Im Zeichen vollendeten Hornklanges

Musikalisch-literarische Soiree im Potsdam-Museum mit Elsa Schindler, Sophie Tangermann und Jovan Mitic


(nmz) -
Eine der traditionsreichen musikalisch-literarischen Soireen Im Potsdam-Museum flankierte am Wochenende die aktuelle Ausstellung „Potsdam unter dem Roten Stern“. In der klassischen Horntrio- Besetzung trafen Elsa Schindler (Horn), Sophie Tangermann (Violine) und Jovan Mitic (Klavier) zum faszinierenden Gesamtklangerlebnis zusammen.
Ein Artikel von Matthias Müller

Alle drei Instrumentalisten haben nach erfolgreichen Musikabschlüssen und Wettbewerbsteilnahmen eine feste und einflussreiche Stellung an der Magdeburgischen Philharmonie. Eröffnet wurde der Musiknachmittag mit der 2. Violinsonate von Sergej Prokofjew.

Den musikwissenschaftlichen Erörterungen des Musikwissenschaftlers, Filmmusikexperten und Komponisten Wolfgang Thiel folgend, hatte Prokofjew eine ursprüngliche Flötensonate auf Drängen von David Oistrach für die Violine umgeschrieben. Heraus kam ein viersätziges Meisterstück aus dem Entstehungsjahr 1943 voller rhythmischer Finesse, klassisch strukturiert, ohne elegisch, schwelgerische Momente auszusparen. Enorme Spielfreude bewies das Violinduo mit wechselnden Akzenten von der Geige zum Klavier – ein wahrer Ohrenschmaus.

Es folgte die Uraufführung ­„STRESSando“ für Horntrio von Wolfgang Thiel. Dass sich Stress im herkömmlichen Begriffsinhalt nicht bemerkbar machte, lag an der Kompositionsweise, in der sich klare Linien und melodiöse Passagen mit schroffen Gegensätzen abwechselten.

Prof. Thiel, der lange Jahre Direktor der städtischen Musikschule in Potsdam war, kennt die Literaturprobleme für die Horntriobesetzung aus erster Hand. Die wenigen Werke – hier zuallererst Johannes Brahms – sowie einige zeitgenössische Horntrios oder großangelegte romantische Meisterwerke weniger bekannter Komponisten sind für Musikschüler häufig zu schwer und umfangreich. Das hier er­klungene Werk ist ein gelungener Kompromiss zwischen „zu schwer und zu lang“. In dem pointierten zirka zehnminütigem Werk – im Satzaufbau Moderato – Molto – bis Agitato – war viel Effektvolles vereint. „STRESSando wurde enthusiastisch begrüßt und eine spontane Wiederholung vom Publikum erklatscht. Ein vorwärts drängendes und gefühlsmäßig zwingendes Opus, das  auch Nachwuchshornisten zur Zufriedenheit gelingen kann.

Der Konzertnachmittag mündete in das „Horntrio an sich“. Johannes Brahms’ Trio in Es-Dur op. 40 ist das „muss“ jedes guten Hornspielers und Else Schindler zeigte sich als vollendete Meisterin. Sauberer Tonansatz, zu vernachlässigende allerkleinste Tongestaltungs-Wackler bei sauberem Zusammenwirken aller drei.

Wen beim „Finale Alleg­ro con brio“ die atemlos machenden Hornpassagen unberührt lassen, der kann nur bedauert werden. Ein musikalisch erfüllender, sehr gut besuchter Nachmittag.

 

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