Im Westen was Neues


(nmz) -

Während sich öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten im Osten, Norden und Süden der Republik in Widerspruch zu ihrem Kulturauftrag unrühmlich hervortun mit Beschneidungen ihres Programmangebots oder ihrer Klangkörper, geschehen im Westen Zeichen und Wunder und startet der WDR Köln eine neue Konzertreihe mit neuer Ensemblemusik.

Ein Artikel von Rainer Nonnenmann

Über die laufende Spielzeit verteilt präsentieren sechs Konzerte im Rahmen von „ensembl[:E:]uropa“ verschiedene europäische Spitzenensembles der neuen Musik, um hierzulande bisher wenig beachtete Formationen vorzustellen. Mit ihrem jeweils eigenen Stil, ihren länderspezifischen Konzertideen, Spezialitäten und Werken sollen die Ensembles die Programme hiesiger Musiker ergänzen und im Gegenzug neue Stücke von Komponisten aus NRW uraufführen und mit in die Konzerte in ihren Heimatländer aufnehmen, um auf diese Weise für Grenzen überschreitenden musikalischen Austausch zu sorgen.

Angesichts der Vielzahl an Ensembles in der wachsenden EU und darüber hinaus in ganz Europa kann man der Veranstaltung nur einen langen Atem wünschen.

Nachdem im Kölner Funkhaus bereits das „Kammerensemble Neue Musik Berlin“, das „Ensemble Recherche“ aus Freiburg und das „Cikada Ensemble“ aus Oslo gastierten, kommt am 9. Februar die erste Blaskapelle für neue Musik „Windkraft Tirol“ unter anderem mit Uraufführungen von Johannes Maria Staud und Caspar Johannes Walter. Zuvor bringt bereits das Festival Neue Musik Stuttgart „Eclat“ vom 1. bis zum 4. Februar im Stuttgarter Theaterhaus Uraufführungen von Enno Poppe, Jürgen Palmer, Johannes Schöllhorn, Manfred Trojahn sowie neue Musiktheaterprojekte von Jürgen Muck, Jens Joneleit und eine Theater-„Karambolage“ auf neue Kompositionen von Andreas Dohmen, Jörg Widmann, Hanspeter Kyburtz und Matthias Pintscher, die auf eine Idee des Festivalleiters Hans-Peter Jahn zurückgeht, der auch die Gesamtkonzeption und Inszenierung übernimmt. Die Münchner Reihe „musica viva“ des Bayerischen Rundfunks schließlich bietet am 23. Februar neue Orchesterwerke von Carsten Hennig, Gerhard Stäbler und Enno Poppe. Letzterer ist der Komponist des Monats: mit dem einen seiner zwei groß besetzten Uraufführungen, dem neuen Chorstück „Gold“ für Stuttgart, erreicht seine Materialien-Serie „Holz“, „Knochen“, „Scherben“ und „Öl“ eine ganz neue Preisklasse.

Weitere Uraufführungen:
02.02.: Nicolaus A. Huber, schwirren flu:xs (und Selbstbildnis) für Orchester, Konzerthaus Berlin
02.02.: Tatjana Komarova, Triple Concerto für drei Violoncelli und Orchester, Tonhalle Düsseldorf
04.02.: Isabel Mundry, falten und fallen für Hammerklavier und Streichquartett, Mozartwoche Salzburg
11.02.: Michael van der Aa, Mask für Ensemble und Tonband, musikFabrik im WDR Köln
16.02.: Beat Furrer, Enigma für Chor a cappella nach einem Text von Leonardo da Vinci, Graz
21.02.: Dieter Schnebel, Erinnern – Wiederholen – Durcharbeiten für Streichquartett und Stimme, Konzerthaus Berlin
21.02.: Wolfram Wagner, Konzert für Violine und Orchester, Konzerthaus Wien
27.02.: Hannes Raffaseder, imPuls für Streichorchester, Konzerthaus Wien

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