Nähe – ein Spannungsfeld im Miteinander von Lernenden, Lehrenden, Eltern und Institutionen“, regte aber auch die Kreativität der Teilnehmer/-innen an, selbst neue Ideen zu entwickeln, die im musikpädagogischen Alltag zu erproben sind.

Engagierte Menschen, die bereits seit vielen Jahren in Frühförderinstituten tätig sind beziehungsweise diese leiten, Pädagoginnen und Pädagogen aus Münster und Umgebung, aber auch aus Rostock, Mannheim, Dresden, Berlin, Würzburg, Graz und weiteren Städten kamen zusammen, wobei der spezielle Charakter der „Jugendakademie“ in Münster noch einmal deutlich wurde. Friedrun Vollmer unterstrich, es sei – angesichts der Erfahrungen der Kolleg/-innen an anderen Standorten – keineswegs selbstverständlich, dass man in Münster in großem Einvernehmen, auf Augenhöhe und ohne jegliche Berührungsängste miteinander kooperiere. „Am Anfang stand der bewusste politische Wille des Oberbürgermeisters der Stadt Münster und des Rektors der Universität zu dieser Zusammenarbeit, ein klares Bekenntnis zu diesem Projekt als gemeinsame Unternehmung von Stadt und Uni. Und dies trägt zur Aufwertung des Standortes bei“, so Friedrun Vollmer.

Konsens während der Tagung: Man wolle als Frühförderungsinstitute miteinander im Gespräch bleiben und die Vernetzung intensivieren. Aber auch der Austausch und die gleichberechtigte Zusammenarbeit mit den öffentlichen Musikschulen kann noch deutlich optimiert werden.

 

Das könnte Sie auch interessieren: