Geschüttelt, nicht gerührt

Von Mozart inspiriert: Klavier-Trio als musikalisches Würfelspiel


(nmz) -
Helmut Schmidinger: Geschüttelt, nicht gerührt. Ein musikalisches Spiel mit Würfeln für Violine, Violoncello und Klavier. Doblinger D 37 216, ISMN M-012-19723-2 (2006)
Ein Artikel von Werner Ludwig Merkle

Zunächst denkt man bei dem irreführenden, aber griffigen Titel an die Vorliebe James Bonds, den Martini zu genießen. Jugendliche Musikschüler haben aber hoffentlich andere Lieblingsgetränke! Hinter „Geschüttelt, nicht gerührt“ verbirgt sich vielmehr ein Kompositionsauftrag des Österreichischen Landesmusikdirektoriums. Die Vorgaben waren ein Mozartbezug sowie die Spielbarkeit für junge Musikschüler. Der Komponist beschränkt sich bei den Streicherstimmen des Klaviertrios ausdrücklich auf die erste Lage, was bei Streicherpädagogen das erste und vielleicht zweite Ausbildungsjahr assoziiert. Die rhythmische Struktur, die dynamisch-expressiven Anforderungen dieses Werkes sind meines Erachtens von jungen Instrumentalisten ja, kaum jedoch von Anfängern zu bewältigen. Helmut Schmidinger ließ sich durch Mozarts „Musikalisches Würfelspiel“ inspirieren; als „Motivpool“ diente das Triofragment KV Anhang 51. Diese, später Aleatorik genannte Möglichkeiten der Anordnung und Organisation von Motiven, nimmt der Komponist selbst wahr und nicht die Ausführenden; will sagen: Aleatorik als Kompositionstechnik – nicht als mögliche Aufführungspraxis! Das 2006 von Doblinger verlegte Stück lässt die Akteure bei überwiegend traditioneller Notation mit neuen Spieltechniken am Instrument und mit dem Würfelbecher dynamisch differenziert agieren. Interessant! Lohnend für junge, aber fortgeschrittene Kammermusiker (U2–M1).

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