Inklusion an Berliner Musikschulen von immer größerer Bedeutung

Aktivitäten an der Landesmusikakademie Berlin


(nmz) -
In Folge der Potsdamer Erklärung des Verbands deutscher Musikschulen zur Inklusion am 16./17. Mai 2014, beginnen die Berliner Musikschulen, sich mit wachsendem Bewusstsein und Interesse des Themas Inklusion anzunehmen.
Ein Artikel von Joachim Litty

So war es eine folgerichtige Konsequenz, an die Landesmusikakademie Berlin (LMAB) den Wunsch heranzutragen, die Inklusions-Thematik vertiefter aufzubereiten, was sich im Jahresprogramm 2015 in den zwei Angeboten „Praxisorientierte Einführung in eine inklusive Musikpädagogik“ (17./18. April 2015) unter Leitung von Robert Wagner (MS Fürth) und Claudia Schmidt (MS Bochum/Uni Dortmund) sowie einem „Fachtag Inklusion“ (6. Juni 2015) unter Beteiligung diverser Dozentinnen niederschlug.

Den Fachtag eröffnete Professor Dr. Elke Josties (Alice Salomon Hochschule/Berlin) mit Diskussionsthesen und Fragestellungen, die den versammelten Kreis auch zu kritischer Reflexion eigener Haltungen ermunterte.

Neben der generellen Forderung, den Begriff Inklusion – wird er nun als Etikett, Markenzeichen oder Trend verwandt – immer wieder kritisch zu hinterfragen, stand die Aufforderung, sich in der musikalischen Bildung dem Menschenrecht der Teilhabe aller am kulturellen Leben zu verpflichten. Dafür sollten Wege aus den „Nischen“ der Exklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen entwickelt werden, aber auch Spielräume bereitgehalten sowie Experimentierräume ermöglicht werden, um dabei auch immer wieder Unkonventionelles anzuerkennen. Spannend dabei ist für jede Pädagogin und jeden Pädagogen, die eigene Haltung gegenüber Beeinträchtigungen zu überprüfen und eigene (Berührungs-)Ängste zu erkennen.

Besteht die Bereitschaft, „selbstverständliche“ musikalische Normen, Qualitäts- und Leistungsansprüche zu überprüfen beziehungsweise in Frage stellen (zu lassen) und eigene Anteile an „Otheringprozessen“ sowie eigenen Machtinteressen zu erkennen und hinterfragen (zu lassen)? So kann die intensivierte Auseinandersetzung mit der Inklusionsthematik eine Reflexionsdynamik in Gang setzen, die im Gegenüber, ob beeinträchtigt oder nicht, neue spannende Konturen und Facetten entdecken lässt.

Schon im Jahr 2014 wurde in der LMAB die besondere Bedarfslage von Schwerhörigen und Gehörlosen mit dem Angebot „Unerhört! Musik spüren und sehen … Musikalische Arbeit mit hörgeschädigten Kindern“ für eine erweiterte Zielgruppe berücksichtigt, was  2015 mit „Unerhört – und anders gehört. Musik mit Cochlea-Implantat-tragenden Kindern“ seine Fortsetzung finden wird.

Aus den Fachdebatten innerhalb der Kurse und Tagungen schälen sich Fragestellungen heraus, die für ein Gelingen von inklusivem Handeln an den Berliner Musikschulen einer Klärung zugeführt werden müssen. Es bedarf einer Orientierung und Einigung zwischen den Positionen, ob denn Inklusion nach dem Motto „einfach loslegen“ voraussetzungslos angegangen werden kann, oder erst entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen sind. Die Klärung fachlicher Fragen und ein Erfahrungsaustausch könnten durch Fortbildungen und Netzwerke geleistet werden, deren Koordination und Entwicklung durchaus von der LMAB zu leisten sind. Damit ließen sich dann  Verbindungen zwischen dem Wissen aus Schulmusik, Sonderpädagogik und Musikschulen an einem Ort ermöglichen.

Das könnte Sie auch interessieren: